CargoBeamer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

CargoBeamer ist ein horizontales Verladungsystem der CargoBeamer AG für den kombinierten Eisenbahnverkehr, welches den vollautomatischen Umschlagvorgang an allen Waggons eines Zuges parallel ermöglicht.

Zum CargoBeamer-System gehören spezielle Waggons des Typs Sdkmss[1] zusammen mit dem JetModul, einer Art Schublade, in der jeweils ein Sattelauflieger abgestellt wird, und dem CargoBeamer-Terminal, in dem an einem Gleis die speziellen Einrichtungen zum Verschub der JetModule verbaut sind.

Umschlagvorgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sattelauflieger werden von der Zugmaschine auf die bereitstehenden JetModule im CargoGate, eine, speziellen Umschlagbahnhof, abgestellt. Dort werden sie abgekuppelt und die Zugmaschine fährt weg. Danach fährt ein Güterzug – bestehend aus CargoJet-Güterwagen – in die Umschlaganlage ein. Aus den Taschenwagen werden die JetModule, auf dem der Lkw-Auflieger transportiert wird, seitlich herausgeschoben. Von der anderen Seite werden die beladenen Wannen in die Güterwagen hineingeschoben. Der Zug ist nun wieder abfahrbereit. Der gesamte Umschlagvorgang soll laut Hersteller 15 Minuten dauern.

Der CargoBeamer ist in erster Linie für den Transport von Sattelaufliegern ausgelegt. Diese machen den Großteil des europäischen Lkw-Fernverkehrs aus. Es ist prinzipiell auch möglich, Wechselbrücken oder ISO-Container damit zu transportieren.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorteile
  • Der Umschlag erfolgt sehr schnell im Vergleich zu einer Kranverladung oder Reach-Stacker.
  • Das System funktioniert unter elektrifizierten Gleisen.
  • Zugmaschine und Zug müssen nicht zeitgleich im Terminal sein.
  • Das System ist kompatibel zu konventionellen Umschlagterminals. Die Wagenaufsätze können durch die in diesen Terminals eingesetzten Portalkräne oder mit Reach-Stackern aus den Wagen gehoben werden. Dadurch kann auch die große Mehrheit der Trailer, die sonst nicht kranbar wäre, mittels der Wagenaufsätze auf Eisenbahnwagen gehoben werden.
  • Die CargoBeamer GateModule (Terminaltechnik) sind mit 13 m Breite plus Fahrspuren für die Lkw sehr effizient und benötigen bei gleichem Durchsatz weniger Fläche als ein konventionelles Umschlagterminal.
  • Die Güterwagen sind frei von Elektrik und Hydraulik und damit einfacher und günstiger als die Wagen anderer Horizontalumschlagsysteme.
Nachteile
  • Die Güterwagen sind schwerer als Taschenwagen – dieser Nachteil wird insbesondere auf Strecken mit hohen Steigungen (Gebirgsstrecken) wirksam.
  • Die Güterwagen sind technisch komplexer und teurer als bisherige Taschenwagen, sowohl die für den Vertikalumschlag mit Kränen als auch die Wagen der Rollenden Landstraße.
  • Mit dem CargoBeamer-System können keine Lastzüge befördert werden, nur die Auflieger von Sattelzügen.

Zulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wagen sind seit dem Jahr 2010 als TSI-konform vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen und können somit in der ganzen EU eingesetzt werden.

Testbetrieb Leipzig–Hagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CargoBeamer Terminal in Leipzig (2014)

Im Jahre 2011 fand ein Testbetrieb zwischen Leipzig und Hagen statt. Lediglich in Leipzig befindet sich ein CargoBeamer-Umschlagbahnhof, und dieser verfügt nur über Umschlagmodule für drei Wagen. In Hagen werden die Sattelauflieger mit herkömmlichen Kränen umgeschlagen.

Trotzdem können nicht-kranbare Sattelauflieger umgeschlagen werden, da die Wannen, in denen die Sattelauflieger stehen, kranbar sind.[2]

Pilotstrecke Rotterdam–Riga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste kommerzielle Strecke soll von Rotterdam nach Riga führen. Eine Besonderheit ist hierbei, dass auf diese Relation zwei unterschiedliche Spurweiten zum Einsatz kommen. Anstatt einer herkömmlichen Umspurung, kann die Fracht beim CargoBeamer an der Grenze einfach zwischen Regel- und Breitspurzügen umgeladen werden. Diese Strecke wird durch die EU mit 5.415.900 € aus dem Marco-Polo-II-Rahmenprogramm gefördert.[3]

Geplante CargoBeamer-Bahnhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände des Volkswagenwerks in Wolfsburg ist eine Pilotanlage errichtet worden.[4] Offizieller Baubeginn war am 29. November 2012. Die Anlage ist im Frühjahr 2013 in Betrieb gegangen. Der Pilotbetrieb ist für wöchentlich zwölf Rundläufe nach Bettembourg (Luxemburg) ausgelegt. Diese Anlage wurde 2013 mit dem Preis „elogistics award 2013“ ausgezeichnet.[5]

Hagen–Hengstey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hagen-Hengstey ist ein CargoBeamer-Umschlagbahnhof auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Hengstey, dessen Rangierbetrieb am 1. Februar 1976 eingestellt wurde, am Ufer des Hengsteysees in der Planung. Dieses Gelände am Schnittpunkt der Ruhr-Sieg-Strecke, der Ruhrtalbahn, der Bahnstrecke Hagen–Hamm und der Oberen Ruhrtalbahn ist über die in unmittelbarer Nähe befindliche Abfahrt Hagen-Nord der parallel verlaufenden Bundesautobahn 1 gut an das Straßennetz angebunden. Der Standort ist jedoch umstritten und stößt vor allem bei den Anliegern auf Bedenken, da hier auch ein Naherholungsgebiet geplant ist.[6] Ein schon bei der Bezirksregierung Arnsberg beantragtes Planfeststellungsverfahren ruht seit Ende 2012.[7]

Mockava[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des litauischen Dorfes Mockava wird ein CargoBeamer-Terminal errichtet, da sich dort die einzige Verbindung des europäischen Normalspurnetzes und des in russischer Breitspur errichteten Eisenbahnnetzes der drei Baltische Staaten befindet. Dieses Terminal wird dem Umschlagen der JetModule zwischen Regelspur- und Breispur-CargoBeamern dienen. Dieses Terminal wird gemeinsam von der deutschen CargoBeamer AG und dem litauischen Achema-Konzern errichtet und sollte im zweiten Halbjahr 2012 in Betrieb gehen.[8]

Calais[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Erweiterung des Fährhafens Calais soll dort ein CargoBeamer-Terminal errichtet werden. Dieser Standort bietet sich an, da dort viele Sattelauflieger unbegleitet mittels Platzzugmaschinen auf Fährschiffe umgeschlagen werden. Während die Stadt Calais diesen Umschlagbahnhof unterstützt, blockiert der französische Eisenbahnnetzbetreiber Réseau ferré de France dieses Projekt, indem er den Gleisanschluss verweigert.[9]

Legnica[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Frühjahr 2013 soll ein CargoBeamer-Terminal auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen von Legnica errichtet werden. Investor ist die polnische Bus- und Bahngesellschaft Pol-Miedź Trans.[10]

Konkurrierende Horizontalumschlagsysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: CargoBeamer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erster CargoBeamer Serienwaggon ausgeliefert. CargoBeamer, 25. April 2013, abgerufen am 31. März 2016.
  2. Rail Business Spezial 02/2011 - Kombinierte Verkehre in Europa - ISSN 1867-2728 - S. 10 ff
  3. 2009 Call for Proposals: 22 NEW PROJECTS TO RECEIVE FUNDING. Europäische Union, archiviert vom Original am 28. Juni 2011; abgerufen am 31. März 2016 (PDF; 119k, englisch).
  4. CargoBeamer baut im Volkswagen Werk Wolfsburg Pilotterminal für den Kombinierten Güterverkehr. automobilsport.com, 29. November 2012, abgerufen am 31. März 2016.
  5. Volkswagen AG wird in Zusammenarbeit mit der CargoBeamer AG mit dem elogistics award 2013 ausgezeichnet. CargoBeamer, 10. April 2013, abgerufen am 2. April 2017.
  6. Bahnhof für 800 Laster am Hengsteysee. Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 10. Dezember 2010, abgerufen am 31. März 2016.
  7. Hinweis in: Westfalenpost Hagen vom 12. November 2012.
  8. Mockavos terminalas – pagal vokiečių planą. laikrastis.vz.lt, abgerufen am 31. März 2016 (litauisch).
  9. CargoBeamer for Calais? worldcargonews.com, 28. November 2011, abgerufen am 31. März 2016 (englisch).
  10. Mateusz Różański: Legnica: Na lotnisku będzie nowoczesny terminal. Naszemiasto.pl, 25. Mai 2012, abgerufen am 31. März 2016 (polnisch).