Carl Albrecht (Mediziner)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Carl Eduard Albrecht (* 28. März 1902 in Bremen; † 19. Juli 1965) war ein sehr stark philosophisch und psychologisch engagierter deutscher Arzt, der mit seinen Schriften zur Bewusstseinsphilosophie, insbesondere zur Mystikforschung, u. a. Gabriel Marcel und Karl Rahner beeinflusste.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Albrecht stammte aus der einflussreichen norddeutschen Familie Albrecht und war Sohn des Bremer Großkaufmanns Carl Albrecht.

Neben seiner medizinischen Tätigkeit beschäftigte sich Carl Albrecht mit autogenem Training. Daraus entwickelte er eine Versenkungstechnik, die er einerseits therapeutisch als Arzt einsetzte, andererseits aber auch zunehmend – insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg – zur phänomenologischen Erforschung des mystischen Bewusstseinszustandes nutzte, wobei er sich in seinem methodologisch wegweisenden Ansatz vor allem auf die hermeneutische Ausdeutung aufgezeichneter sprachlicher Äußerungen stützte, die im Trance-Zustand gemacht worden waren. Das anfänglich primär naturwissenschaftlich-medizinische Interesse am Phänomen der Mystik (also an Transzendenzerfahrungen / an radikal erweiterten und veränderten Bewusstseinszuständen) mündete bei Albrecht schließlich in die Erkenntnis ein, dass die (echte) Mystik entgegen seiner skeptizistisch-kritischen Ausgangshypothese durchaus kein psychopathologisches Phänomen oder bloßer esoterischer Humbug sei, sondern dass der (authentische) Mystiker im Zustand der Versunkenheit in der Tat die Teilhabe am absoluten Bewusstsein (in christlicher Symbolik: die vorweggenommene bildlose „Schau“ Gottes) erlebt und der Zustand des mystischen Bewusstseins daher bei genauerer Betrachtung als der höchste, klarste und gesundeste geistige Zustand zu charakterisieren sei, den der Mensch erlangen könne: der vermeintliche Realitätsverlust des Mystikers erweise sich phänomenologisch betrachtet als dessen Durchbruch zur noetischen Erkenntnis der Höchstwirklichkeit (bzw. des Absoluten). Aus dem objektivistisch orientierten Mystik-Forscher Carl Albrecht war dadurch im Laufe der Zeit ein bedeutender moderner Mystiker geworden. Dieser bemerkenswerte Wandel fand seinen biographischen Niederschlag in Albrechts Konversion vom – in seiner theologischen Tradition überwiegend mystikfeindlich orientierten – Protestantismus zum Katholizismus.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Albrecht ist der Vater von George Alexander Albrecht und von Ernst Albrecht und der Großvater von Ursula von der Leyen und Marc Albrecht.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Psychologie des mystischen Bewußtseins. Bremen 1951.
  • Das mystische Erkennen. Gnoseologie und philosophische Relevanz der mystischen Relation. Bremen 1958.
  • Carl Albrecht, Das mystische Wort. Erleben und Sprechen in Versunkenheit. Dargestellt und herausgegeben von Hans A. Fischer-Barnicol. Mit einem Vorwort von Karl Rahner. Mainz 1974.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simon Peng-Keller: Gottespassion in Versunkenheit. Die psychologische Mystikforschung Carl Albrechts aus theologischer Perspektive. Würzburg 2003 (Studien zur systematischen und spirituellen Theologie, Bd. 39.)
  • Simon Peng-Keller: Präsenzschau in Versunkenheit und Ekstase. Carl Albrechts Phänomenologie der Mystik. In: ZMR 90 (2006), S. 90–102.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]