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Cademario

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Cademario
Wappen von Cademario
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Luganow
Kreis: Kreis Agno
BFS-Nr.: 5161i1f3f4
Postleitzahl: 6936
Koordinaten: 712622 / 97646Koordinaten: 46° 1′ 15″ N,  53′ 35″ O; CH1903: 712622 / 97646
Höhe: 792 m ü. M.
Höhenbereich: 354–974 m ü. M.[1]
Fläche: 3,96 km²[2]
Einwohner: 784 (31. Dezember 2025)[3]
Einwohnerdichte: 198 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
19,1 %
(31. Dezember 2025)[4]
Gemeindepräsident: Enzo Zanotti (Cademario 2020)
Website: www.cademario.ch
Cademario, links oben das Kurhaus
Cademario, links oben das Kurhaus
Lage der Gemeinde
Karte von CademarioLago MaggioreLago DelioLago di PianoLago di OriglioLago di MuzzanoLuganerseeComer SeeItalienItalienItalienKanton GraubündenBezirk BellinzonaBezirk LocarnoBezirk MendrisioAgno TIBioggioCademarioMuzzano TIVernate TIAlto MalcantoneArannoLema TICapriascaCapriascaOriglioPonte CapriascaPonte CapriascaKommunanz Capriasca/LuganoCollina d’OroGranciaMelide TIMorcoteParadiso TIVico MorcoteArognoBissoneBrusino ArsizioVal MaraLuganoCaslanoCurio TICurio TIMagliasoNeggioTresa TIPura TIBediglioraBedanoGravesanoManno TIMezzovico-ViraMezzovico-ViraMonteceneriTorricella-TaverneCadempinoCanobbioComano TICuregliaLamoneMassagnoPorzaSavosaSorengoVezia
Karte von Cademario
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Cademario (lombardisch Camvè, Canvé [kanˈvɛː, kanˈveː][5]) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin. Er gehört zum Kreis Agno beziehungsweise zum Bezirk Lugano und liegt im Malcantone.

Cademario liegt im oberen Malcantone auf der westlichen Seite des Vedeggiotals. Der höchste Punkt liegt auf einer Höhe von 974 Metern bei der Alpe Agra, der tiefste Punkt auf 374 Metern oberhalb Bioggio. Rund 16 Prozent der Landfläche Cademarios werden landwirtschaftlich genutzt, knapp 80 Prozent sind bewaldet. Das Klima ist aufgrund der besonnten und windgeschützten Lage mild, fast mediterran.

Die Nachbargemeinden sind im Norden Alto Malcantone, im Osten und Süden Bioggio und im Westen Aranno.

Das Gebiet um Cademario war bereits während der Eisenzeit besiedelt, wie ein 1939–1940 in Forcora zwischen Cademario und Aranno ausgegrabenes Gräberfeld mit Brandbestattungen beweist. 1163 wird das Dorf erstmals als Cademerio und 1185 als Cadelmario erwähnt, 1190 als Cadelmario Superiori, um es von Cadelmario Inferiore zu unterscheiden, dem heutigen Bosco Luganese, das sich 1783 abtrennte.[5] Zu Cademario gehören die Weiler Renera und Bogno. Früher gehörte auch das Dorf Bioggio im Tal zur Gemeinde. Um 1000 besass der Bischof von Como in Cademario Güter und Rechte, die später zumindest teilweise an die Benediktinerabtei Sant’Abbondio in Como übergingen, deren Abt in Cademario ein Haus besass. Cademario musste in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts dem Herzog von Mailand 44 Soldaten stellen.[6]

Die Herkunft des Ortsnamens ist unsicher. Vielleicht liegt lombardisch canavaa, canavee ‘Hanffeld’ (von vulgärlateinisch *canaparia) zugrunde, vielleicht lombardisch canva ‘(Wein-)Keller’ (von spätlateinisch cānaba), erweitert um das Suffix -ārius.[5]

Cademario bildet nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.[7]

Bevölkerungsentwicklung

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Cademario: Einwohnerzahlen von 1799 bis 2024
Jahr  Einwohner
1799
 
203
1808
 
218
1824
 
211
1836
 
244
1850
 
279
1860
 
293
1870
 
296
1880
 
333
1888
 
329
1900
 
347
1910
 
354
1920
 
390
1930
 
445
1941
 
406
1950
 
422
1960
 
416
1970
 
435
1980
 
451
1990
 
507
1991
 
554
1992
 
547
1993
 
534
1994
 
539
1995
 
552
1996
 
546
1997
 
579
1998
 
583
1999
 
605
2000
 
610
2001
 
631
2002
 
635
2003
 
642
2004
 
650
2005
 
674
2006
 
688
2007
 
694
2008
 
708
2009
 
686
2010
 
713
2011
 
722
2012
 
718
2013
 
747
2014
 
745
2015
 
759
2016
 
791
2017
 
796
2018
 
775
2019
 
776
2020
 
761
2021
 
765
2022
 
789
2023
 
793
2024
 
790
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik[8][9] ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024[10]
Luftbild von Werner Friedli (1948)

Schon seit Jahrhunderten werden die Hänge vom Dorf bis nach Bioggio hinunter mit Reben bebaut. Die Rebberge bedeckten 1990 noch eine Fläche von 600 Aren und trugen 22'000 Rebstöcke. Manche Rebberge mussten in den letzten Jahrzehnten den zahlreichen Zweitwohnsitzen weichen, die sich heute weit den Hang hinunterziehen. Von der einst bewirtschafteten Alpe Agra im Wald oberhalb des Dorfes ist nur der Name geblieben, alle Gebäude sind verschwunden. Cademario war wegen der einzigartigen und von Nordwind geschützten Aussichtslage, des milden Klimas und der ganztägigen Besonnung in den 1910er-Jahren eines der ersten Dörfer des Luganese, das für den Tourismus entdeckt wurde.

Sehenswürdigkeiten

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  • Alte Pfarrkirche Sankt Ambrosius (Sant’Ambrogio vecchio) und Friedhof: Die romanische Kirche stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde wahrscheinlich auf den Grundmauern einer älteren Kirche im 13. Jahrhundert erbaut. Im 14. Jahrhundert wurde sie mit einem Seitenschiff ergänzt und mit Fresken ausgeschmückt, von denen sich Reste erhalten haben. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche ein weiteres Mal erweitert. Ihre Achse wurde dabei nach Norden gedreht, ein rechteckiger Chor wurde angebaut sowie das Bodenniveau angehoben. Das letzte Mal renoviert wurde die Kirche 2004. Sie ist im Kulturgüterschutz-Inventar der Schweiz gelistet[11][12][13] und Friedhof.
  • Die Nekropole von Cademario ist im Kulturgüterschutz-Inventar der Schweiz gelistet[11][14]
  • Schalenstein im Ortsteil Quadrella (800 m ü. M.)[15]
  • Pfarrkirche Sant’Ambrogio (ehemalige Santa Maria del Popolo)[11] Sie entstand im frühen 17. Jahrhundert, später wurde sie vergrössert und 1833 neu geweiht.

1914 errichtete der Naturheilarzt Adolf Keller nach Plänen der Architekten Arnoldo Ziegler und Achille Galli auf einer Höhe von 850 m ü. M. inmitten eines 10'000 m² grossen Parks hoch oberhalb des Dorfes das Kurhaus Cademario, das damals höchstgelegene Kurhaus des Kantons.[11] Keller setzte auf die Methoden des Naturheilers Arnold Rikli (1823–1906). Fleisch und Alkohol waren untersagt, dafür gab es vegetarische Diätkost, Kräutertee und Sonnenbäder, streng nach Geschlechtern getrennte Frischluft-Gymnastik und Barfuss-Spaziergänge zu allen Jahres- und Tageszeiten sowie Bäder im ungeheizten Freiluft-Schwimmbad, dem ersten des Kantons.[16]

Zum Kurhaus gehörte eine von Keller angelegte Parkanlage mit der bedeutendsten Kakteensammlung des Kantons Tessin. 1917 wurde das Kurhaus zusammen mit dem Kurhaus Monte Bré zur Kuranstalten A. G. vereinigt. Die ärztliche Leitung hatte Keller, die wirtschaftliche Max Pfenning. In den Jahren 1924/25 wurde das Kurhaus durch den Anbau des Westflügels erweitert. Keller betrieb das Kurhaus bis zu seinem Tod 1969. Noch zwei Generationen wurde das Haus von der Familie Keller geleitet. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde ein modernes, der Öffentlichkeit zugängliches Wellnesszentrum gebaut. 2006 kam es in den Besitz der Hotelgruppe Tessal SA. Für gut 30 Millionen Franken wurde es während vier Jahren zu einem luxuriösen Wellness-Hotel umgebaut. Die Gebäudehülle ist nach wie vor denkmalgeschützt.

Der untere Teil der terrassenartig oberhalb des Kurhauses von Keller angelegten Gartenanlage mit Blumen und Kräutern musste Rasenflächen weichen. Der Zugang zur Aussichtsterrasse im obersten Teil ist von Gebüsch überwuchert, die Gewächshäuser mit Kellers Kakteensammlung werden nicht mehr gepflegt und zerfallen.[11][17]

Naturreservat Alpe Agra

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Das Naturreservat auf der Alpe Agra liegt oberhalb des Dorfes auf einer als Weide genutzten Lichtung auf einer Höhe von 935 m ü. M. Die Landwirtschaftszone wird von gemischtem Laubwald eingerahmt, der vor allem aus Birken und Eichen besteht. Das Reservat ist als Schutzzone im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung eingetragen.[18][19] Das Biotop besteht aus zwei Weihern, die sich bei ausgiebigen Niederschlägen verbinden sowie aus einem separaten, kleineren Teich.

Da es in der Nähe keine anderen permanent bestehende Weiher gibt, erfüllen die Weiher auf der Alpe Agra eine wichtige Funktion für die Amphibien der gesamten Region. Das Biotop ist auch Fortpflanzungsstätte zahlreicher Libellen- und Wasserinsekten-Arten und ein Jagdgebiet für einige Reptilienarten, Vögel und Fledermäuse.[20]

Die Associazione Sportiva Cademario[21] (Abk. AS Cademario, Cademario oder im Dialekt "Canvée") ist ein im Jahre 1925 gegründeter Fussballverein. Cademario wurde in den Saisons 1944/45, 1945/46, 1953/54, 1954/55 und 1958/59 fünf Mal Meister der ehemaligen Malcantonesischen Liga.

Persönlichkeiten

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Dem Schriftsteller Giovannino Guareschi ist in Cademario eine Gasse gewidmet.
Commons: Cademario – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
  5. 1 2 3 Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 213.
  6. Cademario auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 11. Juli 2017).
  7. Patriziato di Cademario (mit Foto) auf patriziatidelmalcantone.ch
  8. Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 25. Mai 2026.
  9. Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 25. Mai 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  10. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991-2024. Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 25. Mai 2026.
  11. 1 2 3 4 5 Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 395–397.
  12. Alte Pfarrkirche Sankt Ambrosius (mit Fotos)
  13. Pfarrkirche Sant’Ambrogio (ehemalige Santa Maria del Popolo) (Memento vom 6. März 2016 im Internet Archive)
  14. Nekropole bei Forcora auf api3.geo.admin.ch/rest
  15. Franco Binda: Il mistero delle incisioni, Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 48–49.
  16. Kurhaus Cademario (mit Fotos) auf kurhauscademario.com
  17. Fabrizio Panzera u. a.: I cento anni del Kurhaus di Cademario. Una tradizione che continua Edizioni Ticino Management, anno 14, numero 63, Lugano novembre 2014
  18. Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung: TI195, auf geo.admin.ch
  19. Decreto di protezione dello Stagno Agra (italienisch) auf ti.ch/fileadmin/DT/temi
  20. Alpe Agra-Alto Malcantone. In: schweizmobil.ch/de/wanderland
  21. Associazione Sportiva Cademario (italienisch) auf ascademario.ch