Camill Wurz

Camill Wurz (* 26. September 1905 in Offenburg; † 9. Februar 1986 in Ottersweier) war ein deutscher Politiker (CDU). Er war Präsident des Landtags von Baden-Württemberg.
Leben und Beruf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wurz besuchte als Sohn eines Kaufmanns in Offenburg das Grimmelshausen-Gymnasium und wurde dort Mitglied der Schülerverbindung PV Arminia Offenburg. Er legte 1924 das Abitur ab. Ab 1924 studierte Wurz Rechts- und Staatswissenschaft an den Universitäten Freiburg, Berlin und Heidelberg. Während seines Studiums wurde er Mitglied der KDStV Hercynia Freiburg im Breisgau im CV, aus der er 1935 aus politischen Gründen austrat. Er legte 1928 das erste und nach seinem Vorbereitungsdienst 1931 das zweite juristische Staatsexamen ab. Er war parallel als Assistent am Institut für Internationales Privatrecht der Universität Heidelberg tätig. 1931 wurde er Assessor am Amtsgericht in Karlsruhe. 1933 erfolgte die dauerhafte Übernahme in den Justizdienst als Staatsanwalt beim Landgericht Karlsruhe. 1934 wurde er Richter am Amtsgericht in Bretten und Eppingen.
Von 1939 bis 1945 leistete er als Soldat bei der Flak Kriegsdienst und wurde einmal verwundet. Er wurde im Afrikakorps sowie an West- und Ostfront eingesetzt. Er war zuletzt Oberleutnant und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Bei Kriegsende im Mai 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft. Drei Monate später wurde er entlassen und kehrte zu seiner Familie nach Bruchsal zurück, wohin er 1941 während des Krieges versetzt worden war, ohne die Stelle antreten zu können. Im Herbst 1945 wurde er Richter am Amtsgericht in Donaueschingen. Im Dezember 1946 wurde er von der französischen Militärregierung aus dem Justizdienst entlassen. Von 1947 bis 1970 war er als Rechtsanwalt in Baden-Baden tätig, wo er bis zu seinem Tod lebte.
Wurz war verheiratet mit Gertrud geb. Just und hatte drei Kinder.
Politik
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1924 war Wurz als junger Mann Mitglied der Offenburger Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Freiheitspartei, eine der Ersatzorganisationen der NSDAP während des Parteiverbots nach dem Hitlerputsch von 1923. Ebenfalls 1924 war er zudem Mitglied im Bund Wiking, einem von Angehörigen der verbotenen Organisation Consul gegründeten paramilitärischen Wehrverband gegen die Weimarer Republik. Wie lange der Kontakt zu den Offenburger Rechtsradikalen um Otto Wacker angedauert hatte, ist unklar.
Wurz wurde 1934 Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, des Nationalsozialistischen Rechtswahrerbunds sowie des Reichsluftschutzbunds, 1935 Mitglied des Vereins für das Deutschtum im Ausland und 1936 Mitglied des Reichskolonialbunds, für den er zeitweilig als Ortsverbandsleiter in Bretten amtierte. 1937 trat er schließlich in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 4.356.228).[1] In einem Spruchkammerverfahren wurde er im September 1947 als „Mitläufer“ eingestuft.
1947 trat Wurz in die CDU ein. Von 1952 bis 1962 war er Kreisvorsitzender der CDU Baden-Baden. 1956 wurde er als Abgeordneter für den Wahlkreis Baden-Baden/Bühl in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt, wo er ab 1960 die CDU-Fraktion anführte. 1968 wurde Wurz zum Präsidenten des Landtags gewählt. Dieses Amt übte er auch nach der Landtagswahl 1972 aus. Am Ende der Legislaturperiode verzichtete er dann auf eine neue Kandidatur bei der Landtagswahl 1976 und schied somit aus dem Landtag aus. Der neugewählte Landtag wählte anschließend seinen bisherigen Stellvertreter Erich Ganzenmüller zu seinem neuen Präsidenten.
Ehrungen und Auszeichnungen
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- 1965: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
- 1971: Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland
- 1975: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland
- 1975: Großkreuz des päpstlichen Gregoriusordens
- 1976: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
- 1979: Bürgermedaille in Gold der Stadt Baden-Baden
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Leonie Beiersdorf und Frank Engehausen: Forschungsprojekt: NS-Vergangenheit südwestdeutscher Landtagsabgeordneter nach 1945. Teilprojekt: NS-Bezüge der im Landtag von Baden-Württemberg ausgestellten Kunstwerke, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, S. 109–115 (online).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Camill Wurz bei LEO-BW
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ niqel.de: Ehemalige Mitglieder der NSDAP als nachmalige Baden-Wttbrg.’- Landtagsabgeordnete oder vice v., erste bis zehnte Legislaturperiode ( vom 7. August 2011 im Internet Archive; PDF; 39 kB)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wurz, Camill |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (CDU), MdL |
| GEBURTSDATUM | 26. September 1905 |
| GEBURTSORT | Offenburg |
| STERBEDATUM | 9. Februar 1986 |
| STERBEORT | Ottersweier |
- Landtagspräsident (Baden-Württemberg)
- Fraktionsvorsitzender (CDU Baden-Württemberg)
- NSDAP-Mitglied
- Rechtsanwalt (Deutschland)
- Richter (Amtsgericht)
- Politiker (Baden-Baden)
- Politiker (20. Jahrhundert)
- Mitglied im Bund Wiking
- Korporierter im CV
- Korporierter (Schülerverbindung)
- Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband
- Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg
- Träger des Gregoriusordens (Großkreuz)
- Deutscher Kriegsgefangener der Briten
- Deutscher
- Geboren 1905
- Gestorben 1986
- Mann