Strauß-Glockenblume

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Strauß-Glockenblume
Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides)

Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)
Gattung: Glockenblumen (Campanula)
Art: Strauß-Glockenblume
Wissenschaftlicher Name
Campanula thyrsoides
L.

Die Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Glockenblumen (Campanula) innerhalb der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Alpen-Flora, S. 167
Habitus und Blütenstand
Illustration aus Die Alpenpflanzen nach der Natur gemalt, Tafel 64

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strauß-Glockenblume wächst als mehrjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 50 Zentimetern, bei der Unterart Campanula thyrsoides subsp. carniolica bis zu 120 Zentimetern. Die oberirdischen Pflanzenteile sind rau behaart. Der unverzweigte Stängel ist kantig und vor allem unten dicht beblättert.

Die einfachen Laubblätter sind grundständig und am Stängel verteilt angeordnet. Die Grundblätter sind länglich-lanzettlich. Die Stängelblätter sind zungenförmig und sitzend.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Die bis zu 200 Blüten befinden sich einzeln bis zu dritt in den oberen Blattachseln und bilden einen dichten ährigen Blütenstand.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Es sind fünf Kelchblätter vorhanden. Die fünf Kronblätter sind zu einer trichter- bis glockenförmigen Blütenkrone verwachsen. Die Blütenkronblätter sind blassgelb, außen behaart und 15 bis 25 Millimeter lang.[1]

Die aufrecht stehende Kapselfrucht ist behaart.[1]

Chromosomensatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 17; es liegt Diploidie vor und die Chromosomenzahl beträgt für beide Unterarten 2n = 34.[2][3][4]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Strauß-Glockenblume handelt es sich um einen Hemikryptophyten. Die Strauß-Glockenblume ist plurienn-hapaxanth, sie wächst länger als ein Jahr vegetativ, nach der einzigen generativen Lebensphase schließt ihren Individualzyklus mit der Samenbildung ab.[4] Es wurde lange angenommen, dass es sich bei dieser Art um eine zweijährige Pflanze handelt. Sie besiedelt meist die »halbschürigen« Mähder der Kalkalpen, die nur alle zwei Jahre gemäht werden und dadurch ihrem zweijährigen Lebensrhythmus entgegenkommen. Bei weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass das Heranwachsen der Blattrosetten bis zur Blühreife an manchen Standorten nicht zwei, sondern 5 bis 10 Jahre dauert.

Jede Kapselfrucht enthält etwa 120 bis 180 Samen. Bei einem Pflanzenexemplar mit 100 Blüten sind das bis zu 18.000 Samen, die durch den Wind ausgebreitet werden.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strauß-Glockenblume ist eine alttertiäre Art der südeuropäischen Gebirge. Diese kalkliebende Pflanze ist in den Alpen, Jura und Balkan verbreitet. Ihre Standorte auf offenem Boden sowie ihre ungleichmäßige Verbreitung lassen sie nicht als Reliktpflanze, sondern als Wanderpflanze erkennen.

Standorte sind meist steinige Rasen, Felsbänder, Wegränder in sonniger Lage. Die Strauß-Glockenblume ist in den Alpen eine Charakterart des Caricetum ferrugineae.[3] Sie ist in Höhenlagen von 1000 bis 2700 Metern anzutreffen. In den Allgäuer Alpen steigt sie am Rauheck-Gipfel in Bayern bis in eine Höhenlage von 2380 Meter auf.[5]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[1]

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krainer Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides subsp. carniolica)

Die Erstveröffentlichung von Campanula thyrsoides erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 167.[6]

Es gibt etwa zwei Unterarten:[7]

  • Gewöhnliche Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides L. subsp. thyrsoides): Sie erreicht Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern. Ihre Tragblätter sind höchstens so lang wie die Blüte. Die Krone ist blassgelb. Sie ist in den Kalkalpen, auf der Balkanhalbinsel und im französischen Jura[7] im subalpinen bis alpinen Bereich auf frischen steinigen Rasen und Felsen in Höhenlagen von 1500 bis 2800 Meter zu finden.
  • Krainer Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides subsp. carniolica (Sünd.) Podlech): Sie erreicht Wuchshöhen von 30 bis 80, selten bis 120 Zentimetern. Ihre Tragblätter sind doppelt so lang wie die Blüte. Die Krone ist weißgelb. Sie ist in den Karnischen Alpen und in Kroatien[7] im montanen Bereich auf felsigen Rasen zu finden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Campanula thyrsoides L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 14. März 2021.
  2. Campanula thyrsoides bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  3. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 892.
  4. a b Strauß-Glockenblume. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
  5. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 551.
  6. Campanula thyrsoides bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 14. März 2021
  7. a b c Rafaël Govaerts (Hrsg.): Campanula thyrsoides. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 14. März 2021.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien