Carl Ludwig Giesecke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Carl Ludwig Giesecke.

Carl Ludwig Giesecke, geboren als Johann Georg Metzler (* 6. April 1761 Augsburg; † 5. März 1833 in Dublin), war ein deutscher Tänzer, Schauspieler, Jurist, Polarforscher und Mineraloge. Nach seinem Studium der Rechte und der Mineralogie in Göttingen von 1781 bis 1784 nahm er den Künstlernamen Carl Ludwig Giesecke an.

Am Johannistag 1788 wurde Giesecke ein Mitglied im Bund der Freimaurer, er war wie Mozart Mitglied der Wiener Loge Zur neugekrönten Hoffnung.[1][2] Ab 1789 arbeitete er als Schauspieler und Bühnenautor am Freihaustheater an der Wieden in Wien unter der Direktion von Emanuel Schikaneder. In der Uraufführung der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart gab er den ersten Sklaven. Laut Julius Cornet behauptete Giesecke im Jahr 1818, der eigentliche Autor des Librettos der Zauberflöte zu sein.[3] Diese Angaben wurden bis heute durch die Mozartforschung weder widerlegt noch bestätigt. Giesecke übersetzte die Mozartopern Le nozze di Figaro (1793) und Così fan tutte (1794) ins Deutsche.

Zwischen 1789 und 1800 schrieb Giesecke mindestens 15 Opernlibretti, die von verschiedenen Wiener Komponisten vertont wurden und an verschiedenen Wiener Bühnen zur Aufführung kamen.

1800 wurde Giesecke Mineralienhändler. 1806 reiste Giesecke im Auftrag der Königlich dänischen Handelsdirektion als Mineraloge nach Grönland. Aufgrund des Ausbruchs der napoleonischen Kriege blieb er mehrere Jahre – bis 1813 – dort. Über diesen Aufenthalt verfasste er später das geologisch-mineralogische Standardwerk Mineralogiske Rejse i Grenland.

1814 erhielt er eine Professur für Mineralogie an der Universität Dublin. Einen Teil seiner Grönland-Sammlungen übereignete er dem österreichischen Staat. Sie ist heute Teil der Bestände des Museums für Völkerkunde in Wien.

Neben Steinen beschrieb Giesecke auch einige der darauf wachsenden Moose und erhielt dafür das botanische AutorenkürzelGiesecke“.

Als Sir Charles Lewis Giesecke starb er am 5. März 1833 in Dublin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Gerold: Karl Ludwig Giesecke. Leben und Wirken. Dissertation Wien 1936.
  • Karl Goedeke, Edmund Goetze: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. 2. Auflage. Ehlermann, Leipzig 1893, Bd. 5. S. 331.
  • Wilhelm von Gümbel, Hyacinth HollandGiesecke, Karl Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 162 f.
  • Gustav Gugitz; Martin Kirchmayer: Giesecke, Karl Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 383 f. (Digitalisat).
  • Gerd Ibler: Karl Ludwig Giesecke (1761 – 1833). Das Leben und Wirken eines frühen europäischen Gelehrten. Protokoll eines merkwürdigen Lebenswerkes In: Mitt. Österr. Miner. Ges. Band 156, 2010 (PDF-Datei; 2,2 MB).
  • G. Ibler: Zur Erinnerung an den frühen Forschungsreisenden und Mineralogen Karl Ludwig Gieseke (1761-1833). Aufschluss 64 (2013), S. 169–191.
  • Knud Johannes Vogelius Steenstrup: Karl Ludwig Giesekes mineralogisches Reisejournal über Grönland 1806–1813. 2. Ausgabe, C. Q. Reitzel, Kopenhagen 1910.
  • A. Whittaker: The travels and travails of Sir Charles Lewis Giesecke. Geological Society, London, Special Publications; 2007; v. 287; p. 149–160 doi:10.1144/SP287.12

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Gerold: Karl Ludwig Giesecke. Leben und Wirken. Dissertation Wien 1936, Seite 28 ff.
  2. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon, Überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1932, München 2003, 951 S., ISBN 3-7766-2161-3
  3. Julius Cornet: Die Oper in Deutschland und das Theater der Neuzeit, Hamburg 1849, S. 24f.