Carl Diez

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Carl Diez

Carl Diez (* 8. Januar 1877 in Öhningen, Baden; † 24. Juni 1969 in Radolfzell am Bodensee) war ein deutscher Politiker der Zentrumspartei.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule besuchte Diez zwei Semester die landwirtschaftliche Winterschule in Radolfzell. Ab 1896 arbeitete er zunächst als landwirtschaftlicher Volontär und dann als Verwalter. 1904 übernahm er einen Hof in Radolfzell und betrieb daneben eine Spedition. Im Ersten Weltkrieg diente er an der Westfront und in Rumänien. Er war Mitbegründer der Bezirksbauernräte für Oberbaden. Später wurde er Präsident der Zentralstelle für das deutsche Transport- und Verkehrsgewerbe. Bis 1933 war er außerdem Präsident des katholischen Männervereins in Baden. Am 21. September 1933 wurde er erstmals von den Nationalsozialisten verhaftet. Es folgten bis 1945 noch weitere Verhaftungen.

Diez war verheiratet, sein Sohn Theopont war Oberbürgermeister von Singen (Hohentwiel). Nach ihm wurden die Carl-Diez-Straßen in Öhningen und Radolfzell benannt.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diez gehörte dem Zentrum an. Er war ein enger Vertrauter von Matthias Erzberger. Am 26. August 1921 begleitete Carl Diez seinen Parteifreund Erzberger bei Bad Griesbach im Schwarzwald, als Erzberger von zwei Mitgliedern der Organisation Consul erschossen wurde. Diez wurde dabei durch Schüsse schwer verletzt.[1][2]

Bereits in der Weimarer Republik setzte sich Diez für eine Fusion Badens mit Württemberg zu einem Südweststaat ein, wie er dann 1952 tatsächlich geschaffen wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte Diez sich an der Gründung der BCSV, die später der badische Landesverband der CDU wurde.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diez gehörte von 1912 bis 1918 dem Reichstag des Kaiserreiches für den Wahlkreis Konstanz an. Er war 1919/20 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Anschließend war er bis 1933 erneut Reichstagsabgeordneter. Bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz am 23. März 1933 war er abwesend und stimmte somit als einziger Abgeordneter der Zentrumsfraktion nicht dafür.

Ab 1913 war Diez auch Mitglied des Bürgerausschusses von Radolfzell.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diez gehörte 1946 dem von der französischen Besatzungsmacht eingesetzten provisorischen Staatspräsidium von Baden an.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Radolfzell in Vergangenheit und Gegenwart. Unter Benützung von Archiv-Rat Peter P. Albert: Geschichte der Stadt Radolfzell,unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung der Stadt seit 1870. Mit Beiträgen von E. Diez, Markdorf, und Dr. Beyerle, Göttingen, Radolfzell: Josef Huggle, 1916, 84 S.
  • Die Lebensgeschichte eines Menschen. Konstanz: Aktienges. Oberbadische Verlagsanstalt, 1929, 79 S.

Stolperstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juli 2016 wurde für Carl Diez vor dessen ehemaligem Wohnhaus in der Jakobstr. 5, Radolfzell, ein Stolperstein verlegt. Er trägt die Inschrift: "Hier wohnte / Carl Diez / Jg. 1877 / 'Schutzhaft' 1933 / verhaftet 1944 / 'Rundfunkverbrechen' / Aktion 'Gitter' / Gefängnis Konstanz / Gefängnis Radolfzell / entlassen 1944."

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Hillger: Hillgers Handbuch der verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung 1919. Hillger, Berlin, Leipzig 1919, 512 S.
  • Carl Diez, deutscher Politiker. In: Munzinger-Archiv / Internationales Biographisches Archiv 17/1948 vom 12. April 1948
  • Diez, Carl, Landwirt, MdR-Z, Angehöriger des Widerstandes gegen das NS-Regime, Ministerialdirektor, (Süd-)Badischer Landwirtschaftsminister, 1877-1969. In: Baden-Württembergische Biographien, Band 3. Herausgegeben im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg von Bernd Ottnad (†) und Fred L. Sepaintner, 2002, XXII, 513 S., ISBN 978-3-17-017332-3, S. 32.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Morsey: Die Deutsche Zentrumspartei 1917 – 1923. Habil.-Schrift, Bonn. – Düsseldorf: Droste, 1966, 651 S., S. 19, Anmerkung 15
  2. Matthias Erzberger, Attentate der Weimarer Republik (PDF; 204 kB)