Carl Baudenbacher

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Carl Baudenbacher (* 1. September 1947 in Basel; heimatberechtigt in Murten) ist ein Schweizer Jurist. Von 1987 bis 2013 war er ordentlicher Professor an der Universität St. Gallen. Von 2003 bis 2018 war er Präsident des EFTA-Gerichtshofs in Luxemburg. Seit Mai 2018 ist er unabhängiger Schiedsrichter und Berater von Unternehmen, Anwaltsfirmen, Regierungen und Parlamenten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenbacher studierte von 1967 bis 1971 Rechtswissenschaft an der Universität Bern, wo er 1978 auch promoviert wurde. 1983 habilitierte er sich an der Universität Zürich. Nach Lehrstuhlvertretungen und Gastprofessuren in Deutschland wurde er 1987 Professor für Privatrecht an der Technischen Universität Kaiserslautern. Von 1987 bis 2013 war er Inhaber des Lehrstuhls für Privat-, Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen, von 1990 bis 2014 Direktor des dortigen Instituts für Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht. Seit 2014 ist er Direktor des Center of European and International Law an der Universität St. Gallen. 1995 gründete er das Nachdiplomstudium der Universität St. Gallen im Europäischen und Internationalen Wirtschaftsrecht «Executive M.B.L.-HSG», das in Europa, den USA, Japan und China durchgeführt wird. Von 1993 bis 2004 war er Visiting Professor für Internationales und Europäisches Recht an der School of Law der University of Texas at Austin.

Von 1990 bis 1994 war Baudenbacher Berater der Regierung des Fürstentums Liechtenstein in Fragen des Europarechts. 1994/95 war er Mitglied des Fürstlichen Obersten Gerichtshofs. Von September 1995 bis April 2018 war er der vom Fürstentum Liechtenstein nominierte Richter am Gerichtshof der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), den er von 2003 bis 2017 präsidierte. Der EFTA-Gerichtshof ist zuständig zur Entscheidung von Fällen, die ihren Ursprung im EFTA-Pfeiler des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben. Dem EFTA-Pfeiler gehören derzeit Island, Liechtenstein und Norwegen an.

Von 1999 bis 2007 leitete Baudenbacher zusammen mit dem früheren österreichischen Vizekanzler Erhard Busek das Wiener Globalisierungs-Symposium. Baudenbacher tritt als Referent bei internationalen Konferenzen auf, insbesondere in den Bereichen Kartellrecht, EU/EWR-Recht, internationale Gerichte und Schiedsgerichtsbarkeit. Er hält Vorträge an europäischen, US-amerikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Universitäten.

Im Jahr 2014 war Baudenbacher Mitglied der Unabhängigen Untersuchungskommission der österreichischen Bundesregierung zur Aufklärung der Vorkommnisse im Zusammenhang mit der Hypo Alpe-Adria-Bank International AG (sog. Griss-Kommission).

Beratung und Schiedsgerichtsbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit seinem Rücktritt vom EFTA-Gerichtshof ist Baudenbacher als unabhängigen Schiedsrichter und Berater tätig. Er hat seine eigene Firma in St. Gallen (Schweiz) und ist Mitglied von Monckton Chambers, London. Baudenbacher berät private Klienten, darunter auch Anwaltskanzleien. Seine Spezialgebiete sind das Coaching von Anwaltsteams, das Verfassen von Rechtsgutachten und die Tätigkeit als Mock Trial Judge. Er ist Schiedsrichter und Sachverständiger in internationalen Schiedsverfahren.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Baudenbacher hat mehr als 40 Bücher und über 280 Artikel verfasst zum europäischen und internationalen Recht, Schuldrecht, Arbeitsrecht, Lauterkeitsrecht, Kartellrecht, Gesellschaftsrecht, Immaterialgüterrecht, Rechtsvergleichung, Schiedsgerichtsbarkeit und internationale Gerichte.

Wichtige Publikationen:

  • Judicial Independence. Memoirs of a European Judge, Springer 2019.
  • Das Schweizer EU-Komplott, Münster-Verlag 2019.

Verfahren vor den Europäischen Gerichtshöfen in Wettbewerbs- und Beihilfesachen, in: Bornkamm/Montag/Säcker, Münchener Kommentar Europäisches und Deutsches Wettbewerbsrecht, 3. Aufl., München 2019, (mit Moritz am Ende und Theresa Haas)(im Druck)

  • The Fundamental Principles of EEA Law. EEA-ities, (Ed.) Springer 2017.
  • The Handbook of EEA Law, (Ed.), Springer 2016.
  • Swiss Economic Law Facing the Challenges of International and European Law, ZSR 2012 II, 419-673.
  • The EFTA Court in Action – Five Lectures, Stuttgart: German Law Publishers 2010, ISBN 978-3-941389-04-5.
  • Evaluation des Kartellgesetzes: Institutionelles Setting -Vertikale Abreden – Sanktionierung von Einzelpersonen – Zivilrechtliche Verfahren, Strukturberichterstattung des Staatssekretariats für Wirtschaft, Nr. 44/3, Bern: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO 2009.
  • Dispute Resolution, Stuttgart 2009.
  • Proceedings before the European Courts in competition and State aid cases, in: Hirsch/Montag/Säcker, Competition Law: European Community Practice and Procedure, Thomson/Sweet&Maxwell 2008, 2535-2753 (mit Dirk Buschle).
  • Lauterkeitsrecht, Kommentar zum Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Helbing & Lichtenhahn: Basel/Genf/München; WIV Wirtschaftswissenschaftlicher Verlag: St.Gallen/Berlin 2001.

Festschriften

  • The Art of Judicial Reasoning, Festschrift in Honour of Carl Baudenbacher, Selvik, G., Clifton, M.-J., Haas, T., Lourenço, L., Schwiesow, K. (Eds.), Springer 2019.
  • Economic Law and Justice in Times of Globalisation: Festschrift for Carl Baudenbacher, edited by Mario Monti, Nikolaus von und zu Liechtenstein, Bo Versterdorf, Jay Westbrook, Luzius Wildhaber (Editor), Baden-Baden/Bern/Wien 2007.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003 Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse der Republik Österreich
  • 2003 Carl H. Fulda Award des Texas International Law Journal
  • 2004 Kleinstaatenpreis des Herbert-Batliner Europainstitutes in Salzburg
  • 2007 Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien
  • 2012 Dr. rer. pol. h. c. der Leuphana Universität
  • 2015, 2016 and 2017: Aufgeführt als einer der 15 einflussreichsten Denker der Schweiz durch die Basler Zeitung
  • 2018 Kommandeurskreuz (Stórriddarakross) des Falkenordens der Republic Island
  • 2018 Komturkreuz mit dem Stern des Fürstlich Liechtensteinischen Verdienstordens

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]