Carl Gröpler

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Franz Friedrich Carl Gröpler (* 22. Februar 1868 in Magdeburg; † 30. Januar 1946 ebenda) war preußischer Scharfrichter von 1906 bis 1937 und nahm Hinrichtungen in Preußen, Mecklenburg, Oldenburg, Braunschweig und den Hansestädten vor. Gröpler war einer der bekanntesten Scharfrichter Deutschlands.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Gröpler kam als Kind des Eisenbahnarbeiters und Dienstmanns Heinrich Gröpler und seiner Ehefrau Auguste, geborene Anton, in Magdeburg zur Welt. Er wurde zunächst Musiker, war dann fünf Jahre Postarbeiter.[1] Gröpler erlernte das Pferdemetzgerhandwerk und betrieb in Magdeburg die Dampfwäscherei Aegir.[2] Er wurde als breitschultrige, kräftige Gestalt mit rötlichem Schnurrbart und militärisch kurzem Haarschnitt beschrieben.

Gröpler war zunächst Hauptgehilfe des preußischen Scharfrichters Lorenz Schwietz. Als der preußische Scharfrichter Alwin Engelhardt 1906 fristlos entlassen wurde, übernahm Gröpler dessen Aufgaben. Neben seinem Nachfolger Ernst Reindel war Gröpler einer der letzten Scharfrichter in Deutschland, der Enthauptungen noch mit dem Handbeil durchführte. Je nach örtlicher Gegebenheit bediente er auch Fallschwertmaschinen. Einmal soll Gröpler vor einer Hinrichtung zu einem Justizwachtmeister gesagt haben: „Na ja, … Sie haben eine häßliche Nacht da in der Zelle hinter sich. Oder glauben Sie nicht an Gott? Ich – ja! Sonst könnte ich das hier nicht tun. Du sollst nicht töten – wer Blut vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden – unsere Gesetze sind seine (Gottes) Gesetze – in diesem Wissen erfülle ich mein Amt.“[3] Der Justizwachtmeister hatte einen zum Tode Verurteilten in seiner letzten Nacht bewacht und mit ihm kurz vor seiner Enthauptung über Sinn und Zweck der Hinzuziehung eines Geistlichen bei Hinrichtungen diskutiert. Von Theodor Lessing erhielt Gröpler, der 1925 Fritz Haarmann hingerichtet hatte, den Beinamen der rote Richter.[4]

Jan Valtin: „Tagebuch der Hölle“ – Eintrag über die Hinrichtung von vier Kommunisten mit dem Beil durch Gröpler am 19. Mai 1934

Im April 1924 unterzeichnete Gröpler einen Vertrag, der ihn de facto zum alleinigen Scharfrichter in Norddeutschland machte. Neben einem regelmäßigen Pauschalhonorar in Höhe von 136,- Goldmark im Monat erhielt er für jede Hinrichtung eine Pauschale von 60,- Goldmark für sich selbst und 50,- Goldmark für jeden seiner Gehilfen.[5] Am 15. Februar 1926 richtete Gröpler den Landarbeiter Josef Jakubowski, dessen Fall als Justizirrtum gilt, in der Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz mit dem Handbeil hin.[6] Zum Ende der Weimarer Republik hatte Gröpler nur noch wenige Hinrichtungsaufträge. Das änderte sich erst mit der zunehmenden Zahl von Hinrichtungen seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Gröpler erneuerte seinen Jahresvertrag mit einem Gehalt von 1.500,- Reichsmark pro Jahr und einer Pauschale von 50,- Reichsmark pro Hinrichtung. Dass Gröpler während der Hinrichtungen bei jeder einzelnen Zwischenmeldung den Hitlergruß entbot, brachte ihm Ermahnungen ein, solche Praktiken zu unterlassen.[7]

Zwei der letzten Exekutionen mit dem Handbeil waren die Hinrichtungen der Baronin Benita von Falkenhayn und ihrer Freundin Renate von Natzmer. Die beiden waren wegen Spionage vom Volksgerichtshof verurteilt worden und wurden von Gröpler am 18. Februar 1935 in Berlin-Plötzensee enthauptet.[8]

Carl Gröpler wurden in seiner etwa 30-jährigen Dienstzeit mindestens 144 Hinrichtungen zugerechnet. 1937 wurde er in den Ruhestand versetzt. An seine Stelle trat sein Gehilfe, der Abdeckereibesitzer Ernst Reindel aus Gommern.

1945 wurde Carl Gröpler vom sowjetischen Militär an seinem Wohnort Magdeburg festgenommen. Die Festnahme beruhte vermutlich auf der Hinrichtung von vier Kommunisten, die er 1934 in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg vorgenommen hatte (vgl. zu dem Prozess, den Hinrichtungen sowie zu ihrer literarischen und filmischen Verarbeitung: Heinrich Jauch). Gröpler starb am 30. Januar 1946 in der Untersuchungshaft.[9][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Blazek: Scharfrichter Carl Gröpler – der rote Richter. In: Matthias Blazek: Haarmann und Grans – Der Fall, die Beteiligten und die Presseberichterstattung. ibidem, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-89821-967-9.
  • Thomas Waltenbacher: Zentrale Hinrichtungsstätten. Der Vollzug der Todesstrafe in Deutschland von 1937 – 1945. Scharfrichter im Dritten Reich. Zwilling, Berlin 2008, ISBN 978-3-00-024265-6.
  • Matthias Blazek: Der Magdeburger Scharfrichter Carl Gröpler – Ein Blick in die Geschichte der Magdeburger Kriminalgerichtsbarkeit. In: Magdeburger Kurier – Informationen für Bürger im aktiven Ruhestand. 18. Jahrg., Februar – September 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angelika Ebbinghaus, Karsten Linne: Kein abgeschlossenes Kapitel: Hamburg im Dritten Reich. Hamburg 1997, S. 335.
  2. Matthias Blazek: Scharfrichter in Preußen und im Deutschen Reich 1866–1945. ibidem, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8382-0107-8, S. 63. Vgl. Mario Todte: Die Hinrichtungen in Sachsen (1900–1981). S. 11 (Online-Ressource).
  3. Walter Goetz, Georg Steinhausen (Hrsg.): Archiv für Kulturgeschichte. Köln/ Weimar 1976, S. 171.
  4. Theodor Lessing: Haarmann – Die Geschichte eines Werwolfs. eingeleitet von Rainer Marwedel, Frankfurt am Main 1989. (2. Aufl.: 1996, S. 191)
  5. Richard J. Evans: Rituale der Vergeltung. Die Todesstrafe in der deutschen Geschichte 1532 – 1987. Kindler Verlag, Berlin 2001, S. 665.
  6. Matthias Blazek: Scharfrichter in Preußen und im Deutschen Reich: 1866 - 1945. Ibidem Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 3-8382-0107-8, S. 71.
  7. Richard J. Evans: Rituale der Vergeltung. 2001, S. 802 f.
  8. Time-Magazine. 4. März 1935.
  9. Joachim Scherrieble (Hrsg.): Der Rote Ochse, Halle (Saale): politische Justiz 1933 – 1945, 1945 – 1989 [Katalog zu den Dauerausstellungen]. Links, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-480-8, S. 182 (Google-Books)
  10. Heinrich Breloer, Horst Königstein: Blutgeld: Materialien zu einer deutschen Geschichte. Prometh Verlag, Köln 1982, ISBN 3-922009-46-8, S. 75 (Google-Books).