Canan Bayram

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Canan Bayram (2017)

Canan Bayram (* 11. Februar 1966 in Malatya, Türkei) ist eine deutsche Rechtsanwältin und Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) kurdisch-türkischer Abstammung und Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin. 2017 wurde sie im Bundestagswahlkreis 83 direkt in den 19. Deutschen Bundestag gewählt. Sie ist damit die einzige Bundestagsabgeordnete ihrer Partei, die aktuell ein Direktmandat innehat.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayram ist in Nettetal und Brüggen am Niederrhein aufgewachsen und absolvierte dort eine kaufmännische Ausbildung. Später legte sie das Abitur an einem Abendgymnasium in Bonn ab und studierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Politik- und Rechtswissenschaften und beendete das Studium mit dem ersten juristischen Staatsexamen. Nach Referendariat und zweitem juristischem Staatsexamen arbeitete sie als angestellte Juristin in verschiedenen Bundesministerien. Seit 2003 ist sie selbstständige Rechtsanwältin in Berlin-Friedrichshain mit den Schwerpunkten Arbeitsrecht und Familienrecht.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Canan Bayram trat 1999 in die SPD ein. Dort war sie Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Berlin und im Fachausschuss Inneres und Recht. Sie war Landesparteitagsdelegierte und Mitglied im Abteilungs- und Kreisvorstand der SPD. 2006 zog sie als Direktkandidatin für den Bezirk Berlin-Friedrichshain in das Abgeordnetenhaus von Berlin ein. Sie hatte sich erstmals zur Wahl in Berlin gestellt und konnte mit 28 % den Wahlbezirk für sich entscheiden. Sie war frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und Mitglied in den Ausschüssen für Verfassungsschutz, Inneres, Sicherheit und Ordnung sowie im Ausschuss für Wirtschaft, Technologie und Frauen. Am 4. Mai 2009 verließ sie die SPD und stellte einen Antrag auf Aufnahme in die Abgeordnetenhausfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Der Bezirksverband Friedrichshain/Kreuzberg der Grünen bestätigte am 5. Mai 2009 auch ihren Parteiwechsel.

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2011 und 2016 wurde sie im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 5 erneut direkt gewählt. Sie ist Sprecherin für Migrations-, Integrations- und Flüchtlingspolitik sowie Sprecherin für Rechtspolitik in ihrer Fraktion. Zudem ist sie Mitglied in den Ausschüssen für Integration, Arbeit, Berufliche Bildung und Soziales sowie dem Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung und dem Ausschuss für Recht, Verfassungsangelegenheiten, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung. Ihre politischen Schwerpunkte sind die Arbeitsmarktpolitik, Familienpolitik sowie die Innen- und Rechtspolitik.

Im Konflikt um die Rigaer Straße kritisierte Bayram die Berliner Polizei, nachdem Anwohner sich über die massive Polizeipräsenz beklagt hatten.[2] Für ihre Aussage, „dass [die] Polizei Anwohner schikaniert“, wurde sie zum Teil aus ihrer eigenen Partei kritisiert.[3]

Einer größeren bundesweiten Öffentlichkeit wurde Canan Bayram erstmals durch die Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen vom 16. bis zum 18. Juni 2017 in Berlin bekannt. Dort kritisierte sie in ihrer Begrüßungsrede scharf die dem realpolitischen Lager zuzurechnenden Spitzenkandidaten der Grünen Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir.[4]

Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte Bayram ein Direktmandat im Bundestagswahlkreis 83. Damit wird sie, wie bereits zuvor ihr Vorgänger Ströbele, die einzige Abgeordnete der Grünenfraktion sein, die über die Erststimmen ihres Wahlkreises in den Bundestag einzog.[5] Diese Kandidatur um die Nachfolge von Hans-Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen) gab sie am 28. Februar 2017 ihrer Partei bekannt.[6] Am 11. März wurde Canan Bayram durch eine Wahlkreismitgliederversammlung der Grünen Kreisverbände Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow mit großer Mehrheit als Nachfolgerin für Hans-Christian Ströbele nominiert.[7] Bayram setzt sich für die Rechte der Mieter ein und kritisiert internationale Immobilienfonds, die nur an Rendite interessiert seien. Ihr Ziel ist, dass diese bei Bedarf enteignet werden können.[8] Bayram sprach sich nach der Bundestagswahl 2017 gegen eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene aus.[9]

Weitere Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayram ist Mitglied beim Netzwerk Berliner RechtsanwältInnen gegen Diskriminierung und im Verein zur Förderung transkultureller Pädagogik. Sie unterstützt Initiativen und lokale Vereine in Friedrichshain. Zudem ist sie Mitglied im Deutschen Juristinnenbund und im Deutschen Kinderschutzbund.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Canan Bayram – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berliner Direktkandidaten Wer ist drin – und wer ist draußen? (Berliner Zeitung online, 24. September 2017)
  2. Berliner Morgenpost: Anwohner in der Rigaer Straße: "Uns geht es auf den Keks!" In: morgenpost.de. 14. Januar 2017, abgerufen am 20. Juli 2017.
  3. Olaf Wedekind: Bäckerei sperrt Polizei aus. Viel Kritik an Grünen-Politikerin Bayram nach Rigaer-Tweet. In: bz-berlin.de. 28. Juni 2016, abgerufen am 1. März 2017.
  4. spiegel.de: Auftakt zum Grünen-Parteitag - "Geht's noch?" In: gruene-pankow.de. 16. Juni 2017, abgerufen am 20. Juli 2017.
  5. Alle Zahlen zur Bundestagswahl - Wahlkreisergebnisse faz.net, 25. September 2017
  6. Canan Bayram on Twitter. In: Twitter. (twitter.com [abgerufen am 28. Februar 2017]).
  7. Grüne Pankow: Canan Bayram als Nachfolgerin für Hans-Christian Ströbele nominiert. In: gruene-pankow.de. 11. März 2017, abgerufen am 20. Juli 2017.
  8. Das größte Risiko ist eine Revoluzzerin spiegel.de, 7. September 2017
  9. Regierungsbildung Wie Jamaika die AfD im Osten stärken könnte, Dresdner Neueste Nachrichten, 30. September 2017