Butch und Femme

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Die Butch/Femme Society auf dem Gay Pride in New York City.
„She Thinks She Could Wear Bifurcations“, 6. Juni 1903

Unter Butch (englisch, etwa: „maskuliner Typ“, Aussprache: [bʊʧ]) und Femme (französisch: „Frau“, Aussprache: [fam]) oder Fem (US-amerikanisch,Aussprache: [fem]) wird ein erotisches Begehren von Differenz zwischen nicht-heterosexueller Femininität und Maskulinität in lesbischen und queeren Beziehungen verstanden.


Im Englischen wird „butch“ auch als Adjektiv verwendet.[1] Es wird in schwulen US-Kontexten als Markierung von schwuler (Hyper)Maskulinität angewandt.

Frauen*, Lesben*, queere Identitäten[Bearbeiten]

Die Bezeichnungen Butch und Femme werden vor allem zur Selbstdefinition und als erotisches Selbstverständnis und Begehren verwendet, um eine erotische und sexuelle Dynamik und Anziehung zu kennzeichnen zwischen queerem/lesbischem Gender-Ausdruck von Femininität und Maskulinität. Außenstehende sehen in diesem Begehren von Gender- und erotischer Differenz häufig vermeintliche Klischees von traditioneller und unhinterfragter "Weiblichkeit" und "Männlichkeit" erfüllt, da bei "Homosexualität" in der Regel ein sexuelles und erotisches Begehren von Gleichheit impliziert ist, sie bei Butch/Femme jedoch auf Unterschiedlichkeit der Partnerinnen gerichtet ist. Die große Vielfalt nicht-heterosexueller Begehrensformen ist bislang im medialen und sozialen Alltag unterrepräsentiert und bleibt unbeachtet, siehe hierzu Heteronormativität.


Femme, die sich „feminin“ inszenierende lesbische oder queere Person, erlebt vielfach im Alltag als "heterosexuell" verkannt zu werden und damit als "unsichtbar" in ihrem Genderausdruck und ihrem sexuellen Begehren zu gelten. Sie kann als Geburtsgeschlecht "weiblich" zugewiesen worden sein - oder aber auch als "männlich", d.h. sich als Trans*Femme definieren. Eine optisch sehr maskuline und „tough“ auftretende, nicht-heterosexuelle weibliche Person kann erleben als "Kampflesbe" sexistisch abgewertet zu werden. „Dyke“ dagegen ist eine seit den 1970er Jahren im US-Kontext verwendete positive Selbstbezeichnung. Butch/Femme als erotische Bezogenheit ist nicht die einzige Konstellation: So gibt es nicht selten Beziehungen etwa zwischen zwei Butches oder zwischen Femmes.

Butch (US-/englischsprachiger Kontext) oder auch Kesser Vater bzw. KV (deutschsprachige Selbstbezeichnungen des 20. Jahrhunderts, insbesondere in der "homosexuellen" Barkultur der 1920er Jahre in Berlin) oder auch viril (vorwiegend Fremdbezeichnung in Sexualmedizin des 19. Jahrhunderts, siehe Richard von Krafft-Ebing, Magnus Hirschfeld) wird eine „maskulin“ in Körpersprache und Kleidungsstil wirkende Lesbe bezeichnet, die nicht dem heterosexuell tradierten Weiblichkeitsideal im angloeuropäischen Kontext entspricht. Diese Person kann sich als "weiblich" oder mehr als trans*geschlechtlich wahrnehmen, ebenso ihr Begehren als "lesbisch" oder als "queer". Entweder wird ein weibliches Pronomen, das heißt "die" Butch oder ein männliches Pronomen, d.h. "der" Butch, bevorzugt. Der historische Typus des Kessen Vaters zeigt sich bereits in den 1920er und 1930er Jahren, etwa in Fotografien von Man Ray.[2] In der englischen Homosexuellenszene wird butch auch als beschreibendes Adjektiv verwendet.[1]

Das Thema Butch und "female masculinity" wurde vor allem im poststrukturalistischen Kontext theoretisch rezipiert, so etwa bei Judith Butler, Jack Halberstam oder Beatriz Preciado.

Der schwule Macho[Bearbeiten]

Besonders in der englischsprachigen Schwulenszene hat Butch verschiedene Bedeutungen.[1] Das Adjektiv butch beschreibt männliche Erscheinung und männliches Auftreten. Das Substantiv Butch bezeichnet einen Mann, der die männliche Rolle spielt, sei es sozial oder sexuell. (Sexuell wird heute sowohl in der englischen, als auch in der deutschen Szene vermehrt die Bezeichnung Top verwendet.) Ein „butcher“ Homosexueller sieht somit maskulin aus und agiert maskulin – betont maskulin.[3] Er ist das totale Gegenstück zu effeminiertem Verhalten und Aussehen, zur Tunte. Das Adjektiv butch kann somit als „kerlig“ oder „machohaft“ übersetzt werden und das Substantiv als „Kerl“ oder „Macho“. Äußerliche Attribute hierzu sind z. B. Bart und Körperbehaarung.

In den USA war das stärkste Auftreten Ende der 1970er Jahre. Nachdem in den 1950ern effeminierte Männer das Bild der Homosexuellenbars geprägt hatten und selbst unauffällige Homosexuelle ein Repertoire hatten, welches sie untereinander ironisch akzentuiert einsetzten, man häufig zwischen „aktiver“ und „passiver“ Rolle unterschied, sich damit den vorgegebenen Skripten der Mehrheitsgesellschaft anpasste, und die Homophilenbewegung Unauffälligkeit und totale Anpassung für die Öffentlichkeit propagierte, hatte man durch die Ereignisse um Stonewall 1969 und den sich verbreitenden Gay Pride, dem homosexuellen Selbstbewusstsein, mehr Freiheiten. Man konnte es in der Öffentlichkeit zeigen, aber auch ablegen und „alle machten alles“. (Ähnliches passierte in Amsterdam schon nach 1953/1955.[4]) Das Pendel schlug sogar in die Gegenrichtung aus und es wurde ein aus historischer Sicht gesehen notwendiges Gegenklischee entlang der traditionellen Vorgaben über Maskulinität aufgebaut, welches sowohl die alten Vorurteile der Gesellschaft als auch jene in den eigenen Köpfen zerstören sollte. Es entwickelte sich eine Hypermaskulinität gegenüber dem damaligen durchschnittlichen Männlichkeitsideal und dabei handelte es sich oft um dieselben Menschen wie früher.[5][3] Namentlich benannt ist der Castro-Clone[6] und aus der Szene heraus in den Mainstream gelangten als sichtbarstes Zeichen die Village People, auch wenn der Mainstream um den Hintergrund meist nicht wusste. In den 1980ern normalisierte sich die Lage wieder. Im deutschsprachigen Raum setzte dies später ein und entwickelte sich auch anders.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leslie Feinberg: Träume in den erwachenden Morgen. Krug & Schadenberg, Berlin 1996.
  • Stephanie Kuhnen (Hrsg.): Butch Femme. Eine erotische Kultur. Querverlag, Berlin 1997.
  • Sabine Fuchs (Hrsg.): Femme! radikal – queer – feminin. Querverlag, Berlin 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Bruce Rodgers: Gay Talk, Putnam's, New York 1972
  2. die-spirale.de: Constance Ohm: Gewalt in lesbischen Beziehungen, Stand vom 28. Oktober 2006
  3. a b Martin P. Levine, Michael S. Kimmel: Gay macho: the life and death of the homosexual clone, New York University Press, 1998, ISBN 0-8147-4695-0, Kapitel: „(I Wanna Be a) Macho Man“ - The Masculinization of Clone Social Life, S. 55 ff.
  4. Gert Hekma: The Amsterdam Bar Culture And Changing Gay/Lesbian Identities (Memento vom 30. Oktober 2010 im Internet Archive), Gay Studies University of Amsterdam
  5. Erwin J. Haeberle: Bisexualitäten - Geschichte und Dimensionen eines modernen wissenschaftlichen Problems, erschienen in:
    E. J. Haeberle und R. Gindorf: Bisexualitäten - Ideologie und Praxis des Sexualkontaktes mit beiden Geschlechtern, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1994, S. 1-39
  6. Castro Clone, homowiki.de