Carl Herzog von Württemberg

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Carl Maria Peter Ferdinand Philipp Albrecht Joseph Michael Pius Konrad Robert Ulrich Herzog von Württemberg (* 1. August 1936 in Friedrichshafen; † 7. Juni 2022 in Ravensburg[1]) war ein deutscher Unternehmer und ab 1975 Oberhaupt des Hauses Württemberg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da König Wilhelm II. von Württemberg († 1921) keine Söhne hatte, fiel Carls Großvater Albrecht Herzog von Württemberg, der mit Margarete Sophie von Österreich die katholische Linie des Hauses Württemberg begründete, schon früh die Rolle des württembergischen Thronfolgers zu. Zur Thronfolge kam es nicht, da der König 1918 auf den Thron verzichtete. Carl Herzog von Württemberg war der zweitälteste Sohn von Philipp II. Albrecht Herzog von Württemberg und dessen Frau Rosa aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Nach dem Verzicht seines älteren Bruders Ludwig (1930–2019) am 29. Juni 1959 und am 19. Januar 1960 wurde er zum Erbfolger des Hauses Württemberg und folgte seinem Vater nach dessen Tode im Jahre 1975 als Chef des Hauses und des Familienunternehmens Hofkammer des Hauses Württemberg.

Carl Herzog von Württemberg besuchte das altsprachliche Gymnasium in Riedlingen und studierte Rechtswissenschaften an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Nach seinem Studium trat er 1959 in das Familienunternehmen Hofkammer des Hauses Württemberg ein (mit ehemaligem Sitz auf Schloss Altshausen, heute Wohnsitz der Familie) und übernahm 1975 dessen Leitung. Das Unternehmen verwaltet zirka 5500 Hektar Wald, zirka 2000 Hektar Wiesen und Äcker, 50 Hektar Weinberge, etwa 700 Grundstücke im In- und Ausland, Wälder in Kanada und Österreich sowie Firmenbeteiligungen. Auf der Domäne von Schloss Monrepos bei Ludwigsburg befindet sich seit 1981 das Weingut Herzog von Württemberg. Außerdem muss der Unterhalt von 70 Kulturdenkmälern des Hauses Württemberg sichergestellt werden. Unternehmenssitz der Hofkammer des Hauses Württemberg ist Schloss Friedrichshafen.

Daneben engagierte sich Carl Herzog von Württemberg sozial und karitativ, darunter im Deutschen Roten Kreuz, in der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, bei den Fördervereinen Krebskranker Kinder, bei der Stiftung Freie Schule, der Kunststiftung sowie der Stiftung präventive Jugendhilfe. Bei der Denkmalstiftung war er von der Gründung im Jahr 1985 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender und von 2002 bis 2008 Vorsitzender.[2] Für die Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg übernahm er die Schirmherrschaft.[3] Er war Ehrensenator der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Universität Hohenheim sowie Vorsitzender der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen sowie der Universitätsstiftung. Unter anderem war er Stifter des Ludwig-Uhland-Preises für Personen, die sich um die Landeskunde verdient gemacht haben. Weiterhin war er Ehrencommodore des Württembergischen Yacht-Clubs und förderte dort Segeltalente durch die Herzog-Carl-Stiftung.[4] Seit 1979 war er Familiare der Deutschordensritter, und am 21. Mai 2009 wurde er zum Ehrenritter der Komturei An Tauber, Neckar und Bodensee geschlagen.[5] In seinem Wohnort Altshausen hatte er die Schirmherrschaft über die Bürgergarde zu Pferd Gelbe Husaren übernommen. Er war ein sehr guter Freund von König Juan Carlos I. von Spanien.

Am 31. Mai 2002 überreichte ihm Papst Johannes Paul II. die Komtur des Päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des Großen,[6] insbesondere wegen seiner Verdienste für den Aufbau des katholischen Schulwesens in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Am 8. November 2008 wurde ihm der Ehrendoktortitel der Theologie der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar verliehen.

In Medien und Adelskreisen wurde er häufig als Seine königliche Hoheit (S.K.H.) angesprochen, was aber nur eine Höflichkeitsgeste ist.

Carl Herzog von Württemberg litt seit mehreren Jahren unter gesundheitlichen Schwierigkeiten. Er starb am 7. Juni 2022 im Alter von 85 Jahren nach einem einwöchigen Aufenthalt im St.-Elisabethen-Klinikum in Ravensburg.[7] Als Oberhaupt des Hauses Württemberg folgte ihm sein Enkel Wilhelm Herzog von Württemberg nach.[8] Er hinterließ fünf Kinder, 16 Enkelkinder und ein Urenkelkind.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahnentafel Carl Herzog von Württemberg
Ururgroßeltern

Herzog
Alexander von Württemberg
(1802–1881)
⚭ 1837
Prinzessin
Marie Christine von Frankreich
(1813–1839)

Erzherzog
Albrecht von Österreich-Teschen (1817–1895)
⚭ 1844
Prinzessin
Hildegard Luise von Bayern (1825–1864)

Erzherzog
Franz Karl von Österreich (1802–1878)
⚭ 1824
Prinzessin
Sophie Friederike von Bayern (1805–1872)

König
Ferdinand II. von Neapel-Sizilien (1810–1859)
⚭ 1837
Erzherzogin
Maria Theresia Isabella von Österreich (1816–1867)

Großherzog
Leopold II. von Toskana (1797–1870)
⚭ 1833
Prinzessin
Maria Antonie von Neapel-Sizilien (1814–1898)

Herzog
Karl III. von Bourbon-Parma (1823–1854)
⚭ 1845
Prinzessin
Louise Marie Therese von Frankreich (1819–1864)

König
Ferdinand II. von Neapel-Sizilien (1810–1859)
⚭ 1837
Erzherzogin
Maria Theresia Isabella von Österreich (1816–1867)

Prinz
Franz von Neapel-Sizilien (1827–1892)
⚭ 1850
Erzherzogin
Marie Isabelle von Österreich (1834–1901)

Urgroßeltern

Herzog
Philipp von Württemberg (1838–1917)
⚭ 1865
Erzherzogin
Marie Therese von Österreich (1845–1927)

Erzherzog
Karl Ludwig von Österreich (1833–1896)
⚭ 1862
Prinzessin
Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (1843–1871)

Großherzog Ferdinand IV. von Toskana (1835–1908)
⚭ 1868
Prinzessin Alicia von Bourbon-Parma (1849–1935)

Prinz Alfons Maria von Neapel-Sizilien (1841–1934)
⚭ 1868
Prinzessin Maria Antonia von Neapel-Sizilien (1851–1938)

Großeltern

Herzog Albrecht von Württemberg (1865–1939)
⚭ 1893
Erzherzogin
Margarete Sophie von Österreich (1870–1902)

Erzherzog Peter Ferdinand von Österreich-Toskana (1874–1948)
⚭ 1900
Prinzessin Maria Christina von Bourbon-Sizilien (1877–1947)

Eltern

Philipp Albrecht Herzog von Württemberg (1893–1975)
⚭ 1928
Rosa von Österreich (1906–1983)

Carl Herzog von Württemberg (1936–2022)

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Herzog von Württemberg heiratete am 18. Juli 1960 Diane von Orléans (* 1940), eine Tochter des Henri Robert Ferdinand Marie Louis Philippe d’Orléans aus dem Hause Bourbon. Ihre Kinder sind:

  • Friedrich (1961–2018) ⚭ Wilhelmine Marie, geborene Prinzessin zu Wied. Aus der Ehe sind ein Sohn und zwei Töchter hervorgegangen.
  • Mathilde (* 11. Juli 1962) ⚭ Erich von Waldburg zu Zeil und Trauchburg. Sie haben fünf Töchter.
  • Eberhard (* 20. Juni 1963) ⚭ Desiree Copf. Sie haben einen Sohn.
  • Philipp (* 1. November 1964) ⚭ Marie Caroline, geborene Herzogin in Bayern (Tochter von Max Emanuel Herzog in Bayern). Sie haben drei Töchter und einen Sohn.
  • Michael (* 1. Dezember 1965) ⚭ 7. Juli 2006 Julia, geborene Storz.
  • Eleonore Fleur (* 4. November 1977) ⚭ Moritz Graf von Goëss. Sie haben einen Sohn und zwei Töchter.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stuttgarter Zeitung: Carl Herzog von Württemberg ist tot. 7. Juni 2022, abgerufen am 7. Juni 2022.
  2. Neubesetzung des Kuratoriums der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. 38. Jahrgang, 1/2009, S. 50.
  3. Fördergesellschaft: Über die Fördergesellschaft – Gremien, Satzung und Datenschutzerklärung. Abgerufen am 7. Januar 2021.
  4. Verleihung der Stiftungsgelder aus der SKH Herzog Carl Stiftung
  5. Deutscher Orden: Ein Band geistlicher Gemeinschaft – Ehrenritterinvestitur S.K.H. Carl Herzog von Württemberg in Altshausen. Deutscher-Orden.at, 14. Mai 2009. Abgerufen am 17. Oktober 2010.
  6. AAS 95 (2003), n. 1, p. 91.
  7. S. W. R. Aktuell, S. W. R. Aktuell: Carl Herzog von Württemberg ist gestorben. Abgerufen am 7. Juni 2022.
  8. Adelshaus von Württemberg: Wilhelm soll Geschäfte übernehmen. Abgerufen am 7. Juni 2022.
  9. Carl Herzog von Württemberg erhält den Justinus-Kerner-Preis. Heilbronner Stimme, 25. April 2017.
  10. Andrea Hartl: Oktoberfest und Cannstatter Volksfest: vom Nationalfest zum Massenvergnügen. München 2010 (Dissertation Kulturwissenschaften, Universität Augsburg 2009), S. 117.
VorgängerAmtNachfolger
PhilippChef des Hauses Württemberg
1975 bis 2022
Wilhelm