Campo do Tarrafal

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Portal des Campo do Tarrafal

Das Campo do Tarrafal (auch Colónia Penal do Tarrafal, heute auch Museu do Tarrafal) war ein portugiesisches Konzentrationslager beim gleichnamigen Ort Tarrafal auf der Insel Santiago der Kapverdischen Inseln. Es war inoffiziell auch als „Campo da morte lenta – Lager des langsamen Todes“ bekannt.

Das Konzentrationslager bzw. Geheimdienstgefängnis in Tarrafal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1936–1954, zur Zeit der Salazar-Diktatur, war beim gleichnamigen Ort Tarrafal ein Konzentrationslager („campo de concentração do Tarrafal“) eingerichtet.[1] Am 29. Oktober 1936 kamen die ersten Gefangenen im Lager Tarrafal an. Insgesamt waren in den 17 Jahren der ersten Phase des Bestehens des Lagers etwa 340 Gefangene hier inhaftiert. Dies waren vorwiegend Matrosen der Organização Revolucionário da Armada, die sich am 8. September 1936 an einer Revolte beteiligt hatten, sowie Angehörige der internationalen Brigaden, die im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatten. Daneben wurden Republikaner, Oppositionelle, alle Angehörigen des Sekretariats der Kommunistischen Partei Portugals und andere Oppositionelle des Salazarregimes gefangen gehalten.

32 Gefangene starben während ihrer Haft, darunter 1940 Mário Castelhano, Führer der Gewerkschaft CGT und Chefredakteur der anarchosyndikalistischen Tageszeitung A Batalha, sowie 1942 der KP-Generalsekretär Bento António Gonçalves. Die Gefangenen wurden auf zahlreiche Arten gefoltert. Die dezidierte und erklärte Absicht der Lagerleitung und des Lagerarztes war, die Gefangenen durch unmenschliche Haftbedingungen, vorenthaltene medizinische Behandlung, Mangelernährung und Folter „sterben zu lassen“. Unbehandelte schwere Verlaufsformen der Malaria waren die häufigste Todesursache. Fluchtversuche der Gefangenen scheiterten.

Die Haftumstände der Gefangene wie auch das Verhalten der Wachen ähnelte denen in den deutschen Konzentrationslagern. Nach der Schlacht von Stalingrad nahm die Brutalität der Lagerleitung etwas ab und nach dem Ende des Nationalsozialismus entspannte sich die Lage so weit, dass von 1945 bis zur Schließung des Lagers am 26. Januar 1954 nur noch zwei Gefangene starben. Auch wurden bis zur Schließung die meisten Gefangenen auf das portugiesische Festland verlegt oder begnadigt.[2]

Ab 1938 war João da Silva Leiter des Konzentrationslagers. Da Silva besichtigte vorher die deutschen Konzentrationslager, und Offiziere wurden im KZ Dachau ausgebildet. Die Wachmannschaften bestanden aus 25 Mitgliedern der portugiesischen Geheimpolizei PVDE (ab 1945 PIDE), sowie einem Bataillon von über 75 angolanischen Hilfswächtern und wenigen Kapverdiern.

Im Zusammenhang mit den eskalierenden Portugiesischen Kolonialkriegen in den Jahren 1961–1974 folgte eine zweite Phase der Nutzung des Lagers, das nun in Campo de Trabalho de Chão Bom (dt.: Arbeitslager von Chão Bom) umbenannt wurde. Mitglieder der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegungen aus Kap Verde, Guinea-Bissau und Angola wurden ab 1966, zumeist ohne Gerichtsurteil, „präventiv“ oder in „Schutzhaft“ auf Anordnung der PIDE in Haft gehalten.[3]

Nach der Nelkenrevolution am 25. April 1974 weigerte sich die Lagerleitung, das Lager zu öffnen, in der Hoffnung auf eine politische Rückwärtswende in Portugal. Am 1. Mai 1974 befreite die Bevölkerung der Insel Santiago die Gefangenen in einer großen Demonstration. Das Lager wurde anschließend weiter als politisches Gefängnis der neuen Machthaber genutzt, bis es am 19. Juli 1975 ganz geschlossen wurde.[4]

Insbesondere in den 1990er und 2000er Jahren wurde das Gefängnis dann restauriert und als Museum ausgerichtet, auch mit portugiesischer Hilfe. Am 20. Januar 2016 wurde das Museu do Tarrafal unter Anwesenheit des kapverdischen Premierministers José Maria Neves und des portugiesischen Premiers António Costa neueröffnet.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Campo do Tarrafal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe z. B.: José Manuel Soares Tavares: O campo de concentração do Tarrafal (1936–1954): a origem e o quotidiano. Edições Colibri, 2007.
  2. Jürgen Schäfer: „Ihr seid gekommen, um hier zu sterben“: Nahezu unbekannt: Das portugiesische Konzentrationslager Tarrafal von 1936 bis 1954 auf Kapverden. In: Junge Welt, 19. Oktober 2005.
  3. a b Eintrag zur Colónia Penal do Tarrafal / Museu do Tarrafal (unter Cronologia) in der portugiesischen Denkmalliste SIPA, abgerufen am 18. Juni 2017
  4. Cristina Morais: Tarrafal, de Campo de Concentração a Museu da Resistência: Surgimento da Colónia Penal. noticias.sapo.cv, 31. Oktober 2011, abgerufen am 26. Dezember 2012.

Koordinaten: 15° 15′ 52″ N, 23° 44′ 39″ W