COVID-19-Pandemie in Bolivien

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Bestätigte COVID-19-Fälle in den Provinzen Boliviens:
  • ≥32000
  • 16000–31999
  • 10000–15999
  • 5000–9999
  • 2500–4999
  • Krankheit: COVID-19
    Erreger: SARS-CoV-2
    Bestätigte Fälle: 143.755[1] (Stand 19. November 2020)
    Todesfälle: 8889[1] (Stand 19. November 2020)
    Anzahl der Fälle in den bolivianischen Departamentos pro 100.000 Einwohner

    Die COVID-19-Pandemie in Bolivien tritt als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus.[2] Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.[3]

    Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Vorbereitung und erste Fälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Vor der Meldung des ersten Falls hat die bolivianische Interimsregierung ein Komitee aus Experten und Mitgliedern der Regierung organisiert.[4]

    Am 10. März 2020 wurde der erste COVID-19-Fall in Bolivien bestätigt. In den WHO-Situationsberichten tauchte dieser Fall erstmals am 11. März 2020 auf.[5]

    Grenzschließung und Quarantäne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Mit dem Dekret 4196 wurden am 17. März 2020 die Grenzen (außer für Bolivianer) geschlossen. Zwischen Provinzen wurde nur der kommerzielle Transport erlaubt. Alle internationalen Flüge wurden abgesagt. Kindergärten und Schulen wurden geschlossen.[6]

    Ab dem 22. März 2020 wurde das Land per Dekret 4199 unter Quarantäne gestellt, zunächst für 14 Tage. Das Dekret wurde dreimal bis 10. Mai 2020 verlängert. Das Verlassen des Hauses ist dabei nur zu bestimmten Zwecken erlaubt (z. B. Einkauf von Nahrungsmitteln oder medizinischer Notfall). Außerdem darf nur eine Person pro Haushalt auf einmal die Wohnung verlassen und jeweils nur an einem Wochentag, entsprechend der letzten Ausweisnummer. Kindern und Senioren müssen sich ständig innerhalb der Wohnung bzw. des eigenen Grundstücks aufhalten. Strompreise und ab 1. April 2020 auch Gaspreise wurden gesenkt, das Aussetzen der Versorgung mit Strom, Gas oder Wasser wurde verboten.[7]

    Zur weiteren Milderung der Not bei einem Großteil der Bevölkerung, verursacht durch die Ausgangssperre, wurde ab April eine Reihe von Hilfsleistungen durch die Regierung von Bolivien und den Departamentos organisiert. Neben Barzahlungen in Höhe von 500 Bolivianos erfolgten auch die Verteilung von Lebensmittel an bedürftige Familien und weitere Leistungen wie zum Beispiel die allgemeine Übernahme der Wassergebühren.[8]

    Bis zum 17. Mai 2020 wurden von der WHO 4088 COVID-19-Fälle und 169 Todesfälle in Bolivien bestätigt.[5]

    Erste regionale Lockerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Zum 11. Mai 2020 wurden alle Provinzen in 3 Risikoklassen eingestuft (hoch, mittel, moderat), wobei Faktoren wie Fallzahlen, Bevölkerungsdichte und Testkapazitäten in die Bewertung eingingen. Entsprechend gelten seither abgestufte Lockerungen in einigen Provinzen (Cuarentena dinámica). Weiterhin sind die Tieflandregionen Beni und Santa Cruz die Departamentos mit der mit Abstand höchsten Virusaktivität. Im Hochland und in den Andentälern bleiben die Fallzahlen gering.

    Die Regierung von Bolivien und den Departamentos baut seit März schrittweise die Kapazitäten (Isolationsräumlichkeiten, COVID-19-Intensivstationen, Testlabore, Schutzausrüstung) aus. Am 14. Mai 2020 erreichte beispielsweise eine Lieferung von 170 Beatmungsgeräten aus Spanien das Land.[9]

    Regionale Verschärfungen der Maßnahmen rund um die Wintersonnenwende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    In der zweiten Juni-Hälfte oder im Juli erreichen Bolivien typischerweise die größten Kältewellen, sodass das Infektionsrisiko als besonders hoch eingeschätzt wird. Die sonst üblichen Feierlichkeiten im Umfeld der Wintersonnenwende (Willakatuti sowie auch Johannistag) sollten höchstens im kleinen Kreis begangen werden.[10] In einer Reihe von Städten, darunter La Paz und Tarija, wurden folglich im Laufe des Juni 2020 eine encapsulamiento (Einkapselung) genannte verschärfte Quarantäne eingeführt. Es wurde klar, dass das bisherige Quarantäne-Regime nicht ausreichen würde, um die Verbreitung des Virus ausreichend einzudämmen. Über einen verlängerbaren Zeitraum von 3 bis 7 Tagen ist es während des encapsulamiento verboten, das Haus zu verlassen. Das öffentliche Leben steht folglich nahezu komplett still. Gleichzeitig nutzen die Gesundheitsbehörden teilweise die Zeit, um systematische COVID-19-Tests durchzuführen und so ein besseres Lagebild zu bekommen.

    Am 30. Juni wurden 1094 neue Fälle und 52 Verstorbene gemeldet, davon 670 bzw. 24 im Departamento Santa Cruz. Die größte Aktivität der Pandemie konzentriert sich somit weiterhin auf das Tiefland.

    Maßnahmen zur Reaktivierung der Wirtschaft und neue politische Unruhen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Mitte Juli stellte die Regierung das Programm Crédito 1,2,3 vor, mit dem die wirtschaftliche Aktivität gefördert werden soll. Dabei handelt es sich um zinsgünstige und staatlich garantierte Kredite, welche über Banken vergeben werden. Die Geldsumme fließt jedoch nicht an den Kreditnehmer, sondern an einen inländischen Lieferanten.[11]

    Die teilweise verschärften Quarantänemaßnahmen zeigen nur wenig Wirkung. Vielmehr ächzen im Juli nahezu alle Krankenhäuser Boliviens unter den hohen Patientenzahlen. Vielerorts kollabiert das Gesundheitssystem in unterschiedlichem Ausmaß.

    Gleichzeitig führt die Krise vermehrt zu politischen und gesellschaftlichen Konflikten, die am Nationalfeiertag (6. August) deutlich zu Tage treten. Die mächtige Arbeitnehmervertretung Central Obrera Boliviana mobilisierte bereits zuvor gegen die erneute Verschiebung der Präsidentenwahl und blockiert an rund 75 Stellen die Verkehrswege des Landes.[12] Zum Teil werden dadurch auch wichtige Lieferungen an Krankenhäuser verhindert. Daneben streitet die Regierung mit der weiterhin von der MAS dominierten Legislative wegen neuen Zuwendungen (Bonos), um die Not der mittellos gewordenen Bevölkerungsschichten zu lindern. Vertreter der MAS vermuten dahinter eine Wahlkampftaktik und verweigern die Freigabe der Gelder.

    Am 4. August wurden 1515 neue Fälle und 92 Verstorbene gemeldet, davon 35 in Santa Cruz und 21 in La Paz.

    Entspannung an der COVID-Front, Spannungen im Vorfeld der Wahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Im Laufe des Septembers entspannte sich die Infektionslage zunehmend. Der 10. September war der vorläufig letzte Tag mit mehr als 1000 Neuinfizierten. Am 11. Oktober wurden noch 111 Fälle landesweit gemeldet, wobei fast die Hälfte auf Tarija entfiel, das Departamento, das am aktivsten testet. Die meisten Departamentos melden höchstens noch Einzelfälle von Verstorbenen. Gleichzeitig bemüht sich die Regierung, frühzeitig Zugang zu Impfstoffen zu erhalten. Das Gesundheitsministerium betont dabei am 11. Oktober, dass es ausschließlich WHO-zugelassene Produkte zentral über die Impfstoffplattform COVAX einführen wird.[13]

    Gleichzeitig standen seit September die Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahl am 18. Oktober im Mittelpunkt des Interesses. Der Wahlkampf und die Organisation der Wahlen soll unter größten Vorsichtsmaßnahmen zum Infektionsschutz durchgeführt werden. Daneben drohen neue Konflikte zwischen den politischen Lagern und schwere Waldbrände im gesamten Tiefland stellen die Behörden vor zusätzliche Herausforderungen.

    Regierungswechsel und Vorbereitung auf mögliche zweite Welle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Dank der guten Organisation der Wahlen und der konfliktarmen Transition der Macht kam es nicht wie teilweise befürchtet zu einem Anstieg der Infektionszahlen. Vielmehr hielt der positive Trend an, der Anteil der Gesundeten an den Infizierten stieg im November auf über 80 %. Obwohl die lange Zeit sehr strengen Quarantänemaßnahmen im November weiter gelockert wurden, hält das Gesundheitsministerium daran fest, die Bürger zur Hygiene und reduzierten Kontakten anzuhalten. Das allgemeine Tragen eines Mundschutzes ist auch im November noch Pflicht, Schulen bleiben geschlossen und rund um Allerheiligen war der Zugang zu den Friedhöfen stark eingeschränkt. Dennoch nimmt das öffentliche Leben seit Oktober spürbar zu.

    Die Entspannung wird dazu genutzt, Initiativen zur Stärkung des Gesundheitssystems in die Wege zu leiten und die internationale Kooperation im Bereich der Gesundheit auszubauen. Etwa mit Japan, Deutschland und Spanien wurden entsprechende Vereinbarungen getroffen, und auch die Organización Panamericana de la Salud (der regionale Ableger der WHO) sicherte Unterstützung zu. Eine schwere zweite Welle soll unbedingt vermieden und der zeitnahe Zugriff auf Impfstoffe gewährleistet werden.[14]

    Präsident Arce nutzt Anfang Dezember die UNO-Generalversammlung, um Verhandlungen zur Versorgung mit Coronavirus-Impfstoffen zu führen. Dabei drückt er die Erwartung aus, dass bereits im ersten Quartal 2021 erste Chargen nach Bolivien geliefert werden könnten.[15] In der zweiten Dezemberhälfte steigen die Sorgen wegen teilweise regional steigender Fallzahlen. Gleichzeitig werden die Departamentos aufgefordert, Vorbereitungen für die anstehende Impfkampagnen zu treffen und zu ermitteln, in welchem Ausmaß die erforderliche Kühlkette sichergestellt werden kann, insbesondere im ländlichen Raum. Das Gesundheitsministerium plant parallel, über konzertierte Massentests einer drohenden zweiten Welle entgegenzutreten.[16]

    Zweite Welle und Start der Impfkampagne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Mitte Januar 2021 setzt sich die Meinung immer mehr durch, dass die zweite Welle bereits eingesetzt habe. Am 14. Januar meldet Bolivien 2.573 neue Fälle, davon 1.045 in Santa Cruz.[17] Vizeminister Álvaro Terrazas berichtet am gleichen Tag, dass die landesweite Kühlkette stehen wird, wenn die ersten Impfdosen Ende Januar geliefert werden. Die Kampagne werde in allen neun Departamentos gleichzeitig ausgerollt und soll in einem zweiten Schritt auch die entferntesten Ort erreichen.[18]

    Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Fallzahlen während der COVID-19-Pandemie in Bolivien nach Daten der Interimsregierung entwickelten sich wie in den nachfolgenden Diagrammen dargestellt.[1] Dazu ist anzumerken, dass die offiziellen Zahlen wahrscheinlich stark von den tatsächlichen Werten abweichen. Eine Auswertung der Fundación Milenio kommt im September 2020 zum Ergebnis, dass die realen Ansteckungszahlen bis zu zehnmal höher sein könnten. Sie verweist dabei auf die junge Bevölkerung mit einem Anteil von über 60-jährigen von lediglich 9,5 %. Diese ließe eine im internationalen Vergleich niedrige Sterblichkeitsrate erwarten. Dennoch dürfte der Studie zufolge auch die Zahl der Todesfälle deutlich höher sein, weil viele Menschen zuhause gestorben seien und die genaue Todesursache mangels Testkapazitäten häufig nicht ermittelt werden konnte.[19]

    Infektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bestätigte Infizierte in Bolivien nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[20]

    Todesfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Bestätigte Todesfälle in Bolivien nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[20]

    Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Commons: COVID-19-Pandemie in Bolivien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b c Sitio oficial del Gobierno de Bolivia sobre el COVID-19. In: boliviasegura.gob.bo. Abgerufen am 17. April 2020 (spanisch).
    2. Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020.
    3. Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 5. April 2020.
    4. Ministerio de Salud conforma comité intersectorial para detectar posibles casos sospechosos de coronavirus.
    5. a b Situation reports. In: who.int. Abgerufen am 22. April 2020.
    6. Gobierno presenta D.S 4196 de emergencia sanitaria y cuarentena Nacional. Abgerufen am 16. April 2020 (spanisch).
    7. La presidenta Jeanine Áñez confirma cuarentena en el país desde el domingo.
    8. Este martes 5 comienza el pago del Bono Universal en todo el país. Abgerufen am 20. Mai 2020 (spanisch).
    9. Bolivia recibe desde España un primer lote de equipos para tratar la COVID-19. Abgerufen am 20. Mai 2020 (spanisch).
    10. COED anuncia encapsulamiento de La Paz por tres días e intervención del Sedes. Abgerufen am 1. Juli 2020 (spanisch).
    11. Correo del Sur, 16.7.2020 (spanisch, abgerufen am 6.8.2020)
    12. La Razón, 4.8.2020 (spanisch, abgerufen am 6.8.2020)
    13. Gesundheitsministerium, 11. Okt. 2020
    14. Boletín Informativo - Semana 31 vom 16. November 2020, Gesundheitsministerium Bolivien (spanisch)
    15. Gesundheitsministerium Bolivien, 04. Dez. 2020 (spanisch)
    16. Gesundheitsministerium, 27. Dezember 2020 (spanisch)
    17. El Pais, 15. Januar 2021 (spanisch)
    18. Gesundheitsministerium, 14. Januar 2020 (spanisch)
    19. Javier Cuevas Argote: Evaluación estadística del COVID-19 en Bolivia. Fundación Milenio, 13. September 2020, abgerufen am 27. Dezember 2020 (spanisch).
    20. a b WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard; oben rechts auf der Seite ist ein Link zum Download der Daten im CSV-Format