C/1240 B1

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
C/1240 B1[ i ]
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 28. Januar 1240 (JD 2.173.988,1)

Orbittyp parabolisch
Numerische Exzentrizität 1,0
Perihel 0,668 AE
Neigung der Bahnebene 75°
Periheldurchgang 21. Januar 1240
Bahngeschwindigkeit im Perihel 52 km/s
Geschichte
Entdecker
Datum der Entdeckung 27. Januar 1240
Ältere Bezeichnung 1240
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/1240 B1 ist ein Komet, der im Jahr 1240 mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er wird aufgrund seiner außergewöhnlichen Helligkeit zu den „Großen Kometen“ gezählt.

Entdeckung und Sichtbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Komet wurde besonders intensiv in Japan beobachtet. Der Chronik Dai Nihonshi aus dem 18. Jahrhundert zufolge wurde am 27. Januar 1240 im Südwesten ein „Besenstern“ entdeckt, wahrscheinlich am Abend dieses Tages. Der Komet war rötlich-weiß und ein Schweif von 3° Länge zeigte nach Südosten. Zwei Tage danach wurde seine Helligkeit mit der von Saturn verglichen und seine Schweiflänge betrug 4°. In den folgenden beiden Tagen konnte der Komet in Japan wegen schlechten Wetters nicht beobachtet werden.

Um die gleiche Zeit erfolgten auch an anderen Orten Entdeckungen des Kometen. Das italienische Chronicon Marchiae Tarvisinae et Lombardiae aus dem 13. Jahrhundert berichtet, dass ein Komet um den 25. Januar im Westen erschien. Aus der ungenauen Angabe lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Beobachtung vor derjenigen in Japan erfolgte. Nach der chinesischen Chronik Sòng Shǐ erfolgte in China eine unabhängige Entdeckung am 31. Januar.

Für den 1. Februar berichten die Japaner weiter, dass der Komet bei Jupiter stand und ungefähr so hell wie Venus war, die „Strahlen“ des Kometen erstreckten sich über eine Länge von 4°. Am folgenden Tag stand der Komet dem Planeten Jupiter „gegenüber“ und war die ganze Nacht zu beobachten. Weitere Beobachtungen erfolgten noch am 5. und 12. Februar, sowie am 13. und 21. Februar, als sein Schweif immer noch schwach sichtbar war.

Nach den chinesischen Chroniken wurde der Komet dort noch am 23. Februar und letztmals am 31. März beobachtet.[1] Wiliams verzeichnet die chinesischen Beobachtungen vom 31. Januar und 23. Februar als unterschiedliche Kometen, hält aber eine Zusammengehörigkeit der Beobachtungen für möglich.[2]

Auch etliche europäische Quellen erwähnen den Kometen, wenn auch mit mehr oder weniger genauen Angaben dazu. Die zeitgenössische Chronik Ryccardi de Sancto Germano notarii Chronica des Richard von San Germano aus Italien verzeichnet nur: „1240. Im Monat Februar […] Ein Komet erschien“,[3] während der englische Text Chronica Majora des Matthäus Paris aus dem 13. Jahrhundert etwas ausführlicher über das Jahr 1240 berichtet:

„De stella quæ dicitur cometa.
Sub ejusdem temporis processu, videlicet per totum mensem Februarii, tempore serotino, apparuit versus occidentem quædam fusca stella emittens radium versus orientem, quam esse cometam multi veraciter asserebant.“

„Über den Stern, der Komet genannt wird.
Zur gleichen Zeit dieses Prozesses, nämlich während des ganzen Monats Februar, im Frühling, erschien im Westen ein gewisser dunkler Stern, der einen Strahl nach Osten aussandte, ein Komet, wie viele aufrichtig behaupteten.“

Matthäus Paris: Chronica Majora[4]

Der englische Text Annales Prioratus de Wigornia aus dem 14. Jahrhundert bemerkt wiederum nur lapidar: „1240. […] Ein Komet ist im Februar zu sehen.“[5] Dagegen stammt eine anschauliche Beschreibung von Albertus Magnus, der als Augenzeuge in seinem Buch De Meteoris das Ereignis schildert:

„Ego autem cum multis aliis anno ab incarnatione domini. M. cc. xl. in Saxonia vidi cometem quaſi iuxta polum ſeptemtrionalem, & proiecit radios ſuos inter Orientem & Meridiem, magis dirigendo eos ad Orientem: conſtat, quòd ibi non fuit via alicuius planetæ.“

„Ich selbst habe mit vielen anderen im Jahr AD 1240 in Sachsen einen Kometen gesehen, ganz in der Nähe des Himmelsnordpols, der seine Strahlen warf zwischen den Osten und den Mittag, aber mehr nach dem Osten zu gerichtet. Es ist bekannt, dass dort keiner der Planeten seinen Weg nimmt.“

Albertus Magnus: De Meteoris[6]

In einer Kometenschrift aus dem 17. Jahrhundert wird für das Jahr 1240 (in der Schrift steht „An.C. 1340.“, dies ist ein Druckfehler) Albertus Magnus zitiert: „Hab ich in Saxen geſehen ein Kometen bey dem Welt-würbel/er hat ſeine ſtreimen geworffen zwüſchen dem Aufgang der Sonnen und dem Mittag/hat ſie aber viel mehr gegen dem Morgen gewendet.“ Der Komet soll innerhalb 8 Monaten „widerum verlöſchen“ sein. Ähnlich unrealistische Angaben zu einem besonders langen Erscheinen dieses Kometen wurden vielfach kolportiert.[7] In der gleichen Schrift gibt es für das Jahr 1241 noch den Eintrag: „Iſt in Engelland under König Heinrich dem III. ein erſchrockenlicher Komet erſchinnen/in dem Jenner/hat vaſt 30 taglang gewähret.“[8] Dies ist wohl eine Fehldatierung des Kometen von 1240.

Der Komet erreichte am 2. Februar eine Helligkeit von 0 mag.[9]

Aberglaube[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der italienische Schreiber Rolandino von Padua berichtet in seiner Cronica in factis et circa facta Marchie Trivixane, dass die Leute in Treviso Ende Januar 1240 im Westen einen Kometen erscheinen sahen. Er fügt hinzu, dass „gesagt wurde, die Markgrafschaft von Este würde in diesem Jahr in andere Hände gelangen, da ein solches Zeichen auf so etwas hindeute“.[1]

Der byzantinische Gelehrte Georgios Akropolites berichtet in seinem Chronikē syngraphē über eine zur Mittagszeit im Sommer stattfindende Sonnenfinsternis, die ein Vorzeichen für den bald darauf erfolgenden Tod der Kaiserin Irene Komnene gewesen sein soll. Es muss sich dabei um die Sonnenfinsternis vom 3. Juni 1239 gehandelt haben.[10] Im gleichen Zusammenhang erwähnt er noch einen Kometen, der ein halbes Jahr vor dem Tod der Kaiserin im Norden erschien und drei Monate lang an verschiedenen Stellen des Himmels beobachtet wurde.[11]

Der italienische Maler Antonio Campi berichtet in seiner Chronik der Stadt Cremona aus dem 16. Jahrhundert:

«MCCXL. [...] apparue nel fine di queſto anno vna terribile, e ſpauentoſa Cometa verſo Occidente, il che fú forſe ſegno delle future calamità.»

„1240. [...] Am Ende dieses Jahres erschien ein fürchterlicher und erschreckender Komet im Westen, dies war vielleicht ein Vorzeichen der künftigen Unglücke.“

Antonio Campi: Cremona fedelissima città, et nobilissima colonia de Romani[12]

Umlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Kometen konnte im Jahr 1917 von Sinkiti Ogura aus 3 Beobachtungen über 22 Tage nur eine sehr unsichere parabolische Umlaufbahn bestimmt werden,[13] die um rund 75° gegen die Ekliptik geneigt ist.[14] Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet um den 21. Januar 1240 durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 100 Mio. km Sonnenabstand im Bereich knapp innerhalb der Umlaufbahn der Venus. Um den 2. Februar kam er der Erde bis auf etwa 0,36 AE/54 Mio. km nahe, was der Grund für seine große Helligkeit war. Um den 6. Februar näherte er sich noch der Venus bis auf etwa 27 Mio. km.[15]

Aufgrund der unsicheren Ausgangsdaten kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob und gegebenenfalls wann der Komet in das innere Sonnensystem zurückkehren könnte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b G. W. Kronk: Cometography – A Catalog of Comets, Volume 1. Ancient–1799. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 978-0-521-58504-0, S. 215–217.
  2. J. Williams: Observations of Comets, from B.C. 611 to A.D. 1640. Strangeways and Walden, London 1871, S. 63 (PDF, 20,93 MB).
  3. Richard von San Germano: Ryccardi de Sancto Germano notarii Chronica. In: G. H. Pertz (Hrsg.): Monumenta Germaniae Historica. Bd. 19. Hannover 1866, S. 379 (online).
  4. Matthäus Paris: Chronica Majora. Vol. IV. In: H. R. Luard (Hrsg.): Rerum Britannicarum Medii Ævi Scriptores. London 1877, S. 4 (PDF; 35,5 MB).
  5. Annales Prioratus de Wigornia. In: H. R. Luard (Hrsg.): Annales Monastici. Vol. IV. London 1869, S. 431 (online).
  6. Albertus Magnus: De Meteoris. Liber Primus, Tractatus III, Caput V. Lyon 1651, S. 18 (online).
  7. A. G. Pingré: Cométographie ou Traité historique et théorique des comètes. Tome I. Imprimerie Royale, Paris 1783, S. 403–404 (PDF; 56,49 MB).
  8. J. J. Wagner: Herrn Ludwig Lavaters / L.G. Hiſtoriſche Erzehlung vaſt aller der Kometen / Welche von der Geburt des Röm: Keiſers Auguſti / und der Gnadenreichen Geburt unſers Herren und Heilands Jeſu Chriſti an / bis auf das 1556. Jahr geſehen worden; auß vilerley Geſchichtſchreibern zuſammen getragen. Zürich 1681, doi:10.3931/e-rara-324, S. 44–45 (PDF; 26,85 MB).
  9. D. K. Yeomans: NASA JPL Solar System Dynamics: Great Comets in History. Abgerufen am 25. Oktober 2016 (englisch).
  10. Five Millennium Catalog of Solar Eclipses: 1201 to 1300 (1201 CE to 1300 CE). NASA; abgerufen am 27. Oktober 2016 (englisch).
  11. I. Bekker (Hrsg.): Georgii Acropolitae Annales. Bonn 1836, S. 67–69 (online).
  12. A. Campo: Cremona fedelissima città, et nobilissima colonia de Romani. Cremona 1585, S. 40 (PDF; 26,8 MB).
  13. S. Ogura: On the orbits of two comets observed in Japan. In: Annales de l’Observatoire astronomique de Tokyo. Tome 5. – 3e fasc., 1917, S. 18–20 (bibcode:1917AOTok...5c...1O).
  14. C/1240 B1 in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
  15. A. Vitagliano: SOLEX 11.0. Archiviert vom Original am 18. September 2015; abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).