COVID-19-Pandemie in Japan

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Von SARS-CoV-2-Infektionen betroffene Präfekturen Japans (bestätigte Infektionen)

Die COVID-19-Pandemie in Japan tritt als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus.[1] Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.[2]

Seit dem 16. Januar 2020 sind Fälle in dem Land bekannt.

Fälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein 30-jähriger chinesischer Staatsbürger, der zuvor nach Wuhan gereist war, wo sich die Epidemie bereits ausgebreitet hatte, bekam am 3. Januar Fieber und kehrte am 6. Januar nach Japan zurück. Er wurde während einer Krankenhauseinweisung zwischen dem 10. und 15. Januar positiv getestet. Er hatte möglicherweise engen Kontakt zu einer betroffenen Person in Wuhan.[3][4] Am 24. Januar wurde ein zweiter Fall eines chinesischen Staatsbürgers bestätigt, der aus Wuhan zu Besuch war.[5] Am 25. Januar wurde der dritte Fall, eine Frau aus Wuhan betreffend, bestätigt.[6]

Danach traf Japan wegen der bevorstehenden Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen.[7] Am 28. Januar wurden in Japan die Fälle fünf, sechs und sieben bestätigt, darunter ein Mann, der Wuhan nicht besucht hatte. Der Mann war ein Tourbusfahrer, der Anfang Januar eine Gruppe aus Wuhan gefahren hatte.[8][9] Der Reiseleiter für die Gruppe wurde ebenfalls als positiv auf SARS-CoV-2 getestet.[10] Am 29. Januar wurden ein chinesischer Mann und eine chinesische Frau in den Vierzigern in Aichi und in Hokkaido als positive Fälle bestätigt.[11]

Am 30. Januar wurden drei japanische Staatsangehörige, die per Rückholflug von Wuhan am Flughafen Tokio-Haneda gelandet waren, positiv getestet.[12] Premierminister Shinzo Abe informierte das Parlament darüber, dass zwei Japaner, die mit derselben Maschine geflogen waren, Tests auf das Virus ablehnten und dass Beamte sie rechtlich gesehen nicht dazu zwingen könnten. Der Fall wurde sodann unter dem Stichwort kensa kyohi (japanisch 検査拒否, ‚Untersuchungsverweigerung‘) kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert.[10] Die zwei betreffenden Passagiere stimmten schließlich doch noch einem Test zu, dessen Ergebnis dann negativ ausfiel.[13]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tests[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prüfkapazitäten in Japan betrugen Mitte März 7.500 Tests pro Tag, wobei bis Ende dieses Monats eine Steigerung dieser Zahl auf 8.000 angedacht war.[14] Tatsächlich wurden zu dieser Zeit durchschnittlich jedoch nur 1.190 Tests pro Tag durchgeführt, sodass bis zum 18. März insgesamt 32.125 Prüfungen (inkl. Mehrfachtests) an 16.484 Patienten stattfanden – was einer Quote von einem unter 7.600 Menschen entspricht.[14][15] Dass Japan damit nur ein Sechstel seiner Kapazitäten nutzte, versuchte das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales mit der Ermessensfreiheit der Ärzte zu erklären; so werde nicht jeder besorgte Patient automatisch auf eine Ansteckung mit dem Virus untersucht. Dieser Darstellung widerspricht eine Studie der Nihon ishi kai (japanisch 日本医師会, ‚Japanische Ärztekammer‘), laut der 290 von Ärzten angefragte Corona-Tests von Gesundheitsämtern abgelehnt wurden.[14] Diese Fälle, in denen Ärzte Gesundheitsämtern einen Verdacht auf Ansteckung mitgeteilt hatten, lagen in einem Zeitraum von 20 Tagen. In den Begründungen an die Mediziner hieß es unter anderem, dass Lungenentzündungssymptome erst weiter beobachtet werden sollten oder die Abholung von Untersuchungsproben wegen Arbeitskräftemangel nicht möglich sei. Der Studie zufolge ist das vorherrschende Bezirkssystem nicht in der Lage, schnell genug zu reagieren, wobei jedoch immerhin die Anwendung der öffentlichen Krankenversicherung die Genehmigung eines Tests erleichtern würde.[16] Laut Aussagen eines Mitarbeiters des Ministeriums hält Japan womöglich Infizierte von Tests auf das Virus ab, um das Gesundheitssystem für die Behandlung wirklich kritischer Fälle von COVID-19 zu reservieren.[17]

Premierminister Abe äußerte am 7. April, der Staat werde sich bemühen, die Test-Kapazitäten auf bis zu 20.000 pro Tag zu erhöhen. In der Realität würden laut der Tageszeitung Asahi Shimbun aber höchstens 7800 Tests pro Tag durchgeführt. Nur vereinzelt würden lokale Behörden privaten Einrichtungen erlauben, solche Tests durchzuführen.

Am 16. April 2020 forderten Krankenhäuser in Kyōto in einer gemeinsamen Erklärung den Staat auf, die Krankenkassen auch Coronatests für Patienten zahlen zu lassen, die keine Symptome haben. Ärzten und Krankenschwestern drohe bei Operationen oder Geburten eine Infizierung, wenn Patienten ohne Symptome COVID-19 hätten.[18][19][20]

Infizierte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Statistiken sind die Daten des Kreuzfahrtschiffes Diamond Princess nicht enthalten. Die 3711 Passagiere und Crewmitglieder des Kreuzers waren im Hafen von Yokohama wegen eines SARS-CoV-2-Ausbruchs zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt worden,[21][22] wobei sich die bestätigten Infektionen auf 712 und die bestätigten Todesfälle auf 7 Personen beliefen.[23]

Bestätigte Infizierte nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[24]

Todesfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestätigte Verstorbene nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[24][Anm. 1]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der überdurchschnittliche Anstieg im WHO-Bericht #93 vom 22. April 2020 (pdf; siehe dort Seite 1) erklärt sich aus einer Veränderung der Meldungen. Bisher wurden nur Fälle gemeldet, die auch endgültig bestätigt werden. Nun aber auch die, die noch nicht komplett überprüft und bestätigt wurden.

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahezu leere Straßen vor dem Wakō-Kaufhaus in Ginza (19. April 2020)

Premierminister Shinzō Abe erklärte am 1. Februar 2020, das neuartige Coronavirus habe „erhebliche Auswirkungen auf den Tourismus, die Wirtschaft sowie die Gesellschaft im Allgemeinen.“[25][26] Gesichtsmasken waren im ganzen Land ausverkauft und der Vorrat an Masken war bereits einen Tag nach Eintreffen von Nachschub aufgebraucht.[27] Das japanische Gesundheitssystem stand unter Druck, da die Nachfrage nach medizinischen Untersuchungen stark gestiegen ist.[28] Chinesische Touristen haben von einem Anstieg von Diskriminierung berichtet.[29] Ende Januar 2020 gab Gesundheitsminister Katsunobu Katō bekannt, dass das Ausmaß der Epidemie noch keine Absage von Massenveranstaltungen rechtfertige.[30]

Die Luftfahrt, der Tourismus und der Einzelhandel haben erhöhte Umsätze verzeichnet, während einige herstellende Unternehmen über Störungen mit chinesischen Fabriken, der Logistik und Lieferketten meldeten.[31] Premierminister Abe hat die Nutzung eines Notfall-Fonds in Erwägung gezogen, um die finanziellen Auswirkungen auf den Touristik-Sektor zu mildern.[32] S&P Global merkte an, Reise- und Kosmetikunternehmen sowie der Einzelhandel seien am schlimmsten betroffen, da diese Wirtschaftssektoren stark vom chinesischen Tourismus beeinflusst seien.[33] Der Videospielproduzent Nintendo teilte mit, dass die Produktion von in China produzierten Nintendo-Teilen stocke.[34]

Ende Februar 2020 schloss das Tokyo Disney Resort mit seinen Themenparks Tokyo Disneyland und Tokyo DisneySea. Die Universal Studios Japan gaben ihre Schließung bis zum 16. März bekannt.[35][36]

Naomichi Suzuki, Gouverneur von Hokkaidō, rief angesichts der drastisch ansteigenden Infektionsfälle zwischenzeitlich den Notstand aus und bat die Einwohner, ihr Haus nicht zu verlassen.[37]

Sportveranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus hat große Auswirkungen auf den Sport in Japan. Die Olympischen Spiele, die von Juli bis August in Tokio stattfinden sollten, wurden Ende März 2020 um ein Jahr verschoben.[38][39][40]

Auch der nationale Profisport ist vom Ausbruch des Coronavirus betroffen. Die Vorbereitungsspiele zur Nippon Professional Basketball und das Haru Basho, ein Turnier im Sumō, fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, während die Saisonstarts der J1 League und der Top League komplett ausgesetzt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurden.[41][42]

Unterhaltungsbranche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shinzō Abe schlug am 26. Februar 2020 vor, für die kommenden zwei Wochen während des Ausbruchs des neuartigen Coronavirus sämtliche sportlichen, kulturellen oder anderen Großveranstaltungen abzusagen, zu verschieben oder in einem kleineren Rahmen auszutragen.[43]

Am Tag darauf wurde die AnimeJapan, Japans größte Animemesse abgesagt.[44] Einen Tag darauf kündigte das Legoland Japan Resort seine Schließung für drei Wochen an. Am 23. März 2020 öffnete das Resort mit verkürzten Öffnungszeiten wieder. Die Mitarbeiter müssen Gesichtsmasken tragen und sind mit Fiebermessern ausgestattet.[45]

Auch die japanische Anime-Industrie hat mit den Folgen des Coronavirusausbruchs zu kämpfen. Viele Animationsstudios hatten aufgrund des Virus Personalmangel und mussten die Produktion herunterfahren, sodass Serien wie To Aru Kagaku no Railgun, Asteroid in Love oder A3! für eine Woche oder auf einen unbekannten Zeitraum verschoben wurden.[46][47][48]

Am 25. März wurde bekannt, dass der Komiker Ken Shimura mit dem Coronavirus infiziert ist.[49] Vier Tage später starb Shimura im Alter von 70 Jahren an einer Pneumonie infolge von COVID-19.[50]

Hilfsaktionen für China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Januar spendeten japanische Einwohner Schutzmasken und schickten diese nach Wuhan.[51] Die Liberal Digital Times aus Taiwan glaubt, dass es sich hierbei nicht um eine Spende aus Japan, sondern vielmehr um ein Geschäft handele.[52] Laut Medienberichten des japanischen Konsulats in Chongqing war es eine Spende.[53]

Am 3. Februar spendeten die Japan Pharmaceutical NPO Corporation, Japan Hubei Federation, Huobi Global und Incuba Alpha medizinisches Material an die Provinz Hubei.[54] Eine Woche darauf sagte der Generalsekretär der Liberaldemokratischen Partei Japan (LDP), Toshihiro Nikai; die Lage auf dem chinesischen Festland habe sich verschlimmert; die LDP werde pro Mitglied 5.000 Yen aus den März-Mitgliedereinnahmen für die betroffenen Regionen spenden.[55]

Weitere Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte März starb ein 57-jähriger Japaner an den Folgen der COVID-19-Erkrankung, nachdem er Tage zuvor andere Menschen mit dem Virus hatte infizieren wollen. Wenige Tage vor seinem Tod leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein, nachdem eine Mitarbeiterin einer Kneipe, in der sich der bereits infizierte Mann trotz Ausgangssperre mehrere Minuten lang aufgehalten hatte, positiv auf das Coronavirus getestet worden war.[56]

Suizidrate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die japanische Wirtschaftszeitung Tōyō Keizai berichtete Ende März 2020, wegen wirtschaftlicher Probleme sei die Suizidrate gestiegen. Unternehmen kündigten bereits unterschriebene Arbeitsverträge mit Universitätsabsolventen.[57]

Zwischen dem 16. und 22. März 2020 wurden mehr als 30 Suizide gemeldet.[57] Es gibt in Japan eine Korrelation zwischen Arbeitslosenquote und Suizidrate.[58]

Im April 2020 wurden 20 % weniger Suizide als im Vorjahr registriert. Als Gründe wurden weniger Stresssituationen aufgrund von Schulschließungen und weniger Pendlern vermutet.[59]

Seit Juli 2020 wurde (Stand November 2020) ein signifikanten Anstieg der Anzahl von Suiziden festgestellt, so dass auch der seit ca. 10 Jahren andauernde Trend zu weniger Suiziden nach oben durchbrochen wurde. Am stärksten haben Frauen zu diesem Anstieg beigetragen.[60]

Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Premierminister Shinzō Abe leitet die erste Expertenrunde zum neuartigen Coronavirus am 16. Februar 2020

Zunächst verfolgte die Regierung eine Strategie der Eindämmung. Nach den Virusfällen auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess wurde eine Politik der Prävention und Behandlung verfolgt. Ein COVID-19-Testsystem wurde eingerichtet. Schließlich wurde zu einer Politik der „Milderung“ gewechselt. Ziel war das Abflachen der Kurve der Fallzahlen.

Am 27. Februar 2020 forderte Premierminister Shinzo Abe alle japanischen Grund-, Mittel- und Oberschulen auf, bis Anfang April zu schließen, um das Virus einzudämmen.[61] Für den 10. März kündigte die japanische Regierung zudem zusätzliche Vorkehrungen an.[62]

Es wurde ein Einreiseverbot für Menschen verhängt, die sich zuvor beispielsweise in bestimmten Provinzen Südkoreas, Italiens, des Irans und der Schweiz aufgehalten hatten.[63] Zudem werden Reisende aus China, Südkorea und dem Schengen-Raum für 14 Tage unter Quarantäne gestellt und von der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ausgeschlossen.[63][64] Visa für die Bürger dieser Länder wurden für ungültig erklärt und Visabefreiungen für verschiedene Staaten aufgehoben. Der chinesische und südkoreanische Schiffs- und Flugverkehr für Passagiere wurde weitgehend eingestellt.[63] Visa-Antragsteller werden fortan über ihre bisherigen und zukünftigen Reisen befragt, wobei Falschangaben mit Geld- und Freiheitsstrafen sowie einer Ausweisung aus Japan bestraft werden können.[65] Die Nutzungszeiträume für laufende Visumsanträge wurden verlängert.[66] Am 3. April wurden die Regeln verschärft. Es trat ein Einreiseverbot für Staatsangehörige aus 73 Staaten in Kraft. Die Quarantänebestimmungen wurden auf weltweite Einreisen erweitert und um eine Test­pflicht ergänzt.[67]

Eine Packung der von der Regierung bereitgestellten Masken. Auf dem beiliegenden Papier befindet sich eine Erläuterung des vom Gesundheitsministerium verwendeten Spruchs „Lasst uns die drei Mitsu vermeiden!“ (3つの密を避けましょう!, Mittsu no mitsu o sakemashō!), wobei „Mitsu“ () für Enge bzw. Dichte steht und in den Wörtern der drei zu vermeidenden Situationen „geschlossene Räume“ (密閉空間, mippei kūkan), „überfüllte Orte“ (密集場所, misshū basho) und „Situationen mit engem Kontakt“ (密接場面, missetsu bamen) vorkommt

Am 1. April 2020 gab Premierminister Abe bekannt, die Regierung werde jedem Haushalt zwei waschbare Masken zur Verfügung stellen.[68] Die Lieferung der Masken begann am 17. April.[69]

Am 7. April 2020 rief die Zentralregierung in sieben Präfekturen des Landes den Ausnahmezustand aus, darunter in der Präfektur Tokio. Grund dafür sei laut Premierminister Abe die deutliche Zunahme an Corona-Infektionen in den vergangenen Tagen. Die Maßnahme soll zunächst für einen Monat gelten. Neben Tokio sind die drei Nachbarpräfekturen Chiba, Kanagawa und Saitama sowie Osaka, Hyōgo und Fukuoka betroffen. Durch den Ausnahmezustand dürfen die Behörden der jeweiligen Präfekturen nun die Bürger anweisen, in ihren Häusern zu bleiben, sowie die Schließung von Schulen und anderen Einrichtungen verordnen.[70] Am 16. April wurde der Ausnahmezustand auf alle Präfekturen ausgeweitet.[71]

Am 15. April gab die Regierung bekannt, jede dauerhaft in Japan lebende Person könne aufgrund der wirtschaftlichen Einschränkungen eine Soforthilfe-Auszahlung in Höhe von 100.000 ¥ beantragen. Zuvor hatte Abe vorgesehen, in Notlagen geratene Haushalte mit 300.000 ¥ zu unterstützen, was jedoch vom Koalitionspartner Kōmeitō, der eine bedingungslose Auszahlung von 100.000 ¥ forderte, abgelehnt wurde. Der Kōmeitō-Vorsitzende Natsuo Yamaguchi hatte Abe am 15. April einen Koalitionsbruch für den Fall angekündigt, dass der Kōmeitō-Vorschlag nicht durchgesetzt werden sollte.[72]

Mitte April 2020 war das japanische System, Infektionscluster einzeln nachzuverfolgen und gezielt zu bekämpfen, an der schnelleren Ausbreitung des Virus gescheitert. Unter dem Einfluss der Covid-19-Patienten und mit etwa 13,5 Betten auf Intensivstationen pro 100.000 Einwohnern (Angabe des Gesundheitsministeriums; zum Vergleich: in Deutschland stehen etwa 29,2 Betten auf Intensivstationen pro 100.000 Einwohnern zur Verfügung, in Italien liegt der Wert bei 12,5 Betten)[73] kam es bei einigen Krankenhäusern zu Engpässen, sodass Patienten mit nicht-Covid-19 bezogenen Erkrankungen abgewiesen wurden. Mitte April machten Experten eine mangelhafte Vorbereitung des Gesundheitssystems auf das Virus als eine der Ursachen für den stärkeren Anstieg der Infektionen aus. Die Regierung versicherte sich unterdessen der Hilfe der Konzerne Sony und Toyota um Beatmungsgeräte zu beschaffen.[74]

Am 4. Mai 2020 kündigte Premierminister Abe an, den Ausnahmezustand bis zum 31. Mai zu verlängern.[75] Am 24. Mai wurde der Ausnahmezustand landesweit aufgrund der rückgängigen Anzahl von Neuinfizierten vorzeitig aufgehoben.[76]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab Ende März 2020 verschiedene Theorien für die bis dahin vergleichsweise geringen Fallzahlen in Japan. So wurden zum Beispiel die kulturell bedingte soziale Distanz und das als normal betrachtete Tragen des Mundschutzes als mögliche Gründe für die langsame Verbreitung des Virus betrachtet.[15] Der Arzt und NGO-Leiter Masahiro Kami (japanisch 上 昌広) kritisierte im Februar 2020, dass wegen zu enger Testkriterien die Testkapazität nicht ausgeschöpft werde und daher viele Infektionen nicht erkannt würden.[77] Er zog einen Vergleich zu Südkorea, wo man täglich so viele Tests durchführe wie Japan insgesamt, und schätzte die Dunkelziffer der infizierten Japaner um das 30-fache höher. In der Vorgehensweise der Regierung wurde auch ein Versuch gesehen, die Olympischen Sommerspiele 2020, die ab Ende Juli in Tokio stattfinden sollten, vor einer Absage zu bewahren.[78] 70 % der japanischen Bevölkerung hatten sich gegen die geplante Durchführung der Spiele ausgesprochen.[78]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: COVID-19-Pandemie in Japan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020.
  2. Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 14. April 2020.
  3. Sim Walter: Japan confirms first case of infection from Wuhan coronavirus; Vietnam quarantines two tourists. 16. Januar 2020. Archiviert vom Original am 16 January 2020. Abgerufen am 16. Januar 2020.
  4. WHO | Novel Coronavirus – Japan (ex-China). Abgerufen im 17 January 2020.
  5. Japan confirms 2nd new virus case, braces for Chinese tourist influx. 24. Januar 2020. Abgerufen am 8. Februar 2020. 
  6. Japan confirms third case of new coronavirus infection. In: Japan Times, 25. Januar 2020. 
  7. Coronavirus spotlights Japan contagion risks as Olympics loom. 23. Januar 2020. Abgerufen am 24. Januar 2020. 
  8. Japan sees 1st coronavirus case not linked to recent travel to China. 28. Januar 2020. Abgerufen am 8. Februar 2020. 
  9. Japan reports new coronavirus cases as it moves to evacuate nationals from Wuhan. In: Japan Times, 28. Januar 2020. Abgerufen am 8. Februar 2020. 
  10. a b Wuhan virus: Evacuation of Japanese citizens from China in spotlight after two returnees refuse testing. 30. Januar 2020. Archiviert vom Original am 31 January 2020. Abgerufen am 8. Februar 2020.
  11. Japan confirms 1st domestic case of coronavirus infection. Archiviert vom Original am 2 February 2020. Abgerufen am 8. Februar 2020.
  12. New Coronavirus Detected in 3 Japanese Returnees from Wuhan. 30. Januar 2020. Archiviert vom Original am 30 January 2020. Abgerufen am 8. Februar 2020.
  13. 検査拒否した邦人2人、新型コロナ感染なし. In: Nihon Tere News 24. Nippon Terebi Hōsōmō. 1. Februar 2020. Abgerufen am 24. März 2020.
  14. a b c Rocky Swift, Linda Sieg: Japan uses just a fraction of its coronavirus testing capacity. In: Reuters. Thomson Reuters, 18. März 2020, abgerufen am 24. März 2020.
  15. a b Shaena Montanari: Why Japan cases of coronavirus are so low. In: Business Insider. PARS International, 19. März 2020, abgerufen am 24. März 2020.
  16. ウイルス検査「拒否」全国で290件 日本医師会が調査結果公表. In: NHK News. Nippon Hōsō Kyōkai, 18. März 2020, abgerufen am 24. März 2020.
  17. Jake Adelstein: Japan’s winning its quiet fight against Covid-19. In: Asia Times. 24. März 2020, abgerufen am 25. März 2020.
  18. Tobias Rabe / FAZ.net 16. April 2020
  19. die Erklärung auf japanisch und übersetzt
  20. siehe auch Hospital-Acquired Coronavirus Infections Increasing in Japan (15. April 2020)
  21. Japan quarantines 3,700 on cruise ship over new coronavirus. In: The Japan Times. 4. Februar 2020. Abgerufen am 24. März 2020.
  22. Coronavirus auf „Diamond Princess“: Erste Passagiere verlassen Kreuzfahrtschiff in Japan. In: Der Spiegel. Spiegel-Verlag Rudolf Augstein. 19. Februar 2020. Abgerufen am 22. März 2020.
  23. Novel Coronavirus (2019-nCoV) situation reports; Coronavirus disease (COVID-2019) situation reports. WHO, abgerufen am 2. Mai 2020 (englisch).
  24. a b WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard; oben rechts auf der Seite ist ein Link zum Download der Daten im CSV-Format
  25. Japan reports 20th case of coronavirus as Abe vows new steps to combat outbreak. Japan Times, 1. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  26. South Korea says Chinese tour guide arriving from Japan found to be infected with coronavirus. Japan Times, 1. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  27. Ryusei Takahashi: Amid virus outbreak, Japan stores scramble to meet demand for face masks. Japan Times, 31. Januar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  28. Japan seeks to contain economic impact of virus, new measures come into effect. Reuters, 1. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  29. Eric Pfanner: Chinese tourists finding they are no longer welcome as fear over coronavirus takes hold. Japan Times, 30. Januar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  30. 3 Japanese returnees from Wuhan test positive for new coronavirus. Japan Today, 30. Januar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  31. Thisanka Siripala: Will Japan’s Economy Buckle Under the Coronavirus Outbreak? The Diplomat, 13. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  32. Yoshiaki Nohara: Japan Considers Extra Spending Over Coronavirus’s Impact on Tourism. MSN, 31. Januar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  33. Soon Chen Kang: Chinese coronavirus fear spreads over luxury, retail sectors. S&P Global, 2. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  34. Jennifer Sherman: Coronavirus Delays Nintendo Switch Production, Shipments for Japan. Anime News Network, 6. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  35. Hannah Yasharoff: Tokyo Disneyland, Universal Studios Japan extend park closures over coronavirus. USA Today, 12. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  36. Jayme Deerwester: Tokyo Disneyland, Universal Studios Japan announce two-week closure over coronavirus scare. USA Today, 28. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  37. Hokkaido declares state of emergency over coronavirus. Kyodo News, 28. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  38. Abe brushes aside worries of virus impact on Tokyo Olympics. ABC News, 3. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  39. Justin McCurry: Tokyo 2020 organisers fight false rumours Olympics cancelled over coronavirus crisis. The Guardian, 1. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  40. Olympische Spiele in Tokio auf 2021 verschoben. Sportschau, 26. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  41. Sumo: Spring meet unlikely to be held in „regular“ fashion: JSA. Kyodo News, 28. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  42. Football: J-League postpones matches until March 15 due to coronavirus. Kyodo News, 28. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  43. Abe: Next 2 weeks 'crucial' in virus battle. NHK World Japan, 26. Februar 2020, archiviert vom Original am 9. März 2020; abgerufen am 30. März 2020.
  44. アニメイベント「AnimeJapan 2020」も中止 新型コロナウイルスの拡大で. IT Media, 27. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (japanisch).
  45. DeWayne Bevil: Legoland Japan set to reopen Monday after 3-week coronavirus closure. Orlando Sentinel, 20. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  46. 東京MX、新型肺炎でアニメ「とある科学の超電磁砲T」放送延期 「制作上の都合がつかず」. IT Media, 17. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (japanisch).
  47. TVアニメ『A3!』「SEASON SPRING & SUMMER」第4話以降の放送が延期に. Animate Times, 14. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (japanisch).
  48. Evan Minto: How Deeply Is COVID-19 Impacting Anime Production? Anime News Network, 18. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  49. Japanese comedian Ken Shimura tests positive for COVID-19. Mainichi Shimbun, 25. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  50. Patrick Brzeski: Japanese Comedian Ken Shimura Dies From Coronavirus at 70. The Hollywood Reporter, 29. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  51. 日本民间捐100万口罩驰援武汉. Guancha, 26. Januar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (cn).
  52. 武漢肺炎》中國自嗨?日媒:日本捐百萬口罩 事主出面打臉. Liberal Digital Times, 28. Januar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (cn).
  53. 中国に100万枚以上のマスク寄付。日本企業や市、新型コロナウイルス感染拡大で. Yahoo! News Japan, 28. Januar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (japanisch).
  54. “山川异域,风月同天”:外交部感谢日本协助抗疫的暖心举动. Guancha, 4. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (cn).
  55. 日本執政黨國會議員每人將向中國捐款5000日元. The Nikkei, 11. Februar 2020, abgerufen am 30. März 2020 (cn).
  56. Michael Ziegler: Mann, der absichtlich den Coronavirus verbreiten wollte, ist an der Infektion gestorben. Sumikai.com, 19. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  57. a b コロナ不安で急増?鉄道人身事故が週30件超に3月18日には1日7件も発生、JR神戸線で多発. Toyo Kezai, 31. März 2020, abgerufen am 21. April 2020 (japanisch).
  58. Tatsuo Yamakawa: 新型コロナ、もう1つの闘い 自殺者を増やさない経済対策を. Nikkei Business, 2. April 2020, abgerufen am 21. April 2020 (japanisch).
  59. theguardian.com: Japan suicides decline as Covid-19 lockdown causes shift in stress factors (englisch), abgerufen am 4. Juni 2020
  60. Selina Wang, Rebecca Wright and Yoko Wakatsuki: In Japan, more people died from suicide last month than from Covid in all of 2020. And women have been impacted most. CNN, 29. November 2020, abgerufen am 29. November 2020 (englisch).
  61. KYODO NEWS: PM Abe asks all schools in Japan to temporarily close over coronavirus.
  62. Coronavirus could see the Tokyo Olympics cancelled. Is Japan's handling of the outbreak to blame?, ABC News. 3. März 2020. 
  63. a b c Verschärfung der Einreisebestimmungen im Zusammenhang mit der Verbreitung des Neuen Coronavirus. Botschaft von Japan in Deutschland, 20. März 2020, archiviert vom Original am 22. März 2020; abgerufen am 25. März 2020.
  64. Regierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krankheit (COVID-19). Botschaft von Japan in Deutschland, 20. März 2020, abgerufen am 25. März 2020.
  65. Wichtiger Hinweis auf neue Restriktionen im Zusammenhang mit dem Neuen Coronavirus. Botschaft von Japan in Deutschland, 18. März 2020, archiviert vom Original am 22. März 2020; abgerufen am 25. März 2020.
  66. Verlängerte Gültigkeitsdauer eines Certificate of Eligibilitys (CoE) aufgrund der aktuellen Situation mit dem Coronavirus. Botschaft von Japan in Deutschland, 20. März 2020, abgerufen am 25. März 2020.
  67. Verschärfung der Einreisebestimmungen im Zusammenhang mit der Verbreitung des Neuen Coronavirus. Botschaft von Japan in Deutschland, 3. April 2020, archiviert vom Original am 10. April 2020; abgerufen am 10. April 2020.
  68. Yuki Fujita: Abe faces calls for decisive action after 'Abenomask' blunder. Abgerufen am 19. April 2020 (englisch).
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  72. Satoshi Sugiyama: Komeito cash handout demand highlights Abe's fading power amid outbreak. Abgerufen am 13. Mai 2020 (englisch).
  73. mhlw.go.jp – ICU等の病床に関する国際比較について (japanisch), abgerufen am 13. Mai 2020
  74. "Coronavirus: Japan's medical system faces catastrophe as sick people turned away from hospitals" The Independent vom 19. April 2020
  75. Japan's Abe extends state of emergency to May 31. In: Reuters. 4. Mai 2020 (reuters.com [abgerufen am 4. Mai 2020]).
  76. Japan to completely lift state of emergency as virus cases tail off. In: Jiji Tsūshin, Bloomberg. 24. Mai 2020 (japantimes.co.jp [abgerufen am 4. Juni 2020]).
  77. Hospitals in Japan refusing to test many who suspect they have COVID-19, Japan Times, 26. Februar 2020, zuletzt abgerufen am 5. März 2020
  78. a b Barbara Jung: Coronavirus in Japan: Spiele um jeden Preis? In: tagesschau.de. ARD, 18. März 2020, abgerufen am 25. März 2020.