Bussen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bussen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bussen
Blick von Heudorf zum Bussen

Blick von Heudorf zum Bussen

Höhe 767 m ü. NHN
Lage Baden-Württemberg, Oberschwaben
Koordinaten 48° 9′ 43″ N, 9° 33′ 19″ OKoordinaten: 48° 9′ 43″ N, 9° 33′ 19″ O
Bussen (Baden-Württemberg)
Bussen
Besonderheiten Heiliger Berg Oberschwabens“

Der Bussen ist ein 767 m ü. NHN Meter hoher Berg in Oberschwaben zwischen Unlingen und Uttenweiler, auf dessen Gemarkung er liegt. Er ist einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte Oberschwabens und ein hervorragender Aussichtsberg mit Blick bis zu den Alpen. Manchmal wird er als „Hausberg Oberschwabens“ oder „Der Heilige Berg Oberschwabens“ bezeichnet. Es finden sich Hinweise auf eine keltische und später germanische Kultstätte. Im Jahr 805 ist eine Wallfahrtskirche, die heutige Pfarrkirche St. Johannes Baptist auf dem Bussen, urkundlich erwähnt. Er ist die höchste Erhebung im Landkreis Biberach außerhalb der Schwäbischen Alb, der höchste Punkt des Kreises ist jedoch der 800,8 Meter Hohe Rotreiß bei Ittenhausen in der Gemeinde Langenenslingen.

Naturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bussen ist ein Naturraum der Donau-Iller-Lech-Platte im Hügelland der unteren Riß. Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands von Meynen/Schmithüsen (1953–1962) wird der Bussen als naturräumliche Untereinheit 042.10 bezeichnet.

Geographie und Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung des Bussens hängt mit der Alpen-Auffaltung im Tertiär zusammen. Eine etwa acht Meter dicke Schicht aus Sylvanakalk schützt den Berg vor der Abtragung. Die Gletschermassen der Eiszeit konnten die Höhe von 767 m nicht überwinden und so blieb der Aussichtsberg bis heute erhalten. Der Bussen liegt im nordwestlichen Teil des Landkreises Biberach in Baden-Württemberg zwischen dem Federsee und der Stadt Riedlingen. Direkt am Südhang des Berges liegt Offingen, ein Teilort der Gemeinde Uttenweiler. Bei klarer Sicht lassen sich vom Berg aus sowohl das Ulmer Münster, als auch die Alpenkette zwischen Füssen und Säntis gut erkennen.

Die Landschaft des Bussen und seine nahe Umgebung sind Teil des 1969 ausgewiesenen, 14,1 km² großen LandschaftsschutzgebietsBussen“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bussen mit Burg und Kirche; Ausschnitt aus der Landtafel des oberen Donaugebietes von 1589, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Aufgrund seiner exponierten Lage wurde der Bussen vermutlich schon in frühester Zeit besucht und verehrt. Bereits die Kelten brachten auf diesem Berg ihre Fruchtbarkeitsopfer dar. Uralte Sagen von Riesen und verborgenen Schätzen ranken sich um den Bussen. Vielleicht reicht sogar die Bitte um ein „Bussakindle[1] bis in diese Vorzeit zurück. Deshalb pilgern auch viele jungverheiratete Paare Sonntags auf den Berg. Die im ersten nachchristlichen Jahrhundert wichtige römische, west-östliche Fernstraßenverbindung von Straßburg nach Augsburg, heute von Historikern Donausüdstraße genannt, überkreuzt den flachen südlichen Anstieg des Bussens. Einige Historiker vermuten ein noch unentdecktes römisches Kastell im Bereich des Bussens, weil die Entfernung zwischen den bekannten römischen Garnisonen in Mengen und in Emerkingen für einen Tagesmarsch zu weit ist.

An einen festen römischen Wachturm wurde eine Burg angebaut, die in alten Schriften „suevia“ (Schwaben) genannt wurde. Als der älteste bekannte Besitzer wird Graf Gerold (✝ 799), der Schwager Karls des Großen genannt. Eine Urkunde aus dem Jahre 805 belegt die Existenz einer Kirche auf dem Gipfel des Bussen, als sie an das Kloster St. Gallen übertragen wurde.

Schon früh standen zwei Burgen auf dem Bussen: die „Vorderburg“ bei der Kirche und die „Hinterburg“. Vermutlich war der Bussen der Stammsitz der Gaugrafen von der Folkoltsbar, aus denen später auch die Grafen von Veringen hervorgingen. In dieser Zeit spielt auch die Erzählung „Wolfrat von Veringen“.[2] 1291 verkauften die Grafen von Veringen die Herrschaft Bussen mit allen Besitzungen an Rudolf von Habsburg.[3] 1387 wurde Berg und Burg von den Habsburgern an das Haus Waldburg verpfändet. Im Laufe des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Burg im Jahre 1633 durch schwedische Truppen zerstört. Der Bussen hatte damit seine politische und militärische Rolle eingebüßt. Von der Ruine Bussen sind neben dem Bergfried, der heute als Aussichtsturm dient, nur noch Mauerreste erhalten.

1786 verkauften die Waldburger die Herrschaft Bussen an den Reichsfürsten Karl Anselm von Thurn und Taxis. 1806, mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation fiel der Bussen an das Königreich Württemberg.

Am 31. August 1958 wurde auf dem Bussen ein Heimkehrer-Mahnmal eingeweiht. Eine Gedenktafel erinnert an die in den Weltkriegen – vor allem in Rommels Afrikakorps – gefallenen Soldaten aus Oberschwaben. Am 8. Mai 1985 hielt der Landkreis Biberach eine Gedenkfeier anlässlich des 40. Jahrestags des Kriegsendes ab. Zehn Jahre später wurde eine Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs abgehalten.

Seit September 1996 lebt eine kleine Kommunität von drei Franziskanerinnen vom Kloster Sießen auf dem Bussen. Damals konnte die Kirchengemeinde Offingen zusammen mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart das Haus auf dem Bussen erwerben. Der Bussen ist bis heute ein Wallfahrtsort. Das Gnadenbild zieht jährlich eine große Pilgerschar an.

Wallfahrtskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kirche auf dem Bussen wird erstmals in einer Urkunde von 805 erwähnt. Die jetzige Wallfahrtskirche St. Johann Baptist stammt aus dem Jahr 1516. Das heutige Erscheinungsbild ist das Ergebnis von Restaurierungsarbeiten aus den Jahren 1960–1962.

Wallfahrten zur Verehrung der schmerzhaften Muttergottes sind auf dem Bussen seit 1521 bezeugt. Seit den 1950er Jahren ist der Bussen Ziel der großen Männer- und Familienwallfahrt am Pfingstmontag.

Eine Wallfahrt der Treue des Verbandes der Heimkehrer zu dem am 31. August 1958 eingeweihten Heimkehrer-Mahnmal findet ebenfalls jedes Jahr statt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bussen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schwäbische Zeitung: 40 Kilometer führt die Wallfahrt auf den Bussen vom 24. Juni 2009
  2. Wolfrat von Veringen - M. Lehmann - Google Books
  3. Johann Daniel Georg Memminger: Beschreibung des Oberamts Riedlingen. (online in der Google-Buchsuche)