COVID-19-Pandemie in Frankreich

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Anzahl der wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelten Personen nach Regionen

Frankreich ist eines der betroffensten europäischen Länder der weltweiten COVID-19-Pandemie; in Frankreich wurden im Januar 2020 die ersten europäischen Krankheits- und Totenfälle berichtet. Erste Ausbreitungsherde waren im Elsass und in der Region Île-de-France; bis Mitte April hatte sich die Krankheit auf das ganze Land ausgedehnt und Frankreich verzeichnete nach Italien und Spanien die höchste Anzahl von Todesfällen in Europa.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankreich ist das Land, in dem das Virus SARS-CoV-2 erstmals in Europa auftrat und welches den ersten COVID-19-Todesfall außerhalb Asiens zu verzeichnen hatte. Ende Januar 2020 wurden drei Personen positiv getestet, am 15. Februar starb eine von ihnen, ein 80-jähriger Tourist aus China. Am 25. desselben Monats wurden zwei neue Infektionen gemeldet, ein Franzose, der aus der Lombardei zurückgekehrt war, und eine junge Chinesin, die Anfang Februar aus China zurückgekehrt war.[1] Viele der anfänglichen Infektionen werden auf ein viertägiges Treffen von 2.000 Anhängern der evangelikalen Freikirche Église Porte ouverte chrétienne in Mulhouse[2] Mitte Februar zurückgeführt.[3]

Am 9. März 2020 gab es in Frankreich 1116 bestätigte Infizierte, 19 von ihnen waren bereits gestorben. Bis zum 2. April erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infizierungen auf 59.105. Die Zahl der Toten wurde bis zum 2. April nur für die in Krankenhäusern Gestorbenen tagesaktuell gemeldet. Erst seit 3. April enthalten die offiziell bekanntgegebenen Zahlen auch die in Alters- und Pflegeheimen sowie anderen sozialen und medizinisch-sozialen Einrichtungen (Établissements sociaux et médico-sociaux) Gestorbenen. Am 2. April wurde zum ersten Mal überhaupt seit Beginn der Epidemie eine Zahl von bis dahin in ESMS an Covid-19 gestorbenen Personen veröffentlicht.[4] Am 9. April wies die amtliche Statistik 86.334 Infektionsfälle, darunter 12.210 Tote, aus. Von diesen waren 8044 in Krankenhäusern gestorben und 4166 in ESMS.[5]

Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Februar 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran berichtete im Februar 2020, dass Frankreich in höchster Alarmbereitschaft bleibe. Die Zahl der Labore, die Infektionen nachweisen können, habe man vervielfacht. Als Ziel gab er an, die Kapazität von derzeit 400 Tests pro Tag auf mehrere Tausend Tests pro Tag auszuweiten.[6] Véran rief die Bevölkerung dazu auf, zeitweise von der Gepflogenheit von Wangenküssen zur Begrüßung abzusehen.

März 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März ließ die Regierung den Louvre schließen.[7]

In den Schuldistrikten von Paris wurden Eltern angewiesen, ihr Kind für zwei Wochen zuhause zu behalten, wenn es sich kürzlich in China, Hongkong, Macao, Singapur, Korea, der Lombardei oder Venetien aufgehalten haben sollte. Kinder in Krippen sollten unter diesen Umständen ebenso zuhause behalten werden.[8]

Am 4. März wurden Apotheken angewiesen, Atemmasken nur noch auf Rezept zu verkaufen,[9] dann wurde mit der Verteilung einer Reserve von 10 Millionen Atemmasken auf Apotheken im ganzen Land begonnen.[10]

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer empfahl am 5. März 2020 das von der staatlichen Fernschule Centre national de l’Enseigenement à distance (CNED) betriebene virtuelle Klassenzimmer. Deutsche Medien betonten, dass – im Unterschied etwa zu Deutschland – das Unterrichtsprogramm in Frankreich landesweit identisch ist, so dass der Fernunterricht die Schüler auf das zentrale Abitur in Frankreich vorbereiten kann.[11]

Am 6. März legte die französische Regierung in einem Dekret einen Maximalpreis für Desinfektionsmittel fest.[12]

Nachdem Véran am 8. März angekündigt hatte, dass öffentliche Versammlungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern landesweit nicht mehr genehmigt würden, durften etliche Sport-Großveranstaltungen, darunter die beiden Abschlussbegegnungen des Tournoi de France, nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden.[13]

Am 11. März wurden Besuche in Alters- und Pflegeheimen, auch durch engste Angehörige der Bewohner wie etwa deren Ehepartner oder Kinder, untersagt.[14] Am 12. März gab die französische Regierung bekannt, dass Schulen, Kitas und Universitäten ab dem 16. März bis auf weiteres geschlossen werden.[15] Am 14. März kündigten viele Kultureinrichtungen ihre Schließung an. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Pariser Institutionen wie den Louvre, das Centre Georges Pompidou, den Eiffelturm, das Musée d’Orsay oder das Château de Versailles,[16] aber auch um Institutionen in den Provinzen wie das Château de Montsoreau – Musée d’Art Contemporain[17] oder das MUCEM in Marseille.[18]

Am 14. März wurde die Schließung aller öffentlich zugänglichen Einrichtungen (bspw. – mit Ausnahmen – Geschäfte, Restaurants, Kinos) angeordnet.[19] Am 14. März setzte Véran in Twitter unter Bezug auf eine Studie in der wissenschaftlichen Zeitung The Lancet die Warnung ab, im Falle von Fieber besser kein Ibuprofen einzunehmen, sondern bei Bedarf auf Paracetamol oder andere Mittel auszuweichen, da Ibuprofen eine Infektion möglicherweise verschlimmern könne.[20] Diese Warnung nahm die WHO zuerst auf und veröffentlichte ihrerseits eine Warnung. Am 19. März nahm sie diese Warnung zurück und teilte mit, dass es keine wissenschaftliche Daten über eine Gefährlichkeit von Ibuprofen gebe.[21]

Am 16. März ordnete der französische Staatspräsident Macron eine landesweite, partielle Ausgangssperre an, die am 17. März um 12 Uhr in Kraft trat.[22] Die Notwendigkeit, das Haus zu verlassen, ist durch eine vom Arbeitgeber ausgestellten Bescheinigung oder eine Eigenerklärung nachzuweisen.[23] Am 17. März wurde verkündet, dass das bereits eine Woche zuvor erlassene Besuchsverbot für Bewohner von Altersheimen ab 18. März auch auf Insassen von Gefängnissen ausgeweitet sei.[24]

Am 25. März wurden 20 Viruserkrankte in einem umgerüsteten TGV aus dem Risikogebiet Grand Est in andere Landesteile gebracht.[25]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Epidemie

Bestätigte Infektionen (kumuliert) in Frankreich
nach Daten der SpF
[5]

Neue Infektionen in Frankreich
nach Daten der SpF

Bestätigte Todesfälle (kumuliert) in Frankreich
nach Daten der SpF – bekanntgegeben wurden bis zum 2. April nur Todesfälle in Krankenhäusern, seit 3. April auch in Altersheimen und anderen sozialen Einrichtungen

(a) beinhaltet Nachmeldungen aus Altersheimen und anderen sozialen Einrichtungen

Bestätigte Todesfälle (täglich) in Frankreich
nach Daten der SpF – bekanntgegeben wurden bis zum 2. April nur Todesfälle in Krankenhäusern,(a) seither auch in Altersheimen und anderen sozialen Einrichtungen

(a) 3. April: Vergleich der Zahl der in Krankenhäusern Verstorbenen mit der des Vortags
(b) Datenkorrektur: Nachmeldungen aus Altersheimen und anderen sozialen Einrichtungen

Internationale Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März wurde die Region Grand Est vom deutschen Robert Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Die besonders betroffene französische Region umfasst das Elsass, Lothringen, die Champagne und die Ardennen.[26]

Am 21. März gab Baden-Württemberg bekannt, dass die Unikliniken in Freiburg, Mannheim, Heidelberg und Ulm Beatmungspatienten aus dem Elsass aufnehmen. In der Folge nahmen auch die Uniklinik in Homburg (Saarland) und der Standort Kandel der Asklepios Südpfalzkliniken (Rheinland-Pfalz) Beatmungspatienten aus Frankreich auf.[27] Die drei Schweizer Nachbarkantone nahmen ebenfalls je zwei schwer kranke Patienten aus dem Elsass auf.[28] Das Nachbarland Luxemburg nahm sieben Patienten auf.[29]

Am 31. März brachte ein französisches Militärflugzeug sechs Corona-Patienten aus dem Oberelsass nach Schleswig-Holstein, wo sie zur Behandlung auf die UKSH-Standorte Lübeck und Kiel verteilt wurden.[30]

Am 1. April wurden drei französische Intensivpatienten aus dem Elsass an die Universitätskliniken Salzburg transferiert.[31]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: COVID-19-Pandemie in Frankreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stern: Erste Infektion mit Coronavirus in Baden-Württemberg bestätigt, 25. Februar 2020
  2. La Porte Ouverte Chrétienne ist Mitglied im 2010 gegründeten Conseil national des évangéliques de France (CNEF; Beleg hier); dieser wiederum ist Mitglied in der evangelikalen Dachorganisation Weltweite Evangelische Allianz
  3. Alexei Makartsev, Bärbel Nückles: Virus-Maßnahmen treffen Pendler in der Region. Badische Neueste Nachrichten, 12. März 2020, S. 3.
  4. Coronavirus : l'épidémie a fait 5387 morts à ce jour en France, dont au moins 884 dans les Ehpad. In: francetvinfo.fr. 2. April 2020, abgerufen am 2. April 2020 (französisch).
  5. a b Infection au nouveau Coronavirus (SARS-CoV-2), COVID-19, France et Monde. Santé publique France, 9. April 2020, abgerufen am 9. April 2020 (französisch).
  6. Coronavirus: „Alerte maximale en France“, selon le nouveau ministre de la Santé, Olivier Véran. In: ladepeche.fr. 23. Februar 2020, abgerufen am 6. März 2020 (französisch).
  7. France 'bans' kissing in fight against coronavirus as Louvre museum shuts and government outlaws gatherings of more than 5,000 people. In: dailymail.co.uk. 1. März 2020, abgerufen am 6. März 2020.
  8. Denis Peiron: Coronavirus: pas d’école ni de crèche pour des Français de retour d’Italie. In: la-croix.com datum=2020-02-24. Abgerufen am 6. März 2020 (französisch).
  9. Coronavirus: Mundschutz und Atemmasken stark nachgefragt. In: morgenpost.de. 7. März 2020, abgerufen am 7. März 2020.
  10. Coronavirus. 10 millions de masques vont arriver dans les pharmacies, pour les soignants. In: www.ouest-france.fr. 6. März 2020, abgerufen am 3. März 2020 (französisch).
  11. Michaela Wiegel: Fernunterricht in Frankreich: Virenfrei im virtuellen Klassenzimmer. In: faz.net. 6. März 2020, abgerufen am 6. März 2020.
  12. Virus: Frankreich begrenzt Preise für Desinfektionsmittel. In: boerse-online.de. 6. März 2020, abgerufen am 6. März 2020.
  13. Artikel „Coronavirus – Frankreich-Niederlande und Brasilien-Kanada vor leeren Rängen“ vom 9. März 2020 bei footofeminin.fr
  14. Anne-Laure Frémont: Dans les Ehpad, les visites aux personnes âgées sont désormais interdites. In: lefigaro.fr. 11. März 2020, abgerufen am 2. April 2020 (französisch).
  15. Tagesschau.de: Frankreich schließt Schulen, Unis und Kitas. 12. März 2020
  16. Coronavirus : Château de Versailles, Tour Eiffel, Louvre, Centre Pompidou, Musée d’Orsay, Olympia, Châtelet, Théâtre des Champs-Elysées... des fermetures en cascade. 13. März 2020, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  17. Benoit ROCHARD: Montsoreau. Coronavirus : le château fermé à partir du samedi 14 mars. 13. März 2020, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  18. Marseille : le Mucem ferme ses portes. 13. März 2020, abgerufen am 22. März 2020 (französisch).
  19. Der Spiegel: Frankreichs Premier verkündet Schließung aller öffentlichen Einrichtungen. Abgerufen am 14. März 2020.
  20. Ist Ibuprofen tatsächlich gefährlich für Coronavirus-Infizierte? In: welt.de. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020.
  21. https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/who-coronavirus-ibuprofen-einnahme-schmerzmittel-warnung-zurueckgenommen
  22. Info Coronavirus COVID-19. Abgerufen am 17. März 2020 (französisch).
  23. Info Coronavirus COVID-19. Abgerufen am 21. März 2020 (französisch).
  24. Reportage. Nantes: les parloirs en prison, si précieux, sont suspendus à cause du coronavirus. In: ouest-france.fr. 17. März 2020, abgerufen am 17. März 2020 (französisch).
  25. VIDÉO - Coronavirus : un TGV médicalisé emporte 20 patients alsaciens vers des hôpitaux des Pays de la Loire. In: francebleu.fr. 26. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (französisch).
  26. Robert-Koch-Institut: Risikobewertung zu COVID-19.
  27. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Deutsche Krankenhäuser nehmen COVID-19-Patienten aus Italien und Frankreich auf. In: Deutsches Ärzteblatt. (aerzteblatt.de [abgerufen am 25. März 2020]).
  28. Elsässer Corona-Patienten kommen in die Schweiz. SRF, 22. März 2020.
  29. 3 Patienten aus Frankreich landen in Luxemburg. lessentiel.lu, 23. März 2020.
  30. Französische Corona-Patienten werden im UKSH behandelt vom 1. April 2020 bei boyens-medien.de
  31. Militärhelikopter flog Corona-Patienten aus Frankreich nach Salzburg ein abgerufen am 7. April 2020