Burschenschaft Teutonia Prag

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Wappen
Teutonenwappen
Basisdaten
Hochschulort: Würzburg, Deutschland
Gründung: 16. Dezember 1876[1] in Prag
Verband: Deutsche Burschenschaft (DB)
Farben: schwarz-rot-gold
Webseite: teutonia-prag.de[2]

Die Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg ist eine konservative, farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung. Sie ist Mitglied der Deutschen Burschenschaft (DB) und der völkischen Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG). In den Medien wurden wiederholt rechtsextreme Tendenzen der Teutonia Prag zu Regensburg thematisiert.[3][4][5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prager Burschenschaft Teutonia wurde am 16. Dezember 1876 von deutschen Studenten der deutschen Karl-Ferdinands-Universität und der Deutschen Technischen Hochschule Prag unter dem maßgeblichen Einfluss von Raphael Pacher und Ludwig Außerwinkler als „akademisch-technische Burschenschaft“ gegründet. Ihr Ziel war es, die burschenschaftliche Bewegung auf Prager Boden im Sinne der Urburschenschaft zu erneuern und deutsche Studenten der Technik und der Universität in einer Gemeinschaft von Gleichen zusammenzufassen, da diese ansonsten in Österreich-Ungarn einer klaren Trennung unterworfen waren. Von 1876 bis 1938 war Teutonia in der ältesten deutschen Hochschulstadt Prag aktiv und bildet seit 1879 mit der Wiener akademischen Burschenschaft Albia und seit 1887 auch mit der Grazer akademischen Burschenschaft Arminia das Schwarz-Rot-Goldene Kartell, welches sich als eine Burschenschaft an drei Hochschulorten versteht. Es ist das älteste Kartell innerhalb der Deutschen Burschenschaft. Die erste burschenschaftliche Schlägermensur in Prag wurde am 10. April 1880[6] (nach anderer Angabe am 2. April 1880[7]) zwischen dem Prager Teutonen und Wiener Alben Paul von Portheim und Eduard Gerson von Hilaria Prag (ab Juni 1880 "Alemannia") gefochten.

Aktivitas der Prager Burschenschaft Teutonia im Sommersemester 1879

Im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 verlor Teutonia 18 Bundesbrüder in den Kämpfen an der russischen, italienischen und serbischen Front. Von 1918 bis 1939 wirkte Teutonia innerhalb der neu gegründeten Tschechoslowakei. 1919 wurde Teutonia Mitglied der Deutschen Burschenschaft und 1922 Mitglied der „Weißen Arbeitsgemeinschaft“. Von ihrer Selbstauflösung 1938 bis 1945 existierte der Bund in Gestalt der Kameradschaft „Fritsch II“, danach Kameradschaft „Josef Titta“ innerhalb des NSDStB. Im Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 verlor Teutonia 15 Bundesbrüder und im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus Böhmen zwischen 1945 und 1947 14 weitere Bundesbrüder. Von 1945 bis 1952 war Teutonia durch die Alliierten verboten und aufgrund der Nachkriegsverhältnisse vertagt.

1952 wurde Teutonia in Nürnberg wiedergegründet und trat wie schon 1919[8] bis 1933 im Jahre 1952 erneut in die Deutsche Burschenschaft ein. Ihre akademische Heimat war von 1952 bis 1962 hauptsächlich die Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg. 1956 wurde Teutonia Mitglied im Weißen Kreis und 1961 Mitglied der neu gegründeten Burschenschaftlichen Gemeinschaft. 1963 siedelte Teutonia nach Erlangen an die Friedrich-Alexander-Universität über und wechselte 20 Jahre später (1983) nach Regensburg an die 1962 gegründete Universität Regensburg. Dort erwarb sie 1996 erstmals in ihrer Geschichte ein eigenes Verbindungshaus.

Mit Wirkung vom 12. Dezember 2009 haben sich die Burschenschaften Libertas Würzburg und Teutonia Prag zu Regensburg zur Prager Burschenschaft Teutonia zu Würzburg zusammengeschlossen. Das Verbindungshaus in Regensburg wurde verkauft, um in Würzburg ein anderes zu erwerben.

Farben und Wahlspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Farben der Prager Burschenschaft Teutonia sind schwarz-rot-gold mit rot-schwarzer Gegenperkussion. Sie werden von Burschen und Füchsen der Verbindung gleichermaßen getragen. Die Verbindungsmitglieder tragen außerdem schwarze Mützen im sogenannten „Prager Format“ und schwarze Pekeschen. Ihr Wahlspruch lautet: „Ehre, Freiheit, Vaterland“. In der Gründungszeit wurde dazu noch gesprochen „Für deutsches Wesen und Wissen“.

Innere Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prager Burschenschaft Teutonia ist ein Männerbund und ein Lebensbund deutscher Akademiker, in dem Studenten nach ihrem Studienabschluss Mitglied der Altherrenschaft der Burschenschaft werden, die die jungen Studenten (Aktivitas) finanziell und ideell unterstützt (umgekehrter Generationenvertrag). Außerdem ist sie nach dem Conventsprinzip organisiert, d.h. Entscheidungen werden in demokratischen Abstimmungen und Wahlen getroffen, wobei die Mehrheit entscheidet.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Außerwinkler (1859–1933), Universitätsprofessor für Fotografie an der Technischen Hochschule Prag
  • Ernst Bareuther (1838–1905), böhmisch-österreichischer Rechtsanwalt und Politiker, Abgeordneter des Böhmischen Landtags und des österreichischen Reichsrates (Ehrenmitglied)
  • Franz Brehm (1861–1941), Landtagsabgeordneter im Böhmischen Landtag
  • Ernst Gustav Doerell (1892–1963), Universitätsprofessor für Agrarwissenschaften an der Technischen Hochschule Prag
  • Josef Eisenmaier (1871–1926), Hochschulprofessor für Philosophie an der Universität Prag
Friedrich von Emperger auf dem 30. Stiftungsfest der Prager Burschenschaft Teutonia 1906 in Prag
  • Friedrich von Emperger (1862–1942), Universitätsprofessor für Bauwesen an der Technischen Hochschule Wien
  • Karl Funke (1865–1960), Chirurg im Rudolfspital Wien, er wendete als erster erfolgreich die Herzdruckmassage an
  • August Gessner (1880–1944), Universitätsprofessor und Rektor der Technischen Hochschule Prag
  • Carl Haidn (1903–1998), Oberbürgermeister von Düsseldorf
  • Fritz Hassold (1894–1945), Abgeordneter der DnP im Prager Parlament
  • Gustav Jonak (1903–1985), Referatsleiter im Reichssicherheitshauptamt und Regierungsdirektor im Baden-Württembergischen Innenministerium, SS-Obersturmbannführer
  • Anton Kießlich (1858–1925), Gründer und Ehrenobmann des Bundes der Deutschen in Böhmen
  • Julius Kratter (1848–1926), Universitätsprofessor und Rektor der Universität Graz, Begründer der Rechtsmedizin
  • Roderich Leutschaft (1922–2006), Universitätsprofessor für Kardiologie an der Universität Erlangen
  • Viktor Michl (1865–1927), Reichsratsabgeordneter
  • Michael Müller (1975–2009), rechtsextremer Liedermacher (Mitglied 2001–2002)
Gründungsbursch Raphael Pacher im Sommersemester 1878
  • Raphael Pacher (1857–1936), Landeshauptmann von Deutschböhmen und deutschösterreichischer Staatssekretär für Unterricht
  • Paul von Portheim (1858–1883), österreichischer Dichter und Vertoner
  • Richard Riedl (1865–1944), Botschafter der Republik Deutschösterreich in Berlin
  • Hugo Scherbaum (1872–1947), österreichischer Politiker (GDVP)
  • Karl Schöppe (1880–1939), Oberbürgermeister von Aussig, Vorsitzender der DnP
  • Franz Staerk (1859–1926), Architekt und Vizebürgermeister von Graz
  • Erwin Stein (1931–2009), Abgeordneter der CSU im Bayerischen Landtag
  • Josef Titta (1863–1923), Gründer und Obmann des Deutschen Volksrates für Böhmen
  • Karl Zörkendörfer (1864–1945), Hochschulprofessor für Balneologie und Medizin an der Universität Prag

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 wurde die Teutonia Prag (damals noch in Regensburg) im Zusammenhang mit den Bemühungen Rechtsextremer genannt, über die Burschenschaften Einfluss an Universitäten zu gewinnen. [9] In jüngerer Zeit hielten der Neuen Rechten nahestehende Personen wie Götz Kubitschek und Bernd Rabehl Vorträge bei der Teutonia.[10][11][12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festschrift 80 Jahre Teutonia Prag. 1956
  • Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Teilband I Politiker. 1965
  • Handbuch der Deutschen Burschenschaft. 2005
  • Archiv der Prager Burschenschaft Teutonia zu Regensburg
  • 100 Jahre Deutsche Burschenschaft in Österreich. 1959
  • Horst Grimm, Leo Besser-Walzel: Die Corporationen. Frankfurt am Main 1986
  • Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 350–351.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meyers Konversationslexikon. 5. Auflage, Leipzig 1896, Beilage zum Artikel Studentenverbindungen.
  2. www.teutonia-prag.de (Memento vom 2. Oktober 2007 im Internet Archive)
  3. http://www.tagesspiegel.de/berlin/verdacht-auf-rechtsextremismus-berliner-cdu-politiker-robbin-juhnke-sprach-vor-burschenschaft-/8257366.html
  4. http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/burschenschaften-und-das-rechte-zwielicht-21705-art919470.html
  5. http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/burschenschaften-verbindungen-hofieren-rechte-a-139395.html
  6. "Einst und Jetzt" Bd. 21-23, 1976, S. 107; Angabe der Teutonia http://www.teutonia-prag.de/teutonia/61-geschichte?tmpl=component&print=1&layout=default&page= (Memento vom 26. August 2011 im Internet Archive); Angabe der Thessalia [1]
  7. Egon Erwin Kisch: Gesammelte Werke in Einzelausgaben: Bd. 1 Aus Prager Gassen und Nächten. Prager Kinder. Die Abenteuer in Prag. Aufbau Verlag 1968, S. 188; "Einst und Jetzt" Bd. 9-10, 1964,S.133 (unter Bezugnahme auf Kisch)
  8. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 186.
  9. Alexander Hüsing: Burschenschaften: Verbindungen hofieren Rechte. In: Spiegel Online. 14. Juni 2001
  10. http://www.morgenpost.de/berlin/article116611273/CDU-Politiker-Juhnke-fuehlt-sich-von-Burschenschaft-getaeuscht.html
  11. http://www.jusosberlin.de/berliner-cdu-muss-sich-von-rechtsradikalen-burschenschaftsstrukturen-distanzieren
  12. http://www.regensburg-digital.de/robbin-und-die-rechten-burschen/27052013/