Burkini

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burkini

Der Burkini ist eine zweiteilige Badebekleidung für Frauen, die bis auf Gesicht, Hände und Füße den gesamten Körper bedeckt.

Begriff und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Burkini“ ist ein Kofferwort aus Burka und Bikini. Es handelt sich wie auch bei der englischen Schreibweise Burqini um eine Wortschöpfung der Modedesignerin Aheda Zanetti. Beides sind registrierte Handelsmarken (Registered Trade Mark) ihres Unternehmens Ahiida Pty Ltd.[1]

Das Wort „Burkini“ hat sich in der Umgangssprache als Gattungsname für alle derartigen Badebekleidungen für islamische Frauen etabliert.

Äußerlich ähneln Burkinis einer Mischung aus historischen Badekleidern und modernen Tauchanzügen. Beide Teile des Burkini bestehen aus dem gleichen elastischen Material wie herkömmliche Badeanzüge. Zweilagige Konstruktionen mit einer faltenwerfenden, flatternden oberen Lage im Bereich des Oberkörpers verbergen oder kaschieren die Konturen des Körpers. Für Sportlerinnen anderer Disziplinen gibt es ähnliche Anzüge, die bspw. von Läuferinnen und Judoka genutzt werden.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ägypten kamen derartige Schwimmanzüge ab 2000 unter den Namen sharia swimsuit[3] und swimming hijab[4] auf den Markt. Der Burkini ist in der Türkei unter dem Namen Haşema (1993) und in den Vereinigten Staaten als Splashgear[5] bekannt.

Die Öffnung des australischen Rettungsschwimmwesens für Muslime und insbesondere muslimische Frauen inspirierte die libanesisch-australische Designerin Aheda Zanetti dazu, eine entsprechende Schwimmbekleidung zu entwerfen[6] und führte so den Namen ein, unter dem diese Sorte Badebekleidung heute am besten bekannt ist.

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vergangenheit schwammen oder badeten viele Musliminnen in öffentlichen Badeeinrichtungen, im Strandbad oder im Meer entweder völlig bekleidet oder gar nicht.[3] Im Zuge des sogenannten islamischen Erwachens[7] wurde es in islamischen Ländern für Frauen einfacher, mit einer Haşema, einem Burkini oder etwas Ähnlichem bekleidet zu schwimmen oder zu baden. Noch ist der Burkini selten anzutreffen, jedoch besteht eine Nachfrage, weil er muslimischen Frauen mehr berufliche (Rettungsschwimmerin), sportliche (Olympische Spiele, Weltmeisterschaften) und schulische (Schwimmunterricht) Partizipation ermöglicht.[8]

Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haşema ist in der Türkei umstritten. Der Bürgermeister von Gazipaşa, Cem Burak Özgenc, beispielsweise verbot einer Frau mit Haşema den Eintritt ins städtische Schwimmbad.[9] Der türkische Journalist und Fernsehmoderator Reha Muhtar bezeichnete 2005 die Haşema in einer Kolumne der Zeitung Sabah als „bizarr“. In einer Kolumne der Zeitung Hürriyet befand Ahmet Hakan die Ganzkörperanzüge als „dumm, lächerlich und geschmacklos“,[10] woraufhin ihm von Mustafa Karaduman, dem Gründer von Tekbir Giyim,[11] der größten türkischen Kette für Kleidung in islamischem Stil, vorgeworfen wurde, ein schlechter Moslem zu sein.[12] Einige Strandbetreiber verwehren Haşema-Trägerinnen den Zutritt zu ihren Stränden. Hinzu komme, dass Trägerinnen manchmal unter dem Burkini weitere Kleidung trügen, wie Leggins, T-Shirts aus Baumwolle oder Unterwäsche. Dies könne ungeübten Schwimmerinnen gefährlich werden, denn solche Kleidung könnte sich vollsaugen und das Schwimmen erschweren.[13]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. September 2013 entschied das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig, dass muslimische Schülerinnen regelmäßig keine Befreiung vom koedukativen Schwimmunterricht verlangen könnten, wenn ihnen die Möglichkeit offenstehe, hierbei einen sogenannten Burkini zu tragen.[14][15][16][17] Im Dezember 2016 wies das Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde des Mädchens ab.[18]

Der Germanist Peter Kühn bezeichnet den öffentlichen Disput als eine „Stellvertreterdebatte“. Die Befürworter des Burkini sähen in ihm ein Symbol der Selbstbestimmung, die Kritiker dagegen ein Symbol des Patriarchats und der Diskriminierung der Frau.[19]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Frankreich gilt ein Verschleierungsverbot. Der Kopftuchstreit wurde in den Medien ausgetragen; es gilt ein Verbot für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und seit 2004 auch für Schüler und Studenten. Hier gab es bereits 2009 ein erstes Badeverbot mit Burkini.[20] Am 28. Juli 2016 verbot die Stadt Cannes per Dekret das Tragen von Burkinis am Strand.[21] Es gehe nicht darum, das Tragen religiöser Symbole am Strand zu verbieten, „sondern um ostentative Kleidung, die auf eine Zugehörigkeit zu terroristischen Bewegungen hinweist, die gegen uns Krieg führen“, sagte der Generaldirektor der städtischen Dienste.[22] Anschließend folgte ein Verbot in Villeneuve-Loubet, mit der Begründung, es sei unhygienisch, voll bekleidet zu schwimmen. Kurze Zeit später kündigte der Bürgermeister von Sisco auf Korsika ein Verbot an, nachdem es zu Zusammenstößen zwischen nordafrikanischen Zuwanderern und Einheimischen gekommen war.[23] Auch die französischen Städte Leucate, Oye-Plage und Le Touquet-Paris-Plage untersagten, beim Baden im Meer Ganzkörperbadeanzüge zu tragen.[24] Am 26. August 2016 setzte Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht das in Villeneuve-Loubet verhängte Burkini-Verbot aus. Es handelt sich um eine Grundsatzentscheidung. Die Richter stellten fest, dass die vom Bürgermeister behauptete Provokation und Störung der öffentlichen Ordnung im konkreten Fall nicht erwiesen sei.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burkini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Burkini – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The surprising Australian origin story of the ‘burkini’. Washington Post, 17. August 2016; abgerufen am 10. Dezember 2016.
  2. Beispiele: Schwimmerin, Judoka, Sprinterin, Ruderin, Fußballerin, Fußballspiel
  3. a b Caroline Hawley: Warm welcome for Sharia swimsuit. BBC News, 5. September 2000
  4. Urmee Khan: It’s not itsy-bitsy, it’s not teeny-weeny – it’s the burkini. The Guardian, 28. November 2006
  5. Splashgear – Modest Full Coverage Swimwear
  6. Baden im Burkini. Aheda Zanetti ist Designerin eines „muslimischen“ Badeanzuges., Deutschlandradio am 31. Juli 2006;
    Die Bademode der Muslime. Die Welt am 17. Januar 2007
  7. Annette Grossbongardt: Turkey in Transition. Less Europe, More Islam. Spiegel Online International, 2. November 2006
  8. Jennifer Cutraro: Muslim Athletic Wear Covers Skin Without Cramping Style. National Geographic News, 27. April 2006
    „Es gibt eine Nachfrage für sittsame Bademode.“ Shereen Sabet vertreibt Schwimmbekleidung für muslimische Frauen. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10. Juni 2007
  9. Alkoholfreie Zonen für Strenggläubige. ORF News
  10. Vaybee: En vogue – islamisch korrekte Badeanzüge. In der Türkei mischen sich immer mehr islamisch korrekt gekleidete Badenixen unters Strandvolk.
  11. Tekbirgiyim Europa – Islamische Mode für die bedeckte Frau,
    Vaybee: Kopftuch statt Bikini: Türkische Models im Auftrag des islamischen Bekleidungsunternehmens Tekbir Giyim.
  12. Amberin Zaman: Islamic-Style Swimsuits Give Women Freedom to Dive In. Los Angeles Times, 21. August 2005, bei WorldWide Religious News
  13. Burkiniverbot in Dortmunder Hallenbädern, RuhrNachrichten Dortmund vom 22. Februar 2012 abgerufen 25. Februar 2012
  14. Pressemitteilung des BVerwG Leipzig Nr. 63/2013: Burkini-Urteil – Kein Anspruch einer muslimischen Schülerin auf Befreiung vom koedukativen Schwimmunterricht, BVerwG 6 C 25.12 Urteil vom 11. September 2013
  15. Schwimmunterricht in „Burkini“ für muslimische Mädchen zumutbar, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung.
  16. Musliminnen müssen zum Schwimmunterricht, In: Süddeutsche Zeitung
  17. Schwimmunterricht: Türkische Gemeinde begrüßt Burkini-Urteil, In: Spiegel Online.
  18. Sueddeutsche.de:Verfassungsgericht: Muslimische Schülerin muss am Schwimmunterricht teilnehmen, 7. Dezember 2016
  19. Peter Kühn: Symbolisierungen, Stereotypisierungen und Stigmatisierungen in der Chat-Kommunikation: Der Burkini – ein Badeanzug mit Symbolwirkung. In: Hamid Reza Yousefi, Klaus Fischer (Hrsg.): Interkulturalität. Nordhausen 2010, S. 259-285.
  20. French pool bans 'burkini' swim, bbc.co.uk, 12. August 2009, abgerufen am 26. August 2016
  21. liberation.fr 12. August 2016: A Cannes, le maire prend la pose sur le burkini
  22. spiegel.de
  23. Angelique Chrisafis: "Corsican mayor bans burkini after violence at beach and protests" Guardian vom 15. August 2016
  24. tagesschau.de. „Weitere Städte in Frankreich verhängen Burkini-Verbot“. tagesschau.de. Zugegriffen 17. August 2016. https://www.tagesschau.de/ausland/burkini-verbot-103.html.
  25. Oberstes Verwaltungsgericht setzt Burkiniverbot aus Spiegel Online, 26. August 2016