COVID-19-Pandemie in Peru

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Die COVID-19-Pandemie in Peru tritt als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus.[1] Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.

Der offizielle Beginn der Pandemie in Peru ist auf den 6. März 2020 datiert, als Staatspräsident Martín Vizcarra den ersten positiv getesteten Fall bekannt gab.[2]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Infektionsfall wurde am 6. März 2020 gemeldet. Am 30. März 2020 waren es bereits über 1.000, am 15. April 2020 über 10.000 und am 6. Mai 2020 über 50.000 Infizierte. Am 21. Mai 2020 wurden mehr als 100.000 Infizierte gezählt und am 31. Juli 2020 mehr als 400.000.[3] Peru ist nach Brasilien und Mexiko das am schwersten betroffene Land Lateinamerikas.[4]

Der erste Todesfall wurde am 19. März 2020 registriert.[5] Am 8. April 2020 waren es über 100, am 23. April 2020 über 500 und am 1. Mai 2020 über 1.000. Bereits am 13. Mai 2020 waren es über 2.000 Todesfälle, am 21. Mai über 3.000, am 6. Juni 2020 über 5.000[3] und am 2. Juli 2020 über 10.000 Tote.[6] Mitte Juni 2020 „überholte“ Peru, gemessen an der Zahl der mit dem COVID-19 Infizierten, Spanien und Italien,[7] Ende Juni 2020 stand Peru an fünfter Stelle weltweit. Anfang August hatte Peru sich aufgrund der negativen Entwicklung der Fallzahlen in Südafrika und Mexiko auf den siebten Rang „verbessert“.

Am 2. Juli 2020 teilte der Sistema Informático Nacional de Defunciones (Sinadef), das nationale Register der Sterbefälle, mit, dass es in den Monaten von März bis Juni 2020 eine Übersterblichkeit von insgesamt rund 34.300 Todesfällen im Vergleich zum Durchschnitt der Todesfälle im selben Zeitraum der Jahre 2018 und 2019 gegeben habe.[8] Da bekannt war, dass bis zu diesem Tag rund 10.000 Menschen in Peru an den Folgen einer COVID-19-Infektion gestorben waren, lässt die verbleibende Übersterblichkeit von rund 24.300 Todesfällen vermuten, dass COVID-19-Infektionen von Verstorbenen nicht erkannt wurden, und / oder dass Menschen an anderen Krankheiten starben, weil sie aufgrund der herrschenden Beschränkungen im Gesundheitssystem keine medizinische Hilfe erhielten.

Am 2. September 2020 meldete die ZEIT, dass Peru der Flächenstaat ist, der gemessen an der Bevölkerungszahl, die meisten Toten in Verbindung mit COVID-19 zu beklagen hat: „90 Tote pro 100.000 Einwohner registrierte das südamerikanische Land zuletzt.“.[9]

Am 22. September 2020 hatte Peru die höchste Infektionsrate pro 100.000 Einwohner der Welt.[10]

Maßnahmen und Problemfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Situation allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die peruanische Regierung reagierte früher und mit strengeren Maßnahmen als die meisten anderen südamerikanischen Länder. Mit Wirkung vom 16. März 2020 erklärte die peruanische Regierung den nationalen Notstand und verhängte eine als „obligatorische soziale Isolierung (Quarantäne)“ bezeichnete Ausgangssperre. Alle Personen im Land sind an diese Verordnung gebunden und müssen sich zu festgelegten Zeiten (nächtliche Sperrstunden von unterschiedlicher Länge je nach Landesteil und ganztägig am Sonntag) zu Hause oder in einer Unterkunft aufhalten. Im Übrigen ist das Verlassen der Unterkünfte ist nur „zu besonderen Gelegenheiten“ gestattet: Lebensmitteleinkäufe, Bankgeschäfte oder Apotheken- und Arztbesuche. Diese Bestimmungen galten zunächst bis zum 12. April 2020, danach wurde die Geltungsdauer der Verordnung mehrfach verlängert, zuletzt bis zum 30. Juni 2020. Seit dem 3. April 2020 galt das Verbot, die Wohnung zu verlassen, wechselweise für Frauen und für Männer.[11] Die Differenzierung der Ausgangssperre nach Geschlechtern wurde später wieder aufgehoben.

Trotz dieser Maßnahmen stieg die Zahl der mit dem COVID-19 Infizierten im April, Mai und Juni 2020 weiter an. Die Krankenhäuser konnten nicht mehr alle Kranken aufnehmen. Am 23. Mai 2020 waren, dem Leiter des Krisenstabes der peruanischen Regierung zufolge, 80 % der Intensivbetten in der Metropolregion Lima (Área Metropolitana de Lima) belegt. Noch drastischer offenbarte die Pandemie die Mängel des Gesundheitssystems im Tiefland im Nordosten und Osten Perus, zum Beispiel in Iquitos.

Zum 1. Juli 2020 wurde die umfassende Ausgangssperre gelockert bzw. durch eine „fokussierte Ausgangssperre“ differenziert.[12] Seither gilt die allgemeine Ausgangssperre nur noch für Kinder im Alter bis zu 14 Jahren und für über 65 Jahre alte Menschen.[13] Die allgemeine sonntägliche Ausgangssperre bestand fortan nur noch in den sieben Regionen Ancash, Arequipa, Huánuco, Ica, Junín, Madre de Dios und San Martín. Mit Wirkung vom 16. August 2020 hob Präsident Vizcarra angesichts steigender Infektionszahlen einzelne Lockerungen der Ausgangssperre wieder auf, sie gilt seither auch sonntags wieder landesweit.[14][15]

Neben den vielen Verlierern der Krise gibt es – wie bei einer jeden Krise – auch Gewinner, darunter die Verkäufer der knappen Sauerstoffflaschen und diejenigen, die Sauerstoffflaschen befüllen.[16] Erleichtert wurde die Preistreiberei dadurch, dass zwei Unternehmen 90 % des Sauerstoffmarktes in Peru beherrschen: Linde und Air Products.[17]

Situation für Reisende aus anderen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbreitung der Pandemie führte auch in Peru zu verstärkten Einreisekontrollen mit Gesundheitsprüfungen und Einreise- sowie Ausreisesperren. Ab dem 16. März 2020 wurden Flüge zwischen Peru und Europa und Asien ausgesetzt, zunächst für eine Dauer von 30 Kalendertagen. Mit der Schließung der Landesgrenzen wurde der internationale Transport von Passagieren auf dem Land-, Luft-, See- und Flussweg unmöglich gemacht. Infolgedessen saßen Reisende in Hostels und Hotels fest. Ein Ende der Situation war etwa drei Wochen lang nicht in Sicht, weil sich die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden der Botschaften und den peruanischen Behörden als schwierig und undurchschaubar erwies: Rückholflüge wurden beispielsweise erst genehmigt, dann wurden die Genehmigungen wieder zurückgezogen oder Zeitfenster angeboten, die nicht erfüllbar waren.[18] Da der internationale Flughafen Lima (Aeropuerto Internacional Jorge Chávez) geschlossen war, wurden die meisten Deutschen und andere Ausländer dank der Initiative der deutschen Botschaft in Lima schließlich vom Militärflughafen Lima (Base Aérea Las Palmas) ausgeflogen.

Zum Stand 15. August 2020 dauerten die Ein- und Ausreisebeschränkungen an.[19]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fallzahlen entwickelten sich während der COVID-19-Pandemie in Peru wie folgt[Anm. 1]:

Infektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestätigte Infizierte in Peru nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[20][Anm. 2]

Todesfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestätigte Todesfälle in Peru nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[20][Anm. 2]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seit dem 17. August 2020 werden die WHO-Berichte nur noch wöchentlich veröffentlicht; sie enthalten ergänzende Informationen (etwa Fälle pro eine Million Einwohner). Der letzte tägliche WHO-Report (Nr. 209, PDF) wurde am 16. August 2020 veröffentlicht.
  2. a b Hier sind Fälle aufgelistet, die der WHO von nationalen Behörden mitgeteilt wurden. Da es sich um eine sehr dynamische Situation handelt, kann es zu Abweichungen bzw. zeitlichen Verzögerungen zwischen den Fällen der WHO und den Daten nationaler Behörden sowie den Angaben anderer Stellen, etwa der Johns Hopkins University (CSSE), kommen.

Öffentliches Gedenken an die Todesopfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Fronleichnamsfest feierte Erzbischof Carlos Castillo Mattasoglio von Lima den Gottesdienst im Gedenken an die Opfer der Pandemie. Die Kathedrale war leer und voll zugleich: leer, weil die Gläubigen wegen der Ausgangssperre ausgeschlossen waren, voll, weil die Fotos von 5000 Verstorbenen die Kathedrale füllten.[21] Diese heilige Messe wurde im Fernsehen und über mehrere Internet-Portale übertragen und hinterließ in Peru einen tiefen Eindruck.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: COVID-19-Pandemie in Peru – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020.
  2. Peru records first confirmed case of coronavirus, President Vizcarra says. Reuters, 6. März 2020, abgerufen am 9. April 2020 (englisch).
  3. a b WHO Situation Report # 193 vom 31. Juli 2020
  4. Marc Pfitzenmaier: Das neue globale Epizentrum der Corona-Pandemie. MSN, 23. Mai 2020, abgerufen am 23. Mai 2020.
  5. Coronavirus en Perú: 188 nuevos decesos y la cifra de muertos asciende a 11.870, abgerufen am 13. Juli 2020.
  6. Minsa reporta más de 10 mil fallecimientos en Perú a causa del COVID-19, 2. Juli 2020, abgerufen am 3. Juli 2020.
  7. Martín Vizcarra: Perú se convierte en el sexto país del mundo con más casos de COVID-19 al superar a España, Radio Programas del Perú (Lima), 30. Juni 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  8. Perú acumula unas 34.000 muertes 'inusuales' desde la llegada de la COVID-19, 2. Juli 2020, abgerufen am 3. Juli 2020.
  9. Christina Felschen: Fast jeder tausendste Peruaner an Covid-19 gestorben. Die Zeit, 2. September 2020, abgerufen am 2. September 2020.
  10. Coronavirus - Infektionsrate nach Ländern. Abgerufen am 23. September 2020.
  11. Christoph Gurk: Coronavirus in Lateinamerika: Freitags die Männer, samstags die Frauen. Süddeutsche Zeitung, 3. April 2020, abgerufen am 4. April 2020.
  12. Martín Vizcarra: Pasamos de cuarentena general a focalizada, Diario Correo (Lima), 30. Juni 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  13. Todo lo que debes de saber sobre la cuarentena focalizada y la ampliación del estado de emergencia, El Comercio, 29. Juni 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  14. Gegen den Trend: Peru verschärft Corona-Maßnahmen. 3. August 2020, abgerufen am 16. September 2020.
  15. Martín Vizcarra ordena la inmovilización total de los domingos tras aumento de contagios, perú21, 12. August 2020.
  16. Denis Düttmann: Keine Luft zum Atmen: Peru geht in Corona-Krise der Sauerstoff aus. In: Berliner Zeitung, 28. Juni 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  17. Dos compañías globales dominan negocio del oxígeno con el sector salud de Perú. 2. Juni 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  18. Ivo Stephan Marusczyk: Corona – Ein Hostel als Gefängnis. Deutschlandfunk – Alles von Relevanz, 10. April 2020, abgerufen am 10. April 2020.
  19. Auswärtiges Amt: Peru: Reise- und Sicherheitshinweise, abgerufen am 15. August 2020.
  20. a b WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard; oben rechts auf der Seite ist ein Link zum Download der Daten im CSV-Format
  21. Catedral de Lima amaneció revestida con más de 5 mil fotografías de difuntos por Covid-19, 14. Juni 2020, abgerufen am 11. Juli 2020.