Burundi

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Republika y’Uburundi (Kirundi)

République du Burundi (frz.)
Republik Burundi

Flagge Burundis
Wappen Burundis
Flagge Wappen
Wahlspruch: Ubumwe, Ibikorwa, Iterambere
(Kirundi für „Einigkeit, Arbeit, Fortschritt“)
Amtssprache Kirundi und Französisch
Hauptstadt Bujumbura
Staatsform Republik
Regierungssystem Präsidialsystem
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Präsident Pierre Nkurunziza
Fläche 27.834 km²
Einwohnerzahl 10.557.000 (Quelle: CIA Juli 2012)
Bevölkerungsdichte 379 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Nominal
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2016[1]
Index der menschlichen Entwicklung 0,404 (184.; 2016)[2]
Währung Burundi-Franc (BIF)
Unabhängigkeit 1. Juli 1962 (von Belgien)
Nationalhymne Burundi bwacu
Nationalfeiertag 1. Juli
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen RU
ISO 3166 BI, BDI, 108
Internet-TLD .bi
Telefonvorwahl +257
Ruanda Burundi Malawi Madagaskar Komoren Äquatorialguinea Angola Uganda Gabun Kamerun Zentralafrikanische Republik Südsudan Äthiopien Kenia Somalia Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Tansania Mosambik SambiaBurundi in its region.svg
Über dieses Bild

Burundi (deutsch [buˈʁʊndi], französisch [buʁʊnˈdi], auf Kirundi Republika y’Uburundi) ist ein Binnenstaat in Ostafrika. Er grenzt im Norden an Ruanda, im Osten an Tansania und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Der größte Teil der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo liegt im Tanganjikasee. Im Index der menschlichen Entwicklung lag Burundi 2016 auf Platz 186 von 188.[3] Zu der Unterentwicklung des Landes kommen Politische Instabilität, Soziale Unruhen, Schlechte Regierungsführung, Korruption und extreme Armut dazu. Das Land hatte 2016 das weltweit 3.-niedrigste BIP pro Kopf.[4]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burundi ist einer der kleinsten Staaten Afrikas, aber – ebenso wie der nördlich gelegene Nachbarstaat Ruanda – dicht besiedelt. Zwischen dem Victoriasee und dem Tanganjikasee gelegen, wird das Land von einem Hochplateau (1.400–1.800 Meter) durchzogen, das allmählich ansteigt und im Mont Heha mit 2.684 Metern die höchste Erhebung erreicht. Dieses Randgebirge des markanten Ostafrikanischen Grabens fällt schließlich zum Inneren der vom Tanganjikasee gefüllten Grabensenke steil ab. Im Gebirge entspringt der Luvironza, der in den Ruvuvu mündet und den längsten und südlichsten Quellfluss des Nils darstellt. Die Nilquelle befindet sich etwa 45 Kilometer östlich des Tanganjikasees zwischen Bururi und Rutana.

Das Klima ist tropisch-wechselfeucht mit zwei Regenzeiten. Die Temperaturen werden durch die Höhenlage gemildert. Niederschlag fällt durchschnittlich 1.000 mm im Jahr. Zur artenreichen Tierwelt zählen Leoparden, Löwen, Paviane, Zebras und Antilopen­arten, in den Flüssen leben Krokodile und Flusspferde.

Burundis Wald­fläche wies zwischen 1990 und 2000 mit 9 % weltweit den größten prozentualen Rückgang auf.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in Tausend

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

46 % der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre, das Durchschnittsalter beträgt 16,7 Jahre. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 62 von 1000 Geburten (2007). Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird im Zeitraum von 2010 bis 2015 mit 56,1 Jahren angegeben (Männer: 54,2 Jahre, Frauen: 58,0 Jahre).[5] [6][7] Die (geschätzte) Geburtenrate lag im Jahr 2007 bei 6,48 Kindern/Frau. Rund 6 % der Bevölkerung sind an AIDS erkrankt (siehe auch: HIV/AIDS in Afrika).[8] Etwa 27.000 Kinder unter 15 Jahren sind mit dem HI-Virus infiziert, weitere 200.000 haben durch diese Krankheit ihre Eltern verloren.[9]

Bevölkerungsgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Burundi gibt es entgegen gängigen Vorstellungen keine verschiedenen Völker oder ethnischen Gruppen, sondern ein Volk mit einer Sprache: die Rundi. Sie teilen eine Geschichte und Kultur und gehören dem gleichen sozialen und politischen Gefüge an. 85 % zählen sich zu den Hutu, die hauptsächlich die „einfache“, vorwiegend bäuerliche, Bevölkerung stellen. Zirka 14 % der Bevölkerung bezeichnen sich als Tutsi, den Rest bilden die Twa (Pygmäen) mit 1 % Einwohneranteil.[10]

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Menschen sprechen als Muttersprache die Amtssprache Kirundi, die zu den Bantusprachen zählt, und als Fremdsprache Französisch, das seit der Zeit des Völkerbundmandates ebenfalls Amtssprache ist. Entlang des Tanganjikasees und in der Region der Hauptstadt Bujumbura wird auch die Handelssprache Swahili gesprochen.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 62 % der Burundier sind Katholiken, 5 % Protestanten (vor allem Anglikaner), 10 % sunnitische Muslime und 23 % Anhänger afrikanischer Religionen.[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Burundis

Monarchie und Kolonialgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burundi hat eine jahrhundertealte Geschichte als eigenständige Monarchie, das Königreich Burundi. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es im Rahmen der Aufteilung Afrikas unter den europäischen Großmächten Deutschland zugeschlagen und zusammen mit „Ruanda“ als „Urundi“ der Kolonie Deutsch-Ostafrika unterstellt. Die Deutschen beschränkten sich auf die indirekte Herrschaft in Gestalt einer Residentur; der deutsche Resident stand ähnlich wie in britischen Protektoraten dem einheimischen Machthaber kontrollierend und beratend gegenüber. Parallel begann die Missionierung, bei der die Katholiken sich durchsetzten. [12] Im Ersten Weltkrieg wurde das Land von belgischen Streitkräften erobert und danach vom Völkerbund Belgien als Teil des Mandatsgebietes Ruanda-Urundi zugesprochen.

1959, während Ruanda-Urundi auf die Unabhängigkeit vorbereitet wurde, kam es zu einem Flüchtlingsstrom von vertriebenen Tutsi aus Ruanda, was in der Folge durch immer wiederkehrende Konflikte im Grenzgebiet auch innerhalb Burundis zu einem verstärkten Rassendenken (vor allem zwischen Tutsi und Hutu) führte. Die politische Geschichte Burundis ist aber auch von massiven Spannungen, Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Tutsi-Fraktionen geprägt. Im November 1959 kam es erstmals zu schweren Unruhen zwischen Hutu und Tutsi, die von den Belgiern unterdrückt wurden.

Nach der Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der UPRONA-Gründer und Ganwa-Prinz Louis Rwagasore wurde 1961 Regierungschef und sollte das Land in die Unabhängigkeit führen. Seine Ermordung wenige Wochen nach der Wahl war der Auftakt für jahrzehntelange Machtkämpfe, die jedoch die Unabhängigkeit, die Burundi 1962 als konstitutionelle Monarchie unter König Mwambutsa IV. erhielt, nicht verhinderte. Rwagasores Nachfolger, darunter sowohl Hutu als auch Tutsi, wurden gestürzt oder ermordet. Im Oktober 1965 wurde ein Hutu-Aufstand blutig niedergeschlagen; es gab rund 5000 Tote.[13]

1966 stürzte Ministerpräsident Hauptmann Michel Micombero (Tutsi) den erst kurz zuvor selbst durch einen Staatsstreich an die Macht gelangten König Ntare V. Ndizeye und schaffte die Monarchie ab.[13] Micombero vereinigte die Posten von Staats- und Regierungschef in den nächsten zehn Jahren in seiner Person. In diese Zeit fallen viele Unruhen und Kämpfe zwischen Hutu und Tutsi, wovon die schwerwiegendsten sich 1972 bis 1973 ereignen; vermutlich zwischen 150.000 und 200.000 Hutu fielen ihnen zum Opfer.[13] Dabei verfolgte die Armee gezielt gut ausgebildete Hutu. Teilweise werden die Tötungsaktionen als „an Völkermord grenzend“ bezeichnet.[13]

Viele Hutu flohen in Nachbarländer, vor allem nach Ruanda und Tansania, aber auch nach Zaire (heute DR Kongo). Sie gründeten dort politische Bewegungen, darunter TABARA, aus der 1980 die PALIPEHUTU hervorging. Diese interpretierte die politischen Konflikte in Burundi rein „ethnisch“ – als Repression gegen Hutu – und optierte für den bewaffneten Kampf. In den Flüchtlingslagern in West-Tansania wurde der bewaffnete Flügel von PALIPEHUTU ausgebildet. Im Laufe der Jahre hatten sich mehrere Parteien mit bewaffneten Flügeln gebildet (vor allem FRODEBU und PALIPEHUTU-FNL, später auch CNDD-FDD), die die Interessen der Hutu zu vertreten beanspruchten. Sie wurden nach und nach in die Verhandlungen einbezogen, soweit sie dazu bereit waren. Aufspaltungen innerhalb der Rebellengruppen erschwerten den Verhandlungsprozess.[13]

Im Zuge eines Militärputsches gelangte 1976 zunächst Oberst Jean-Baptiste Bagaza (Tutsi), später durch einen neuerlichen Militärputsch 1987 Major Pierre Buyoya (Tutsi) an die Macht. Buyoya suchte anfangs den Ausgleich mit den Hutu. Im August 1988 kam es nach einem Mord an zwei Hutu erneut zu einem Hutu-Aufstand, der abermals zurückgeschlagen wurde und 24.000 bis 50.000 Tote forderte. Anschließend wurde eine Einheitsregierung gebildet, die je zur Hälfte aus Tutsi und Hutu bestand.[13] Buyoya ließ 1993 erstmals Wahlen zu, die den Hutu Melchior Ndadaye mit der Partei FRODEBU ins Präsidentenamt brachten. Nach dessen Ermordung im gleichen Jahr, die wiederum von blutigen Ausschreitungen gegen Tutsi wie Hutu und Flucht von 300.000 Hutu begleitet war, trat sein Parteifreund Cyprien Ntaryamira (Hutu) die Präsidentschaft an. Im selben Jahr wurde die Hutu-dominierte Forces pour la Defense de la Democratie (FDD) gegründet.

Ntaryamira kam bereits 1994 bei einem Attentat auf das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana ums Leben, der den Völkermord in Ruanda auslöste. Sein Nachfolger Sylvestre Ntibantunganya wurde 1996 durch den früheren Präsidenten Buyoya gestürzt. In der Folge kam es zu internationalem Druck auf das Land. Verhandlungen unter Leitung des Südafrikaners Nelson Mandela und des Tansaniers Julius Nyerere brachten im Jahr 2000 den Friedensvertrag von Arusha, der unter anderem den Rebellengruppen der Hutu den Zugang zur Armee öffneten. 2001 wurde eine Übergangsregierung gebildet, er anfangs Buyoya vorstand. Ein Teil der FDD unter Pierre Nkurunziza spaltete sich als CNDD-FDD ab und ging in die Opposition. Vereinbarungsgemäß löste der Hutu Domitien Ndayizeye (FRODEBU) 2003 Präsident Buyoya ab und regierte bis zu den Wahlen 2005.

2005 wurde Pierre Nkurunziza durch beide Parlamentskammern als Präsident gewählt. 2010 wurde er nach einer Wahlrechtsänderung direkt vom Volk gewählt. Laut Verfassung durfte er 2015 nicht erneut kandidieren, verwies aber darauf, dass seine erste Wahl durch das Parlament und nicht als Direktwahl erfolgt war. Ein Putschversuch am 13. Mai 2015 wurde durch die Armee zurückgeschlagen; erneut flohen rund 170.000 Menschen ins Ausland.[14] Bei den nachfolgenden Parlaments- und Präsidentenwahlen im Juli, die von der Opposition boykottiert wurden, siegten Nkurunziza und seine Partei. Die Wahlen wurden von Beobachtern als nicht frei und nicht glaubwürdig bewertet.[15][14]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Exekutive und Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burundi ist eine Präsidialrepublik, der Präsident ist Staatsoberhaupt und Regierungschef. Seit 2005 ist dies Pierre Nkurunziza (CNDD-FDD). Er wurde 2010 und 2015 direkt gewählt, zuvor durch die beiden Parlamentskammern. Er ernennt zwei Vizepräsidenten.

Das Parlament ist ein Zweikammersystem, das aus der Nationalversammlung und dem Senat besteht. Die Legislaturperiode beträgt jeweils fünf Jahre. Die mindestens 100 Mitglieder der Nationalversammlung sind zu mindestens 60 % Hutu, 30 % Tutsi und 30 % Frauen. Mindestens drei Twa-Abgeordnete sind vertreten, weitere Abgeordnete werden zur Erfüllung der Quoren ernannt; seit 2015 gibt es 121 Parlamentarier. In der 2015 gewählten Nationalversammlung hat die (CNDD-FDD) die absolute Mehrheit.[16] Der Senat besteht aus 36 bis 54 Mitgliedern. 36 Mitglieder werden durch Wahlmänner in den Provinzen gewählt; aus jeder Provinz stammt ein Hutu und ein Tutsi. Weitere Senatsmitglieder können ernannt werden, darunter Frauen, so dass deren Anteil wie in der Nationalversammlung mindestens 30 % beträgt. Ehemalige Präsidenten sind ebenfalls Mitglieder des Senats.[17]

Menschenrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Amnesty International sind die Verhältnisse im Bereich des Gerichtswesens problematisch. Folter, willkürliche Verhaftungen und schwere Misshandlungen sind an der Tagesordnung. Human Rights Watch erwähnt in einem Bericht außergerichtliche Hinrichtungen, politisch motivierte Angriffe und Tötungen, die sowohl von Regierungs- als auch Oppositionsseite während und nach den Wahlen von 2010 stattfanden.[18] UNICEF sieht die Situation der Kinder in Burundi als beunruhigend an. Rund 25 % der Kinder zwischen 10 und 14 Jahren verrichten Kinderarbeit. Kinder befinden sich in Gefängnissen, erleben sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt. Die Ausbeutung und der Missbrauch von Straßenkindern, Waisen und behinderten Kindern zur Prostitution, Knechtschaft und als Kindersoldaten stellen eine große Herausforderung dar.[19]

Seit 2008 steht Homosexualität unter Strafe.[20] Aufgrund des neuen Strafgesetzes wird Homosexualität nun mit einer Haftstrafe zwischen drei Monaten und zwei Jahren oder einer Geldstrafe zwischen 50.000 und 100.000 BIF (Gegenwert rund 25–50 Euro) geahndet.[21] Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen versuchen mit Aktionen auf die Situation aufmerksam zu machen, darunter auch Human Rights Watch mit der Aktion „Forbidden — Gays and Lesbians in Burundi“.[22]

Im Zusammenhang mit den Kämpfen seit der zweiten Jahreshälfte 2015 kam es insbesondere in der Hauptstadt Bujumbura wiederholt zu schweren Verletzungen sowie Todesfällen in Reihen der Oppositionellen, regierungskritischen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten.[23] Internationalen Medien zufolge handele es sich dabei um gezielte Hinrichtungen durch die Polizei, UN-Sprecherin Stephane Dujarric sprach von standrechtlichen Erschießungen.[24]

Im Oktober 2015 informierte der 44. Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, den Kongress der Vereinigten Staaten, dass er Burundi vom African Growth and Opportunity Act (AGOA) ausschließen werde, aufgrund der bestehenden politischen Krise im Land. Er sprach ferner von Morden, außergerichtlichen Hinrichtungen, willkürlichen Festnahmen und Folter.[25] Am 22. November 2015 unterzeichnete Obama die Executive Order 13712. Sie trug den Titel: Blocking Property of Certain Persons Contributing to the Situation in Burundi.[26] Bereits im März 2015 bekräftigte die Europäische Union ihren Standpunkt zur Lage in Burundi. Demgemäß sei die EU der Ansicht, dass eine unvergängliche politische Lösung nur durch einen Dialog und eines daraus hervorgehenden Konsenses, unter Achtung des Arusha-Abkommens und der Verfassung Burundis, gefunden werden kann. Am 18. Mai 2016 verurteilte der Rat der Europäischen Union den versuchten Staatsstreich in Burundi, kontemporär brachte der Rat seine tiefe Bersorgnis, angesichts der Lage in Burundi, zum Ausdruck. Am 22. Juni 2015 äußerte sich der Rat besorgt über die Zahl der Opfer und der bekannt gewordenen Fälle schwerer Menschenrechtsverletzungen seit Beginn der Krise. Außerdem bekräftigte der Rat seine Entschlossenheit gegenüber restriktiven Maßnahmen. Am 29. Juni 2015 berichtete der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR), dass zahlreiche UNHCR-Büros in den Nachbarländern einen Anstieg an burundischen Flüchtlingen feststellten. Bis Juni 2015 hatten sich den Angaben von UNHCR zufolge 127.000 Menschen in den Nachbarländern Uganda, Tansania, Ruanda, Sambia und in der Demokratischen Republik Kongo als Flüchtlinge registriert. Am 1. Oktober 2015 nahm der Rat den Beschluss (GASP) 2015/1763 an. Durch den Beschluss wurden die Personen:

  • Godefroid Bizimana, Stellvertretender Generaldirektor der Nationalpolizei
  • Gervais Ndirakobuca, Kabinettschef der Präsidialverwaltung
  • Mathias/Joseph Niyonzima, Beamter des Nationalen Nachrichtendienstes
  • Léonard Ngendakumana, ehemaliger „Chargé de Missions de la Présidence“ und ehemaliger General des Heeres

von dem Rat der Europäischen Union sanktioniert.[27][28] Am 29. September 2016 verlängerte der Rat die restriktiven Maßnahmen der EU gegen Burundi bis zum 31. Oktober 2017.[29]

Im April 2016 berichtete der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR), dass seit Beginn der Krise in Burundi annähernd 260.000 Menschen in umliegende Länder geflohen sind. Tansania nahm die meisten Flüchtlinge auf. Die meisten der Flüchtlinge leben in diesem Staat im Flüchtlingscamp Nyarugusu, welches sich in der Region Kigoma befindet, etwa 150 km vom Tanganjikasee entfernt. Gegenwärtig wird das Camp, aufgrund der hohen Anzahl an Flüchtlingen, als größtes Flüchtlingscamp der Welt bezeichnet. Die Flüchtlinge, die nach Ruanda geflohen sind, leben größtenteils im Flüchtlingscamp Mahama.

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Streitkräfte Burundis (Force de défense nationale) bestehen aus 20.000 Mann Personal und 30.000 paramilitärischen Einheiten.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demokratische Republik Kongo Ruanda Tansania Bujumbura Mairie Bujumbura Rural Bubanza (Provinz) Kayanza (Provinz) Cibitoke (Provinz) Ngozi (Provinz) Kirundo (Provinz) Muyinga (Provinz) Cankuzo (Provinz) Karuzi (Provinz) Mwaro (Provinz) Gitega (Provinz) Muramvya (Provinz) Ruyigi (Provinz) Bururi (Provinz) Makamba (Provinz) Rutana (Provinz)
Provinzen von Burundi

Burundi gliedert sich in 18 Provinzen, die nach ihren Hauptstädten benannt wurden. Hauptstadt der Provinzen Bujumbura Mairie und Bujumbura Rural ist jeweils Bujumbura. Die Provinzen teilen sich in 116 Distrikte (communes), diese wiederum sind in Collines (Hügel) unterteilt. Die Hauptstadt Bujumbura (entspricht der Provinz Bujumbura Mairie) gliedert sich in 13 Stadtteile. Die Provinzen sind:

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burundi ist laut Welthunger-Index zur Lage in den letzten 25 Jahren[30] das ärmste Land der Welt. 42,6 % der Bevölkerung hungern. 2007 belief sich der Anteil der Bevölkerung mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auf 58 %. In einem Welthungerindex der Welthungerhilfe steht Burundi an letzter Stelle unter 119 Entwicklungsländern und osteuropäischen Transformationsstaaten. Gründe für den Hunger sind Kriegsfolgen, Übernutzung der Böden, hohe Bevölkerungsdichte und der damit verbundene Landmangel. Letzterer wird durch die Rückkehr von Flüchtlingen noch verschärft.[31]

Seit Kriegsende setzt eine gewisse wirtschaftliche Erholung ein und auch die Indikatoren sozialer Entwicklung verbessern sich langsam. Laut dem Index der menschlichen Entwicklung 2014 der Vereinten Nationen liegt Burundi auf Platz 184 von 188 ausgewerteten Ländern.[2]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irembo-Trommler aus Burundi
Fischer am Tanganjikasee
Carolus Magnus Schule. Diese Schule wurde mitfinanziert aus Geldern der Kampagne „Dein Tag für Afrika“.

Burundi ist ein typisches Agrarland. Der Lebensunterhalt von etwa 85 % der Einwohner ist von der Landwirtschaft abhängig. Angebaut werden vor allem Bananen, Maniok, Mais, Süßkartoffeln, Reis und Gemüse, aber auch Hirse ist ein wichtiges Anbauprodukt. Für den Export werden insbesondere Kaffee und Tee angebaut. Kaffee hatte 1997 mit 78,5 % der Exporte den größten Anteil. Unter den niedrigen Weltmarkt-Kaffee­preisen der letzten Jahre litt Burundi sehr stark.

Burundi hat einen relativ hohen Viehbestand, doch ist die Produktivität und die Verwertbarkeit gering. Exportiert werden lediglich Häute und Felle von Rindern, Ziegen und Schafen. Fischerei ist vor allem auf dem Tanganjikasee möglich; dem Fischfang kommt angesichts des großen Mangels an eiweißhaltiger Nahrung große Bedeutung zu.

Bodenschätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenschätze sind vor allem Nickel, Kobalt, Uran, Kupfer, Platin, Vanadium, Gold, Zinn, Kaolin, Niob, Tantal, Wolfram und Kalk.

Staatshaushalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 657 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 525 Mio. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 4,2 % des BIP.[32] Die Staatsverschuldung betrug 2002 1,366 Mrd. US-Dollar oder 234 % des BIP,[33] seitdem wurden dem Land große Teile der Staatsschulden erlassen. 2016 lag die Staatsverschuldung bei 47,2 % des BIP.

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Burundi – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Burundi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikimedia-Atlas: Burundi – geographische und historische Karten
 Wikivoyage: Burundi – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] (PDF) Internationaler Währungsfonds
  2. a b Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP): Bericht über die menschliche Entwicklung 2015. Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin (undp.org [PDF; 9,3 MB; abgerufen am 10. November 2016]). Seite 252.
  3. Entwicklungsbericht 2015 mit Daten 2014 bei hdr.undp.org (englisch), abgerufen am 28. November 2016
  4. World Economic Outlook Database April 2017. Abgerufen am 3. Juli 2017 (amerikanisches englisch).
  5. World Population Prospects - Population Division - United Nations. Abgerufen am 20. Juli 2017.
  6. http://apps.who.int/ghodata/?vid=60260
  7. Länderprofil bei hdrstats.undp.org (Memento vom 16. Mai 2013 im Internet Archive)
  8. CIA World Factbook: Burundi (2008) (englisch)
  9. Kinderarbeit in Burundi Aktiv gegen Kinderarbeit
  10. CIA World Fact Book Burundi. Abgerufen am 21. August 2011.
  11. Botschaft Burundis (Memento vom 11. April 2011 im Internet Archive)
  12. Siehe Helmut Strizek, "Geschenkte Kolonien: Ruanda und Burundi unter deutscher Herrschaft", Berlin: Ch. Links Verlag, 2006
  13. a b c d e f Ethnische Spannungen zwischen Tutsi und Hutu in Burubdi. In: Frank R. Pfetsch (Hrsg.): Konflikte seit 1945. Schwarzafrika. Ploetz, Freiburg und Würzburg 1991, ISBN 3-87640-326-X, S. 108–112.
  14. a b Burundi: Amtsinhaber Nkurunziza gewinnt Präsidentschaftswahl. spiegel.de vom 24. Juli 2015, abgerufen am 9. Januar 2017
  15. Afrika: Regierungspartei in Burundi gewinnt umstrittene Parlamentswahl. sueddeutsche.de vom 8. Juli 2015, abgerufen am 9. Januar 2017
  16. Wahlergebnis 2015 (französisch; PDF), abgerufen am 7. Januar 2017
  17. Senat Burundis 2015–2020 (französisch), abgerufen am 7. Januar 2017
  18. Closing Doors? The Narrowing of Democratic Space in Burundi HUMAN RIGHTS WATCH, NOVEMBER 23, 2010
  19. Burundi - Background Unicef vom 28. Februar 2003
  20. Jahresbericht 2008 Amnesty International
  21. Reise- und Sicherheitshinweise Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
  22. Human Rights Watch (12. Mai 2010)
  23. Vereinte Nationen warnen vor drohendem Bürgerkrieg Zeit Online vom 7. November 2015
  24. Burundi opposition fear attacks as Nkurunziza's disarmament deadline arrives Reuters Africa vom 7. November 2015
  25. White House to drop Burundi from trade benefits program Reuters Africa vom 30. Oktober 2015
  26. Burundi Sanctions. U.S. Department of the Treasury, abgerufen am 30. April 2017 (englisch).
  27. Virginie Battu: Burundi: EU verhängt Sanktionen gegen vier Personen. Rat der Europäischen Union, 1. Oktober 2015, abgerufen am 30. April 2017.
  28. Amtsblatt der Europäischen Union, L 257. EUR-Lex, 2. Oktober 2015, abgerufen am 30. April 2017.
  29. Virginie Battu: Burundi: EU verlängert Sanktionen bis 31. Oktober 2017. Rat der Europäischen Union, 29. September 2016, abgerufen am 30. April 2017.
  30. Welthungerindex der Welthungerhilfe 2007
  31. IRIN News: Burundi: Huge challenges in solving land crisis
  32. a b c The World Factbook
  33. Republic of Burundi — Ministry for Public Health
  34. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4

Koordinaten: 4° S, 30° O