Cap San Diego

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Cap San Diego
Stückgutfrachter und Museumsschiff Cap San Diego auf der Elbe bei Wedel

Stückgutfrachter und Museumsschiff Cap San Diego auf der Elbe bei Wedel

Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
andere Schiffsnamen
  • Sangria
  • San Diego
Schiffstyp Stückgutschiff
Klasse Cap-San-Klasse
Eigner Stiftung Hamburger Admiralität
Bauwerft Deutsche Werft, Hamburg
Baunummer 785
Baukosten 16.000.000 Deutsche Mark
Stapellauf 15. Dezember 1961
Übernahme 27. März 1962
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
159,4 m (Lüa)
144,4 m (Lpp)
Breite 21,4 m
Tiefgang max. 8,44 m
Vermessung 9.998 BRZ
 
Besatzung 38 Mann
Maschinenanlage
Maschine 1× 9–Zylinder–ZweitaktDieselmotor (MAN K9Z 78/140 D)
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
11.650 PS (8.569 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
19 kn (35 km/h)
Propeller 1
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 10.017 tdw
Rauminhalt 16.408 m³
Zugelassene Passagierzahl 12
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO-Nr. 5060794

Brücke
Brücke

Die Cap San Diego ist ein Museumsschiff mit Liegeplatz an der Überseebrücke im Hamburger Hafen. Das 1961 gebaute Schiff wurde als Stückgutschiff gebaut und war bis in die 1980er Jahre im Liniendienst mit Südamerika eingesetzt.

Die Cap San Diego ist das größte betriebsfähige Museumsfrachtschiff der Welt. Sie stellte den Höhepunkt des mechanisierten Frachtschiffbaus in Deutschland dar, bei dem eine maximale Ausprägung der meisten in der Frachtschifffahrt entwickelten Berufsbilder an Bord zu beobachten war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau und Indienststellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff wurde von der Deutschen Werft AG in Hamburg für die Reederei Hamburg Süd als letztes Schiff einer Serie baugleicher Stückgutfrachter gebaut und lief 1961 als Cap San Diego vom Stapel. Die zum großen Teil von Cäsar Pinnau gestalteten Schiffe dieser Cap-San-Klasse wurden ihrer eleganten Form wegen auch als „Die weißen Schwäne des Südatlantiks“ betitelt. Ihre Jungfernfahrt führte das Schiff über die USA nach Australien und zurück. Anschließend wurde es in der Südamerikafahrt eingesetzt.

Als konventionelles Stückgutschiff wurde die Cap San Diego mit sechzehn Ladebäumen, zwei Bordkranen und einen Schwergutbaum ausgestattet. Von fünf Laderäumen, die über bis zu drei Zwischendecks verfügen, waren ursprünglich zwei als Kühlladeräume eingerichtet. Des Weiteren hat das Schiff noch sechs beheizbare Ladetanks zum Transport von Süßölen. Zwei dieser Tanks konnten als Wechseltanks auch für den Transport von Stückgut umgerüstet werden und wurden als „Luke 6“ bezeichnet. 1962 wurden zusätzlich noch zwei weitere Kühlladeräume eingebaut. Damit konnte die Hälfte aller Laderaume Kühlgüter aufnehmen. Ab 1963 wurden das Schiff und seine fünf Schwesterschiffe als Fracht- und Kühlschiffe zertifiziert. Das geschah im Schiffszertifikat des Registergerichtes, im Meßbrief des Bundesamtes für Schiffsvermessung und im Klassifikations– sowie im Sicherheitszertifikat der Klassifikationsgesellschaft Germanischer Lloyd.

Das Deckshaus ist ausgestattet für 34 bis 40 Besatzungsmitglieder, darunter ein Funker, ein Wäscher, ein Zahlmeister, ein Zimmermann und ein Bootsmann. Aufgrund der Passagiereinrichtungen wurden zwei Köche, ein Bäcker, ein Obersteward und fünf Stewards eingesetzt. Heute sind alle diese Berufe bis auf einen Koch auf deutschen Frachtschiffen nicht mehr zu finden. Auch das separate Passagierdeck mit gut ausgestatteten Passagierkabinen, Salon, Speisezimmer, Bar und Außenschwimmbad mit Poolbar ist auf Frachtschiffen heute nicht mehr üblich. Diese Einrichtungen waren seinerzeit bei den Südamerikareisenden sehr beliebt. Verglichen mit ihren Nachfolgern im Südamerikadienst, war die Cap San Diego mit ihrem Ladegeschirr universell ausgestattet und konnte den Ladungsumschlag in den südamerikanischen Häfen mit eigenen Mitteln durchführen. Die Schiffe der Cap San–Klasse waren, im Gegensatz zu ihren modernen Nachfolgern, dadurch weniger abhängig von der jeweiligen Infrastruktur der angelaufenen Häfen.

Im Südamerika-Liniendienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit ihren fünf Schwesterschiffen bediente die Cap San Diego die Route Hamburg–Südamerika. Sie transportierte unter anderem Maschinen, Chemikalien und Automobile, aber auch lebende, trächtige Kühe in Richtung Südamerika und Kaffee, Fleisch, Äpfel, Birnen, Weintrauben, Orangen, Textilien, Süßöle und Fruchtsaftkonzentrat in Richtung Hamburg. Neben Gefrierfleisch konnte als Besonderheit Kühlfleisch an Haken von der Decke hängend bei etwa -1° C befördert werden. Eine derartige Spezialladung, die besonders hohe Frachtraten hatte, konnten nur sehr wenige Kühlschiffe transportieren. Die Ladung wurde in Buenos Aires oft durch Kuhfelle ergänzt, die einzeln in den unteren Laderäumen ausgebreitet und eingesalzen wurden. Entladen wurden diese Felle in Hamburg von Pansenkloppern. Durch die große Menge der verladenen Güter und die vor der Erfindung des Containers langwierigen Ladeprozesse betrugen die Liegezeiten in Buenos Aires bis zu vierzehn Tage.

In einer Zeit, in der der Interkontinentalverkehr mit Flugzeugen noch nicht selbstverständlich war, nutzten viele Passagiere die Möglichkeit, mit diesen Frachtern nach und von Südamerika zu reisen. Die jeweils bis zu zwölf Fahrgäste an Bord erhielten dabei nahezu all den Service, den sonst nur Passagier- und Kombischiffe bieten konnten – von klimatisierten Kabinen über ein eigenes Passagierdeck mit Lounge und separatem Speisesaal bis zum Außenschwimmbad mit Poolbar.

In den folgenden rund zwanzig Jahren nach dem Stapellauf fuhr die Cap San Diego im Liniendienst zwischen Europa und der Ostküste Südamerikas. Eine Rundreise dauerte etwa sechzig Tage; insgesamt absolvierte sie in dieser Zeit 120 Rundreisen. 1981 wurde das Schiff an die spanische Reederei Ybarra verkauft, von der sie unter panamaischer Flagge ein Jahr lang unter Hamburg SüdCharter weiter im Südamerikadienst eingesetzt wurde. Danach wurde der Name in San Diego geändert. 1986 wurde sie an die Multitrade Shipping in Monrovia verkauft und in Sangria umbenannt, um anschließend unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen mit Heimathafen Kingstown zu fahren.

Außerdienststellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Linienfrachter in diesem Fahrtgebiet wurden ab den 1980er-Jahren durch Containerschiffe ersetzt. So lösten die bei der Seebeckwerft in Bremerhaven gebauten Vollcontainerschiffe der Monte-Klasse ab 1984 die Stückgutfrachter der ersten Cap-San-Klasse im Südamerika-Dienst ab. Jene wurden wiederum durch Vollcontainerschiffe der zweiten Cap-San-Klasse ersetzt. Beide Klassen hatten eine sehr große Kühlcontainerkapazität und waren mit Einrichtungen für Porthole-Container ausgestattet. Ab 2004 nachfolgende Schiffe der Monte– und später der Rio-Klasse erhielten Anschlüsse für Integralcontainer, sie galten bei der Indienststellung als die Schiffe mit der weltweit größten Kühlcontainerkapazität.

Wandlung zum Museumsschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cap San Diego bei St. Pauli-Landungsbrücken (2011)

Kurz vor der Verschrottung erwarb die Freie und Hansestadt Hamburg die Sangria. Sie erreichte im Oktober 1986 Cuxhaven in einem sehr schlechten Zustand. Sie wurde hier in einer Woche von vielen Freiwilligen notdürftig hergerichtet und lief am 31. Oktober Hamburg an. Vom vorübergehenden Liegeplatz am Kirchenpauerkai verholte sie nach sechs Wochen nach Neumühlen. Hier blieb sie, bis sie am 30. September 1989 an die Außenseite der Überseebrücke wechselte. An ihren heutigen Liegeplatz an deren Innenseite wurde sie gut ein Jahr später verholt. Schrittweise wurden Renovierungs- und Erhaltungsarbeiten durchgeführt, um die Umwandlung zum Museumsschiff mit Räumen für Ausstellungen und Veranstaltungen zu realisieren. 1987 erfolgte eine Generalüberholung im Dock 15 der Howaldtswerke-Deutsche Werft (Werk Ross).

Ab 1989 begannen arbeitslos gewordene ehemalige HDW–Arbeiter, die von der Beschäftigungsfirma Ökotech nach der Werftschließung beschäftigt wurden, umfangreiche Bauarbeiten. In dieser Zeit erhielt das Schiff sein jetziges Innenleben u. a. durch Zusammenfassung der Steuerbord-Mannschaftskammern zum Bordrestaurant. Mit Durchbrüchen und Treppen in den Laderäumen und Süßöltanks wurde das Innere der Laderäume für Besucher besser zugänglich. Außerdem wurden für die Beschäftigten und Freiwilligen Sozialräume und Büros eingerichtet. Um das Schiff wieder in Fahrt zu bringen, erfolgten ab 1992 umfangreiche Maschinenarbeiten, Kolben und Buchsen wurden gezogen, Rettungsboote repariert sowie Lenz- und Ballastsysteme überholt. Nach erfolgreichen Reparaturarbeiten konnte das Museumsschiff im Juni 1995 aktiv an den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Nord-Ostsee-Kanals teilnehmen, wo sie als Repräsentantin der Stadt Hamburg Bestandteil der Schiffsparade war.

Cap San Diego, Zylinderstation mit der neuen Reservebuchse

2012 benötigte der siebte Zylinder der inzwischen über 50 Jahre alten Hauptmaschine eine neue Laufbuchse. Die zulässigen Verschleißtoleranzen dieser einzigen verchromten Buchse waren weit überschritten, und für das 1,8 Meter hohe Bauteil von fast einem Meter Durchmesser und zwei Tonnen Gewicht gab es weltweit keinen Ersatz mehr. Da die Modelle zur Herstellung der Gussform ebenfalls nicht mehr existierten, fertigten die MAN-Werke Rostock und Hamburg nach Original-Fertigungszeichnungen von MAN ein neues. Mit Hilfe dieses Modells wurden in Japan die Gussformen hergestellt und drei neue Zylinderlaufbuchsen aus Grauguss gegossen, bearbeitet und der Cap San Diego gespendet. So erhielt Zylinder 7 eine neue Buchse. Die zwei anderen Buchsen dienen als Reserve.

Betrieb als Museumsschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trägerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 wurde durch die Freie und Hansestadt Hamburg die „Stiftung Hamburger Admiralität“ GmbH gegründet, der sie das Eigentum am Schiff übertrug.[1] Diese betreibt zur Instandhaltung und Bewirtschaftung des Museumsschiffs die gemeinnützige „Cap San Diego Betriebsgesellschaft“.[2] Rund zwanzig Mitarbeiter der Betriebsgesellschaft sind im Bordkontor, an Deck, in der Maschine, an der Kasse sowie bei der nächtlichen Bewachung eingesetzt. Sie werden von rund 100 engagierten Ehrenamtlichen an Deck, in der Maschine, in der Funkbude und im Shop unterstützt. Besonders bei kulturellen Großveranstaltungen, Fahrten oder größeren Arbeitseinsätzen, kann auf diese Mannschaft zurückgegriffen werden. Der Liegeplatz wird durch die Stadt bezahlt.[3]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cap San Diego ist im Hamburger Hafen inzwischen ein attraktiver Anziehungspunkt, der von rund 100.000 nationalen und internationalen Besuchern pro Jahr besichtigt wird. Das Museum der Cap San Diego zeigt, neben dem Schiff selbst, diverse Wechselausstellungen und verfügt über mietbare Veranstaltungsräume. Das Museumsschiff, das seit dem 1. Dezember 2003 unter Denkmalschutz steht, hat seinen Liegeplatz an der Überseebrücke in Sichtweite des Dreimasters Rickmer Rickmers und der Hamburger Speicherstadt.

Hotelbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Nutzung als Museumsschiff bietet die Cap San Diego auch Gastronomie und einen kleinen Hotelbetrieb. Die acht für Übernachtungen an Bord zur Verfügung stehenden Kajüten sind bei Touristen sehr beliebt.

Gästefahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zu zehn Gästefahrten werden jährlich durchgeführt. Sie führen nach Helgoland, Cuxhaven, Rendsburg und Kiel.[4] Sowohl die Ein- als auch die Auslaufparaden des Hafengeburtstages werden von der Cap San Diego angeführt. Zum 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2009 in Bremen fuhr die Cap San Diego von Hamburg in die benachbarte Hansestadt, wo sie als Veranstaltungsort diente.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff war Teil der Kulisse einer Sequenz im Kinofilm James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Böer: Alles über ein Schiff. Eine kleine Schiffskunde. 4. Aufl. Herder, Freiburg i. Br. 1962. (Jugendbuch, das am Beispiel der Cap San Marco ein Seeschiff beschreibt)
  • Christoph Engel, Knut Gielen: Cap San Diego, Eine Legende wird neu besichtigt. Murmann-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-938017-77-5 (enthält als Anhang den kompletten Reprint des Böer-Buches)
  • Kurt Flechsenhar: Cap San Diego. Ein Schiff und seine Mannschaft. Koehler, Herford 1994, ISBN 3-7822-0609-6
  • Kurt Gerdau: Cap San Diego. Vom Schnellfrachter zum Museumsschiff. Koehler, Herford 1987, ISBN 3-7822-0417-4
  • Matthias Gretzschel und Michael Zapf: Cap San Diego. Heimathafen Hamburg. Koehlers Verlagsgesellschaft, 2016. (Text-Bildband), ISBN 978-3-7822-1260-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cap San Diego – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Cap San Diego – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stiftung Hamburger Admiralität. Auf capsandiego.de, abgerufen am 14. Oktober 2016
  2. CAP SAN DIEGO Betriebsgesellschaft mbH. Auf capsandiego.de, abgerufen am 14. Oktober 2016
  3. Annabel Trautwein: Cap der guten Hoffnung. In: Hinz&Kunzt, September 2016, S. 26–27.
  4. Matthias Gretzschel: Heimathafen Hamburg. In: Hamburger Abendblatt vom 10. September 2016, S. 20–21.

Koordinaten: 53° 32′ 36″ N, 9° 58′ 33″ O