Carl Justus Heckmann

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Carl Justus Heckmann Gedenkmedaille zum 50-jährigen Firmenbestehen

Carl Justus Heckmann (* 3. Mai 1786 in Eschwege; † 25. Oktober 1878 in Berlin) war ein deutscher Kupferschmied und Industrieller. Er gründete eine Fabrik für den Bau von Apparaten, zunächst besonders für Brennerei- und Destillationsanlagen, in Berlin-Kreuzberg (Schlesische Straße), die sich in der Folgezeit zu einem der führenden Großunternehmen der Metallindustrie in Deutschland (West und Ost) und darüber hinaus entwickelte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkblatt von Adolf von Menzel zum 50-jährigen Firmenbestehen (1869)

Heckmann wurde wie sein Großvater und Vater Kupferschmiedemeister. Ab 1816 arbeitete er als Geselle in Berlin, wo er sich 1819 selbstständig machte und am Hausvogteiplatz 12 Apparaturen für Zuckerraffinierungs- und Brennereifabriken herstellte.[1] Im gleichen Jahr übertrug ihm Johann Heinrich Leberecht Pistorius den Bau und Vertrieb seines Destillierapparates. 1822 heiratete er Friederike Wilhelmine Reichnow, die Tochter des Klempnermeisters George Friedrich Reichnow. Mit ihr hatte er vier Söhne und vier Töchter. 1826 zog er an den Hausvogteiplatz.

1827 konnte er am Köpenicker Tor, am späteren Landwehrkanal in Berlin, das künftige Stammwerk beginnen (beim heutigen Heckmannufer). Nahe der Einmündung des Schafgrabens in die Spree hatte er die Metallverarbeitung aufgebaut. Zum einen gab es hier gute Transportmöglichkeiten, Anwohner wurden nicht durch Rauch und Lärm belästigt, und es konnte feuerpolizeilich geforderter Abstand zu angrenzenden Gebäuden gehalten werden. 1836 gestaltete Stüler die Messinggießerei. Die Firma Ravené beteiligte sich an der Investition, bis 1841 Heckmann alleiniger Inhaber wurde. Mit dem Ausbau des Schafgrabens zum 1850 fertiggestellten Landwehrkanal weitete er an dessen Ufer den Stammbetrieb aus; über den Kanal konnten Kohle, Metall und die fertigen Produkte gut transportiert werden. Dieses Kupfer- und Messingwalzwerk erstreckte sich schließlich bis zur Schlesischen und der heutigen Taborstraße im späteren Bezirk Kreuzberg.

1829 beriefen die Grafen von Voß zum Kirchturmneubau nach Birkholz, den königliche Baumeister Salomo Sachs als Konstrukteur und Bauleiter, Heckmann als Kupferschmied für das Kirchendach und Carl August Mencke als Vergolder des Turmkreuzes.

Heckmannwerke als Tochterfabriken entstanden 1849 in Moskau, 1851 in Breslau, 1856–1876 in Hamburg und 1870 in Havanna. Heckmann erlangte mit seiner Firma Weltruf.[2] 1869, nach dem 50-jährigen Bestehen seiner Firma, übergab er sie seinen beiden Söhnen August (1822–1896) und Friedrich (1836–1907) die Firma in Breslauer und das Duisburger Werk.[3] 1875 konnte Heckmann als Oberingenieur Eugen Gottfried Julius Hausbrand (1845–1922), den ersten Verfahrensingenieur der Welt, als Mitarbeiter gewinnen. Durch seine hohe fachliche Kompetenz stieg er zum Einzelprokuristen auf, um nach dem Tode Heckmanns die Leitung der Berliner Firma für 40 Jahre zu übernehmen.[4]

Carl Justus Heckmann und seine Frau wurden auf dem Luisenstädtischen Friedhof am Südstern beigesetzt. Von dem repräsentativen Erbbegräbnis ist nur noch die architektonisch gegliederte, mit neuen Gedenktafeln versehene Rückwand erhalten. Auf dem Luisenstädtischen Friedhof befindet sich auch das um 1910 von Martin Altgelt, Heinrich Schweitzer und Otto Lessing geschaffene Grabdenkmal für Heckmanns Sohn Paul Heckmann, Unternehmer und Arbeitgeber-Vertreter.

Würdigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das berühmte Gemälde Eisenwalzwerk (1875) von Adolph von Menzel entstand auf der Grundlage zahlreicher Studien in den Heckmann’schen Firmen in Berlin und Schlesien. Alte Nationalgalerie, Berlin
Kupferwalzwerk bei laufendem Betrieb (1891)
"Die Enkelin Hedwig heiratete den damals bekannten Operntenor Anton Woworsky."[5] Woworsky figuriert in Frau Jenny Treibel als Adolar Krola. Portrait: Karl Gussow, 1878, Alte Nationalgalerie, Berlin
Grabstätte

Zu seinen Lebzeiten bekam er den Titel Geheimer Kommerzienrat verliehen.[6] Nach der erfolgreichen Großindustriellenfamilie wurde das Heckmannufer am Landwehrkanal in Berlin, in der Nähe der ersten Produktionsstätte, benannt. Die von Heckmanns Schwiegersohn Hermann Wentzel entworfene Villa Heckmann „Am Schlesischen Busch“ (Schlesische Straße Richtung Treptow) diente Theodor Fontane als Vorbild für die Villa Treibel im Roman Frau Jenny Treibel. Später erwarben Carl Justus Heckmanns Nachfahren Liegenschaften in dem Häuserblock, in dem sich das Heckmann’sche Planungsbüro (Oranienburger Straße 32) befand (1933–1970). Die idyllischen Heckmann-Höfe im Inneren dieses Blocks, die man unter anderem durch die Oranienburger Straße 32 betritt, ziehen nach der Reprivatisierung ab 1991 mit Boutiquen, Restaurants, Kunsthandwerk und Ateliers zahlreiche Touristen an.[7][8]

Erfindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heckmann Patentboden

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Carl Justus Heckmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berlins erstes Telefonbuch 1881 herausgegeben von Gerhild H. M. Komander S. 101.
  2. Gisela Buchheim, Rolf Sonnemann: Lebensbilder von Ingenieurwissenschaftlern: Eine Sammlung von Biographien aus 2 Jahrhunderten. Birkhäuser, 2013, S. 107. books.google.de
  3. Frank Eberhardt: Vom Handwerker zum Großindustriellen. Ein Destillierapparat bestimmte den Weg von Carl Justus Heckmann. In: Berlinische Monatsschrift (Luisenstädtischer Bildungsverein). Heft 12, 1999, ISSN 0944-5560, S. 4–13 (luise-berlin.de).
  4. Gisela Buchheim, Rolf Sonnemann: Lebensbilder von Ingenieurwissenschaftlern: Eine Sammlung von Biographien aus 2 Jahrhunderten. Birkhäuser, 2013, S. 106–114. (books.google.de)
  5. Frau Hedwig Woworsky, geb. Heckmann. In: Deutsche Digitale Bibliothek. abgerufen am 17. März 2018.
  6. Stefan Rebenich: Theodor Mommsen und Adolf Harnack: Wissenschaft und Politik im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhunderts. de Gruyter, 2012, S. 159. (books.google.de)
  7. Kathrin Chod, Herbert Schwenk, Hainer Weisspflug: Heckmann-Höfe. In: Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon, Mitte. Luisenstädtischer Bildungsverein. Haude und Spener / Edition Luisenstadt, Berlin 2003, ISBN 3-89542-111-1 (luise-berlin.deBerlin-Mitte, Oranienburger Straße – Stand 7. Oktober 2009).
  8. Bernd Braumüller: Draeger – Vallette. Zwei Berliner Familien und ihre Nachkommen. Selbstverlag, Rotenburg (Wümme) 2000, S. 295 ff., insbesondere S. 346, 339.