Campus Galli

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Campus Galli – Karolingische Klosterstadt
Bauplatz.jpg
Abbundplatz (2014)
Daten
Ort Meßkirch, Hackenberg 92
Art Geschichtsmuseum, mittelalterliche Klosterbaustelle
Eröffnung 2013
Besucheranzahl (jährlich) ca. 80.000 (2017)
Betreiber Verein Karolingische Klosterstadt e.V.
Leitung Hannes Napierala
Website www.campus-galli.de

Der Campus Galli – Karolingische Klosterstadt Meßkirch ist ein modernes Bauvorhaben zur Nachbildung eines frühmittelalterlichen Klosters auf der Grundlage des St. Galler Klosterplans.

Der Bau des Klosterkomplexes in der Nähe der baden-württembergischen Kleinstadt Meßkirch im Landkreis Sigmaringen erfolgt durch Zuhilfenahme zeitgenössischer Arbeitstechniken. Seit Juni 2013 ist die Baustelle für Besucher geöffnet. Auf dem Bauplatz arbeiteten 2014 ca. 25 festangestellte Bauleute. Die Gesamtbauzeit wird auf circa 40 JahreVorlage:Zukunft/In 5 Jahren veranschlagt.

Idee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee zu diesem Bauvorhaben hatte der Aachener Bert M. Geurten, als er im Jahre 2005 eine Dokumentation über das Burgbauprojekt im burgundischen Guédelon sah. Er wollte nicht eine zweite Burg bauen, sondern den Klosterplan von St. Gallen umsetzen, der nie verwirklicht wurde.[1]

Bauplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung (1876) der Gebäude nach dem St. Galler Klosterplan

Der originalgetreue Nachbau des St. Galler Klosterplans aus dem frühen 9. Jahrhundert ist gut vier Kilometer nördlich von Meßkirch im Gange. Bei der Errichtung der Klosterstadt kommen im Sinne der experimentellen Archäologie so weit wie möglich die damaligen Baumaterialien und -methoden zum Einsatz, wodurch man sich wissenschaftliche Erkenntnisse über die karolingische Architektur und Bautechnik verspricht.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt erhielt eine öffentliche Starthilfe in Höhe von rund einer Million Euro für vier Jahre von der Stadt Meßkirch, dem Landkreis Sigmaringen und dem EU-Programm LEADER.[2][3]

Der Zuschuss der Stadt Meßkirch betrug 351.000 Euro im Jahr 2014 und 300.000 Euro im Jahr 2015.[4] Für 2016 ist ein Betriebskostenzuschuss von 265.000 Euro bewilligt.[5] 2018 waren die Zuschüsse der Gemeinde auf 145.000 Euro gesunken. Zusätzlich fließen substanzielle Förderungen vom „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum“ (ELR) in der Höhe von 301.000 Euro, verteilt auf drei Jahre, für den Bau einer Scheune[6] sowie inoffizielle Unterstützungen der Stadt Meßkirch, zum Beispiel in Form einer Erweiterung des Parkplatzes um 120.000 Euro sowie der Übernahme von Bürgschaften in der Höhe von 145.000 Euro.[7]

Die Finanzierung der Anlage soll langfristig – ähnlich wie die Burg Guédelon – durch Besuchereinnahmen und Etablierung als touristischer Anziehungspunkt sichergestellt werden.[8]

Wissenschaftlicher Beirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wissenschaftliche Leitung und Begleitung des Baus soll ein Beirat aus Fachleuten übernehmen,[8] der sich Anfang November 2013 konstituiert hat. Vorsitzender des Beirats ist der Archäologe und Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg Claus Wolf. Zum Stellvertreter wurde der Historiker und Hochschullehrer der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Matthias Becher gewählt. Dem Beirat gehören unter anderem der im Oktober 2013 pensionierte Stiftsbibliothekar der Stiftsbibliothek St. Gallen, Ernst Tremp, wie auch sein Nachfolger im Amt des Stiftsbibliothekars Cornel Dora an, ebenso Frater Jakobus Kaffanke, OSB der Erzabtei Beuron.

Baufortschritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am frühen Morgen des 1. August 2012 begann das Projekt „Campus Galli“: Auf einer Wiese bei Rohrdorf, die einen freien Blick auf den östlichen Horizont gewährte, wurde anhand der ersten Strahlen der aufgehenden Sonne die Baulinie der Karolingischen Klosterstadt bestimmt.[9]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handwerkerhütten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkzeug auf dem Campus Galli

Bis Ende Juni 2013 wurde eine erste Fläche im Wald gerodet und die Bauhütten für die Handwerker errichtet: Drechsler, Färber, Imker, Korbmacher, Ochsenführer, Schindelmacher, Schmied, Steinmetz, Töpfer, Weber und Zimmerer tragen mit ihrer Arbeit und ihren Produkten zum Projekt bei.

Holzkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 wurde mit dem Bau der Holzkirche und einer ersten Scheune begonnen. In der Saison 2015 wurde insbesondere die Errichtung der Holzkirche bis zum Richtfest vorangetrieben. 2016 wurde sie „bis auf den Innenraum und Kleinigkeiten im Außenbereich“ fertiggestellt.[10]

Besucherentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Saison, die verspätet Ende Juni 2013 begann, hatte der Campus Galli knapp 13.000 Besucher. 2014 konnten die Besucherzahlen deutlich gesteigert werden, wozu unter anderem ein Sommerfest im August und ein Herbstfest im Oktober sowie 420 Führungen beitrugen. 2015 wurde die geplante Zahl von 45.000 Besuchern übertroffen.[11] Dies galt auch für die Saison 2016, als trotz des nasskalten Frühjahrs deutlich mehr als die geplanten 60.000 Menschen den Campus Galli besuchten.[12] Die Wirtschaftlichkeit soll nach einer 2014 präsentierten Prognose ca. 2018 mit 80.000 bis 100.000 Besuchern pro Jahr erreicht werden.[13] Im Herbst 2016 wurde bekanntgegeben, dass die Zuschüsse der Öffentlichen Hand mindestens bis 2019 fließen werden.[14] Im August 2018 räumte man ein, dass, anders als prognostiziert worden war, selbst bei 120.000 Besuchern aufgrund steigender Kosten noch keine schwarzen Zahlen zu erwarten sind.[15]

Saison Besucher
22. Juni bis 3. November 2013 12.225
2. April bis 2. November 2014 36.582
3. April bis 1. November 2015 48.058
1. April bis 1. November 2016 65.755
1. April bis 5. November 2017 79.660
24. März bis 4. November 2018 82.989

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik an der Wissenschaftlichkeit und Umsetzung des Projektes gab es 2013 laut Karfunkel – Zeitschrift für erlebbare Geschichte[16] und Badischer Zeitung.[17] Zudem kritisierte Anfang 2014 der Bund der Steuerzahler Deutschland die Finanzierung.[18]

Forschungskooperation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. April 2018 wurde zwischen dem Verein Karolingische Klosterstadt e.V. und dem Competence Center Archaeometry – Baden-Württemberg (CCA–BW) der Universität Tübingen ein Kooperationsvertrag geschlossen. Ziel der Kooperation ist es, studentische Lehrveranstaltungen zur mittelalterlichen Töpferei auf dem Campus Galli durchzuführen. Weiterhin sollen Forschungsprojekte wie zum Beispiel archäometrische Untersuchungen an mit mittelalterlichen Methoden hergestellten Töpferwaren durchgeführt werden.[19]

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dokumentarfilmer Reinhard Kungel, der bereits seit 2000 an einer Langzeitdokumentation über die Baustelle von Guédelon arbeitet, wird in Zusammenarbeit mit dem SWR und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg einen Langzeitdokumentarfilm über den Baufortschritt der Klosterstadt Meßkirch realisieren.

2014 veröffentlichte Reinhard Kungel die DVD Campus Galli – Bauen wie im Mittelalter, die fünf Kurzfilme über die Anfänge des Klosterstadt-Projektes sowie eine 90-minütige Dokumentation über Guédelon enthält.

Am 8. Mai 2016 sendete der SWR die 45 Minuten lange Dokumentation Abenteuer Klosterstadt Meßkirch – Bauen wie im Mittelalter von Reinhard Kungel über die ersten drei Jahre des Projektes. Der Film wurde mehrfach wiederholt. [20]

Im Juni 2016 veröffentlichte Reinhard Kungel die 75 Minuten lange DVD Campus Galli – Bauen wie im Mittelalter – Die Anfänge bis 2015, die auch einen 43-minütigen Kinderfilm über die Baustelle von Guédelon in Frankreich enthält. Der Film wurde auf den Biberacher Filmfestspielen 2016 gezeigt. Das Schweizer Fernsehen strahlte eine 52-minütige Version dieses Films am 9., 10. sowie 15. Oktober 2016 aus.

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Frühjahr 2017 veröffentlichte der Schriftsteller Manfred Bomm den Kriminalroman Traufgänger, der zum Teil auf dem Campus Galli spielt.
  • Seit Mitte 2017 ist der Campus Galli Mitglied von EXARC (Network Archaeological Open-Air Museums),[21] einer internationalen Vereinigung von Freilichtmuseen und Experimentalarchäologen. Der Verein hat circa 300 Mitglieder aus rund 40 Ländern und ist Mitglied des International Council of Museums (ICOM).
  • Im Spätsommer 2016 erhielt der Fotograf Walter Schönenbröcher eine Einladung vom Campus Galli, wo er mehrere Tage lang die mittelalterlichen Handwerke für sein Kunstprojekt HANDwerk fotografieren konnte. Ende 2017 bis Anfang 2018 fand eine Sonderausstellung seiner Werke im Museum Schloss Doberlug im brandenburgischen Doberlug-Kirchhain unter dem Titel Campus Galli – die Klosterstadt Meßkirch statt.[22]
  • Im Juli 2018 veröffentlichte das Autorenduo Martin Verg und Ina Rometsch den Kinderkrimi Biberfieber: Krummes Ding am „Toten Winkel“, der auf einer Mittelalterbaustelle spielt und vom Campus Galli inspiriert ist, ISBN 978-3-7641-5134-8.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freundeskreis Karolingische Klosterstadt (Hrsg.): Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Chronik 2013: Dokumentation einer Zeitreise auf dem Campus Galli. (= Band 1/2013). Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2013, ISBN 978-3-8392-1483-1.
  • Freundeskreis Karolingische Klosterstadt (Hrsg.): Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Chronik 2014: Dokumentation einer Zeitreise auf dem Campus Galli. (= Band 2/2014). Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2014, ISBN 978-3-8392-1637-8.
  • Freundeskreis Karolingische Klosterstadt (Hrsg.): Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Chronik 2015: Dokumentation einer Zeitreise auf dem Campus Galli. (= Band 3/2015). Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2015, ISBN 978-3-8392-1718-4.
  • Freundeskreis Karolingische Klosterstadt (Hrsg.): Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Chronik 2016: Dokumentation einer Zeitreise auf dem Campus Galli. (= Band 4/2016). Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2016, ISBN 978-3-8392-1895-2.
  • Freundeskreis Karolingische Klosterstadt (Hrsg.): Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Chronik 2017: Dokumentation einer Zeitreise auf dem Campus Galli. (= Band 5/2017). Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2017, ISBN 978-3-8392-2081-8.
  • Freundeskreis Karolingische Klosterstadt (Hrsg.): Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Chronik 2018: Dokumentation einer Zeitreise auf dem Campus Galli. (= Band 6/2018). Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2018, ISBN 978-3-8392-2224-9.
  • Isabel Krichel-Bonstein und Oliver Bonstein: Klosterbaustelle Campus Galli in Messkirch 2013–2015. Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2016
  • Erik Reuter: Campus Galli – Der Führer zur karolingischen Klosterstadt Meßkirch. Meßkirch 2013, ISBN 978-3-8392-1481-7.
  • Walter Schönenbröcher: Campus Galli, Cottbus 2016, 1. Auflage, ISBN 978-3-9817962-1-6.
  • Alexander Smoltczyk: Zeitreise handgemacht. In Oberschwaben wird eine karolingische Klosterstadt gebaut – nach Originalplänen. In: Herrscher, Ketzer, Mittelalter. Der Spiegel – Geschichte. Heft 1/2015, S. 112–119.
  • Ernst Tremp: Der St. Galler Klosterplan – Faksimile, Begleittext, Beischriften und Übersetzung. St. Gallen 2014, ISBN 978-3-905906-05-9, S. 15–17, 34–35.
  • Ernst Tremp: Der St. Galler Klosterplan und die Aachener Klosterreform. In: Jakobus Kaffanke (Hrsg.): Benedikt von Nursia und Benedikt von Aniane – Karl der Große und die Schaffung des „Karolingischen Mönchtums“. (Band 26: Weisungen der Väter). Beuron 2016, ISBN 978-3-87071-339-3, S. 108–139

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Campus Galli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erik Reuter: Campus Galli – Der Führer zur karolingischen Klosterstadt Meßkirch. Meßkirch 2013, S. 18.
  2. Campus Galli – Der Führer zur karolingischen Klosterstadt Meßkirch. Meßkirch 2013, S. 8.
  3. Kritik vom Bund der Steuerzahler – Kloster-Katastrophe statt Campus Galli?. In: SWR4. 9. Januar 2014, abgerufen am 13. Mai 2015.
  4. Gregor Moser: Gemeinderat bewilligt Geld für Klosterstadtverein und Campus Galli. In: Südkurier. 11. Dezember 2014, abgerufen am 13. Mai 2015.
  5. schwaebische.de
  6. https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-sigmaringen/messkirch_artikel,-scheune-auf-campus-galli-wird-multifunktional-_arid,10735593.html
  7. https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-sigmaringen/messkirch_artikel,-me%C3%9Fkirch-f%C3%B6rdert-den-campus-galli-auch-weiterhin-_arid,10787055.html
  8. a b Bauen wie vor 1200 Jahren. Meßkirch meißelt sich ins Mittelalter. In: Der Spiegel. 19. März 2012, abgerufen am 19. März 2012.
  9. Martin Kieß: Die Orientierung der Baulinie der Basilika und der Klosterstadt in „Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Chronik 2013“; Seite 36ff
  10. Selina Ehrenfeld: „Mehr als 65000 besuchen Campus Galli“. In: Schwäbische Zeitung, 3. November 2016
  11. Gregor Moser: Am 1. April beginnt Klosterstadt-Saison. In: Südkurier.de 13. März 2015, abgerufen am 13. Mai 2015.
  12. Selina Ehrenfeld: Mehr als 65.000 besuchen Campus Galli. In: Schwäbische Zeitung.de 2. November 2016, abgerufen am 2. November 2016.
  13. Sebastian Musolf: 48.058 Gäste besuchen die Klosterstadt. In: Südkurier.de vom 2. November 2015, abgerufen am 15. November 2015.
  14. http://www.gea.de/nachrichten/politik/campus+galli+die+kirche+vom+geruest+befreit.5072368.htm
  15. Mittelalter zum Mitmachen – STIMME.de. Abgerufen am 22. August 2018.
  16. Michael Wolf: Causa Galli – Was ist los am Bodensee? In: Karfunkel – Zeitschrift für erlebbare Geschichte. Nr. 106, Juni 2013, S. 107f.
  17. Dominik Bloedner: Mittelalter-Stadt “Campus Galli”: Weniger Besucher, mehr Kritik. In: Badische Zeitung. 29. April 2015.
  18. Kommt die Kloster-Katastrophe? In: Der Steuerzahler. 1/2014. Hrsg.: Bund der Steuerzahler Deutschland
  19. https://www.uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/forschung-und-lehre-in-mittelalterlicher-klosterstadt.html
  20. SWR-Doku
  21. EXARC
  22. Niederlausitz aktuell vom 11. Januar 2018

Koordinaten: 48° 2′ 0,6″ N, 9° 6′ 10,8″ O