Canisius-Kolleg Berlin

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Canisius-Kolleg Berlin
Das Wappen des Canisius-Kollegs
Schulform Gymnasium
Schulnummer 01P06
Gründung 1923
Adresse

Tiergartenstraße 30/31

Ort Berlin-Tiergarten
Land Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 30′ 33″ N, 13° 21′ 17″ OKoordinaten: 52° 30′ 33″ N, 13° 21′ 17″ O
Träger Gesellschaft Jesu s.g. Jesuitenorden (Canisius-Kolleg GmbH)
Schüler 877[1]
Lehrkräfte 67[1]
Leitung Gabriele Hüdepohl (Schulleiterin)[2]
Website www.canisius-kolleg.de

Das Canisius-Kolleg Berlin (kurz: CK) ist ein vom Jesuitenorden getragenes, privates und staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium in Berlin-Tiergarten. Namensgeber ist der heilige Petrus Canisius, ein Jesuit aus dem 16. Jahrhundert.

1923 wurde das Kolleg gegründet. 1940 erfolgte die Zwangsschließung durch die Nationalsozialisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schule am 1. Juni 1945 wiedereröffnet.

Jesuiten-Kolleg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Canisius-Kolleg Berlin ist eines von drei Jesuiten-Kollegien in Deutschland. Das Kolleg St. Blasien (St. Blasien, Schwarzwald) und das Aloisiuskolleg (Bonn – Bad Godesberg) sind Gymnasien mit Internaten für Jungen und Mädchen. Prägend für das Berliner Jesuitenkolleg ist die außerschulische verbandliche Jugendarbeit der Ignatianischen Schüler*innen-Gemeinschaft.(ISG). Die „Nachmittagsbetreuung“ ist ein Element der Betreuung im offenen Ganztag für alle Schüler*innen der Klassen 5–9.

Trägerschaft und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Träger und Gründer der 1923 gegründeten Jesuitenschule ist der Jesuitenorden. Dieser unterhält dazu eine GmbH als Trägerin der Schule und eine Stiftung, über die der Betrieb der pädagogischen Arbeit unterstützt wird. Der Rektor des Kollegs hat die Gesamtverantwortung für das Kolleg inne und leitet gleichzeitig die Gemeinschaft der Jesuiten vor Ort. Er ist Repräsentant des Trägers, Geschäftsführer und einer der Gesellschafter der GmbH.

Als Schule in „freier“ Trägerschaft ist das Canisius-Kolleg auf die Erhebung eines Schulgeldes (nach Selbsteinschätzung) angewiesen. Denn aufgrund des Schulgesetzes von Berlin werden dem Schulträger lediglich 93 % der vergleichbaren Personalkosten refinanziert. Die verbleibenden 7 % Eigenleistung, alle darüber hinaus gehenden Kosten für Einrichtungen, Aktivitäten und Personal, werden aus dem Schulgeld, Spenden, Beiträgen und sonstigen Zuschüssen finanziert.

Für die Nachmittagsbetreuung und für die Aktivitäten der ISG werden Kostenbeiträge erhoben. Schulgelder und sonstige Beiträge für sozial schwächere Familien werden durch verschiedene Stipendien vom Träger finanziert. Eine „Sonderung“ nach sozialer Herkunft wird damit ausgeschlossen.

Profil der Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Canisius-Kolleg ist ein Gymnasium mit christlich-humanistischer Prägung. Es steht in der jahrhundertealten Bildungstradition des Jesuitenordens, der 1534 von Ignatius von Loyola gegründet wurde. Exzellente Bildung ist für das Kolleg untrennbar verbunden mit der Förderung der Persönlichkeit. Die einzelne Schülerin und der einzelne Schüler sind eine unverwechselbare Persönlichkeit, die hier ihren Charakter entfalten, die eigenen Talente entdecken und zur Entfaltung bringen darf. Daran orientiert sich das pädagogische Programm.

Das grundständige Gymnasium (beginnend mit der 5. Klasse), führt nach 8 Jahren zum Abitur.

Die ISG am Canisius-Kolleg (früher GCL)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Canisius-Kolleg umfasst – gemäß jesuitischer Tradition – neben dem grundständigen Gymnasium die Ignatianische-Schüler-Gemeinschaft (ISG) als außerschulische verbandliche Kinder- und Jugendarbeit. Die Vorgänger-Institution nannte sich GCL (Gemeinschaft Christlichen Lebens). Sie stellt neben der Schule, unter dem Dach des Kollegs, eine eigenständige Institution dar. Schule und ISG bilden somit das Werk Canisius-Kolleg SJ. Die ISG ist eine sog. Stadtgruppe des Jugendverbandes KSJ (Katholische Studierende Jugend) im BDKJ.

Die Jugendarbeit am Jesuitenkolleg möchte nach dem Prinzip „Jugend leitet Jugend“ Kindern und Jugendlichen einen Rahmen zur zweckfreien Begegnung bieten. Dabei soll nach dem Schulprofil Raum zur Einübung von Verantwortung, Selbstorganisation und Demokratie und zur Erfahrung des Religiösen gegeben werden. Im Wesentlichen geht es darum, einen Beitrag zur Entwicklung einer freien Persönlichkeit zu leisten, die sich ihres Verstandes frei bedienen kann sowie unterscheidungs- und entscheidungsfähig ist.

Von den Schülerinnen und Schülern des Kollegs sind circa 700 Mitglieder der ISG; davon sind 71 im „Engagement für andere“ (P. Pedro Arrupe S.J., einstiger Generaloberer der Jesuiten) in verantwortlichen Positionen aktiv (als Gruppenleiterinnen und -leiter, als Stadtgruppenleitung, in der Mitarbeit im Schulungsteam oder in der Praxisbegleitung von Leiterrunden). (Stand Mai 2020)

Die ISG hat als sogenannte „Congregatio Mariana“ ihren Ursprung am römischen Kolleg im Jahr 1563. Die Geschichte am Canisius-Kolleg reicht bis in das Jahr 1947 zurück. Im Rahmen der Neugründung des Jesuitenkollegs nach der Zwangsschließung wurde sie als Ortsgruppe der Jugendverbände der Gemeinschaft Christlichen Lebens (J-GCL) in Berlin gegründet. Im Jahr 2009 trat die Stadtgruppe aus der J-GCL aus und in die KSJ ein.

Im Rahmen der Missbrauchsfälle hat Manfred von Richthofen, früher Sportlehrer am Kolleg, die damaligen Nachmittagsaktivitäten der „Congregatio“ in der B.Z. als Zentrum des Problems („Pestbeule“) bezeichnet, obwohl ihm selbst später Fälle von Prügeln nachgesagt wurden. In den frühen 1980er Jahren wurde die Jugendarbeit am Kolleg demokratisiert, so dass z. B. auch der Geistliche Leiter gewählt werden muss und auch abgewählt werden kann. Im Jahr 2004 wurde ein umfassendes Schutzkonzept entwickelt und für die auch ehrenamtlichen jugendlichen Verantwortungsträgerinnen und -träger der Jugendarbeit in Kraft gesetzt. In der fünfjährigen praxisbegleitenden Ausbildung der Gruppenleiterinnen und -leiter spielen seither Themen wie Nähe und Distanz, Feedbackkultur und Wahrnehmung von und Umgang mit Grenzverletzungen eine elementare Rolle.

Aufarbeitung und Aufklärung der Missbrauchsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Januar 2010 wurde ein Brief des damals amtierenden Rektors Pater Klaus Mertes an mehr als 600 ehemalige Schüler versandt. In diesem Schreiben ging es darum, dass am Canisius-Kolleg in den 1970er- und 1980er-Jahren durch zwei Patres ein systematischer sexueller Missbrauch stattgefunden hat, ein Missbrauch, der aber nicht weiter in Tiefe und Form erläutert wurde: „Mit tiefer Erschütterung und Scham“, schrieb Mertes, „habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen.“ Der Öffentlichkeit wurde der Inhalt des Briefes infolge des Artikels „Canisius-Kolleg: Missbrauchsfälle an Berliner Eliteschule“ bekannt, welcher aufgrund seiner aufklärenden Funktion mit dem Wächterpreis gewürdigt wurde und als Auslöser der Missbrauchsdebatte im Frühjahr 2010 gilt.

Einer der beiden verdächtigen Patres hat die Vorwürfe eingestanden und sich als damals psychisch krank bezeichnet, juristisch gesehen ist der Missbrauch jedoch wahrscheinlich verjährt. In den zahlreichen Darstellungen der Schüler und im Ergebnis der ausführlichen Missbrauchsberichte der Beauftragten wurde endlich näher beschrieben, worin dieser Missbrauch bestand und sich bei einem inzwischen aus dem Orden ausgetretenen Pater und heutigen verheirateten Familienvater, inzwischen in Chile lebend, erwiesen, dass er als „Sadist“ tätig war: Der damalige Sport- und Religionslehrer schlug ausgesuchte Schüler außerhalb des Unterrichts mit Begründungen etwa von „Ungezogenheit“, „Stören des Unterrichts“ etc. zeitweise schmerzhaft mit einem Gürtel. Zum sexuellen Akt kam es zwar nie, aber die Zeit des verbreiteten Prügelns in der Schule war lange Zeit vorbei und die 1970er und 1980er Jahre waren als post-68er diesbezüglich sehr aufgeklärt und das Schlagen von Kindern, besonders in einer Institution wie Kindergarten und Schule waren untersagt und längst nicht mehr als Kavaliersdelikt zu übersehen. Die vom Jesuitenorden mit der Untersuchung beauftragte Anwältin Ursula Raue spricht inzwischen von etwa 30 Opfern. Anfang Februar gab Pater Stefan Dartmann SJ, Provinzial der vereinigten deutschen Provinzen des Jesuitenordens, weitere 15 Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg sowie an der katholischen Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg, am Jesuiten-Kolleg St. Blasien im Schwarzwald und eine noch unbekannte Zahl in Göttingen, Hildesheim, Spanien und Chile bekannt. Auf Spreeblick, dem Blog von Johnny Haeusler, selbst Absolvent des Canisius-Kollegs, haben viele ehemalige Schüler Kommentare hinterlassen, die darauf schließen lassen, dass die Vorwürfe schulintern bekannt waren, aber ignoriert wurden. Pater Karl Heinz Fischer SJ, Rektor des Kollegs zwischen April 1981 und Juni 1989, bestätigte, dass ihm bereits 1981 Vorfälle bekannt wurden. Einige Missbrauchsopfer haben sich zusammen mit den Geschädigten anderer Jesuiteneinrichtungen in dem Forum Eckiger Tisch organisiert.

Inzwischen hat sich der Vorgang zu einem bundesweiten Skandal ausgeweitet, der im Brennpunkt des Medieninteresses steht. Unter anderen musste der bekannte Jesuit Bernhard Ehlen, zeitweise Lehrer am Canisius-Kolleg, mehrere Missbrauchsfälle in Hannover eingestehen. Der Missbrauchsskandal setzte die deutschen Bischöfe unter Zugzwang. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) teilte daraufhin mit, dass das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung der nächsten Vollversammlung gesetzt worden sei. Diese fand vom 22. bis zum 25. Februar 2010 in Freiburg im Breisgau statt. Eine Entschädigung seitens der Einrichtung ist bis April 2012 nicht erfolgt.

Ehemalige Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Canisius-Colleg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Schulverzeichnis. In: berlin.de. 18. Januar 2017, abgerufen am 10. Juli 2020.
  2. Leitung – Canisius Kolleg. In: canisius.de. 18. Juni 2019, abgerufen am 10. Juli 2020.