Canosa di Puglia

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Canosa di Puglia
Wappen
Canosa di Puglia (Italien)
Canosa di Puglia
Staat Italien
Region Apulien
Provinz Barletta-Andria-Trani (BT)
Koordinaten 41° 13′ N, 16° 4′ OKoordinaten: 41° 13′ 22″ N, 16° 3′ 59″ O
Höhe 140 m s.l.m.
Fläche 149 km²
Einwohner 30.294 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 203 Einw./km²
Postleitzahl 76012
Vorwahl 0883
ISTAT-Nummer 110004
Volksbezeichnung Canosini
Schutzpatron San Sabino
Website Canosa di Puglia

Canosa di Puglia ist eine italienische Gemeinde mit 30.294 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) in der Provinz Barletta-Andria-Trani und der Region Apulien. Die Gemeinde gibt dem Rotwein Rosso Canosa ihren Namen.

Blick über Canosa

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Canosa liegt an den Abhängen der "Murge" in der Nähe des Flusses Ofanto.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden sind Andria, Barletta, Cerignola (FG), Lavello (PZ), Minervino Murge und San Ferdinando di Puglia (FG).

Griechische Münze aus Canosa, 3. Jh. v. Chr.

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Canusium, wie die Stadt von den Römern genannt wurde, soll nach der Mythologie von Diomedes, einem Held des Trojanischen Krieges, gegründet worden sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Canusium

Die  Stadt existiert spätestens seit dem 7. Jh. v. Chr., laut Gründungslegende soll Canosa, griechisch Kanousion, von Diomedes gegründet worden sein. Im 4. Jh. v. Chr. war die Stadt bereits von einer Stadtmauer gesichert und besaß eine Akropolis und eine Nekropole. Im Jahre 318 v. Chr. verbündete sich die Stadt mit dem Römischen Reich und wurde als Canusium Garnisonsstadt. Im Jahr 88 v. Chr. stieg sie zum Municipium auf. Unter den Römern wurde sie ein Zentrum der Wollverarbeitung, und auch die Keramik aus der Gegend hatte einen guten Ruf. Im 2. Jh. wurde Canosa unter Kaiser Antoninus Pius zur Colonia Aurelia Augusta Pia Canusium, 109 erreichte die Via Traiana die Stadt und 141 wurde ein Aquädukt zur besseren Wasserversorgung fertiggestellt. Im 3. Jahrhundert wurde sie Hauptstadt der römischen Provinz Apulia et Calabria. 343 erwähnen die Akten des Konzil von Serdica (heute Sofia in Bulgarien) den Bischof Stercorius aus Canosa. Auf den Bischof Sabinus (514–566) gehen das Battistero di San Giovanni und die auf den Grundrissen eines römischen Tempels errichtete Basilika San Leucio zurück. Im frühen Mittelalter wurde Canosa durch die Byzantiner besetzt, die 835 den ersten Erzbischof einsetzten, und 845 sowie 875/876 durch die Sarazenen zerstört. Ab dem 11. Jh. gewann die Stadt unter den Normannen ihre frühere militärische Bedeutung zurück. Während des Kreuzzuges Friedrich II. beugte sie sich die nicht dem Druck des Papstes und empfing den Kaiser nach seiner Rückkehr 1229. Unter den Anjou wurde Canosa mehrfach zerstört, 1502 von spanischen Truppen besetzt und gehörte danach verschiedenen Adelsgeschlechtern. Mehrfach wurde die Stadt auch durch Erdbeben zerstört.

Bis 2004 gehörte Canosa zur Provinz Bari, wurde dann aber mit sechs weiteren Orten dieser Provinz und drei Orten aus der Provinz Foggia der neu gebildeten Provinz Barletta-Andria-Trani zugeordnet.

Die Cathedra in San Sabino
Kathedrale San Sabino
Der Ponte Romano überbrückt den Fluss Ofanto im Verlauf der Via Traiana nahe Canosa

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kathedrale San Sabino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im 11. Jahrhundert begonnene, 1101 unter Beteiligung des Papstes Paschalis II. geweihte und oft umgebaute Kathedrale beherbergt in einem Anbau an der südlichen Langhauswand das Grab des Bohemund von Tarent, Sohn des Robert Guiskard. Das gesamte Bauwerk ist von Stilrichtungen des Orients beeinflusst. So ist beispielsweise das Kuppeldach mit zwei Kuppeln über dem Langhaus und drei über dem Querhaus im byzantinischen Stil gehalten. Im 19. Jh. wurden die ersten drei Joche und die klassizistische Fassade hinzugefügt. Der Bischofsthron (Cathedra) mit den beiden Trag-Elefanten ist laut Inschrift ein Werk des Bildhauers Romualdus. Auftraggeber war der letzte, 1089 ermordete Erzbischof von Canosa, Ursus (1079–1088). Die vordere Platte mit zwei Adlern wurde wohl später hinzugefügt. Die mit einem prächtigen, auf einem Menschenkopf stehenden Adler geschmückte Kanzel aus nahezu schwarzem Marmor wurde von dem Bildhauer und Archidiakon Acceptus geschaffen und ist die älteste und besterhaltene in Apulien. Sie geht auf byzantinische Vorbilder zurück. Fragmente aus der Werkstatt des Acceptus finden sich auch in der Grottenkirche in Monte Sant’Angelo und in Santa Maria in Siponto. Das Ziborium über dem Hauptaltar ist dagegen eine Nachbildung von 1905. Das Grab des Bohemund (Tomba di Boemondo) wurde nach dessen Tod im Jahre 1111 von dessen Mutter oder seiner Ehefrau in Auftrag gegeben. Das Mausoleum erinnert an syrische Grabbauten. Die linke Flügel der Bronzetür durch die man das Mausoleum betritt wurde vermutlich ursprünglich für das Portal der Kathedrale geschaffen. Er ist mit einem breiten Dekorband und Symbolen, die kufischer Schrift ähneln, geschmückt. Die Verse, die Bohemunds Ruhm verkünden, sind ebenso wie der rechte Türflügel das Werk eines Glockengießers Roger aus Melfi. Auf dem rechten Flügel sind, in Niellotechnik, vermutlich Bohemund, und sein Halbbruder Roger Bursa und darunter, unter anderen, sein Sohn Bohemund II. dargestellt.

Die Kathedrale ist San Sabino geweiht, einem Bischof Canosas im 6. Jahrhundert. Titularerzbischof der erloschenen Diözese Canosa ist Celestino Migliore.

Römische Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 2. Jahrhundert führt über den Fluss Ofanto eine römische Steinbrücke, sie war Teil der Via Traiana. Die Brücke wurde im Mittelalter überarbeitet und bis in die 1970er-Jahre vom normalen Straßenverkehr benutzt.

Triumphbogen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Porta Varonne

Ebenfalls im 2. Jh. wurde zu Ehren des Gaius Terentius Varro die Porta Varonne, ein Triumphbogen errichtet. Er erinnert an die Schlacht von Cannae..

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Arnold Willemsen, Apulien. Kathedralen und Kastelle. Ein Kunstführer durch das normannisch-staufische Apulien, Köln 1971, S. 69 – 76 ISBN 3-7701-0581-8
  • Ekkehart Rotter: Apulien. Byzantinische Grottenkirchen – Normannische Kathedralen – Staufische Kastelle – Lecceser Barock (= DuMont Kunst Reiseführer). 6. Auflage. Dumont Reise Verlag, Ostfildern 2012, ISBN 3-7701-4314-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Canosa di Puglia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.