Burkholderia pseudomallei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Burkholderia pseudomallei
Burkholderia pseudomallei auf einer Agarplatte in einer Petrischale

Burkholderia pseudomallei auf einer Agarplatte in einer Petrischale

Systematik
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Betaproteobacteria
Ordnung: Burkholderiales
Familie: Burkholderiaceae
Gattung: Burkholderia
Art: Burkholderia pseudomallei
Wissenschaftlicher Name
Burkholderia pseudomallei
(Whitmore 1913) Yabuuchi et al. 1993

Burkholderia pseudomallei ist ein gramnegatives, bipolares, aerobes, bewegliches, stäbchenförmiges Bakterium.[1] Es ist wie Burkholderia mallei eine pathogene Burkholderia-Art und verursacht die Melioidose des Menschen. B. pseudomallei steht ebenso wie B. mallei auf der Liste für potenzielle Biowaffen-Agenzien.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit seiner Entdeckung wurde der Erreger in zahlreiche systematische Gruppen eingeordnet: Bacillus, Corynebacterium, Mycobacterium, Peifferella, Loefflerella, Malleomyces, Actinobacillus, Pseudomonas. Der Gattung Burkholderia wird das Bakterium erst seit Anfang der 90er Jahre zugeordnet.

Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

B. pseudomallei ist 5 μm lang und 0,4 bis 0,8 μm im Durchmesser und kann sich durch Flagellen fortbewegen. Die Bakterien können in verschiedenen Nährmedien wachsen, besonders aber in jenen, die Betain und Arginin enthalten. Es gibt von diesem Bakterium verschiedene Serotypen, von denen klinisch am wichtigsten Type I/ara+ und Type II/ara- sind. Sie werden im Labor durch ihre Fähigkeit unterschieden, L-Arabinose zu metabolisieren.

Das Bakterium ist in der Lage unterschiedliche extrazelluläre Produkte zu sezernieren: Rhamnolipid, Proteinasen, Lipasen und mehrere Exopolysaccharide.[2] Es besitzt ein großes Genom von etwa 7,25 Mbp das auf zwei Chromosome (ca. 4 und ca. 3 Mbp) aufgeteilt ist.[3][2]

In vitro findet das Wachstumsoptimum bei einer Temperatur von 40 °C mit einem neutralen oder leicht sauren pH-Wert statt (pH = 6,8 – 7,0). Die meisten Stämme sind zur Vergärung von Zuckern ohne Gasbildung fähig (am wichtigsten Glucose und Galactose, ältere Kulturen konnten auch Maltose und Stärke metabolisieren). Die Bakterien produzieren sowohl Exotoxine als auch Endotoxine. Die Rolle der Toxine in der Pathogenese der Melioidose ist noch nicht ganz geklärt.[4]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bakterium B. pseudomallei ist endemisch im Erdboden und Wasser sowohl in Südostasien wie auch in Nordaustralien vorkommend. Die klinisch wichtigsten Serovare Type I/ara+ und Type II/ara- entsprechen jeweils den oben erwähnten geographischen Gebieten, unterscheiden sich kaum in ihrer Pathogenität.

Im Herbst 2014 entwich das potentiell tödliche Bakterium aus dem US-amerikanischen Hochsicherheitslabor Tulane National Primate Research Center im Bundesstaat Louisiana. Dabei seien laut Medienberichten vier Rhesusaffen in Käfigen im Außenbereich und eine Wissenschaftlerin erkrankt, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich die Wissenschaftlerin andernorts angesteckt habe.[5]

Desinfektion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

B. pseudomallei ist empfindlich gegen zahlreiche Desinfektionsmittel, inklusive Benzalkoniumchlorid, Iodid, Bleichlorid, Kaliumpermanganat, 1%iges Natriumhypochlorit, 70%iges Ethanol, 2%iges Glutaraldehyd und weniger wirksame Phenole. Die Mikroorganismen werden auch durch Temperaturen über 74 °C für 10 min oder UV-Bestrahlung abgetötet.

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

B. pseudomallei wird durch Inhalation, Ingestion oder Inokulation in Wunden (so bei der Tsunami-Katastrophe 2004) übertragen[6] und verursacht beim Menschen die Melioidose. Es gibt verschiedene Formen dieser Erkrankung. Eine B. pseudomallei-Sepsis besitzt eine Mortalitätsrate von 80 %, wenn sie unbehandelt bleibt. Die Bestimmung von B. pseudomallei als Erregernachweis im Labor kann sehr schwierig sein, insbesondere in der westlichen Hemisphäre, wo B. pseudomallei sehr selten ist.

Die relative Leichtigkeit der Kultivierung hat gemeinsam mit den bedeutendsten Symptomen der (Melioidose)-Infektionen das Interesse an B. pseudomallei und an der nah verwandten B. mallei als potentielle Biowaffen-Agenzien geweckt.

Zur Therapie einer Infektion mit Burkholderia pseudomallei werden Antibiotika wie Meronem oder Ceftazidim, Cotrimoxazol sowie zusätzlich bzw. alternativ Doxycyclin und Amoxicillin-Clavulansäure eingesetzt.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 218 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Burkholderia pseudomallei. (Nicht mehr online verfügbar.) In: VirginiaTech Pathogen Database. Archiviert vom Original am 1. September 2006; abgerufen am 26. März 2006. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/pathport.vbi.vt.edu
  2. a b Hahn, Helmut,: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie: mit 157 Tabellen. 6., komplett überarbeitete Auflage. Springer, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-46359-7.
  3. Sam J. Willcocks, Carmen C. Denman, Helen S. Atkins, Brendan W. Wren: Intracellular replication of the well-armed pathogen Burkholderia pseudomallei. In: Current Opinion in Microbiology. Band 29, Februar 2016, ISSN 1879-0364, S. 94–103, doi:10.1016/j.mib.2015.11.007, PMID 26803404.
  4. Haase A, Janzen J, Barrett S, Currie B: Toxin production by Burkholderia pseudomallei strains and correlation with severity of melioidosis. In: Journal of Medical Microbiology (J Med Microbiol). Band 46, Nr. 7, 1997, S. 557–563, PMID 9236739.
  5. rp-online.de vom 2. März 2015 "Biowaffen-Bakterium entweicht aus Labor", abgerufen am 2. März 2015.
  6. Marianne Abele-Horn (2009), S. 218.
  7. Marianne Abele-Horn (2009), S. 218.