Carl Christian Schmid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Politiker Carl Christian Schmid. Zum Theologen siehe Carl Christian Erhard Schmid.
Carl Christian Schmid

Carl Christian Friedrich Schmid (* 9. Mai 1886 in Osnabrück; † 6. April 1955 in Meerer Busch bei Düsseldorf) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Politiker (DVP). Insgesamt war ihm eine konservative, antisozialistische Grundeinstellung zu eigen.[1]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Christian Schmid war Sohn des Präsidenten des Oberlandesgerichts Kiel Christian Schmid. Er besuchte von 1892 bis 1904 Schulen in Osnabrück, Celle und Posen, wo er 1904 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er von 1904 bis 1907 an den Universitäten Göttingen, Berlin und Kiel Rechts- und Verwaltungswissenschaften.[2] In Göttingen wurde er 1904 Mitglied des Corps Bremensia.[3] 1907 legte er das juristische Staatsexamen ab,[4] dem sich ein Referendariat anschloss.

Er bekam zunächst nacheinander Stellen am Amtsgericht Preetz[5] und dem Regierungspräsidium in Schleswig-Holstein in Schleswig zugewiesen.[6] 1911 bestand er das Zweite Staatsexamen in Berlin mit Auszeichnung.[7]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ging unmittelbar in den Staatsdienst und erhielt als erstes 1911 die Stelle des stellvertretenden Landrates des Landkreises Lebus. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldete sich Schmid als Kriegsfreiwilliger bei der Marine.[8] Hier wurde er zur Marine-Intendantur in Kiel abgeordnet[9], 1915 in das preußische Innenministerium versetzt. Parallel war er beim Preußischen Staatskommissar für Volksernährung tätig. Im Zusammenhang damit war er am Zustandekommen des Erlasses zur Korn-, Mehl- und Brotbewirtschaftung vom 25. Januar 1915 beteiligt, der zur Getreideeinsparung das massenhafte Schlachten von Schweinen empfahl, was ihm dauerhaft den Spitznamen „Schweine-Schmid“ einbrachte.[10] 1917 wurde er Regierungsrat.[11]

Landrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Oktober 1918 wurde er zum Nachfolger des amtsenthobenen Landrats des Landkreises Hanau, Maximilian Laur von Münchhofen, zunächst kommissarisch, ernannt;[12] am 4. November 1918 nahm er die Dienstgeschäfte auf.[13] Als wenige Tage später das kaiserliche Deutschland nach dem verlorenen Krieg in der Novemberrevolution zusammenbrach, bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte (ASR), so auch in Hanau, unter Führung von Friedrich Schnellbacher.

Schmid versuchte sich angesichts der im ganzen Reich ungewissen Lage nach allen Seiten abzusichern. Zum einen suchte er Unterstützung beim – jetzt sozialdemokratisch geführten – preußischen Innenministerium und dem Stellvertretenden Generalkommando in Frankfurt, die er beide auch persönlich in den folgenden Wochen mehrmals aufsuchte. Zum andern versuchte er, in den ASR aufgenommen zu werden, was scheiterte.[14] Der Arbeiter- und Soldatenrat in Hanau setzte Schmid vielmehr am 8. November 1918 ab und ernannte am 11. November 1818 den Arzt Georg Wagner zum Landrat und Polizeidirektor des Landkreises Hanau.[15] Da Wagner aber keine Verwaltungserfahrung hatte, wurde Schmid dem neuen Landrat unterstellt.

Schmid wehrte sich gegen seine Entmachtung, indem er gegenüber Militär und Innenministerium das Chaos und die Unsicherheit betonte, die der ASR verursache. Das Problem für ihn war, das der ASR in Hanau – in enger Zusammenarbeit mit dem örtlichen Militär – sowohl die öffentliche Sicherheit als auch die Versorgungslage sehr gut in den Griff bekam. Die von Schmid prophezeiten Unruhen fanden zunächst nicht statt.[16] Um aus dem Einflussbereich des Hanauer ASR zu gelangen, verlegte er die Amtsgeschäfte des Kreisausschusses – unter Mitnahme der Kasse des Landkreises[17] – in das „Hotel Basler Hof“[18] nach Frankfurt am Main.[19] Am 13. Januar 1919 sprach sich der Kreistag (noch in seiner alten Zusammensetzung und in einer Sitzung, die im Römer in Frankfurt stattfand) für Schmid als Landrat aus.[20]

Im Januar 1919 verstärkte Schmid seine Eingaben bei staatlichen Aufsichtsbehörden und Militär, behauptete, dass die Situation in Hanau unhaltbar geworden sei und forderte Intervention. Die in Preußen und dem Reich regierende Sozialdemokratie sah die ASR inzwischen auch eher als Konkurrenz.[21] In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1919 versuchten Soldaten des Kommandos der 18. Armee in Bad Nauheim militärisch gegen den ASR und seine Schutzwehr in Hanau vorzugehen, was scheiterte, jedoch den amtierenden Landrat, Georg Wagner, die Aussichtslosigkeit seiner politischen Lage erkennen ließ. Er trat zurück, ebenso der ASR als politischer Verantwortungsträger am 25. Januar 1919.[22]

Schmid blieb aber zunächst in Frankfurt, da er erst nach einem militärischen Eingreifen und der Verhaftung der „Schuldigen“ nach Hanau zurückkehren wollte. Am 29. Januar 1919 erfolgte eine erneute Ernennung Schmids zum Landrat und zum 15. Februar 1919 seine endgültige Bestallung als Landrat des Landkreises Hanau.[23] Am 18. Februar 1919 geriet eine Versammlung der USPD außer Kontrolle, es kam zu einem Krawall und in der Folge drei Tage lang zu Plünderungen.[24] Dies bewog nun das Militär einzugreifen, Hanau am 20. Februar 1919 zu besetzen und denn Belagerungszustand auszurufen. Gegenwehr wurde aber nicht geleistet. Landrat Schmid konnte so im Gefolge des Militärs wieder im Landratsamt Hanau einziehen.[25]

Mit dem Amt des Landrats verbunden war seine Mitgliedschaft im Kommunallandtag Kassel und im Provinziallandtag der Provinz Hessen-Nassau.[26]

Im September 1919 wechselte er wieder ins preußische Innenministerium, diesmal als persönlicher Referent des Ministers, Wolfgang Heine.[27]

Rheinlandbesetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aber schon im Dezember 1919 wurde er zum Bürgermeister in Düsseldorf gewählt und trat das Amt zum 12. Januar 1920 an. Im Januar 1923 wurde er von der französischen Besatzungsmacht zunächst verhaftet, dann ausgewiesen.[28][Anm. 1] Ab 1923 hatte er eine Reihe von Ämtern in Zusammenhang mit der Ruhrbesetzung inne: Im Februar 1923 wurde er Reichskommissar für den Ruhr-Kampf, im August des gleichen Jahres Generalkommissar des Reiches für Rhein und Ruhr und zugleich Stellvertreter des Reichsministers für die besetzten Gebiete, anschließend Reichskommissar für die besetzten Gebiete und ab dem 1. Juni 1926 Staatssekretär des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete.[29] In dieser Funktion verblieb er bis zur Auflösung des Ministeriums im Jahr 1930.[30]

1924 bis 1928 saß Schmid als Abgeordneter zugleich für die DVP im Preußischen Landtag, 1929 bis 1932 war er Abgeordneter der DVP im Reichstag.[31]

Regierungspräsident[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der „Machtergreifung“ holte Hermann Göring Schmid zum 17. Februar 1933 erneut ins preußische Innenministerium, als „Kommissar für Sonderaufträge“. Zum 6. Mai 1933 wurde er zum Präsidenten des Regierungspräsidiums Düsseldorf ernannt.[32] Seine Amtszeit war durch Querelen mit dem NSDAP-Oberpräsidenten Josef Terboven und dem örtlichen Gauleiter, Friedrich Karl Florian, gekennzeichnet. Die Gauleitung nahm die Pogrome vom 9. und 10. November auch zum Anlass, eine Kampagne gegen Schmid zu inszenieren, da seine Frau nach den Nürnberger Gesetzen als „jüdisch“ galt. Am Mittag des 10. November kam es zu tumultartigen Szenen vor dem Regierungspräsidium, bei denen ca. 3.000 HJ- und SA-Angehörige lautstark Schmids Rücktritt forderten, einige auch gewaltsam in das Gebäude eindrangen. Einzelne Teilnehmer riefen im Chor: „Schweineschmid heraus“ und „Nieder mit dem Judenschmid, raus mit dem Judenschwein.“ Die Abendausgabe der „Rheinischen Landeszeitung“ schrieb: „Dann zogen Tausende von Volksgenossen zum Ufer der Alten Garde, wo sie in Sprechchören durch Niederrufe ihren Abscheu darüber Ausdruck gaben, dass ein dort beschäftigter Beamter auch heute noch mit einer Jüdin verheiratet ist.“ Er wurde wegen seiner „Mischehe“, die gegen das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums verstieß – formal auf eigenen Antrag –, noch am selben Tag beurlaubt. 1943 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Wirtschaftsfunktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wechselte in die Wirtschaft, wo er bis 1947 in einigen Verwaltungs- und Aufsichtsräten tätig war. Dazu zählten die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft, die Bergbau AG Ewald-König Ludwig und die RWE. Hier nahm er die Interessen der drei Großbanken Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerz- und Privatbank wahr.[33]

1947 wurde er Vorsitzender der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, zunächst in Nordrhein-Westfalen, später bundesweit bis zu seinem Tod. In dieser Eigenschaft schaffte er es bis auf die Titelseite der Zeitschrift Der Spiegel.[34] Kritisiert wurde hier seine Nähe zu den Großbanken.[35] Er war weiter und zunehmend in zahlreichen Verwaltungs- und Aufsichtsräten vertreten und versuchte, die von den Alliierten betriebene Auflösung der deutschen Großkonzerne, etwa der I. G. Farben, im Sinne der Aktionäre zu steuern.[36]

Nach seinem Tod 1955 wurde er in Düsseldorf auf dem Nordfriedhof bestattet.[37]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Juli 1917 heiratete er Edda Mathilde Werther.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Holger Berschel: Bürokratie und Terror. Das Judenreferat der Gestapo Düsseldorf. Klartext-Verlag, Essen 2001, ISBN 3-89861-001-2.
  • Herbert Broghammer: Urnen schweigen nicht. Lebensschicksale jüdischer Arztfamilien zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. Aachen 2004. ISBN 3-8322-2767-9
  • Georg-Wilhelm Hanna (Bearb.): Der Landkreis Hanau und seine Landräte. Hrsg.: Kreissparkasse Hanau. Hanau 1989.
  • Hartfrid Krause: 90 Jahre: Hanau in der Revolution 1918/19. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte (2011), S. 137–165.
  • Hartfrid Krause: Revolution und Konterrevolution 1918/19 am Beispiel Hanau = Scriptor Hochschulschriften Sozialwissenschaften 1. Kronberg Ts. 1974. ISBN 3-589-20036-7
  • NN: Zum Sammeln geblasen. In: Der Spiegel 1954, Nr. 35, S. Titelblatt, 10-16.
  • Horst Romeyk: Düsseldorfer Regierungspräsidenten 1918–1945. In: Rheinische Vierteljahresblätter. 44, 1980, S. 237–299, hier S. 278 f.
  • Thomas Klein: Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau und in Waldeck 1867–1945. (=Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte, 70; Hrsg. Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen), Darmstadt/Marburg 1988, ISBN 3-88443-159-5, S. 62, 205-206.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27, nennt dafür den 26. Januar 1920, was nicht zutreffen kann, da die Ruhrbesetzung erst 1923 stattfand.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Krause: 90 Jahre, S. 146.
  2. Krause: Revolution, S. 215; Hanna: Landkreis Hanau, S. 27.
  3. Kösener Corpslisten 1960, 39, 1042.
  4. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.
  5. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.
  6. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27; Krause: Revolution, S. 215.
  7. Krause: Revolution, S. 215.
  8. Krause: Revolution, S. 215.
  9. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.
  10. Krause: Revolution, S. 215; NN: Zum Sammeln geblasen, S. 10.
  11. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.
  12. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.
  13. Krause: 90 Jahre, S. 145.
  14. Krause: 90 Jahre, S. 148f.
  15. Broghammer.
  16. Krause: 90 Jahre, S. 149.
  17. Krause: 90 Jahre, S. 152.
  18. So: Krause: 90 Jahre, S. 152; Broghammer nennt das Hotel „Schweizer Hof“.
  19. Broghammer; Krause: 90 Jahre, S. 152.
  20. Krause: 90 Jahre, S. 153: „Aufruf des Kreistages. An die Bevölkerung des Landkreises Hanau. Männer und Frauen im Hanauer Land!“.
  21. Krause: 90 Jahre, S. 154.
  22. Krause: 90 Jahre, S. 154.
  23. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.
  24. Krause: 90 Jahre, S. 159.
  25. Krause: 90 Jahre, S. 160.
  26. Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1806-1996 biografischer Index. Hrsg.: Historische Kommission für Hessen. Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 324.
  27. Krause: Revolution, S. 216.
  28. Krause: Revolution, S. 216.
  29. Krause: Revolution, S. 216.
  30. Krause: 90 Jahre, S. 146.
  31. Krause: Revolution, S. 216f.
  32. Krause: Revolution, S. 218.
  33. Krause: Revolution, S. 218.
  34. Der Spiegel 1954, Nr. 35, Titelblatt.
  35. NN: Zum Sammeln geblasen, S. 14.
  36. Krause: Revolution, S. 218ff.
  37. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.
  38. Hanna: ‘‘Landkreis Hanau’’, S. 27.