Karl Birnbaum (Chemiker)

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Nachruf

Karl Birnbaum (* 14. Oktober 1839 in Helmstedt; † 20. Februar 1887 in Karlsruhe) war ein deutscher Chemiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Birnbaum wurde als Sohn eines Gymnasiallehrers namens Dr. H. Birnbaum in Helmstedt geboren. Das Interesse für die Chemie wurde von seinem Vater gefördert, der Lehrer für Naturwissenschaften war.[1] Nachdem Birnbaum das Gymnasium in Braunschweig absolviert hatte, studierte er schließlich Chemie. Zuerst ein Jahr lang an dem Polytechnikum in Braunschweig, anschließend unter Wöhlers Leitung an der Universität Göttingen. 1864 wurde er Assistent von Karl Weltzien, des damaligen Vorstandes der chemischen Schule an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Im gleichen Jahr veröffentlichte er zur Promotion die Dissertation: Über die Bromverbindungen des Iridiums. Die Zeit als Assistent war für seine Entwicklung von weiterer Bedeutung. Einerseits wurde er durch den vielen Kontakt mit Weltzien stark beeinflusst, andererseits wurde er durch seine Lehrtätigkeit in Richtung des Gebietes der technischen Chemie geführt.[2] 1868 wurde er zum außerordentlichen und schließlich 1870 zum ordentlichen Professor der chemischen Technologie ernannt. Er bildete somit das Fundament zum zweiten chemisch-technischen Laboratorium der Karlsruher Hochschule. 1872 entwickelte er eine Methode zur Prüfung von Lebensmitteln. Nach dem Fortgang von Lothar von Meyer im Jahre 1876, der Nachfolger von Karl Weltzien, wechselte Birnbaum seine bisherige Professur für die reiner Chemie. 1877/78 war er Direktor des Polytechnikums und leitete zudem die Station des Großherzoglichen Polytechnikums, die 1878 gegründet wurde. 1879 wurde er zum Hofrat ernannt und erhielt bald darauf das Ritterkreuz I. Klasse des Zähringer Löwen Ordens. 1880 übernahm er von Pompejus Bolley die Herausgabe des Handbuchs der chemischen Technologie. Später auch die neue Ausgabe des Lehrbuches der rationellen Praxis der landwirtschaftlichen Gewerbe von Friedrich Julius Otto. 1884 war er an der Überarbeitung von Merck’s Warenlexikon beteiligt. Neben seiner Tätigkeit als Professor erstellte er zahlreiche wissenschaftliche Gutachten für Ministerien und andere Behörden. Zudem war er Mitglied im Karlsruher Orts-Gesundheitsrat. 1883 ernannte der Großherzog ihn zum Mitglied der Ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung, der er bis zu seinem Tode angehörte.[3]

Wissenschaftliches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Birnbaum lehrte unter anderem die Darstellung verschiedener Iridium- und Bromverbindungen. Des Weiteren beschrieb er eine Reihe von Doppelsalzen. Eine größere Anzahl an Abhandlungen widmete er der Einwirkung von Schweflige Säure auf Iridium- und Platinverbindungen. Ferner beschäftigte er sich mit dem Zeise-Salz und bestätigte, dass dieses Ethen enthält.[4] Zudem beschäftigte er sich mit dem Edelmetall Silber. So prüfte er die Einwirkung von Iod auf Silberacetat und wies unter den Produkten unter anderem Essigsäure nach. Gemeinsam mit Chojnacki änderte er das Verfahren ab, Phosphat aus salpetersaurer Lösung durch Bismutnitrat auszufällen, das zum ersten Male Gustave Chancel angewendet hatte. Dies konnte sich jedoch nicht durchsetzen, da sich herausstellte, dass es für die Analyse von Phosphoriten unbrauchbar ist.[5]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leitfaden der chemischen Analyse; Fünfte Auflage; Karlsruhe, 1885 Siebente Auflage, Dieckhoff
  • Einfache Methoden zur Prüfung wichtiger Lebensmittel auf Verfälschungen. Gutsch, Karlsruhe 1877 (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Das neue Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien. Rundschau auf allen Gebieten der gewerblichen Arbeit.; Siebente Auflage in 8 Bände; Leipzig, Spamer, 1876 (Online)
  • Löthrohrbuch – Anleitung zur Benutzung des sogenannten trockenen Weges bei chemischen Analysen. Braunschweig, Vieweg, 1872 (Online)
  • Zeitschrift für Chemie. Leipzig, Quandt & Händel, 1867 (Online)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich von Beech (Hrsg.): Badische Biographien, Vierter Teil, Braun, Karlsruhe 1891, S. 29.
  2. Friedrich von Beech (Hrsg.): Badische Biographien, Vierter Teil, Braun, Karlsruhe 1891, S. 29.
  3. Ludwig Bauer, Bernhard Gißler: Die Mitglieder der Ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung von 1819 – 1912. Fidelitas, Karlsruhe 1913, S. 94.
  4. Karl Birnbaum: Ueber die Verbindungen des Aethylens und seiner Homologen mit dem Platinchlorür. In: Justus Liebigs Annalen der Chemie. 145, Nr. 1, 1868, S. 67–77.online auf den Seiten von archive.org - The Internet Archive
  5. Fresenius, R.: Handbuch der analytischen Chemie. Teil III: Quantitative Bestimmungs- u. Trennungsmethoden. Band Va ß: Elemente der fünften Hauptgruppe: Phosphor. Bestimmung der Phosphorsäure im biologischen Material. Springer Berlin, 1953, S. 152.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]