C/1864 N1 (Tempel)

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C/1864 N1 (Tempel)
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 28. Juli 1864 (JD 2.402.080,5)
Orbittyp langperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,9964
Perihel 0,9093 AE
Aphel 497,5 AE
Große Halbachse 249,2 AE
Siderische Umlaufzeit ~3930 a
Neigung der Bahnebene 178,1°
Periheldurchgang 16. August 1864
Bahngeschwindigkeit im Perihel 44,1 km/s
Geschichte
Entdecker E. W. L. Tempel
Datum der Entdeckung 4. Juli 1864
Ältere Bezeichnung 1864 II
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/1864 N1 (Tempel) war ein Komet, der im Jahr 1864 mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er war der erste Komet, dessen Lichtspektrum beobachtet wurde.

Entdeckung und Beobachtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Komet wurde erstmals am 4. Juli 1864 von Ernst Wilhelm Leberecht Tempel mit einem Teleskop im Garten seines Hauses in Marseille entdeckt.[1] Am darauf folgenden Tag gab es eine unabhängige Entdeckung durch Lorenzo Respighi in Bologna.

Der Komet wurde auch von dem amerikanischen Astronomen Horace Parnell Tuttle während seines Militärdienstes im Sezessionskrieg beobachtet.[2]

Der Komet konnte in der ersten Augusthälfte mit bloßem Auge beobachtet werden, die letzten Positionsbestimmungen erfolgten Ende September. Er erreichte eine Helligkeit von 2,5 mag.[3]

Wissenschaftliche Auswertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Komet Tempel von 1864 nimmt eine besondere Stellung in der Kometenforschung ein, denn er war der erste Komet, dessen Spektrum beobachtet wurde. Giambattista Donati in Florenz benutzte als erster Astronom ein Prisma, um das Licht eines Kometen in seine Farben aufzuspalten. Zu seiner Zeit glaubte man noch, dass die Kometen nur durch reflektiertes Sonnenlicht leuchteten. Als er am 5. August 1864 das Spektrum des Kometenlichts mit dem einer Flamme verglich, fand er aber noch drei schwach leuchtende Bänder, die zeigten, dass der Komet eigenes Licht aussendet. Einige Jahre später wies Sir William Huggins nach, dass diese Emissionen von Kohlenwasserstoffverbindungen ausgehen, die offenbar in den Gasen von Koma und Schweif der Kometen enthalten sind.[4]

Umlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Kometen konnte aus 206 Beobachtungen über einen Zeitraum von 78 Tagen nur eine eingeschränkt präzise elliptische Umlaufbahn bestimmt werden, die um rund 178° gegen die Ekliptik geneigt ist.[5] Die Bahn des Kometen liegt damit fast genau in der Bahnebene der Planeten, allerdings läuft der Komet gegenläufig zu den Planeten. Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet am 16. August 1864 durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 136,0 Mio. km Sonnenabstand im Bereich zwischen den Umlaufbahnen von Venus und Erde. Bereits am 14. Juli hatte er in etwa 48,2 Mio. km den Mars passiert, während er am 8. August mit nur 0,096 AE/14,4 Mio. km die größte Annäherung an die Erde erreichte. Der Komet gehört damit zu den 30 der Erde am nächsten gekommenen Kometen bis zum Jahr 2006.[6] Am 31. August ging er noch in etwa 74,4 Mio. km am Merkur und am 30. September in etwa 75,6 Mio. km Abstand an der Venus vorbei.

Der Komet bewegt sich auf einer extrem langgestreckten elliptischen Bahn um die Sonne. Nach den mit einer gewissen Unsicherheit behafteten Bahnelementen hatte seine Bahn vor seiner Passage des inneren Sonnensystems im Jahr 1864 noch eine Exzentrizität von etwa 0,9957 und eine Große Halbachse von etwa 215 AE, so dass seine Umlaufzeit bei etwa 3150 Jahren lag. Durch die Anziehungskraft der Planeten wurde seine Bahnexzentrizität aber auf etwa 0,9964 und seine Große Halbachse auf etwa 248 AE vergrößert, so dass sich seine Umlaufzeit auf etwa 3900 Jahre erhöhte. Wenn er um das Jahr 3800 den sonnenfernsten Punkt (Aphel) seiner Bahn erreicht, wird er etwa 74 Mrd. km von der Sonne entfernt sein, fast 500-mal so weit wie die Erde und 16 ½-mal so weit wie Neptun. Seine Bahngeschwindigkeit im Aphel beträgt nur etwa 0,07 km/s. Der nächste Periheldurchgang des Kometen wird möglicherweise um das Jahr 5800 stattfinden.[7]

Der Komet in der Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der britische Lyriker des Viktorianischen Zeitalters Gerard Manley Hopkins schrieb am 13. September 1864 ein poetisches Fragment. Wahrscheinlich stand er noch unter dem Eindruck des wenige Wochen zuvor erschienenen Kometen Tempel:[8]

– I am like a slip of comet,
Scarce worth discovery, in some corner seen
Bridging the slender difference of two stars,
Come out of space, or suddenly engender’d
By heady elements, for no man knows:
But when she sights the sun she grows and sizes
And spins her skirts out, while her central star
Shakes its cocooning mists; and so she comes
To fields of light; millions of travelling rays
Pierce her; she hangs upon the flame-cased sun,
And sucks the light as full as Gideon’s fleece:
But then her tether calls her; she falls off,
And as she dwindles shreds her smock of gold
Amidst the sistering planets, till she comes
To single Saturn, last and solitary;
And then goes out into the cavernous dark.
So I go out: my little sweet is done:
I have drawn heat from this contagious sun:
To not ungentle death now forth I run.

Gerard Manley Hopkins

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. Bianchi, A. Gasperini, D. Galli, F. Palla, P. Benni, A. Giatti: Wilhelm Tempel and His 10.8-cm Steinheil Telescope. In: Journal of Astronomical History and Heritage. Vol. 13, No. 1, 2010, S. 43–58. (bibcode:2010JAHH...13...43B).
  2. Simostronomy – The Stories Behind the August Perseids. Abgerufen am 14. Juli 2015 (englisch).
  3. P. Moore, R. Rees: Patrick Moore’s Data Book of Astronomy. Cambridge University Press, Cambridge 2011, ISBN 978-0-521-89935-2, S. 265.
  4. D. Leverington: Babylon to Voyager and Beyond: A History of Planetary Astronomy. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-80840-8, S. 197.
  5. NASA JPL Small-Body Database Browser: C/1864 N1. Abgerufen am 14. Juli 2015 (englisch).
  6. NASA Near Earth Object Program: Historic Comet Close Approaches. Abgerufen am 14. Juli 2015 (englisch).
  7. SOLEX 11.0 von A. Vitagliano. Archiviert vom Original am 18. September 2015, abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).
  8. David H. Levy: Poet and Observer: Gerard Manley Hopkins and some mid-19th Century Comets. In: Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. Vol. 75, No. 3, 1981, S. 139–150. (bibcode:1981JRASC..75..139L).