Burkhards

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Burkhards
Stadt Schotten
Koordinaten: 50° 27′ 44″ N, 9° 12′ 10″ O
Höhe: 382 (383–400) m ü. NHN
Fläche: 12,26 km²[1]
Einwohner: 428 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 35 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Eingemeindet nach: Gedern
Postleitzahl: 63679
Vorwahl: 06045
Blick auf Burkhards im Niddertal
Blick auf Burkhards im Niddertal
Evangelische Kirche
Unterdorfbrücke in Burkhards

Burkhards ist ein Stadtteil von Schotten im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt eingebettet im Niddertal am südlichen Rand des Vogelsberges südöstlich des Hauptortes und grenzt an den Wetteraukreis. Durch Burkhards fließt die Nidder. Von Nord nach Süd führt die Kreisstraße 141 mit dem Straßennamen Niddergrund. Durch die gute Ausgangslage zum Hoherodskopf und Taufstein im Norden sowie der am Ort vorbeiführenden Bonifatiusroute von Mainz nach Fulda ist Burkhards ein beliebter Ort für Wanderer und Pilger. Westlich von Burkhards grenzt der Hillerswald, durch den der Hillersbach fließt, und in Östlicher Richtung der Heegwald mit der höchsten Erhebung von Burkhards dem Gaulskopf (540 m). Das Klima ist im Sommer durch die Höhe sehr mild und im Winter rau und schneereich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahre 1011 im Codex Eberhardi mit dem Ort Schwickartshausen als Burchardesrode.[3] Genannt wurde eine Kirche. Der Ortsname leitet sich vom Gaugrafen der Wetterau, dem Grafen Borchart (Burkhard) ab, der um das Jahr 817 lebte. Dieser schenkte dem Kloster Fulda unter seinem Abt Ratgar sein Land an dem Fluss Nitorn.[4] Nach Steen ist dieses Territorium mit dem Gebiet „iuxta fluvium Nitorn“ (nahe bei der Nidder) identisch mit Burkhards.[5]

Eine spätere Form des Ortsnamens um 1160 war Burchartes.[6]

Im Jahr 1311 wurde Burkhards ein eigenständiges Gericht. Seine Geschichte war eng mit der des Gerichts Crainfeld verknüpft. Am 2. September 1419 wurden die Dörfer und Gerichte Burkhards, Crainfeld, Eschenrod, Herchenhain, Kaulstoß und Schmalenbach von Hermann II. von Buchenau, dem damaligen Verweser und späteren Abt des Klosters Fulda, an die Brüder Johann II. und Gottfried IX. von Ziegenhain-Nidda für 300 Gulden verpfändet.[7]

Nach einer Kapelle wurde im 14. Jahrhundert eine Kirche erbaut, die aber 1754 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Sofort wurde ein neues Gotteshaus errichtet.

1826 gab es noch sechs Mühlen und acht Wirtshäuser in der Gemarkung Burkhards. Buchwalds Mühle wurde 1854 genannt.

Am 31. Dezember 1971 wurde Burkhards in die Stadt Gedern eingegliedert. Als sich zeigte, dass diese im Wetteraukreis verbleiben wollte, wurden die Vogelsbergorte Burkhards, Kaulstoß und Sichenhausen am 1. August 1972 in die Stadt Schotten, die in den Vogelsbergkreis wechselte, umgemeindet.[8]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Burkhards unterstand im Überblick:[9][1]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Burkhards das Amt Lißberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Burkhards viel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[17]

Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Burkhards kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda.[18] Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst[19] und Burkhards dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1961: 493 evangelische und 14 katholische Einwohner
Burkhards: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2010
Jahr  Einwohner
1791
  
608
1834
  
669
1840
  
651
1846
  
631
1852
  
718
1858
  
601
1864
  
613
1871
  
531
1875
  
516
1885
  
513
1895
  
534
1905
  
507
1910
  
489
1925
  
494
1939
  
499
1946
  
688
1950
  
619
1956
  
543
1961
  
507
1967
  
494
1970
  
480
2004
  
479
2010
  
436
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[12]; Einwohnerzahlen nach 2000: [20]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burkhards besitzt zwei Restaurants und einen Kindergarten. Ein Sportplatz mit Festplatz und eine Grillhütte befinden sich im Norden des Ortes.

In der Ortsmitte steht die evangelische Kirche.

Söhne und Töchter von Burkhards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Richter: Burkhards und Kaulstoß, zwei oberhessische Dörfer. Eine rassenkundliche Untersuchung (= Deutsche Rassenkunde/Forschungen über Rassen und Stämme, Volkstum und Familien im Deutschen Volk, hg. v. Eugen Fischer, Bd. 14), Jena 1936.[21]
  • Literatur über Burkhards in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Burkhards, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Zahlen - Daten - Fakten der Stadt Schotten, abgerufen im April 2016.
  3. Zur Datierungsproblematik siehe dort.
  4. Heinrich Meyer zu Ermgassen, Codex Eberhardi. Band 2, Marburg 1995-2007, S. 212, Nr. 182.
  5. Jürgen Steen, Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial- und Agrargeschichte in der Wetterau. Studien zum Verhältnis von Landnahme und Kontinuität am Beispiel einer Randlandschaft des Merowingerreichs, Ffm 1979 = Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main XIV, S. 158.
  6. Heinrich Meyer zu Ermgassen, Codex Eberhardi. Band 2, 303, 324 f.
  7. Ludwig Baur, Hessische Urkunden Bd. 4, S. 58 f, Nr. 71.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352 und 353.
  9. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  10. Martin Röhling: Niddaer Geschichtsblätter. Heft 9. Die Geschichte der Grafen von Nidda und der Grafen von Ziegenhain. Hrsg.: Niddaer Heimatmuseum e. V. Im Selbstverlag, 2005, ISBN 3-9803915-9-0, S. 75, 115.
  11. Die Zugehörigkeit des Amtes Nidda anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567-1604, Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604-1638 und Hessen-Darmstadt 1567-1866
  12. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 203 ff., 263 (online bei HathiTrust’s digital library).
  13. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 9 (online bei Google Books).
  14. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  15. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 262 ff. (online bei Google Books).
  16. Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler: Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen  vom 1. April 1937. In: Hessisches Regierungsblatt. Nr. 1937/8, S. 121 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF]).
  17. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze  vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. Nr. 1879/15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  18. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16)  vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 1968/4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 f) und Artikel 2, Abs. 4 e) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  19. Der Hessische Minister der Justiz: Gesetz zur Änderung gerichtsorganisatorischer Regelungen (Artikel 1.1, $3 c))  vom 16. September 2011. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 2011/17, S. 409 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 574 kB]). Bezieht sich auf das Gesetz über den Sitz und den Bezirk der Gerichte der ordentlichen Gerichtsbarkeit und der Staatsanwaltschaften (Gerichtlichesorganisationsgesetz) (GVBl. I S. 98)  vom 1. Februar 2005. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. Nr. 2005/5, S. 98 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 235 kB]).
  20. Zahlen - Daten - Fakten - Wissenswertes. In: Website der Stadt Schotten. Abgerufen im Januar 2018.
  21. Für einen mehrseitigen Lebenslauf dieser Brigitte Richter siehe Carola Sachse, Hans-Walter Schmuhl Die Anthropologin Brigitte Richter (1907–2000). Berichtigung von biographischen Angaben (2016), PDF auf der Homepage der Max-Planck-Gesellschaft, abgerufen 24. Oktober 2016 In Publikationen aus der Kommission der Max-Planck-Gesellschaft zur Aufklärung der Arbeit der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus (1998-2005) war diese Brigitte Richter mit einer anderen Person gleichen Namens verwechselt worden.