Bussnang

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Bussnang
Wappen von Bussnang
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Weinfelden
BFS-Nr.: 4921i1f3f4
Postleitzahl: 9503 Lanterswil
9503 Stehrenberg
9504 Friltschen
9517 Mettlen
9565 Bussnang
9565 Oberbussnang
9565 Oppikon
9565 Rothenhausen
9565 Schmidshof
Koordinaten: 723842 / 268842Koordinaten: 47° 33′ 31″ N, 9° 5′ 3″ O; CH1903: 723842 / 268842
Höhe: 445 m ü. M.
Höhenbereich: 416–723 m ü. M.
Fläche: 18.88 km²
Einwohner: 2343 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 124 Einw. pro km²
Website: www.bussnang.ch
Bussnang

Bussnang

Lage der Gemeinde
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Bussnang (lokal Busslig genannt) ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft[4] im Bezirk Weinfelden des Kantons Thurgau in der Schweiz. Die Gemeinde wurde 1996 aus der Munizipalgemeinde Bussnang und ihren ehemaligen Ortsgemeinden Bussnang, Friltschen, Lanterswil, Mettlen, Oberbussnang, Oppikon, Reuti und Rothenhausen gebildet, während Istighofen bereits 1995 zur neuen politischen Gemeinde Bürglen gewechselt hatte.[5]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bussnang liegt am Südufer der Thur ca. zwei km südwestlich von Weinfelden. Zu Bussnang gehören die Dörfer und Weiler Friltschen, Lanterswil, Mettlen, Neuberg, Niederhof, Oberbussnang, Oberoppikon, Oppikon, Puppikon, Reuti, Rothenhausen, Schmidshof, Stehrenberg, Unteroppikon, Weingarten sowie Wertbühl.

Bussnang grenzt im Nordwesten an Amlikon-Bissegg, im Norden an Weinfelden, im Nordosten an Bürglen, im Südosten an Schönholzerswilen, im Süden an Wuppenau, im Südosten an Braunau und im Osten an Affeltrangen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anstelle der bisheri­gen Kirche wurde 1423 die heutige evangelische Kirche erbaut.[6]

Die erste urkundliche Nennung von Bussnang datiert vermutlich aus dem Jahre 822 als Pussinwanc.[7] Im Frühmittelalter war die grösste Grundbesitzerin in Bussnang das Kloster St. Gallen.[5] Im Hochmittelalter erhielten die Freiherren von Bussnang die Rechte über die Gegend. Diese mussten ihren Besitz nach den Appenzellerkriegen jedoch verkaufen, wodurch die Rechte im Jahre 1442 an Weinfelden übergingen.[8] Ab 1443 teilte es das Schicksal der Herrschaft Weinfelden mit dem Niedergericht Bussnang-Rothenhausen. 1803 wurde Bussnang eine Munizipalgemeinde.[5] 1862 wurden die Weiler Schmidshof und Teile von Oberoppikon von der damaligen Ortsgemeinde Zezikon abgetrennt und der Ortsgemeinde Oppikon in der Munizipalgemeinde Bussnang im Bezirk Weinfelden zugeteilt.[9]

Luftbild aus dem Jahr 1954

Die Kollatur der 885 gegründeten Gallus-Kirche, die ab 1123 Johannes dem Täufer geweiht wurde, ging 1464 von den Freiherren von Bussnang an die Komturei Tobel über, 1809 an den Kanton Thurgau und 1830 an die Gemeinde Bussnang. Die Pfarrei umfasste ursprünglich auch das Gebiet der nachmaligen Pfarreien Wertbühl (belegt seit 1155) und Weinfelden (belegt seit 1275). Im Spätmittelalter dehnte sie sich noch immer über neun niedere Gerichte aus. Als Filiale war ihr die Kapelle Schönholzerswilen unterstellt, während Wuppenau entgegen älterer Annahme nie Filiale von Bussnang war. Nachdem die Pfarrei 1529 unter dem Einfluss von Johannes Zwick geschlossen zur Reformation übergetreten war, erfolgte 1596 die Wiedereinführung der Messe. 1935 wurde die Parität infolge des Neubaus einer katholischen Rundkirche aufgehoben. Die konfessionellen Auseinandersetzungen waren mit dem sogenannten Rosenbachschen Vertrag von 1639 mehr gemildert als beigelegt worden.[5] 1935 wurde die katholische Kirche St. Joseph eingeweiht.

Im Jahre 1978 wurden nach dem Thurhochwasser oberhalb des «Ganggelistegs», einer schmalen, 1882 erbauten Hängebrücke nach Bussnang, die Überreste einer römischen Holzbrücke gefunden, die seit dem Jahre 124 nach Christus die Thur überquerte.[8] Später wurde eine Fähre unterhalten, bis 1453 bei Thurrain in der ehemaligen Ortsgemeinde Rothenhausen wieder eine Brücke erstellt wurde, die Bussnang verkehrsmässig ins Abseits drängte. Seit 1912/13 überbrückt ein Viadukt der Mittelthurgaubahn das Furtbachtal.[5]

Ursprünglich wurde Kornbau in drei Zelgen und Weinbau betrieben. Im 19. Jahrhundert erfolgte der Übergang zu Vieh- und Milchwirtschaft sowie Obstbau. Gewerbe waren die Leinen- und später die Baumwollweberei sowie wenig Handwerk. Seit 1963 produziert die Stadler Rail mit grossem Erfolg elektrische Schienenfahrzeuge.[5]

→ siehe auch Abschnitte Geschichte in den Artikeln Friltschen, Lanterswil, Oberbussnang, Oppikon, Reuti TG, Rothenhausen TG und Wertbühl

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bussnang-blazon.svg

Blasonierung: Gelb und Blau dreimal sparrenweise geteilt.[10]

Die Gemeinde Bussnang führt seit 1948 das Wappen der Freiherren von Bussnang in neuer Zeichnung. Die 1996 gegründete politische Gemeinde übernahm das Wappen der bisherigen Ortsgemeinde Bussnang.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Bussnang[9]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1920 1950 1990 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 1862 1872 1767 1981 1810 2085 2109 2342
Munizipalgemeinde 2062 2058 1950 2220 2259
Ortsgemeinde 267 270 428 453
Quelle [5] [9]

Von den insgesamt 2342 Einwohnern der Ortschaft Bussnang (Politische Gemeinde) im Jahr 2018 waren 335 bzw. 14,3 % ausländische Staatsbürger. 1018 (43,5 %) waren evangelisch-reformiert und 624 (26,6 %) römisch-katholisch.[4]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk von Stadler Rail

Der Eisenbahnhersteller Stadler Rail ist in Bussnang beheimatet. Im Ortsteil Mettlen werden die Bamix-Stabmixer produziert. Im Jahr 2016 bot Bussnang 2384 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 7,8 % in der Land- und Forstwirtschaft, 76,2 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 16,0 % im Dienstleistungssektor tätig.[2]

Bussnang liegt an der Bahnlinie Weinfelden – Wil.

Kultur und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lanterswil findet einmal im Jahr ein Einachserrennen statt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nebeneinander stehen im Ortszentrum die alte Evangelische Kirche Bussnang (15. Jh., früher als paritätische Kirche gemeinsam benutzt) und die 1935 nach Plänen des expressionistischen Architekten Otto Linder errichtete katholische Kirche St. Joseph, ein Rundbau mit dem Grundriss eines vierblättrigen Kleeblatts.[11][12]

Das für die Gemeinde bedeutendste Baudenkmal ist die 1882 erbaute und 2011 renovierte Fussgänger-Hängebrücke über die Thur, die wegen ihrer Schwankungen «Ganggelisteg» genannt wird. Ortsbildprägend ist auch die ca. 300 Meter lange Eisenbahnbrücke südlich des Ortskerns.

Nachdem in der Gemeinde bis in die 1930er Jahre die letzten Weinberge verschwunden sind, entsteht seit 2012 unterhalb der kath. Kirche ein neuer Weinberg, in der Grösse von ca. 600 Reben. Ein dafür gegründeter Weinbauverein pflegt den Weinberg auf der Nikolauswiese, die nach dem 2. Patron der Kirche, dem Heiligen Nikolaus von Myra, benannt wurde.

Wertbühl ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bussnang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  3. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  4. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  5. a b c d e f g André Salathé: Bussnang. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  6. Kirche Bussnang. Auf der Webseite der Evangelischen Kirchgemeinde Bussnang-Leutmerken, 2019
  7. StiASG, Urk. II 48. Online auf e-chartae, abgerufen am 19. Juni 2020.
  8. a b Geschichte. Auf der Webseite der Gemeinde Bussnang, abgerufen am 24. November 2019
  9. a b c Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  10. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  11. Cornelia Stäheli, Erich Trösch: Die katholische Kirche St. Josef in Bussnang. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 830, Serie 83). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2008, ISBN 978-3-85782-830-0.
  12. Angelus Hux und Alexander Troehler: KlangRäume. Kirchen und Orgeln im Thurgau. S. 128.