Camp du Drap d’Or

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Field of the Cloth of Gold von James Basire, 1774, Stich nach einem zeitgenössischen Ölgemälde, vorne links Heinrich VIII.

Das Camp du Drap d’Or ([kɑ̃ dy dra dɔr], engl. Field of the Cloth of Gold, dt. Feld des Güldenen Tuches) ist die historische Bezeichnung eines Ortes in der französischen Gemeinde Balinghem zwischen Ardres und Guînes in der Nähe von Calais und war vom 7. bis 24. Juni 1520 Schauplatz eines Treffens zwischen dem König von Frankreich, Franz I., und dem König von England, Heinrich VIII. Offizielles Ziel des Treffens war die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Königshäusern.[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Durch den Tod Kaiser Maximilians I. 1519 entbrannte ein Nachfolgestreit um die Herrschaft im Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Sowohl der französische König Franz I. als auch König Karl I. von Spanien machten ihre Ansprüche geltend. Die Wahl fiel am 28. Juni 1519 auf den zuvor zum „deutschen“ Kandidaten stilisierten Karl V.[2] Damit standen sich zum Zeitpunkt des Treffens in Europa mit Frankreich unter König Franz I. und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation unter Karl V. zwei rivalisierende und an Einfluss gewinnende Mächte gegenüber, die jeweils England als Verbündeten zu gewinnen versuchten. Im direkten Vorfeld der königlichen Zusammenkunft trafen sich Heinrich VIII. und Karl V. am 26. Mai 1520 in Dover.[3] Durch ein Bündnis zwischen den beiden Mächten England und dem Heiligen Römischen Reich wäre die Lage in Europa für Frankreich extrem bedrohlich geworden. Durch den Vertrag von London wurde die französisch-englische Annäherung durch ein wichtiges Dokument gestützt.[4] Diese sollte durch das Treffen der beiden Könige im Juni 1520 verstärkt werden.[5]

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Heinrich VIII. und Franz I. nutzten das gemeinsame Treffen mit seinem pompösen Rahmenprogramm auch, um dem Herrscherideal des Renaissancefürsten nachzueifern, der entsprechend der politischen Theorie Niccolò Machiavellis im europäischen Mächtesystem Frieden durch ein machtvolles Auftreten – oder zumindest den Anschein danach – herstellen kann. Dementsprechend wurde die Begegnung zwischen den traditionell verfeindeten Nationen vom päpstlichen Legaten Kardinal Thomas Wolsey als prunkvolle Inszenierung beider Königshöfe mit dem Ziel des gegenseitigen Respekterwerbs und damit des Friedens organisiert.

Im Sinne dieser Motivation versuchte man jegliche Benachteiligung oder Bevorzugung einer Delegation zu vermeiden und wählte als Ort der Begegnung ein grenznahes Gebiet in den zu England gehörenden Territorien um Calais. Außerdem nivellierte man beim ersten Treffen Bodenerhebungen am Veranstaltungsort, um zu vermeiden, dass eine Partei zur anderen heraufschauen und sich gedemütigt fühlen müsste.[6]

Das Treffen auf dem Camp du Drap d’Or[Bearbeiten]

Die diplomatische Zusammenkunft in einem provisorischen Heereslager erhielt ihren Namen später durch die prunkvolle Gestaltung der Zeltunterkünfte und der luxuriösen goldbestickten Kostüme, mit der die beiden Delegationen einander beeindrucken und ausstechen wollten.

Zahlreiche einflussreiche europäische Diplomaten, auf französischer Seite Galiot de Genouillac und Gilles de la Pommeraie, legten bei der Organisation bewusst Wert auf die Unterkunft der Monarchen und ihres Gefolges. Für den englischen König errichtete man auf einem etwa 10.000 Quadratmeter großen und zweieinhalb Meter hohen Mauersteinfundament vor der bereits bestehenden Burg von Guînes einen provisorischen Palast mit einem zentralen Innenhof. Die vorübergehende Residenz bestand aus einem 10 Meter hohen mit bemalter Leinwand bespanntem Stützgerüst aus Holz, der die Illusion eines soliden Gebäudes erzeugen sollte. Das Schrägdach wurde aus geöltem Leinen hergestellt und sollte Dachschieferplatten imitieren. In das Gebäude wurden aufwendig verzierte Glasfenster mit Goldornamenten integriert. Auf dem Vorplatz richteten die Organisatoren zwei Zierbrunnen ein, aus denen Rotwein sprudelte.[7] Das französische Lager bestand aus 300-400 aufwendig gestalteten Zelten aus Samt und goldfarbenen Stoffen. Franz I. residierte im größten Zelt, gestützt durch zwei Schiffsmaste, auf dem eine lebensgroße Statue von St. Michael aufgerichtet war.[8]

Die Liste der Anwesenden, aufgeschrieben im Auftrag von Heinrich VIII., zählt allein rund 4000 Personen und 2000 Pferde als Begleiter des englischen Königs und circa 1100 Begleitpersonen und 770 Pferde auf Seiten der englischen Königin. Unter den Personen befanden sich unter anderem der Kardinal von York, der Bischof von Winchester und der königliche Sekretär.[9]

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Während ihres einmonatigen Aufenthaltes verzehrten die Teilnehmer des Treffens etwa 2200 Schafe und andere Lebensmittel in ähnlicher Größenordnung. Das Lager unterhalb des Palasts zählte etwa 2.800 Zelte für weniger bedeutende Besucher und war eine lebhafte Zeltstadt mit zahlreichen Vergnügungsmöglichkeiten.

Nach seiner Ankunft in Calais erreichte Heinrich VIII. sein Hauptquartier in Guînes am 5. Juni 1520,[10] während Franz I. seine Residenz in Ardres bezog. Nachdem Kardinal Thomas Wolsey zunächst den französischen König besucht hatte, fand die erste Begegnung zwischen den beiden Monarchen am 7. Juni auf halbem Weg im Val d’Or statt:[11]

„Thursdaie the viii [sic] daie of June being Corpus Christi daie the king of Enlang and the frenche king mett in a valley called the goulden dale which dale lyeth in the midwaie betwixt Guisnes and Arde in which Arde the frenche king laie during the triumph. In the said dale the king had his pavilion of cloth of gould pight where there was a certain banquett prepared for the said kings the kings grace was accompanied with five hundred horsemen and three thousand footmen. In like wyse the French king was accompanied with a great company of horsemen and footemen: at the tyme of the meating of theis ii renowned Princes there was proclamacouns made on both parties by the heraults and officers of arms that everie companye should stand still the king of England with his companie on the one side of the dale and the frenche king on thother side in likewise: then proclamacouns made paine of death that every companie should stand still till the two kings did ride downe the valley and in the bottome they met where ever of them embrased other on horseback in great amytie and then incontinent they lighted from their horses putting their horse from them and imbrasing other with their capps om their hands the lord Marques Dorsett bearing the kings sword naked: In likewise the Duke of Bourbon bearing the French kings sword.“

Unbekannt: Russel, Joycelene G: The Field of the Cloth of Gold: Men and manners in 1520. London 1969. S.201f.

Das Programm der folgenden Tage, bestehend aus inszenierten Turnieren und Banketten, ließ politische Handlungen nebensächlich werden. Allein die Erneuerung des Vertrags von London kann als das politische Resultat des Herrschertreffens gelten.[12] Am 24. Juni endete das Treffen mit einer Übergabe von Geschenken und dem Beschluss erneuter Treffen.[13]

Wirkung und Folge[Bearbeiten]

Camp du Drap d´Or gilt als eines der repräsentativsten und extravagantesten Herrschertreffen der Frühen Neuzeit.[14] Als politischer Grund für das gemeinsame Treffen wird die Annäherung der beiden Dynastien betont. Trotzdem ist man sich über den wirklichen Anlass in der Forschung nicht einig. Einerseits wird auf die Friedensbemühungen beider Herrscher hingewiesen, einen möglichen Krieg zwischen den europäischen Großmächten zu verhindern.[15] Andererseits stellt Russell es als exzessive Feierei und Machtrepräsentation beider Könige dar, für die die Politik nur Schein darstelle.[16] Letzteres wird durch die Vermutung bekräftigt, Heinrich VIII. und Franz I. wären nach der Wahl Karls V. in einen finanziellen und physischen Wettkampf um die größere Königswürde getreten. Fest steht, dass die angestrebte Annäherung nicht ihr erhofftes Ziel eines friedlichen Europas bewirken konnte. Heinrich VIII. und Karl V. schlossen bereits am 14. Juli einen Vertrag, in dem sie sich darauf einigten kein Bündnis mit Frankreich einzugehen. Bald darauf entbrannten direkte kriegerische Auseinandersetzungen innerhalb Europas.[17] Aufgrund der zahlreichen Verschriftlichungen in diplomatischen Korrespondenzschriften und administrativen Aufzeichnungen durch die königlichen Höfe ist das Treffen eines der bedeutendsten für die wissenschaftliche Forschung der Frühen Neuzeit. Durch die Quellen ist nicht nur ein umfassender Überblick des Ereignisses gegeben, sondern auch detaillierte Beschreibungen der Essens-, Fest-, Bau- und Verhandlungskultur des 16. Jahrhunderts.[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven/London 2013, S. 1.
  2. Giry-Deloison Charles: 1520, le Camp du Drap d'ór: la rencontre d Henry VIII et de François Ier. Somogy, Paris 2012, S. 24f.
  3. Giry-Deloison Charles: 1520, le Camp du Drap d'ór: la rencontre d Henry VIII et de François Ier. Somogy, Paris 2012, S. 40.
  4. Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven/London 2013, S. 24.
  5. Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven/London 2013, S. 31f.
  6. Tauber, Christine: Manierismus und Herrschaftspraxis: die Kunst der Politik und die Kunstpolitik am Hof von François Ier. Walter de Gruyter, Berlin 2009, S. 84.
  7. BBC Radio 4, "Field of the Cloth of Gold", Steven Gunn, John Guy, Penny Roberts aus: BBC Radio 4 discussion "In our time", Nr. 42, 6. Oktober 2005.
  8. R. J. Knecht: Renaissance Warrior and Patron: The Reign of Francis I. Cambridge University Press, Cambridge 1994, S. 171.
  9. Brewer, J. S. (Hg.): Letters and Papers, Foreign and Domestic, Henry VIII, Volume 3: 1519-1523, March 1520, 21-30, R. T. 137, Letters indented specifying, in accordance with the treaty of 12 March 1519, the number and rank of the lords, ladies and gentlemen to attend the King and Queen at the interview with Francis I., Institute of Historical Research, 1867, S. 235-38.
  10. Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven/London 2013, S. 104.
  11. Giry-Deloison Charles: 1520, le Camp du Drap d'ór : la rencontre d Henry VIII et de François Ier. Somogy, Paris 2012, S.49.
  12. Russel, Joycelene G. The Field of the Cloth of Gold: Men and manners in 1520. Routledge &​ K. Paul, London 1969, S.201f.
  13. Giry-Deloison Charles: 1520, le Camp du Drap d'ór : la rencontre d Henry VIII et de François Ier. Somogy, Paris 2012, S. 52.
  14. Glenn Richardson: Renaissance Monarchy. The Reigns of Henry VIII, Francis I and Charles V. Arnold Publishers, London 2002, S. 58.
  15. Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven/London 2013, S.2.
  16. Russel, Joycelene G: The Field of the Cloth of Gold: Men and manners in 1520. Routledge &​ K. Paul, London 1969, S.2f.
  17. Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven/London 2013, S. 199-203.
  18. Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven/London 2013, S. 2f.

Quellen[Bearbeiten]

Englische Quellen

  • Edward Hall: Chronicle. Containing the history of England, during the reign of Henry the Fourth, and the succeeding monarchs, to the end of the reign of Henry the Eighth, in which are particularly described the manners and customs of those periods. London 1809.
  • Richard Grafton: A chronicle at large, unto the first yere of Queen Elizabeth. London 1569.

Lateinische Quellen

  • Jacques Dubois: Francisci Francorum Regis et Henrici Anglorum Colloqium. Hrsg. Bamforth, Stephen; Dupèbe, Jean. Renaissance Studies, Volume 5, Numbers 1-2, March 1991, pp. 1-237(237).

Literatur[Bearbeiten]

  • Sydney Anglo: Le Camp du Drap d'Or et les entrevues d'Henri VIII et de Charles Quint. In: Marcel Bataillon, Jean Jacquot (Hrsg.): Fêtes et cérémonies au temps de Charles, IIe Congrès de l'Assocociation Internationale des Historiens de la Renaissance (2e Sect.), Bruxelles, Anvers, Gand, Liège, 2 - 7 septembre 1957 Quint. Centre National de la Recherche Scientifique, Paris 1975. S. 113-134.
  • Guillaume Apollinaire: Pages d’histoire. Chroniques des grands siècles. Arts graphiques, Vincennes 1912, S. 15–18.
  • Charles Gavard: Galeries historiques du palais de Versailles. Band 1. Imprimerie royale, Paris 1839, S. 187–190.
  • Sophie-Anne Leterrier: 1520, le Camp du Drap d'ór. la rencontre d Henry VIII et de François Ier. Château d'Hardelot-Centre culturel de l'entente cordiale, Paris 2012.
  • Phyllis Mack: Political rhetoric and poetic meaning in Renaissance culture. Clément Marot and the Field of Cloth of Gold. In: Phyllis Mack, Margaret C. Jacob (Hrsg.): Politics and culture in early modern Europe. Cambridge University Press, Cambridge 1987, S. 59-83.
  • François-Auguste Mignet: Rivalité de François Ier et de Charles-Quint. Band 1, Reprint der Pariser Ausgabe von 1875. Mégariotis reprints, Genf 1978, S. 246–257.
  • Glenn Richardson: The Field of Cloth of Gold. Yale University Press, New Haven 2014.
  • Joycelyne Gledhill Russell: The Field of Cloth of Gold; Men and Manners in 1520. Barnes & Noble, New York 1969.
  • Christine Tauber: Manierismus und Herrschaftspraxis. Die Kunst der Politik und die Kunstpolitik am Hof von François Ie. Akademie Verlag, Berlin 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Camp du drap d’or – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien