Carl Mosterts
Carl Mosterts (* 28. Oktober 1874 in Goch, Niederrhein; † 25. August 1926 in Lausanne) war Nestor der katholischen Jugendseelsorge und der Jugendverbandsarbeit in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Carl Mosterts war der Sohn des Arztes Wilhelm und seiner Ehefrau Adelheid. 1879 zog die Familie nach Düsseldorf. Dort besuchte er das Königliche Gymnasium Düsseldorf, heute das Görres-Gymnasium und ab 1887 das Internat und Gymnasium Stella Matutina der Jesuiten in Feldkirch, „eine katholische Eliteschule“.[1] Dort trat er der Marianischen Kongregation bei, eine geistliche Erfahrung, die ihn zeitlebens prägte.[2] Da es damals nicht möglich war, an der Stella Matutina das deutsche Abitur erwerben, wechselte er von der „Stella“ – wie viele andere „Stellaner“ auch – zum Großherzoglich Oldenburgischen Gymnasium in Vechta, an dem er im August 1894 das Abitur ablegte.[2] Im gleichen Jahr nahm er in Freiburg das Studium der Katholischen Theologie auf und trat dort der KStV Brisgovia im KV bei, dem er zeitlebens verbunden blieb. Im Folgejahr wechselte er an die Universität Innsbruck. In Innsbruck lebte ein eim Konvikt Canisianum.[2]
Am 24. August 1900 weihte Erzbischof Hubert Simar im Kölner Dom 93 Priesteramtskandidaten, darunter Carl Mosterts, zu Priestern.[3] Nach der Priesterweihe wurde er Kaplan an der Kirche St. Maximilian in Düsseldorf, später an St. Lambertus in Düsseldorf. Hier wurde er bald als ein der Jugend gegenüber aufgeschlossener Priester bekannt, der junge Menschen durch seine lebensfrohe Art begeisterte, ein guter Zuhörer war und zudem auch pädagogisch und organisatorisch begabt. Er hatte ein Gespür dafür, die unterschiedlich die Fragen und Anliegen der Jugendlichen waren.[4]
Seine Pädagogik war die, Vorbild zu sein: „Werden wir selbst die Menschen, die sie werden sollen.“[5] Deshalb stellte Erzbischof Anton Fischer Carl Mosterts für die Jugendseelsorge frei, der dadurch zum ersten hauptamtlichen Jugendseelsorger Deutschlands wurde. Als Subsidiar blieb er der Gemeinde St. Lambertus in Düsseldorf verbunden.
Mosterts beeinflusste die katholische Jugendbewegung in Deutschland maßgeblich. 1907 wurde er zum Generalsekretär des 1896 gegründeten Verbandes katholischer Jugendvereine gewählt.[3] 1913 wurde er zum Generalpräses (dann: Verband der katholischen Jugend- und Jungmännervereine Deutschlands) ernannt. Unter seiner Leitung wuchs der Verband auf 4400 Vereine mit 400.000 Mitgliedern (1926) an. Das von ihm 1922 neben dem Altenberger Dom im Bergischen Land bei Köln als Begegnungsstätte gegründete Haus Altenberg wurde unter seinem Nachfolger Prälat Ludwig Wolker 1926 zum Zentrum der katholischen Jugendbewegung in Deutschland. Es besteht noch heute als Jugendbildungsstätte des Erzbistums Köln.
1920 gründete Mosterts im Rahmen des Katholikentages 1920 den katholischen Sportverband Deutsche Jugendkraft (DJK). Im gleichen Jahr erhielt er den Ehrentitel Monsignore.
Carl Mosterts verstarb am 25. August 1926 im Alter von 51 Jahren während eines Kuraufenthaltes in Lausanne, wo er sich von einer Halsoperation erholte, an den Folgen eines notwendig gewordenen Folgeeingriffes.[6] Auf seinem letzten Weg am 30. August 1926 vom Requiem in der Kirche St. Lambertus zum Düsseldorfer Nordfriedhof begleitete ihn ein sehr langer Trauerzug.
Nachleben und Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sein früher, unerwarteter Tod löste in Deutschland und darüber hinaus Bestürzung aus. „Die katholische Jugend hat in ihm ihren hervorragenden Führer, ihren väterlichen Freund verloren“, schrieb Reichskanzler Wilhelm Marx, der aus seinen Düsseldorfer Jahren Carl Mosterts gut kannte.[7] Die DJK nannte ihren 1928 in Düsseldorf angelegten Sportplatz Carl-Mosterts-Sportplatz und ihr Sportfest mit den Verbandsmeisterschaften zum 10-jährigen Bestehen 1936 in Breslau die Carl-Mosterts-Spiele.[8] Ehemalige Jugendleiter der DJK fanden sich im Carl-Mosterts-Kreis zusammen,[9] der die Zeitschrift Sturm und Steuer herausgab.
In Düsseldorf erinnert der Carl-Mosterts-Platz an ihn, ebenso eine Gedenktafel am Jugendhaus Düsseldorf.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]in der Reihenfolge des Erscheinens
- Franz Josef Wothe: Carl Mosterts. Ein Leben für die Jugend. Butzon & Bercker, Kevelaer 1959.
- W. Stump in Siegfried Koß, Wolfgang Löhr (Hrsg.): Biographisches Lexikon des KV. 2. Teil (= Revocatio historiae. Band 3). SH-Verlag, Schernfeld 1993, ISBN 3-923621-98-1, S. 91–12 (mit weiteren Nachweisen).
- Christoph Kösters: Carl Mosterts (1874–1926). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 8. Aschendorff Verlag, Münster 1997, ISBN 978-3-402-06112-1, S. 9–26 (Digitalisat).
- Klaus Bischops: Mosterts, Carl. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 18. Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 221–222 (deutsche-biographie.de).
Dokumentarfilm
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fußnoten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Christoph Kösters: Carl Mosterts (1874–1926). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 8, Aschendorff, Münster 1997, S. 9–26, hier S. 10.
- 1 2 3 Christoph Kösters: Carl Mosterts (1874–1926). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 8, Aschendorff, Münster 1997, S. 9–26, hier S. 11.
- 1 2 Christoph Kösters: Carl Mosterts (1874–1926). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 8, Aschendorff, Münster 1997, S. 9–26, hier S. 12.
- ↑ Johann Weidinger: Carl Mosterts. In: Theologisch-praktische Quartalschrift, Jg. 108 (1960), S. 332.
- ↑ Zitiert im Dokumentarfilm von Maria Wego: Carl Mosterts – Ein Pionier der katholischen Jugendverbandsarbeit. Ein Porträt über den Weg eines frühen Jugendseelsorgers.
- ↑ Christoph Kösters: Carl Mosterts (1874–1926). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 8, Aschendorff, Münster 1997, S. 9–26, hier S. 24.
- ↑ Zitiert in Christoph Kösters: Carl Mosterts (1874–1926). In: Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher (Hrsg.): Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 8, Aschendorff, Münster 1997, S. 9–26, hier S. 24.
- ↑ Siehe die Festschriften zur Einweihung des Sportplatzes und das Plakat der Carl-Mosterts-Spiele im Archiv des Jugendhauses Düsseldorf.
- ↑ Mark Edward Ruff: The wayward flock. Catholic youth in postwar West Germany, 1945–1965. University of North Carolina Press, Chapel Hill 2005, ISBN 0-8078-2914-5, S. 185.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mosterts, Carl |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher römisch-katholischer Geistlicher; Nestor der katholischen Jugendbewegung |
| GEBURTSDATUM | 28. Oktober 1874 |
| GEBURTSORT | Goch, Königreich Preußen, Deutsches Kaiserreich |
| STERBEDATUM | 25. August 1926 |
| STERBEORT | Lausanne, Kanton Waadt, Schweiz |