Captains Courageous

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rudyard Kipling

Captains Courageous ist ein Roman des englischen Schriftstellers Rudyard Kipling, der 1897 in London und New York veröffentlicht wurde. Als Serie erschien der Roman jedoch bereits ab November 1896 in McClure’s Magazine. Die erste deutsche Übersetzung durch F. Lavand erfolgte 1902 unter dem Titel Brave Seeleute, die zweite Übersetzung ins Deutsche durch N. Jacques von 1930 trug jedoch den Titel Fischerjungs. Die Abenteuergeschichte zählt zu den Bildungsromanen und erlebte mehrfache Adaptionen im Film, auf der Bühne und in der Literatur.

Der Titel selbst basiert auf der Einleitungszeile der Ballade Mary Ambree: „When captains courageous, whom death could not daunt.“ Kipling hatte das Zitat bereits am 23. November 1892 für einen Artikel in The Times über Industrielle verwendet, die für ihn die neuen Abenteurer seiner Zeit darstellten.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration We’re Here für Captains Courageous, New York 1897

Der 15-jährige Sohn eines Selfmademan-Millionärs, Harvey Cheyne Jr., gilt zu Recht als schlecht erzogen und verweichlicht. Bei der Überquerung des Atlantiks fällt er bei einem heftigen Sturm über Bord. Gerade noch rechtzeitig wird er von Fischern aus Neufundland gerettet, insbesondere von dem portugiesischen Seemann Manuel. Der Junge berichtet der Mannschaft des Schoners We’re Here von seiner Herkunft und verlangt eine Rückkehr zum nordamerikanischen Festland. Allerdings glauben die Seeleute und ihr Kapitän Disko Troop nicht an den Reichtum seines Vaters und selbst wenn, so würden sie die Rückkehr scheuen, da ihnen sonst wertvolle Zeit beim Fischfang in der Sommersaison verstreicht.

Gezwungenermaßen muss Harvey sich nun mit der Situation zurechtfinden und als zusätzlicher Esser Kost und Logis durch körperlich schwere Arbeit erst verdienen. Langsam erlernt er die Grundzüge des Fischerhandwerks im Umkreis der Neufundlandbank und erringt die Achtung sowie schließlich auch die Freundschaft der Besatzung. Insbesondere mit Dan, dem Sohn des Kapitäns, freundet sich Harvey Cheyne an. Somit wird im Laufe der Zeit allmählich aus dem verwöhnten Millionärszögling ein harter und Selbstdisziplin gewohnter junger Erwachsener.

Als der längst totgeglaubte Harvey nach Monaten auf dem Umweg über den Heimathafen des Schiffs in Gloucester wieder nach New York zurückkehrt, ist sein Vater, der Eisenbahntycoon, doppelt glücklich: Hat sein Sohn doch endlich jene von ihm erhoffte Wandlung durchgemacht und wird in Zukunft seine Mitmenschen nicht mehr nach ihrer Herkunft und ihrem Vermögen einschätzen, sondern vorrangig nach ihren Fähigkeiten. Seine Dankbarkeit äußert Harvey, indem er die Ausbildung Dans zum Kapitän mitfinanziert, und sein Vater, Harvey Cheyne senior, indem er Dan auf einem seiner Tea Clipper anheuern lässt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zerteilen des Kabeljaus im Hafen von Gloucester, kolorierte Postkarte, 1908
Trocknen des Kabeljaus im Hafen von Gloucester, kolorierte Postkarte, 1915

Kipling selbst hatte mit den Arbeiten zu dem Roman Anfang Februar 1896 angefangen, als er und seine Frau in Naulakha, Vermont lebten. Der dort ansässige Arzt James Conland hatte ihm von seiner Jugendzeit auf einem Schoner auf den Neufundlandbänken ausführlich berichtet, was eventuell die Thematik des Werks vorgegeben haben mag.[2] Auf jeden Fall notierte Caroline Kipling am 11. Februar, dass Captains Courageous „Gestalt annehmen“ würde.[3]

In der Folge recherchierte Kipling intensiv über die Fischereiflotten New Englands. Am 18. Februar ersuchte er den Washingtoner Anwalt William Hallett Phillips um Zusendung von Statistiken und anderem Material zu den Great Banks. Das Ehepaar besuchte die Fischereihäfen in Boston und Gloucester, um dort die Schiffe, die Hafenanlagen und Werkzeuge zu studieren. Der Arzt Conland musste auf Kiplings Bitten hin einen Kabeljau auf althergebrachte Weise der Fischer zerlegen, um ihn zum einen mit der Anatomie und zum anderen mit dem Arbeitsprozess vertraut zu machen.[4]

Noch im August 1896 besuchte Kipling erneut Gloucester, um sich die dortige Gedächtnisstätte anzuschauen, die für die auf See verstorbenen Männer der Kabeljau-Fischereiflotte errichtet worden war. Aufgrund dieser Vorarbeiten musste sich Kipling später oft des Urteils erwehren, er habe eine Reportage verfasst. Somit entgegnete er: “I wanted to see if I could catch and hold something of a rather beautiful localised American atmosphere that was already beginning to fade. Thanks to Conland I came near this.” – „Ich wollte sehen, ob ich die ziemlich schöne amerikanische Atmosphäre einfangen und halten konnte, die bereits im Verschwinden war. Ein Dankeschön an Conland, dass ich dem nahekam.“[5]

Interpretation und Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Captains Courageous. A Story of the Grand Banks kann man durchaus als Bildungsroman des Viktorianischen Zeitalters bezeichnen: „Körperliche Abhärtung, Selbstbeherrschung und Bereitschaft, gehorchen zu lernen und gelegentlich eine Tracht Prügel einzustecken – das waren nach Meinung Kiplings und der Verfechter der viktorianischen Tradition die Voraussetzungen, unten denen Knaben zu Männern werden.“[6]

Der zu seiner Entstehungszeit gerade bei den jüngeren Lesern extrem populäre Roman ist frei von der üblichen Sentimentalität seiner Zeit und erzählt in realistischen Beschreibungen eine spannende Geschichte. Dabei werden die damaligen Fischereitechniken detailliert aufgeführt. Anfangs bemängelten die amerikanischen Kritiker einhellig das angebliche Nachlassen von Kiplings Stil bei diesem Roman,[7] dieser revanchierte sich jedoch mit einer bezeichnenden Reprise über den pleonastischen Stil seiner Kritiker, weil er genau wusste, dass er aufgrund seiner Vorarbeiten seinen Stil verändert hatte.[8]

Rudyard Kiplings dynamischer Stil zeigt sich hierbei deutlich von ähnlichen Geschichten Robert Louis Stevensons beeinflusst. Allerdings strafft Kipling im Gegensatz zu ihm die Erzählung auf den wesentlichen Kern. Anders als Herman Melville, dessen Moby Dick Kipling jedoch erst um 1903 als Schullektüre zur Kenntnis nehmen sollte, und Joseph Conrad, dessen Erzählung The Nigger of the Narcissus ein knappes Jahr später erschien, war Kipling kein ehemaliger Seemann, sondern ein Berufsautor, der sich in die maritime Welt dank seiner Recherche einfühlen musste. Er selbst sah dieses Werk auch als Würdigung des von ihm verehrten Mark Twain an.[9]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umschlag von McClure’s. Damit nahm die Serienveröffentlichung des Romans im November 1896 ihren Anfang.
  • Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. London 1897.
  • Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. New York 1897.
  • In: Edition de Luxe. The Writings in Prose and Verse. 38 Bde., 1897–1938, Bd. 12, London 1898.
  • In: Bomby Edition. 31 Bde., 1913–1938, Band 10, London 1913.
  • In: Complete Works. Sussex Edition. 35 Bde., Bd. 20, London 1937–1939.
  • Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. London 1950.
  • Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. New York 1959.
  • Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. New York 1970.
  • Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. London 1982.
  • Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. Bantam, New York 1985.

Übersetzungen:

  • Brave Seeleute. Übersetzung ins Deutsche von F. Lavand, Berlin 1902.
  • Fischerjungs. Übersetzung ins Deutsche durch N. Jacques, Leipzig 1930.
    • nach dieser letztgenannten Neuübersetzung unter dem Titel Fischerjungs auch in der Gesamtwerkausgabe, herausgegeben von J. Gottwald, Bd. 3, München 1965, 1976 und Nachdruck 1978.
  • Über Bord, neuübersetzt und herausgegeben von Gisbert Haefs, Mare, Hamburg 2007, ISBN 978-3-86648-072-8.

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Captains Courageous wurde dreimal verfilmt:

Musical:

Literatur:

  • The Billion Dollar Boy von Charles Sheffield erzählt die Geschichte von Captains Courageous in einer futurischen Welt des Science Fiction nach

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jêrome von Gebsattel: Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. In: Hauptwerke der englischen Literatur. Einzeldarstellungen und Interpretationen. Bd. 1. Von den Anfängen bis zum Ende des Viktorianischen Zeitalters. Zusammengestellt von Henning Thies, Kindler Verlag, München 1995, ISBN 3-463-40271-8, S. 214.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Titelerklärungen auf www.kipling.org.uk. Aufgerufen am 8. Oktober 2012.
  2. http://www.kipling.org.uk/rg_courageous_intro.htm
  3. Norman Page: A Kipling Chronology. Macmillan & Co., London 1984.
  4. Thomas Pinney (Hrsg.): Letters of Rudyard Kipling: (Vol. II) 1890-99, Macmillan, London 1990, S. 240.
  5. Rudyard Kipling: Something of Myself. Herausgegeben von Thomas Pinney, Cambridge University Press 1995, S. 131.
  6. Jêrome von Gebsattel: Captains Courageous. A Story of the Grand Banks. In: Hauptwerke der englischen Literatur. Einzeldarstellungen und Interpretationen. Bd. 1. Von den Anfängen bis zum Ende des Viktorianischen Zeitalters. Zusammengestellt von Henning Thies, Kindler Verlag, München 1995, ISBN 3-463-40271-8, S. 214.
  7. Atlantic Monthly, LXXX Dezember 1897, S. 856 f.
  8. Thomas Pinney (Hrsg.): Letters of Rudyard Kipling: (Vol. II) 1890–99, Macmillan, London 1990, S. 323.
  9. Leonee Ormond: "Captains Courageous" Introduction. Auf: www.kipling.org.uk. Aufgerufen am 23. Oktober 2012.