COVID-19-Pandemie in Norwegen

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Informationen für Reisende am Bahnhof Oslo

Die COVID-19-Pandemie tritt in Norwegen als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie auf, die ihren Anfang in China nahm. Fälle treten in Norwegen seit Ende Februar 2020 auf. Ursache der Erkrankung ist der Erreger SARS-CoV-2. Ein erster Todesfall wurde am 12. März bekannt. Bereits Mitte März 2020 zählte Norwegen zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa, das seit dieser Zeit Schwerpunkt der Pandemie ist.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Februar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Februar 2020 wurde der erste Fall in Norwegen gemeldet. Es handelte sich dabei um eine Frau aus Tromsø, die kurz zuvor einen Aufenthalt im stark betroffenen China hatte. Die Frau begab sich zu Hause in Quarantäne und zeigte keine Symptome.[1][2] Zudem wurde bekannt, dass ein in Florenz wohnender Norweger erkrankt ist und milde Symptome zeigte. Am darauffolgenden Tag wurden von der norwegischen Gesundheitsbehörde Folkehelseinstituttet (FHI) drei neue Infektionen gemeldet. Sie wurden nun in Südnorwegen, in den Städten Oslo und Bærum verortet. Die zwei Infektionen in Oslo konnten auf die Epidemie in Italien zurückgeführt werden, die weitere auf den Ausbruch im Iran. Auch diese drei Fälle wurden durch eine Quarantäne zu Hause geregelt. Zudem wurden weitere Personen in fast allen norwegischen Provinzen unter Quarantäne gestellt, während sie ihre Testergebnisse abwarteten.[3]

Am 28. Februar 2020 wurde der Fall eines Angestellten der Augenabteilung im Ullevål-Universitätsklinikum in Oslo bekannt, der sich auf einer Reise in Norditalien angesteckt hatte. Da die Person zwei Tage zur Arbeit erschienen war, bevor die Infizierung festgestellt wurde, musste nun erstmals eine große Zahl an möglichen Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden. An diesem Tag wurde zudem eine sechste infizierte Person aus Bergen bekannt gegeben, die ebenfalls zuvor in Norditalien war.[4]

März[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Abend des 2. März 2020 bestätigte das Folkehelseinstituttet (FHI) 25 mit dem Virus infizierte Personen.[5] Am 4. März 2020 gab es nach Informationen des FHI keine weiteren Personen, die aufgrund der Infektion mit dem Erreger SARS-CoV-2 im Krankenhaus behandelt werden mussten.[6]

Das Virus erreichte am 7. März 2020 die letzte der elf norwegischen Provinzen (Fylker). Zwei Personen wurden in der Stadt Bodø (Provinz Nordland) als Infizierte klassifiziert.[7] Am 8. März gab das FHI an, dass sich von den 169 bestätigten Fällen 109 in Verbindung mit einer Reise nach Italien oder Österreich angesteckt hätten.[8] Am 10. März wurden von bis dahin etwa 3000 untersuchten Menschen 192 Personen positiv auf das Virus getestet.[9] Nachdem am 5. März 2020 in der Kommune Frosta (Provinz Trøndelag) mit etwa 2650 Einwohnern der erste Fall bekannt wurde, entdeckte man dort am 11. März bereits den zwanzigsten Ansteckungsfall.[10] Aus diesem Grund forderte die Kommune am 12. März dazu auf, weder in das Gemeindegebiet ein- noch auszureisen.[11]

Ministerpräsidentin Erna Solberg gab am 12. März 2020 in einem Interview bekannt, dass die erste Person verstorben sei. Es handele sich dabei um eine ältere Person, die im Universitätsklinikum Oslo behandelt worden war.[12] Das Helsedirektoratet (Gesundheitsamt als Seuchenkontrollbehörde) veröffentlichte am 13. März 2020, dass sich 28 Personen wegen des Virus in stationärer Behandlung befänden. Am Vortag wären es noch 15 Personen weniger gewesen.[13] Am 14. März wurden zwei weitere Todesfälle in einem Osloer Altenheim und im Universitätsklinikum Oslo bekannt.[14][15] Das Osloer Universitätsklinikum meldete am 15. März, dass 1081 Angestellte unter Quarantäne stünden und 14 Angestellte bestätigte Coronafälle seien. Der Verwaltungschef des Krankenhauses gab an, dass dies eine große Herausforderung für den weiteren Betrieb sei.[16] Am 17. März 2020 befanden sich Berichten des Fernsehsenders TV 2 zufolge insgesamt 8000 Krankenhausmitarbeiter in ganz Norwegen in Isolation.[17]

Im Tagesbericht des FHI am 14. März 2020 gab das Institut an, dass 646 Infizierte sich im Ausland angesteckt hätten und weitere 223 in Norwegen. Den größten Anteil machten mit 459 Angesteckten die Personen aus, die sich in Österreich infizierten. Des Weiteren hätten sich 138 Norweger in Italien infiziert. Im Bericht wurde angegeben, dass das Durchschnittsalter der bestätigten Fälle 46 Jahre betrage und 35,2 % davon Frauen seien.[18] Im Bericht des 17. März war die Zahl auf 423 in Norwegen und 757 im Ausland infizierte Personen angewachsen. In 128 Fällen war der Ort unbekannt. Österreich war mit 513 Ansteckungen weiterhin der Spitzenreiter. Hauptquelle der Infektionen aus Österreich ist der Ferienort Ischgl in Tirol.[19] Der Frauenanteil stieg auf 39,8 %.[20] Im Bericht vom 18. März 2020 stand Norwegen mit nun 549 von 1423 Infektionen erstmals an Platz eins der Ansteckungsorte.[21]

Am 18. März 2020 stieg die Anzahl der bekannten Todesfälle auf sechs. Das Durchschnittsalter der ersten fünf verstorbenen Personen wurde mit 89 Jahren angegeben.[22] Im Tagesbericht des FHI vom 21. März 2020 wurden 891 Fälle auf eine Infizierung in Norwegen, 892 auf eine Ansteckung im Ausland zurückgeführt. Bei 143 weiteren Personen war die Ansteckungsquelle noch nicht geklärt. Im Bericht wurde außerdem angegeben, dass an diesem Tag 130 Personen im Krankenhaus behandelt würden und 33 davon auf einer Intensivstation lägen. Insgesamt wurden bis zum 21. März 49.451 Personen auf SARS-CoV-2 getestet, 1926 davon positiv.[23] Im Bericht vom 28. März 2020 war der Frauenanteil bei den positiv getesteten Personen auf 48 Prozent gestiegen. Das Durchschnittsalter lag nun bei 48 Jahren. 52 % der Personen (1994 Fälle) hatten sich zu diesem Zeitpunkt in Norwegen angesteckt, 17 weitere Prozent in Österreich (635 Fälle). In 15 % der Fälle, also bei 595 Personen, war die Infektionsquelle unbekannt. Weitere Länder, in denen sich viele Norweger angesteckt hatten, waren Spanien (178 Fälle), Italien (169 Fälle) und Großbritannien (76 Fälle).[24]

Camilla Stoltenberg, Chefin des FHI, gab am 25. März 2020 in einem Interview mit dem Norsk rikskringkasting (NRK) an, dass wohl einige der zur Eindämmung der Pandemie getroffenen Maßnahmen so lange Bestand haben müssen, bis eine Impfung gegen das Virus möglich wird. Dies könne 18 Monate oder länger dauern. Würden die Maßnahmen zu früh aufgehoben, bestünde die Gefahr, dass ein zu geringer Anteil der Bevölkerung immun sei und ein neuer Ausbruch drohen würde. Neue Strategie der Gesundheitsbehörden und der Regierung sei es deshalb nun, das Virus zu stoppen und nicht mehr wie bisher, den Ausbruch zu bremsen.[25][26] In einer Einschätzung des FHI wurde angegeben, dass diese Strategie sehr umfassende Maßnahmen braucht, um den zwischenmenschlichen Kontakt zu vermindern. Diese können auch negative Auswirkungen auf andere Kranke, Unternehmen und die Gesellschaft haben.[27]

Vergleichende Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte März 2020 zählte Norwegen zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa. So lag Norwegen im Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 17. März 2020 in absoluten Zahlen mit 1169 Infizierten vor Österreich mit 1132 Infizierten; hierbei ist auch die geringere Einwohnerzahl in Norwegen in Relation zu bedenken.[28]

Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesundheitsminister Bent Høie

Gesundheitsminister Bent Høie bat die norwegischen Krankenhäuser am 10. März 2020 darum, sich auf 22.000 Patienten im Laufe des Jahres einzustellen. Am Höhepunkt könnte es laut seiner Prognose 1700 Patienten gleichzeitig geben.[9]

Schließung von Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. März verkündete die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg, dass alle Schulen, Kindergärten und Universitäten ab 13. März, 18 Uhr geschlossen bleiben sollen. Diese Anweisung gelte zunächst bis zum 26. März. Bereits zuvor hatten einige Kommunen angekündigt, den Schulbetrieb vor Ort einzustellen. Am gleichen Tag verkündete Raymond Johansen, der Vorsitzende der Osloer Stadtregierung, dass sämtliche Veranstaltungen mit über 50 Teilnehmern in der Stadt nicht mehr zugelassen seien. Des Weiteren wurden viele öffentliche Gebäude geschlossen.[29]

Verstärkte Grenzkontrollen und Zurückweisungen an der Grenze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. März 2020 äußerte Solberg in einer Pressekonferenz, dass die norwegischen Häfen und Flughäfen ab dem 16. März geschlossen werden. Später wurde präzisiert, dass norwegische Bürger weiter heimkehren dürfen, allerdings Personen ohne Aufenthaltsrecht in Norwegen abgewiesen werden sollen.[30] Alle aus nicht-nordischen Ländern nach Norwegen Reisenden ohne Wohnsitz in Norwegen werden seit dem 16. März 2020 an der Grenze zurückgewiesen.[31] Diese Regelung soll vor allem dabei helfen, die für die Quarantäne zuständigen Behörden zu entlasten. Wichtige Waren sollen weiter transportiert werden können. Eine weitere Ankündigung betraf den Einsatz der norwegischen Reservestreitmacht, der Heimwehr, für die Kontrolle der Häfen und Flughäfen sowie die Grenzkontrollen.[32]

Um sich noch im Ausland aufhaltende Staatsbürger zurück nach Norwegen zu bringen, unterstützt der Staat einige Fluggesellschaften dabei, bis Ende März 2020 Flughäfen anzufliegen, die sie eigentlich nicht mehr anfliegen würden. Am 18. März 2020 äußerte Justizministerin Monica Mæland, dass es jedoch nicht gesichert sei, dass so alle Personen nach Norwegen gebracht werden können.[33]

Quarantäne für Einreisende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. März 2020 wurde angekündigt, dass alle Personen, die nach dem 27. Februar 2020 außerhalb der nordischen Länder waren, bei ihrer Rückkehr 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden.[34] Am 14. März 2020 wurden die Regeln erneut verschärft und nur noch Einreisende aus Schweden und Finnland wurden nicht unter Quarantäne gestellt. Zuvor galt diese Regelung für alle nordischen Länder, also auch Island und Dänemark.[35][36]

Nachdem bereits zuvor davon abgeraten wurde, in die sogenannten Hüttenkommunen, also Kommunen mit einer hohen Anzahl an Ferienhütten, zu reisen, wurden am 14. März 2020 die Bürger dazu aufgefordert, an ihren Erstwohnsitz zurückzukehren.[32] Grund hierfür ist, dass das Gesundheitssystem der meisten Hüttenkommunen nicht darauf ausgelegt ist, auch Personen von außerhalb zu versorgen.[37]

In einigen nordnorwegischen Gegenden wurden Quarantänen nicht nur für aus dem Ausland einreisende Personen auferlegt, sondern auch für Personen, die sich in Südnorwegen aufgehalten haben. Die Kommune Alstahaug kündigte am 13. März 2020 14-tägige Quarantänen für Rückkehrer aus Oslo und Viken an. Am nächsten Tag trat diese Maßnahme im Gebiet um Lofoten und Vesterålen für Rückkehrer aus allen südnorwegischen Provinzen in Kraft.[38] Weitere Kommunen zogen nach.

Testmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. März kündigte das Folkehelseinstituttet (FHI) an, dass nur noch Personen mit Atemwegsbeschwerden sowie Angestellte im Gesundheitswesen auf das Virus getestet werden. Sich in Quarantäne befindende Personen ohne diese Symptome sollen hingegen keinen Zugang mehr zu Tests bekommen. Auch sollen sie keinen Kontakt mehr mit der Gesundheitsbehörde aufnehmen, falls sie keinen Bedarf für Hilfe haben.[39]

Am 29. März 2020 gab das FHI an, auch Personen ohne Symptome testen zu wollen, um daraus statistische Erkenntnisse zu gewinnen. Vorbild dafür sei Island, welches bereits zuvor begann, Personen ohne Beschwerden zu untersuchen.[40]

Wirtschaftliche Hilfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. März legte Ministerpräsidentin Solberg gemeinsam mit Finanzminister Jan Tore Sanner einen Plan vor, der die norwegischen Unternehmen mit 100 Milliarden Kronen unterstützen soll. Damit sollen Arbeitsplätze gesichert werden können. Zudem beschloss die Regierung, die Einzahlung der Arbeitgeberabgaben auszusetzen, damit den Arbeitgebern mehr Geld zu Verfügung stehe.[41] Am 16. März 2020 beschloss das norwegische Parlament Storting ein noch umfangreicheres Paket.[42] Darin wurde unter anderem geregelt, dass der Staat in Teilen die Lohnzahlungen an Angestellte übernimmt, die wegen der Folgen des Virus ihre Arbeit verlieren oder Kurzarbeit ausüben müssen. Im Falle von Kurzarbeit erhält der Arbeitnehmer in den ersten 20 Tagen weiterhin den vollen Lohn, wobei der Staat die Kosten ab dem dritten Tag übernimmt. Danach wird Arbeitslosengeld ausgezahlt, welches ebenfalls angepasst wurde, so dass es mehr Menschen erhalten können. Selbständige und Freiberufliche können nach dem 16. Tag 80 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens der letzten drei Jahre ausgezahlt bekommen. Zudem wurde der niedrigere Mehrwertsteuersatz von zwölf auf acht Prozent abgesenkt.[43]

Für den Kultur- und Sportbereich stellte das Ministerium für Kultur und Gleichstellung unter Minister Abid Raja am 18. März 2020 900 Millionen Kronen in Aussicht. Damit sollen unter anderem die wegfallenden Einnahmen aus dem Kartenverkauf kompensiert werden.[44]

Vollmachtsgesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. März 2020 präsentierte die Regierung Solberg einen Gesetzesvorschlag, der es ihr ermöglichen sollte, in den nächsten sechs Monaten auch ohne die Zustimmung des Stortings, dem norwegischen Nationalparlament, Entscheidungen zu treffen. Alle von der Regierung so beschlossenen Vorschriften müssten anschließend dem Parlament präsentiert werden, das diese mit einem Drittel der Stimmen wieder aufheben könnte. Somit sollte ein schnelleres Handeln des Staats möglich werden.[45] Von einigen Juristen wurde das Gesetz als problematisch bezeichnet, da es der Regierung zu viel Macht gebe.[46][47] Die Regierung plante, das Gesetz am 19. März 2020 im Storting beschließen zu lassen. Dort wurde allerdings beschlossen, erst Experten anzuhören. Oppositionsführer Jonas Gahr Støre von der Arbeiderpartiet (Ap) kritisierte unter anderem die lange Gültigkeit des Gesetzes, räumte aber auch eine Notwendigkeit ein: Grundsätzlich sei ein solches Gesetz in der norwegischen Demokratie nicht denkbar, da jedoch Leben auf dem Spiel stehen, sei es laut Støre notwendig, ungewöhnliche Schritte zu gehen.[48] Am 21. März verabschiedete der Storting schließlich eine geänderte Version, in der das Gesetz zunächst nur einen Monat gilt und der Entscheidungsbereich der Regierung eingeschränkt wurde.[49]

Am 27. März 2020 stellte die Regierung dem Parlament erstmals eine Reihe an geänderten Vorschriften vor. Am 28. März 2020 wurde bekannt, dass die linken Oppositionsparteien Arbeiderpartiet, Senterpartiet (Sp), Sosialistisk Venstreparti (SV), Rødt und Miljøpartiet De Grønne (MDG) von ihrem Recht, auch mit nur einem Drittel der Stimmen eine solche Vorschrift zu blockieren, Gebrauch machen wollen. Davon betroffen waren Vorschriften im Bildungsbereich, weitere Änderungen wurden hingegen akzeptiert.[50]

Sammlung von Bewegungsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. März 2020 gab das Folkehelseinstituttet (FHI) bekannt, dass es eine Mobile App entwickelt, die helfen soll, Infektionsquellen ausfindig zu machen. Damit sollen auch die Gesundheitsbehörden entlastet werden, die bisher manuell versuchen, die möglichen Kontaktpersonen zu bestimmen. Um den Schutz der Privatsphäre zu wahren, wurde eine Zusammenarbeit mit der Datenschutzbehörde Datatilsynet eingegangen.[51] Von Forschern und Mitarbeitern des FHI wurde ausgesagt, dass diese App normalerweise aus Datenschutzgründen wohl nicht legal wäre, allerdings im Anbetracht der Pandemie möglich sei. Außerdem basiere die App auf Freiwilligkeit.[52]

Die App soll ihre Benutzer warnen, wenn sie sich für über 15 Minuten näher als zwei Meter bei einer infizierten Person aufhielten. Dabei soll allerdings nicht bekannt gegeben werden, welche Person die mögliche Ansteckungsquelle darstellt. Da eine Warnmitteiltung nur dann versendet werden kann, wenn beide Personen die Anwendung zum Zeitpunkt des Treffens installiert hatten, ist es nötig, dass möglichst viele Menschen die App freiwillig installieren. Die Daten sollen so lange jeweils 30 Tage lang gespeichert werden, wie die Pandemie weiter eine Gefahr darstelle.[53]

Spitzbergen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht vom 15. auf den 16. März 2020 wurden alle Menschen, die nach dem 27. Februar 2020 nach Spitzbergen gereist waren, mit einem Flugzeug nach Oslo ausgeflogen. Grund hierfür war, dass das vorhandene Gesundheitssystem kaum in der Lage wäre, Infizierte zu behandeln. Das Krankenhaus im Hauptort Longyearbyen ist das kleinste in Norwegen und hat nur einen Raum, der für Patienten mit Ansteckungsgefahr geeignet ist.[54] Zuvor waren bereits einige Personen unter Quarantäne gestellt worden.[55][56] Die Maßnahmen führten zu großen Verlusten in der Tourismusbranche der Inselgruppe. Etwa 90 Prozent der im Reisegewerbe arbeitenden Bewohner wurden in Kurzarbeit geschickt.[57] Es wurde daraufhin ein spezielles Unterstützungsgesetz für Spitzbergen verabschiedet, da den dort lebenden Staatsbürgern von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) eigentlich keine staatlichen Leistungen zustehen.[58]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Epidemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden im Bericht vom 13. März keine neuen Infektionsfälle aufgeführt. Das Folkehelseinstituttet, das die Zahlen an die Organisation übermittelt, gab in ihrem eigenen Bericht an diesem Tag 621 Fälle an, was 132 neue Fälle im Vergleich zum Vortag waren.[59]

Bestätigte Infektionen (kumuliert) in Norwegen
nach Daten der WHO
[60]

Neue Infektionen in Norwegen
nach Daten der WHO
[60]

Bestätigte Todesfälle (kumuliert) in Norwegen
nach Daten der WHO
[60]

Bestätigte Todesfälle (täglich) in Norwegen
nach Daten der WHO
[60]

Regionale Verteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Provinz (Fylke) Einwohner (2019) Insg. infiziert Infizierte/
100.000 Einw.
Agder våpen.svg Agder 305.244 166 54,0
Innlandet våpen.svg Innlandet 371.054 258 69,5
Møre og Romsdal våpen.svg Møre og Romsdal 266.544 81 30,5
Nordland våpen.svg Nordland 242.126 48 19,9
Oslo komm.svg Oslo 681.071 1169 168,6
Rogaland våpen.svg Rogaland 475.654 305 63,6
Coat of arms of Finnmark county and Troms county.svg Troms og Finnmark 244.326 146 60,0
Trøndelag våpen.svg Trøndelag 464.060 311 66,4
Vestfold og Telemark våpen.svg Vestfold og Telemark 417.711 163 38,9
Vestland våpen.svg Vestland 633.117 460 72,3
Viken våpen.svg Viken 1.227.305 1118 90,1
ohne Zuordnung 1
gesamt 5.328.212 4226 78,7
Quelle: Folkehelseinstituttet Dagsrapport,
aktualisiert am 30. März 2020, 12 Uhr

Wirtschaftliche Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 9. bis zum 16. März 2020 registrierte die Arbeitsverwaltung NAV 12.200 Personen, die aufgrund des Virus nicht zur Arbeit erschienen. Es zählten dazu alle Personen, bei denen eine Infektion nachgewiesen war oder der Verdacht im Raum stand. Im Laufe des 16. März wurden weitere 4300 Fälle gemeldet. Es gingen innerhalb von fünf Tagen außerdem 45.000 Anträge auf Arbeitslosen- oder Krankengeld (norwegisch: dagpenger) ein.[61] Am 24. März 2020 erklärte die Behörde NAV, dass 291.000 Personen arbeitslos gemeldet wären, was eine Arbeitslosenquote von 10,4 Prozent bedeute. Dies stellt die höchste Quote seit Ende des Zweiten Weltkriegs dar.[62]

Am 16. März 2020 meldete die Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv (DN), dass der Kurs der Norwegischen Krone (NOK) auf ein historisches Tief gesunken war. Der US-Dollar kostete 10,39 NOK und ein Euro 11,57 NOK.[63] Am Morgen des 19. März 2020 lag der Wert von einem US-Dollar bei 11,85 NOK. Grund dafür ist vor allem der Fall des Ölpreises, da der Kurs der Krone dem des Öls folgt. Der Ölpreis wiederum war durch eine verstärke Produktion in Saudi-Arabien, aber auch eine geringere Nachfrage aufgrund der COVID-19-Pandemie gesunken.[64]

Das Finanzministerium gab am 20. März 2020 bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) vermutlich um etwa ein Prozent gegenüber dem Vorjahr sinken und somit 3,5 Prozent unter dem erwarteten Wert liegen wird.[65]

Reaktionen des Auslands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. März 2020 gab Russland bekannt, dass es ab Mitternacht die Grenze zu Norwegen und Polen für ausländische Staatsbürger schließen werde.[66] Von der am 17. März 2020 beschlossenen Schließung der EU-Außengrenzen wurden Norwegen, die Schweiz und das Vereinigte Königreich, die jeweils keine Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind, ausgenommen.[67]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: COVID-19-Pandemie in Norwegen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trond Karlstrøm: Koronavirus påvist i Tromsø. iTromsø, 26. Februar 2020, abgerufen am 12. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  2. One person has tested positive for coronavirus. Folkehelseinstitutt, abgerufen am 12. März 2020 (englisch).
  3. NTB: FHI: Tre nye nordmenn smittet av det nye koronaviruset. In: smp.no. 27. Februar 2020 (smp.no [abgerufen am 12. März 2020]).
  4. Svein Vestrum Olsson: Over hundre kan ha hatt kontakt med koronasmittet Ullevål-ansatt. NRK, 28. Februar 2020, abgerufen am 12. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  5. To koronatilfeller påvist i Drammen. In: abcnyheter.no. 3. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch).
  6. Antall smittede med koronavirus i Norge. Folkehelseinstituttet, 4. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch).
  7. Synnøve Sundby Fallmyr: Første koronasmittede er påvist i Nordland. In: NRK. 7. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  8. Status koronavirus søndag 8. mars 2020. Folkehelseinstituttet, 8. März 2020, abgerufen am 16. März 2020 (norwegisch).
  9. a b Mener det trengs en folkedugnad for å bremse virusspredningen. Abgerufen am 12. März 2020 (norwegisch).
  10. Kristin Agerlie: Sju nye smittet på Frosta - i alt tjue er nå smittet i kommunen. NRK, 11. März 2020, abgerufen am 12. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  11. Johannes Børstad: Frosta ber folk om ikke å reise ut og inn av kommunen. NRK, 12. März 2020, abgerufen am 12. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  12. Svein Vestrum Olsson: Første koronadødsfall i Norge. In: NRK. 12. März 2020, abgerufen am 12. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  13. FHI: – Vi har ikke kontroll på smittespredningen. 13. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch).
  14. Tredje koronadødsfall. In: NRK. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  15. Vemund Anke Garden: Nytt corona-dødsfall i Norge - VG Direkte: Coronaviruset. In: Verdens Gang. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch).
  16. Krevende bemanningssituasjon: 14 smittede ansatte og 1081 i karantene. Abgerufen am 16. März 2020 (norwegisch).
  17. Covid-19 - Coronavirus: Tausende Krankenhausmitarbeiter in Norwegen in Quarantäne. Deutschlandfunk, 17. März 2020, abgerufen am 17. März 2020.
  18. Dagsrapport, lørdag 14. mars 2020. (PDF) Folkehelseinstituttet, 14. März 2020, abgerufen am 16. März 2020 (norwegisch).
  19. Ivo Mijnssen, Wien: Coronavirus in Tirol: Infektion beim Après-Ski in Ischgl. In: Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 17. März 2020]).
  20. Dagsrapport, tirsdag 17. mars 2020. (PDF) Folkehelseinstituttet, 17. März 2020, abgerufen am 17. März 2020 (norwegisch).
  21. Dagsrapport, onsdag 18. mars 2020. (PDF) Folkehelseinstituttet, 18. März 2020, abgerufen am 18. März 2020 (norwegisch).
  22. Døde i Norge: Snittalder 89 år. In: NRK. 18. März 2020, abgerufen am 18. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  23. Dagsrapport, lørdag 21. mars 2020. Folkehelseinstituttet, 21. März 2020, abgerufen am 22. März 2020 (norwegisch).
  24. Dagsrapport, lørdag 28. mars 2020. (PDF) Folkehelseinstituttet, 28. März 2020, abgerufen am 28. März 2020 (norwegisch).
  25. Peter Svaar: Camilla Stoltenberg om krisen: Tror vi må leve med tiltak i minst 18 måneder. In: NRK. 25. März 2020, abgerufen am 25. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  26. FHI: Vi vet ikke om den nye strategien vil virke. 24. März 2020, abgerufen am 26. März 2020 (norwegisch).
  27. Johan Falnes, Kristian Skårdalsmo: FHI frykter «store negative ringvirkninger» av ny coronastrategi. In: abc nyheter. 25. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (norwegisch).
  28. Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Situation report 57. In: WHO. 17. März 2020, abgerufen am 18. März 2020 (englisch).
  29. Coronasituasjonen i Oslo: Hold dere hjemme. 12. März 2020, abgerufen am 13. März 2020 (norwegisch).
  30. Dennis Ravndal: Statsminister Erna Solberg: Stenger flyplasser og havner. In: NRK. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  31. Auswärtiges Amt: Norwegen: Reise- und Sicherheitshinweise. 18. März 2020, abgerufen am 18. März 2020.
  32. a b Kristoffer Solberg: Erna Solberg: Norge stenger flyplasser og havner. In: Dagsavisen. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch).
  33. Mæland: Ikke sikkert at alle nordmenn kan komme seg hjem. In: Dagsavisen. 18. März 2020, abgerufen am 18. März 2020 (norwegisch).
  34. Pedja Kalajdzic: Alle utdanningsinstitusjoner stenges – flere arrangementer og virksomheter får forbud. NRK, 12. März 2020, abgerufen am 12. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  35. Helse-og omsorgsdepartementet: Ny forskrift om karantene etter reiser utenfor Norden. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch).
  36. Forskrift om karantene mv. etter reiser utenfor Norden - Lovdata. In: Lovdata. Abgerufen am 15. März 2020 (norwegisch).
  37. Erna Solberg: Norge stenger flyplasser og havner. Abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch).
  38. Oliver Rønning: Vesterålen og Lofoten setter egne koronakrav: Alle som har vært sør for Dovre skal i karantene. In: NRK. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  39. Nye anbefalinger for testing for covid-19. Folkehelseinstituttet, 13. März 2020, abgerufen am 13. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  40. FHI vil coronateste friske personer. In: abc nyheter. 29. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (norwegisch).
  41. Vilde Helljesen: Regjeringen med nye koronatiltak – endrer permitteringsregler og skatteregler. In: NRK. 10. März 2020, abgerufen am 16. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  42. Stortingets vedtak i møte med virusutbruddet. In: stortinget.no. 17. März 2020, abgerufen am 17. März 2020 (norwegisch).
  43. Alf Ole Ask, Nina Selbo Torset, Sigurd Bjørnestad: Enighet om krisepakke for næringslivet og lønnstagere. Dette er endringene. In: Aftenposten. 16. März 2020, abgerufen am 17. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  44. Krisepakke på 900 millioner til kulturlivet, idretten og frivilligheten. In: Dagsavisen. 18. März 2020, abgerufen am 18. März 2020 (norwegisch).
  45. Gard Oterholm, Marie Melgård, Tore Gjerstad: Vil ha mer makt – slik blir regjeringens kriselov. 18. März 2020, abgerufen am 18. März 2020.
  46. TV 2 AS: - Regjeringens korona-kriselov er galskap. Abgerufen am 19. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  47. Martha C. S. Holmes, Eirik Røsvik: Roper varsko om regjeringens kriselov: – Demokratisk galskap. In: Verdens Gang. 19. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  48. Støre sender kriselov på minihøring. In: abcnyheter.no. 19. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (norwegisch).
  49. Su Thet Mon: Enighet i Stortinget om den nye «koronaloven». In: NRK. 21. März 2020, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  50. Mindretallet blokkerer regjeringens kriseforskrifter. Dagsavisen, 28. März 2020, abgerufen am 28. März 2020 (norwegisch).
  51. Utvikler app for smitteoppsporing. Folkehelseinstituttet, 27. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (norwegisch).
  52. Øyvind Bye Skille: FHI lager app for sporing av enkeltpersoners bevegelser i kampen mot koronaviruset. In: NRK. 24. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  53. Anders Veberg: FHI lanserer app som sporer koronasmittede automatisk. Aftenposten, 27. März 2020, abgerufen am 29. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  54. Petter Strøm: Flere i karantene på Svalbard: – Det er fort gjort å slå ut samfunnet i Longyearbyen. In: NRK. 11. März 2020, abgerufen am 16. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  55. Petter Strøm: Turistene må forlate Svalbard på grunn av smittefare. In: NRK. 15. März 2020, abgerufen am 15. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  56. Til besøkende gjester som sitter i karantene på overnattingsted - Longyearbyen lokalstyre. In: Lokalstyre. 15. März 2020, abgerufen am 15. März 2020 (norwegisch).
  57. Vilde Kristine Malmo: Frykter for fremtiden på Svalbard: – Dette vil ha ringvirkninger i flere år fremover. NRK, 18. März 2020, abgerufen am 25. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  58. Rune N. Andreassen: Permitterte på Svalbard får spesialpakke av regjeringen. In: NRK. 20. März 2020, abgerufen am 25. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  59. Dagsrapport, torsdag 12. mars 2020. Folkehelseinstituttet, 12. März 2020, abgerufen am 16. März 2020 (norwegisch).
  60. a b c d Novel Coronavirus (2019-nCoV) situation reports; Coronavirus disease (COVID-2019) situation reports. WHO, abgerufen am 12. März 2020 (englisch).
  61. Andreas Haakonsen: Nav har fått 45.000 søknader om dagpenger ved permittering på fem dager. In: Nidaros. 17. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (norwegisch).
  62. Pedja Kalajdzic: Nav: Høyeste arbeidsledighet i Norge siden krigen. In: NRK. 24. März 2020, abgerufen am 24. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  63. Petter Winther: Ekstreme bevegelser i kronekursen som vi sjelden ser. In: Dagens Næringsliv. 16. März 2020, abgerufen am 19. März 2020.
  64. Fredrik Kampevoll: Kronekursen har kollapset. In: NRK. 19. März 2020, abgerufen am 19. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  65. Fredrik Kampevoll: Regjeringen med nye koronatiltak – Forventer fall for norsk økonomi. In: NRK. 20. März 2020, abgerufen am 21. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  66. NTB: Russland stenger grensen til Norge. 14. März 2020, abgerufen am 14. März 2020 (norwegisch Bokmål).
  67. Thomas Gutschker, Brüssel: Kampf gegen Coronavirus: EU plant Verbot nicht notwendiger Einreisen für 30 Tage. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 17. März 2020]).