Carbon (Apple)

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Carbon ist eine Sammlung von Programmierschnittstellen (APIs), die von Apple entwickelt wurde, um es seinerzeit Programmentwicklern möglichst leicht zu machen, ihre Mac OS-Programme auf das später erscheinende Mac OS X (inzw. nur noch OS X) zu portieren. Zum Zeitpunkt der Einführung war Mac OS 8 die aktuelle Version, Version 9 und Mac OS X befanden sich in der Entwicklung.

Carbon basiert auf den Programmierschnittstellen des klassischen Mac OS, abzüglich derer, die historisch gewachsen und redundant sind, und solcher, die typischen Mac OS X-Funktionen wie präemptivem Multitasking und Speicherschutz im Wege standen. Wurde ein Mac OS-Programm so geschrieben, dass es die Carbon-Bibliothek nutzte, so konnte es sowohl auf Mac OS als auch auf Mac OS X nativ ausgeführt werden. Voraussetzung war jedoch, dass kein m68k-Code mehr verwendet wurde, da Carbon unter Mac OS nur auf PowerPC verfügbar war.

Mit dem Verwenden der Carbon-Bibliothek ergab sich für die Entwickler der Vorteil bereits bestehenden Code in großen Teilen später weiter verwenden zu können, der Portierungsaufwand war also überschaubar. Für die modernere Cocoa-API, die ihren Ursprung in OPENSTEP hat, hätte ein sehr großer Anteil des Quelltextes der bestehenden Programme neu geschrieben werden müssen, deshalb waren viele bekannte Programme noch lange Zeit Carbon-Programme, beispielsweise auch Adobe Photoshop bis zur Version CS4 (Ende 2008). Apple selbst nutzte Carbon für viele Programme in Mac OS X, die es auch schon unter Mac OS gab. Erst für Mac OS X 10.6 wurde beispielsweise der Finder in Cocoa komplett neu geschrieben. Auch die Frontends von iTunes und QuickTime Player für Mac OS 9, Mac OS X und Windows basierten lange Zeit auf Carbon. Neu entwickelte Apple-Programme wie z. B. der Safari-Browser für Mac OS X und Windows basierten hingegen von Beginn an auf dem moderneren Cocoa.

Die Carbon-Bibliothek ist in Mac OS X seit der ersten Version (Public Beta, 2000) Bestandteil des Betriebssystems. Unter Mac OS 8.1 bis 9.2.2 musste die Bibliothek manuell nachinstalliert werden; sie konnte gratis heruntergeladen werden. Programme, die die Carbon-Bibliothek verwendeten und auf Mac OS und Mac OS X lauffähig waren, hießen zumeist “carbonized applications”, also „carbonisierte Programme“. Auf spätere reine Mac OS X-Programme, die die Carbon-Bibliothek verwenden, wurde der Begriff nicht angewendet.

Bereits in Mac OS X 10.4 konnten 64-Bit-Konsolenprogramme ausgeführt werden; mit Mac OS X 10.5 war Cocoa 64-Bit-tauglich. Seit Mac OS X 10.6 konnte entweder ein 32-Bit- oder ein 64-Bit-Kernel gestartet werden. Ab OS X 10.8 ist das Betriebssystem voll auf 64-Bit umgestellt. Pläne, auch Carbon 64-Bit-tauglich zu machen, wurden von Apple 2007 fallen gelassen.[1] Während sich OS X also schrittweise in ein reines 64-Bit-Betriebssystem verwandelte, wurde die Weiterentwicklung von Carbon nun endgültig eingestellt und alte Programme, die noch auf Carbon setzten, blieben auf 32-Bit beschränkt. Unter anderem deswegen war Adobe Photoshop CS4 unter Windows bereits als 64-Bit-Programm verfügbar, unter OS X jedoch immer noch „nur“ ein 32-Bit-Programm. Zur Portierung von Photoshop auf Cocoa wurde ein eigenes Entwicklerteam eingesetzt (C2C: Carbon to Cocoa). Ende April 2010 veröffentlichte Adobe schließlich Photoshop CS5 als 32- und 64-Bit-Cocoa-Anwendung[2].

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Macworld: Photoshop CS4 to be 64-bit for Windows, but not Mac (englisch) vom 2. April 2008, Jim Dalrymple, abgerufen am 26. März 2015
  2. Blog: Getting Photoshop CS5 to 64-bit on Macintosh (englisch) vom 14. März 2011, Blog von Jeff Tranberry, abgerufen am 26. März 2015