Burschenschaftliche Gemeinschaft

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Die Burschenschaftliche Gemeinschaft in DB und DBÖ (BG) ist ein Zusammenschluss von aktuell 36 Burschenschaften aus Deutschland und Österreich, die jeweils einem der Verbände Deutsche Burschenschaft (DB), Deutsche Burschenschaft in Österreich (DBÖ) und Conservativer Delegierten Convent (CDC) angehören. Die Burschenschaftliche Gemeinschaft vertritt einen völkischen Nationalismus und wird als rechtsextrem eingestuft. Vereinzelte in der BG organisierte Burschenschaften werden vom Verfassungsschutz beobachtet.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burschenschaftliche Gemeinschaft in DB und DBÖ (BG) wurde am 15. Juli 1961 auf dem Haus der Münchner Burschenschaft Danubia unter Federführung der Burschenschaft Alania Aachen von 42 Burschenschaften aus der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich gegründet. Dies erfolgte in Reaktion auf einen kurz vorher stattgefundenen Burschentag in Nürnberg, auf dem die Anträge zur Wiedervereinigung der beiden Verbände Deutsche Burschenschaft (DB) und Deutsche Burschenschaft in Österreich (DBÖ) nicht die erforderliche Mehrheit gefunden hatten. Entgegen dem abgelehnten Antrag haben die Gründungsmitglieder der BG „die angestrebte Wiedervereinigung de facto vollzogen“. Das Gründungsprotokoll der BG beginnt mit den Worten: „Die Burschenschaften der Burschenschaftlichen Gemeinschaft bekennen sich zum volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff als dem historischen Vaterlandsbegriff der Urburschenschaft“.[1]

Mit dem Historischen Kompromiss 1971 konnte das Ziel der BG, die Aufnahme von österreichischen Burschenschaften in die DB, erreicht werden. Im Gegenzug wurde das pflichtschlagende Prinzip als Verbandsprinzip der DB abgeschafft. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten verließen viele (Gründungs-) Burschenschaften die BG, da diese in deren Augen ihre Aufgabe erfüllt hatte.

Politische Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist das organisatorische Zentrum von Burschenschaften aus dem rechtsextremen Umfeld.[2] Sie vertritt einen völkischen Nationalismus. Unter anderem wird immer wieder der Anschluss Österreichs gefordert.[2] In der Schrift „Burschenschafter und nationale Identität“ wird vor einer „Überfremdung“ gewarnt und gefordert, jeden weiteren Zuzug von „Menschen aus anderen Kulturräumen“ zu unterbinden.[2] Mit Henning Eichberg schrieb einer der führenden Verfechter des Ethnopluralismus mehrfach in den Burschenschaftlichen Blättern.[2] Die BG hält strikt an der Pflichtmensur fest und vertritt eine strenge verbandliche Geschlossenheit.[2] Die BG gründete die rechtsextreme Zeitschrift „student“ und veranstaltet Seminare, die eine rechtsextreme Terminologie verwenden und rechtskonservativen bis rechtsextremistischen Referenten wie Caspar von Schrenck-Notzing und Franz Schönhuber eine Bühne bieten.[2]

Die BG dominierte ab den achtziger Jahren die Deutsche Burschenschaft, sodass die liberal-konservativen Bünde schließlich 1996 austraten und sich im neuen Dachverband Neue Deutsche Burschenschaft (NDB) versammelten. Der Burschenschafter und NPD-Funktionär Jürgen Schwab kommentierte, die Deutsche Burschenschaft sei nun „von liberalen Geschwülsten weitestgehend gesundgeschrumpft“, in nahezu allen DB-Verbindungen seien die Verbandsbrüder nun national oppositionell gesinnt.[2]

Auch öffentlich entzündet sich die Kritik an der BG regelmäßig an der Mitgliedschaft von Burschenschaften mit Verbindungen in den Rechtsextremismus, die (soweit sie ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben) zum Teil auch unter der Beobachtung durch die deutschen Verfassungsschutzbehörden stehen.[3] Vier der bundesdeutschen BG-Burschenschaften wurden durch diese im Zusammenhang mit Rechtsextremismus genannt. Namentlich erwähnt wurden die Burschenschaft Frankonia Erlangen,[4] die Burschenschaft Germania Hamburg,[5] die Burschenschaft Danubia München und die Burschenschaft Teutonia Prag zu Regensburg (heute Würzburg).[4] Auch mehrere österreichische Burschenschaften wie die Wiener akademische Burschenschaft Olympia standen unter Beobachtung des dortigen Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung[6][7] und fanden auch in deutschen Verfassungsschutzberichten Erwähnung.[8]

Unabhängig davon werden einzelne der BG-Burschenschaften immer wieder für völkische Bestimmungen kritisiert. So forderte etwa die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn eine deutsche Abstammung als Voraussetzung zur Aufnahme in die Deutsche Burschenschaft sowie den Ausschluss der Mannheimer Burschenschaft Hansea aus der Deutschen Burschenschaft aufgrund eines chinesischstämmigen Mitglieds.[9]

Kritiker wie Andrea Nahles bezeichnen die BG als „völkischen Kampfverband“ und ihre Programmatik als „eindeutig biologistisch, völkisch und großdeutsch ausgerichtet. Nahezu sämtliche Bestandteile eines rechtsextremen Weltbildes finden sich in der burschenschaftlichen Weltanschauung“. Am 27. März 2006 beschloss der SPD-Parteivorstand einstimmig die Unvereinbarkeit einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in einer BG-Burschenschaft und in der SPD.[10]

Im August 2014 wurde die "Burschenschaftliche Gemeinschaft" vom Dresdner Akademikerball wegen Extremismus ausgeladen.[11]

Mitgliedsbünde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietrich Heither, Michael Gehler, Alexandra Kurth, Gerhard Schäfer: Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften. Reihe Geschichte Fischer-Verlag, 1997, S. 231 f.
  2. a b c d e f g Dietrich Heither: Burschenschaften. Rechte Netzwerke auf Lebenszeit, In: Braun et al. (eds.), Rechte Netzwerke – eine Gefahr, VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004.
  3. „Die rund 45 völkischen Bünde hat punktuell auch der Verfassungsschutz im Visier, unter anderem weil sie die parlamentarische Demokratie recht offen ablehnten.“ zitiert nach Burschen bewahren Einigkeit – und rechte Schlagseite, 24. November 2012, Die Welt
  4. a b Rechtsextreme unterwandern Burschenschaften. 22. Juni 2001, abgerufen am 15. Juli 2011: „Im Haus der Teutonia habe unter anderem der rechtsextremistische Autor und NPD-Funktionär Jürgen Schwab ein Forum erhalten. Und in der Burschenschaft Frankonia Erlangen tobten Richtungskämpfe zwischen einem demokratischen und einem extremistischen Flügel.“
  5. Burschenschaften: Rechtsweg nicht ausgeschlossen. 22. Juni 2001, abgerufen am 15. Juli 2011: „Offen für rechte Spinnereien sind scheinbar auch die Mitglieder der Burschenschaft Germania Hamburg. Bereits seit einiger Zeit beobachtet der Verfassungsschutz die Verbindung.“
  6. BM f. Inneres, Gruppe C, Abteilung II/7: Rechtsextremismus in Österreich. Jahreslagebericht 1994. Wien 1995, S. 11.
  7. BM f. Inneres, Gruppe C, Abteilung II/7: Rechtsextremismus in Österreich. Jahreslagebericht 2000. Wien 2001, S. 12.
  8. Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg (Hg.): Verfassungsschutzbericht 1996. Hamburg 1997, S. 116.
  9. "Der geografischen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt", Telepolis vom 28. Juni 2011; Zugriff am 11. August 2011
  10. Parteivorstand hat gesprochen: Entweder Sozialdemokrat oder Burschenschafter. 28. März 2006, abgerufen am 17. Mai 2011: „Erst Hü, dann Hott, jetzt wieder Hü - auf Druck der Jusos hat sich die SPD am Ende zu einem Unvereinbarkeitsbeschluss durchgerungen: Wer Mitglied in einer Burschenschaft der rechten "Burschenschaftlichen Gemeinschaft" ist, kann nicht der Partei angehören.“
  11. Colette M. Schmidt: Burschenschaften in Deutschland im Abseits. In: derstandard.at. 22. August 2014, abgerufen am 22. August 2014.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritische Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur aus dem Umfeld von Burschenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Georg Balder: Geschichte der Deutschen Burschenschaft, WJK Verlag, Hilden 2006, ISBN 3-933892-25-2
  • Erhard Drechsel: Burschenschaftliche Gemeinschaft in DB und DBÖ: Zielsetzung, Selbstverständnis und Entwicklung,Hrsg. von der Burschenschaft Cimbria München im Auftrag der BG München 1976.
  • Sonja Kuhn: Die Deutsche Burschenschaft – eine Gruppierung im Spannungsfeld zwischen Traditionsformalismus und Traditionsstiftung – eine Analyse für den Zeitraum 1950 bis 1999. Diplomarbeit im Studiengang Pädagogik, Philosophie, Psychologie der Universität Bamberg. Hrsg. vom Altherrenverband der Burschenschaft Hilaritas Stuttgart. Stuttgart 2002. ISBN 3-00-009710-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]