Canal du Nord

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Canal du Nord
Abzweig vom Canal de la Sensée (rechts der Canal du Nord)

Abzweig vom Canal de la Sensée (rechts der Canal du Nord)

Gewässerkennzahl FR----0472
Lage Frankreich, Region Hauts-de-France
Länge 76 km [1] + 20 km am Canal de la Somme
Erbaut 1908–1964
Klasse IV
Beginn Abzweig vom Canal de la Sensée bei Arleux
Ende Mündung in den Canal latéral à l’Oise bei Pont-l’Évêque
Abstiegsbauwerke 17 + 2 am Canal de la Somme
Abzweigungen, Kreuzungen Canal de la Somme
Herausragende Bauwerke Kanaltunnel von Ruyaulcourt und La Panneterie
Kilometrierung von Arleux Richtung Süden
PS-IMG 7226 tonemapped.jpg
Einfahrt in den Tunnel von Ruyaulcourt

Der Canal du Nord (deutsch: Nord-Kanal) ist ein französischer Schifffahrtskanal, der in der Region Hauts-de-France verläuft.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanal verbindet die Täler der Sensée und der Oise. Der Canal du Nord ist Teil eines überregionalen Binnenwasserweges, der Belgien und den Ärmelkanal mit Nordwestfrankreich und dem Großraum Paris verbindet. Diese Strecke setzt sich aus folgenden Wasserwegen zusammen:

Verlauf und technische Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Canal du Nord beginnt bei Arleux, wo er Anschluss an den Canal de la Sensée hat, der heute Teil des Großschifffahrtsweges Dünkirchen-Schelde (frz: Liaison à grand gabarit Dunkerque-Escaut) ist. Der Canal du Nord verläuft (nach der offiziellen Kilometrierungsrichtung) gegen Süden und endet bei Pont-l’Évêque, nahe von Noyon, wo er in den Canal latéral à l’Oise einmündet. Es handelt sich um einen Kanal vom Typus Wasserscheidenkanal. Er ist 76[1] Kilometer lang und hat 17 Schleusen, deren Dimensionen betragen 92 m × 5,90 m - Tiefgang 2,80 m - Höhenbegrenzung 3,70 m. Seine Streckenführung überwindet 2 Höhenzüge und lässt sich in folgende Abschnitte unterteilen:

  • Nordabschnitt, zwischen den Tälern der Sensée und der Somme
Die Scheitelhaltung wird mit dem Tunnel von Ruyaulcourt (frz: Souterrain de Ruyaulcourt) passiert (Länge 4,35 km). Der Höhenunterschied zu der Mündung im Sensée-Tal beträgt 40 Meter und wird von 7 Schleusen überwunden, jener zum Somme-Tal beträgt 28 Meter und benötigt 5 Schleusen.
  • Canal de la Somme
Nahe Péronne wird der Canal de la Somme erreicht, dessen Fahrwasser vom Canal du Nord für etwa 20 Kilometer mitverwendet wird, in die Längenberechnung des Kanals aber nicht einbezogen ist. Die effektive Fahrstrecke liegt daher bei etwa 96 Kilometern.
  • Südabschnitt, zwischen den Tälern der Somme und der Oise
Die Scheitelhaltung wird im Tunnel La Panneterie (frz: Souterrain de Panneterie) passiert (Länge 1,10 km). Der Höhenunterschied zum Somme-Tal beträgt 13 Meter und wird von 3 Schleusen überwunden (davon sind 2 im Bestand des Canal de la Somme), jener zur Mündung im Oise-Tal beträgt 22 Meter und benötigt 4 Schleusen.

Souterrain de Ruyaulcourt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tunnel bei Ruyaulcourt ist 4350 Meter lang. An seinem Nordportal befindet sich ein Turm, von dem aus die Schifffahrt durch den Tunnel geregelt wird. Im Tunnel befinden sich Dekametertafeln, deren Nullpunkt am Nordportal liegt. Als Besonderheit befindet sich im Tunnel eine Begegnungsmöglichkeit für Schiffe zwischen 1660 und 2690 (Meter vom Nordportal aus). Für diesen Abschnitt gilt ein Überholverbot, das durch beleuchtete Tafelzeichen angezeigt wird. Die Überwachung erfolgt mit Lichtschranken und an der Tunneldecke montierten Kameras. Beidseitig befindet sich ein Randweg, welcher seit Anfang 2009 an den Portalen mit Türen versehen ist und dadurch unerlaubtes Betreten verhindert. 2190 Meter vom Nordportal entfernt befindet sich ein Schacht zur Oberfläche, wo sich eine Ventilatoranlage befindet. Bei 2765 Meter gibt es einen Rettungsschacht, von dem man aus durch ein Treppenhaus auf beide Randwege gelangen kann.

Koordinaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durchquerte Départements[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen von Marquion

Orte am Kanal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Bauarbeiten wurde im Jahre 1908 begonnen, als der parallel verlaufende Canal de Saint-Quentin bereits überlastet war. Aus finanziellen Gründen wurde der Bau aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt, sodass die Fertigstellung erst im Jahre 1964 erfolgte.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frachtschifffahrt zwischen dem Seine-Becken und den großen Häfen am Atlantik in Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden ist auch heute von großer Bedeutung. Der Canal du Nord ist der modernste Schifffahrtskanal in dieser Streckenrelation und wurde bei seiner Planung für größere Schiffe als die der früheren Freycinet-Norm vorgesehen.

Geplante Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da diese Maße jedoch mit keiner heute gängigen Norm übereinstimmen, müssen speziell für diesen Kanal gefertigte Schiffe (siehe auch: Compoca Nord) eingesetzt werden, um einen einigermaßen wirtschaftlichen Transport zu erzielen. Der Kanal entspricht daher keineswegs den heutigen Anforderungen. Dem entsprach die CEMT mit der Einführung einer eigenen Binnenschiffsklasse Canal du Nord.

Im Rahmen der Europäischen Union wurde das Projekt Canal Seine-Nord Europe (CSNE), das die Neuerrichtung eines 106 km langen Kanals in Süd-Nord-Richtung durch Nordfrankreich zwischen den Einzugsgebieten der Flüsse Seine und Schelde vorsieht, in den Verkehrswegeplan aufgenommen. Schiffe bis zur Kategorie Vb (Schubverband mit zwei Leichtern) sollen die neue Binnenwasserstraße befahren können. Die Projektplanung wurde 2010 beendet, danach erfolgten Vorbereitungsarbeiten, die eigentlichen Konstruktionsarbeiten sollten in den Jahren 2012 bis 2016 erfolgen. Die Inbetriebnahme war für 2017[2] geplant. Nach Regierungswechsel und Neukalkulation gilt das Projekt seit 2013 als unfinanzierbar.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Canal du Nord – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Edwards-May: Binnengewässer Frankreichs, 5. Auflage, Verlag Edition Maritim, Hamburg 1997, ISBN 3-922117-61-9
  • Navicarte Guide de navigation fluvial - n° 24, Juli 2005, Edition Grafocarte, ISBN 2-7416-0149-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Angaben zur Kanallänge beruhen auf den Informationen über den Canal du Nord auf sandre.eaufrance.fr (französisch), abgerufen am 12. Dezember 2011, gerundet auf volle Kilometer.
  2. Nordfrankreich-Kanal. In: an Bord Heft 3 / 2011, S.64

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]