Capnocytophaga canimorsus

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Capnocytophaga canimorsus
Systematik
Domäne: Bakterien (Bakteria)
Klasse: Flavobacteriia
Ordnung: Flavobacteriales
Familie: Flavobacteriaceae
Gattung: Capnocytophaga
Art: Capnocytophaga canimorsus
Wissenschaftlicher Name
Capnocytophaga canimorsus
Brenner et al. 1990

Capnocytophaga canimorsus (lateinisch canimorsus ‚Hundebiss‘) ist ein gramnegatives, stäbchenförmiges Bakterium der Gattung Capnocytophaga, das normal im Maul von Hunden und Katzen vorkommt.

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unschädlich für das Tier, kann Capnocytophaga canimorsus in seltenen Fällen nach Hundebissen beim Menschen zu Infektionen führen. Seit der Entdeckung 1976 belaufen sich die gegenwärtigen Schätzungen auf einen Fall pro 1 Million Menschen. Diese seltenen Infektionen (etwa Wundinfektionen) sind in über 160 medizinischen Berichten mit Wundbrand, Blutvergiftung (Bakteriämie bzw. Sepsis), Hirnhautentzündung oder Endokarditis, einer Entzündung der Herzinnenhaut, beschrieben. In mehr als 60 Prozent der bekannten Fälle waren Patienten mit geschwächtem Immunsystem, entfernter Milz oder Alkoholmissbrauch betroffen. Infektionen können bei frühzeitiger Erkennung effizient mit verschiedenen Antibiotika behandelt werden.[1] 2014 wurde ein Todesfall nach Hundebiss und folgender Infektion mit C. canimorsus beschrieben.[2]

Zur antibiotischen Therapie eignen sich Ampicillin, Amoxicillin, Ampicillin-Sulbactam und Amoxicillin-Clavulansäure. Alternativ auch Clindamycin, Doxycyclin und Moxifloxacin sowie Imipenem und Meropenem.[1]

Molekulare Mechanismen der Pathogenität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

C. canimorsus ist ein bislang wenig erforschter Krankheitserreger, aber es konnte bereits gezeigt werden, dass C. canimorsus von Makrophagen weder erkannt noch phagozytiert wird. Es kommt dabei zu keiner Entzündungsreaktion, welche für eine Immunabwehr notwendig wäre. Die Bakterien können sich von speziellen Zuckerresten auf der Oberfläche von Säugetierzellen ernähren. Diese Eigenschaften könnten durch die Anpassung der Bakterien an ihr natürliches Umfeld im Säugetiermaul entstanden sein. Bei Übertragung in menschliches Blut könnten sich die Bakterien deswegen weitgehend unerkannt vermehren, was zu ihrer Pathogenität beiträgt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Don J. Brenner, D. G. Hollis, G. R. Fanning, R. E. Weaver: Capnocytophaga canimorsus sp. nov. (formerly CDC group DF-2), a cause of septicemia following dog bite, and C. cynodegmi sp. nov., a cause of localized wound infection following dog bite. In: J Clin Microbiol. 27, 1989, S. 231–235.
  • C. Lion, F. Escande, J. C. Burdin: Capnocytophaga canimorsus infections in human: review of the literature and cases report. In: Eur J Epidemiol. 12, 1996, S. 521–533.
  • D. M. Tierney, L. P. Strauss, J. L. Sanchez: Capnocytophaga canimorsus mycotic abdominal aortic aneurysm: why the mailman is afraid of dogs. In: J Clin Microbiol. 44, 2006, S. 649–651.
  • H. Shin, M. Mally, M. Kuhn, C. Paroz, G. R. Cornelis: Escape from immune surveillance by Capnocytophaga canimorsus. In: J Infect Dis. 195, 2007, S. 375–386.
  • S. Meyer, H. Shin, G. R. Cornelis: Capnocytophaga canimorsus resists phagocytosis by macrophages and blocks the ability of macrophages to kill other bacteria. In: Immunobiology. 213(9-10), 2008, S. 805–814.
  • M. Mally, H. Shin, C. Paroz, R. Landmann, G. R. Cornelis: Capnocytophaga canimorsus: A Human Pathogen Feeding at the Surface of Epithelial Cells and Phagocytes. In: PLoS Pathogens. 4(9), 2008, S. e1000164. doi:10.1371/journal.ppat.1000164
  • Case records of the Massachusetts General Hospital. Case 10-2014. A 45-year-old man with a rash. In: N Engl J Med. 370(13), 27. Mar 2014, S. 1238–1248.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 261.
  2. N Engl J Med. 370(13), 27. Mar 2014, S. 1238–1248.