Carl Ferdinand Stelzner

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Der erblindete Carl Ferdinand Stelzner, um 1860
C.F. Stelzner: Der Hamburger Künstlerverein 1843
H. Oscar Fielitz, um 1858 fotografiert von Stelzner

Carl Ferdinand Stelzner (* vermutlich 30. oder 31. Dezember 1805 in Gömnitz (Schleswig-Holstein); † 23. Oktober 1894 in Hamburg) war ein deutscher Porträtmaler und Daguerreotypist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Ferdinand Stelzner war der uneheliche Sohn von Dorothea Louise Rheinberger und von Georg Wilhelm Limbach. Er wuchs in Flensburg als Adoptivsohn des Porträtmalers Carl Gottlieb Stelzner auf. 1825 wanderte er durch Schleswig-Holstein und porträtierte Bauern und Standespersonen. Ende der 1820er Jahre reiste er nach Hamburg, Paris und Stockholm. Als er sich von 1831 bis 1834 in Paris aufhielt, lernte er bei Jean-Baptiste Isabey und Claude Marie Dubufe die Miniaturmalerei. 1837 ließ er sich in Hamburg nieder. Stelzner war einer der ersten, die in der Erfindung (Offenlegung des Patents) der Daguerreotypie eine neue Möglichkeit des Gelderwerbs erkannten. Er reiste daher nach Paris, um sich mit der neuen Art des Porträtierens vertraut zu machen.

In Hamburg eröffnete Stelzner 1842 mit Hermann Biow in der Caffamacherreihe 32 ein Daguerreotypie-Atelier. Ein Jahr später beendeten sie ihre Zusammenarbeit. Die Daguerreotypien des großen Hamburger Brandes im Mai 1842 wurden lange Zeit irrtümlich Stelzner zugeschrieben. Inzwischen ist die Urheberschaft Biows nachgewiesen. Die Serie gilt als erste fotografische Reportage[1]. Am 6. Mai 1843 porträtierte Stelzner den Hamburger Künstlerverein von 1832. Es gilt als das erste Freilicht-Gruppenbild der Fotografiegeschichte[2]. Da Stelzner infolge des Brandes 1842 Haus und Besitz verloren hatte, ließ er sich 1844 am Jungfernstieg 11 nieder.

Stelzner erblindete wie zahlreiche andere Daguerreotypisten auch. Ursache war die mangelnde Kenntnis vom sachgemäßen Umgang mit Jod und Quecksilber. Um 1854 gab er seine Tätigkeit auf und begab sich auf die Suche nach einem Geschäftsführer. Am 15. Mai 1858 zeigte er an[3], dass der Fotograf H. Oscar Fielitz[4] die Leitung seines Ateliers übernommen habe. Fielitz verließ aber nach knapp einem Jahr das Atelier wieder, um sich selbständig zu machen[5][3]. Anschließend übernahm der Fotograf Carl (Heinrich Christian) Siemsen die Arbeit[6]. Doch auch er machte sich wenig später mit einem Atelier im Garten des Hauses Bergstraße 16 selbständig. Am 7. Mai 1860 erhielt der auswärtige Fotograf Georg Jacob Gattineau (* 1810, † 1888) die Erlaubnis, sich in Hamburg als Geschäftsführer des Ateliers Stelzner aufzuhalten[6]. Er verließ Hamburg nach anderthalb Jahren wieder, um sich in Würzburg niederzulassen. Da 1862 der Fotograf H. Romberg mit der Anschrift Jungfernstieg 11 anzeigte[7], wird Stelzner die Suche nach einem Geschäftsführer wegen Erfolglosigkeit eingestellt und sein Atelier vermutlich Ende 1861 aufgegeben/an ihn verkauft haben.

Stelzner war zwei Mal verheiratet. In erster Ehe (1834) mit seiner Adoptivschwester und Miniaturmalerin Anna Caroline Stelzner. Die Ehe wurde 1848 einvernehmlich geschieden. 1849 heiratete er Anna Henriette Reiners. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor: Bruno, Alfred, Waldemar und Emil.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • [Professor] Wilhelm Weimar, Die Daguerreotypie in Hamburg, (1. Beiheft zum Jahrbuch der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten, XXXII, 1914,) Verlag Otto Meissner, Hamburg, 1915 (mit Abbildungen im hinteren Teil des Buches), S. 26ff., (Digitalisat)
  • Jan S. Kunstreich, Frühe Photographen in Schleswig-Holstein (= Kleine Schleswig-Holstein-Bücher. Band 36). Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens, Heide 1985, ISBN 3-8042-0299-3
  • Hans Joachim Schröder, Porträtkunst zwischen Miniatur und Daguerreotypie am Beispiel Carl Ferdinand Stelzners. In: Beiträge zur deutschen Volks- und Altertumskunde, Bd. 17, 1978, S. 33–49, mit Tafeln 18–20. (Museum für Hamburgische Geschichte)
  • Gabriele Betancourt-Nuñez: Stelzner, Carl Ferdinand. In: Hamburgische Biografie. Band 4. Wallstein, Göttingen 2008 ISBN 978-3-8353-0229-7, S. 328–329.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carl Ferdinand Stelzner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Matthias Gretzschel: Das erste Foto von Hamburg. In: Hamburger Abendblatt. 24. Dezember 2002.
  2. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Band 1. Von den Anfängen bis 1945. Hamburg 2004, ISBN 3-923859-60-0, S. 215.
  3. a b Bodo von Dewitz, Fritz Kempe: Daguerreotypien, Ambrotypien und Bilder anderer Verfahren, Museum für Kunst und Gewerbe, 1983, S. 267.
  4. Wilhelm Horn: Photographisches Journal, 7. Bd., Verlag Otto Spamer, Leipzig, 1857, S. 40, (online). Mit dieser Anzeige hatte Fielitz seine Dienste angeboten. Es ist denkbar, dass zunächst der Hamburger Fotograf Heinrich Friedrich Plate (* 1824, † 1895) auf diese Anzeige im März 1857 reagierte und anschließend für Stelzner tätig war (weitere Quelle: Professor Wilhelm Weimar: Die Daguerreotypie in Hamburg, S. 31–32).
  5. H. Oscar Fielitz verstarb nur wenige Wochen später Ende Mai 1859
  6. a b Fritz Kempe: Daguerreotypie in Deutschland, Heering Verlag, Seebruck/Chiemsee, 1979, ISBN 3-7763-5190-X, S.125–128.
  7. Branchenverzeichnis der Hamburger Adressbücher.