Cère (Landes)

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Cère
Cère (Frankreich)
Cère
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Haute Lande Armagnac
Gemeindeverband Cœur Haute Lande
Koordinaten 44° 0′ N, 0° 32′ WKoordinaten: 44° 0′ N, 0° 32′ W
Höhe 42–99 m
Fläche 39,87 km2
Einwohner 408 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 10 Einw./km2
Postleitzahl 40090
INSEE-Code

Pfarrkirche Saint-Martin

Cère ist eine französische Gemeinde mit 408 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Mont-de-Marsan und zum Kanton Haute Lande Armagnac (bis 2015: Kanton Labrit).

Der Name in der gascognischen Sprache lautet ebenfalls Cère.[1] Er könnte sich vom lateinischen Wort cella ableiten, das „eine Einsiedelei“ oder „ein Kloster“ bedeutet. Tatsächlich ist im 5. oder 6. Jahrhundert hier ein Priorat eingerichtet worden, nachdem die Christianisierung in der Region Einzug gehalten hatte. Der Name könnte aber auch vom Wachs (französisch cire) stammen, der aus zahlreichen Bienenstöcken gesammelt wurde, die sich dort in früherer Zeit befanden.[2]

Die Einwohner werden Cèrois und Cèroises genannt.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cère liegt ca. 12 km nördlich von Mont-de-Marsan in der historischen Provinz Gascogne.

3.650 Hektar oder 95 % des Gemeindegebiets ist bewaldet, davon sind 930 Hektar Eigentum der Gemeinde.[4]

Umgeben wird Cère von den Nachbargemeinden:

Garein Brocas
Geloux Nachbargemeinden Canenx-et-Réaut
Saint-Martin-d’Oney Uchacq-et-Parentis Saint-Avit

Cère liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour.

Der Estrigon, ein Nebenfluss der Midouze, durchquert das Gebiet der Gemeinde ebenso wie seine Nebenflüsse,

  • der Ruisseau de Tourtilla,
  • der in Cère entspringende Ruisseau de l’Huillère,
  • der in Cère entspringende Ruisseau de Pouyfallas,
  • der in Cère entspringende Ruisseau de Pébarthe und
  • der Ruisseau de Lamolle.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jean-Marie de Poyferré de Cère, 1820

Im Jahre 841 fuhren die Normannen den Adour hinauf, plünderten und verwüsteten das Dorf Cère, ließen sich hier nieder und verbreiteten Schrecken über ganz Aquitanien. Der Herzog der Gascogne konnte sie schließlich im Jahre 982 besiegen und vertreiben. Seit dem Mittelalter besaßen die Klarissen aus Mont-de-Marsan die Grundherrschaft über Cère. Während der Hugenottenkriege verwüsteten und plünderten im Jahre 1569 protestantische Truppen die Kirche. Diese Konflikte betrafen besonders die Landes, weil sie sich in der Nachbarschaft zum Béarn befinden, dessen Religion offiziell der Protestantismus war im Gegensatz zum Rest von Frankreich, der katholisch geblieben war. Im 18. Jahrhundert erlangte die Familie Poyferré aus Mont-de-Marsan die Grundherrschaft. Im 19. Jahrhundert war die Schafzucht die Haupttätigkeit der Bewohner. Der Grundherr Jean-Marie de Poyferré de Cère gründete eine Musterschäferei auf seinem Besitztum. Napoleon Bonaparte ernannte ihn 1806 zum Leiter der Einführung der Merinoschafe in den Landes, anschließend zum Hauptinspektor der kaiserlichen Schäfereien. Die Aufzucht von 1.200 Merinoschafen aus Spanien stellte sich jedoch als Fehlschlag heraus. Unter der Regentschaft des französischen Kaisers Napoleon III. wurden Kiefern angepflanzt. Die Haupteinnahmequelle verlagerte sich von der Schafzucht hin zur Forstwirtschaft, die der Gemeinde einen neuen Schub gab. Ein metallverarbeitender Betrieb, der 1874 aufgenommen wurde, kam rasch zum Erliegen.[2][6]

Cère besaß einen Bahnhof an der Eisenbahnlinie, die Mont-de-Marsan mit Luxey verband und 1906 eröffnet wurde. 1955 wurde die Beförderung von Personen, 1959 der Güterverkehr eingestellt.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf rund 600. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1970er Jahren auf 225 Einwohner, bevor eine Wachstumsphase einsetzte, die sich in jüngster Zeit leicht rückläufig zeigte.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 249 254 225 258 279 274 383 407 408
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[8] INSEE ab 2006[9][10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Martin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Kirche wurde 1569 von protestantischen Truppen geplündert und beschädigt. Ein Neubau im neugotischen Stil ersetzte sie 1866 nach Plänen des Architekten des Départements, Alexandre Ozanne, mit finanzieller Unterstützung der Familie Poyferré de Cère. Die Martin von Tours geweihte Kirche besitzt ein Langhaus mit drei Kirchenschiffen mit einer Länge von fünf Jochen, das mit einer dreiwandigen Apsis verlängert wird. Diese wird von zwei Sakristeien flankiert. Die Seitenschiffe werden vom Hauptschiff durch Spitzbogenarkaden abgetrennt, die auf viereckigen Pfeilern ruhen. Auf der westlichen Seite ragt ein Glockenturm aus der Fassade empor, der mit einem oktogonalen Helm ausgestattet ist. Am Fuß des Helms sind an jeder Turmecke Dachreitern und dazwischen Ädikulä auf den Turm gesetzt. Am Fuß des Glockenturms befindet sich das Eingangsportal in Form eines gedrückten Spitzbogens, darüber ein Zwillingsfenster in Rundbögen. Darüber wiederum zeigt eine Turmuhr den Passanten die Zeit. Abgeschrägte Strebepfeiler umsäumen das Bauwerk. Seine Dächer sind mit Schiefer gedeckt und seine Fenster spitzbogenförmig. Im Inneren öffnet sich eine Empore auf dem ersten Geschoss zum Langhaus. Die Kirchenschiffe sind mit einem falschen Kreuzrippengewölbe gedeckt.[11][12]

Hananias schenkt Paulus das Augenlicht von Pietro da Cortona

Die Inneneinrichtung der Kirche wurde bei dem Neubau im Jahre 1866 fast vollständig erneuert. Von der früheren Kirche stammen nur zwei Ölgemälde. Eines stammt aus dem 18. Jahrhundert und zeigt den blinden Paulus, der von Hananias von Damaskus wundersam geheilt wird. Es ist eine Interpretation eines unbekannten Künstlers des Originals von Pietro da Cortona aus dem Jahre 1631. Das Gemälde dieser Kirche wurde 1988 restauriert. Das andere Gemälde datiert aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wurde 1988 in der Sakristei aufbewahrt und ist seitdem verschollen. Ein Satz von drei Bleiglasfenstern ist gleichzeitig mit dem Neubau der Kirche von einem unbekannten Künstler entstanden. Das Fenster in der Längsachse zeigt eine Darstellung des guten Hirten. Außerdem trägt es das Wappen der Familie Poyferré de Cère. Die Spender dürften Simon Charles de Poyferré und sein Bruder Jean gewesen sein, und die Wahl des Motivs könnte mit den Tätigkeiten ihres Vater zusammenhängen, der Hauptinspektor der kaiserlichen Schäfereien in Rambouillet war und eine berühmte Musterschäferei in Cère gründete. Die beiden anderen Fenster zeigen den Schutzpatron der Kirche, den heiligen Martin, und Maria mit Jesuskind. Maria trägt hierbei eine offene Krone und hält eine Lilie, das Jesuskind trägt eine geschlossene Krone und trägt eine Taube. Die beschriebenen und viele weitere Einrichtungsgegenstände der Kirche sind als nationale Kulturgüter registriert.[13][14][15][16]

Schloss von Cère[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Familie Poyferré im 18. Jahrhundert die Grundherrschaft erlangte, baute sie das Schloss in Cère im Stil der Hochklassik. Es besteht aus einem dreigeschossigen Wohntrakt mit einem angrenzenden viereckigen Pavillon. Als Jean-Marie de Poyferré de Cère es erbte, ließ er auf dem Grundstück seine Musterschäferei errichten und richtete hier eine Zucht von Merinoschafen aus Spanien ein. Am Standort der früheren Gebäude der Schäferei erinnert heute eine Gedenksäule an jene Zeit.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handel und Dienstleistungen sind die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde.

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[17]
Gesamt = 14

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule mit 42 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[18]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cère wird durchquert von der Route départementale 651, der ehemaligen Route nationale 651.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cère (Landes) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cère (fr) Gasconha.com. Archiviert vom Original am 1. März 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gasconha.com Abgerufen am 1. März 2018.
  2. a b Cère (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 9. September 2016. Abgerufen am 1. März 2018.
  3. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 1. März 2018.
  4. Cere (fr) Communauté de communes Cœur Haute Lande. Abgerufen am 1. März 2018.
  5. Ma commune : Cère (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 1. März 2018.
  6. a b Château de Cère (fr) chateau-fort-manoir-chateau.eu. Abgerufen am 1. März 2018.
  7. Description de la ligne Luxey/Mont-de-Marsan (fr) Voies ferrées des Landes. Abgerufen am 1. März 2018.
  8. Notice Communale Cère (fr) EHESS. Abgerufen am 1. März 2018.
  9. Populations légales 2006 Commune de Cère (40081) (fr) INSEE. Abgerufen am 1. März 2018.
  10. Populations légales 2015 Commune de Cère (40081) (fr) INSEE. Abgerufen am 1. März 2018.
  11. église paroissiale Saint-Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 1. März 2018.
  12. Saint-Martin (fr) Observatoire du patrimoine religieux. Abgerufen am 1. März 2018.
  13. le mobilier de l’église paroissiale Saint-Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 1. März 2018.
  14. tableau : Ananie rendant la vue à saint Paul (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 1. März 2018.
  15. tableau : Saint Martin (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 1. März 2018.
  16. ensemble de 3 verrières : Bon Pasteur, Saint Martin, Vierge à l’Enfant (baies 0 à 2) (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 1. März 2018.
  17. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Cère (40081) (fr) INSEE. Abgerufen am 1. März 2018.
  18. École maternelle et élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 1. März 2018.