Carl Albrecht (Mediziner)

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Carl Eduard Albrecht (* 28. März 1902 in Bremen; † 19. Juli 1965) war ein philosophisch und psychologisch engagierter deutscher Arzt und Mystiker. Mit seinen Schriften zur Bewusstseinsphilosophie, insbesondere zur Mystikforschung, beeinflusste er u. a. Gabriel Marcel und Karl Rahner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Albrecht stammte aus der einflussreichen norddeutschen Familie Albrecht. Er war der älteste Sohn des Bremer Großkaufmanns Carl Albrecht und dessen amerikanischer Frau Mary Ladson Robertson.[1] An der Universität Leipzig nahm er 1920 ein Studium der Geschichte, Volkswirtschaft, Philosophie und Psychologie. Er hörte u. a. bei dem Gestaltpsychologen Felix Krueger. Nach seinem Wechsel nach Marburg schrieb er sich für Medizin ein. Daneben befasste er sich mit Theologie, wurde von Rudolf Bultmann und Martin Heidegger beeinflusst, während Karl Barth ihn vor allem als Widerpart prägte.[2] Während des Studiums trat er der Wandervogelbewegung und der SPD bei, die er 1928 wieder verließ.[3] Im selben Jahr erhielt er seine Approbation, ab 1932 praktizierte er in Bremen als Facharzt für Innere Medizin.[2]

Neben seiner medizinischen Tätigkeit beschäftigte sich Carl Albrecht mit autogenem Training. Daraus entwickelte er eine Versenkungstechnik, die er einerseits therapeutisch als Arzt einsetzte, andererseits aber auch zunehmend – insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg – zur phänomenologischen Erforschung des mystischen Bewusstseinszustandes nutzte, wobei er sich in seinem methodologisch wegweisenden Ansatz vor allem auf die hermeneutische Ausdeutung aufgezeichneter sprachlicher Äußerungen stützte, die im Trance-Zustand gemacht worden waren.

Anfänglich hatte Albrecht ein primär naturwissenschaftlich-medizinisches Interesse am Phänomen der Mystik (also an Transzendenzerfahrungen, an radikal erweiterten und veränderten Bewusstseinszuständen). Entgegen seiner skeptizistisch-kritischen Ausgangshypothese kam er schließlich zu der Erkenntnis, dass die (echte) Mystik durchaus kein psychopathologisches Phänomen oder bloßer esoterischer Humbug sei. Stattdessen ging Albrecht davon aus, dass der (authentische) Mystiker im Zustand der Versunkenheit in der Tat die Teilhabe am absoluten Bewusstsein erlebt und der Zustand des mystischen Bewusstseins daher bei genauerer Betrachtung als der höchste, klarste und gesundeste geistige Zustand zu charakterisieren sei, den der Mensch erlangen könne. Der vermeintliche Realitätsverlust des Mystikers erweise sich phänomenologisch betrachtet als dessen Durchbruch zur noetischen Erkenntnis der Höchstwirklichkeit (bzw. des Absoluten). Aus dem objektivistisch orientierten Mystik-Forscher Carl Albrecht war dadurch im Laufe der Zeit ein bedeutender moderner Mystiker geworden. Dieser bemerkenswerte Wandel fand seinen biographischen Niederschlag in Albrechts Konversion vom – in seiner theologischen Tradition überwiegend mystikfeindlich orientierten – Protestantismus zum Katholizismus.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Albrecht ist der Vater des CDU-Politikers Ernst Albrecht und des Dirigenten George Alexander Albrecht sowie der Großvater von Ursula von der Leyen, Hans-Holger und Marc Albrecht.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Psychologie des mystischen Bewußtseins. Bremen 1951.
  • Das mystische Erkennen. Gnoseologie und philosophische Relevanz der mystischen Relation. Bremen 1958.
  • Carl Albrecht, Das mystische Wort. Erleben und Sprechen in Versunkenheit. Dargestellt und herausgegeben von Hans A. Fischer-Barnicol. Mit einem Vorwort von Karl Rahner. Mainz 1974.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simon Peng-Keller: Gottespassion in Versunkenheit. Die psychologische Mystikforschung Carl Albrechts aus theologischer Perspektive. Würzburg 2003 (Studien zur systematischen und spirituellen Theologie, Bd. 39.)
  • Simon Peng-Keller: Präsenzschau in Versunkenheit und Ekstase. Carl Albrechts Phänomenologie der Mystik. In: ZMR 90 (2006), S. 90–102.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Deutschen Geschlechterbuch
  2. a b Christian Henning: Die Geschichte der Religionspsychologie im deutschsprachigen Raum. In: Henning, Sebastian Murken, Erich Nestler: Einführung in die Religionspsychologie. Paderborn 2003, S. 9–93, auf S. 58–59.
  3. Christian Werwath: Der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (1976–1990) – Annäherung an einen Unnahbaren. Politische Führung in Niedersachsen. Ibidem, Stuttgart 2014, Kapitel 3.1 Die Jugendjahre: Grundstein seines Erfolgs.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]