Carl Philipp Gütschow

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Carl Philipp Gütschow, Lithographie von Johann Nepomuk Strixner nach einer Vorlage von Joseph Wilhelm Pero (1836)
Familiengrab auf dem Burgtorfriedhof

Carl Philipp Gütschow (* 26. Januar 1794 in Lübeck; † 13. November 1838 ebenda) war ein deutscher Mediziner und erster Arzt der Lübecker Irrenanstalt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Philipp Gütschow war ein Sohn des Lübecker Ratssyndicus Anton Diedrich Gütschow und seiner Ehefrau Christine Margreth, geb. Plessing, Tochter des Lübecker Bürgermeisters Johann Philipp Plessing. Er besuchte das Katharineum zu Lübeck bis Ostern 1814.[1] Nach einer kurzen Zeit als Kriegsfreiwilliger der Hanseatischen Legion begann Gütschow sein Medizinstudium an der Universität Kiel; im April 1815[2] wechselte er an die Universität Göttingen, wo er 1817 zum Dr. med. promoviert wurde. Er wurde 1815 Mitglied des Corps Hannovera Göttingen.[3]

1819 wurde er zum ersten festangestellten Hausarzt der 1788 erbauten Lübecker Irrenanstalt bestellt. Ab 1820 war er gleichzeitig Armenarzt für das Lübecker Jakobi-Quartier. Er reformierte das Irrenhaus grundlegend, machte nicht nur Gefährlichkeit, sondern auch Behandlungsbedürftigkeit zum Kriterium der Aufnahme und führte erstmals eine Beschäftigungstherapie ein. Gütschow war Mitglied des Ärztlichen Vereins zu Lübeck und der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in Lübeck.

Sein Nachfolger wurde Georg Bernhard Eschenburg.

Gütschow war verheiratet mit Johanna Helene geb. Kohpeis (1803–1870)[4] und hatte mit ihr drei Töchter und drei Söhne. Else Gütschow und Margarethe Gütschow waren seine Enkelinnen.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tode des Senators Thomas Johann Heinrich Mann am 13. Oktober 1891 wurden Konsul Fehling und der Weinhändler Tesdorf zu Vormunden seiner fünf hinterlassenen Kinder bestellt.

Thomas Mann war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt. In seinem Roman Die Buddenbrooks, für den er später den Nobelpreis für Literatur erhalten sollte, begegnet Gütschow dem Leser als Dr. Friedrich Grabow.[5]

Grabow ist der Hausarzt der Buddenbrooks und im gleichen Alter wie der Konsul. Sein Standardrezept ist: „ein wenig Taube und Franzbrot, als Kontrast zu den üppigen Gastereien der wohlhabenden Familien“ (I, 7., 40). Er betreut den immer leidenden Christian (VI, 2.) und ist Geburtshelfer bei Gerda Buddenbrooks Entbindung (VII, 1.). Als Hanno hierbei fast gestorben wäre, beklagte, dass der inzwischen alt gewordene Arzt bei Hanno zwar »pavor nocturnus« festgestellt hat, aber keine Therapie kennt (VIII, 3., 510f.). Während der Todeskrankheit der Konsulin Buddenbrook 1871 zieht Grabow einen jungen Kollegen hinzu, Dr. Langhals (IX, 1.).[6]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antiquioris scarlatinae febris historiae adumbratio. Goettingae: typis Friderici Ernesti Huth 1817 (Diss.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Eschenburg (1853–1921): Der Ärzteverein zu Lübeck während der ersten 100 Jahre seines Bestehens 1809–1909, Wiesbaden 1909
  • Friedrich von Rohden: Der Ärztliche Verein zu Lübeck: 150 Jahre ärztlicher Geschichte, 1809–1959, Schmidt-Römhild, Lübeck 1959
  • Friedrich von Rohden: Von alten Lübecker Ärzten in: Der Wagen 1960, S. 83–100
  • Bern Carrière (Hrsg.): Der Ärzteverein zu Lübeck: 175 Jahre seiner Geschichte, 1809–1984, Verlag Ärzteverein, Lübeck 1984
  • Rüdiger Kurowski: Medizinische Vorträge in der Lübecker Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit 1789-1839: eine Patriotische Sozietät während der Aufklärung und Romantik, Schmidt-Römhild, Lübeck 1995
  • Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): Irrenhaus und Heilanstalt Strecknitz in: Lübeck-Lexikon. Schmidt-Römhild Lübeck 2006, ISBN 379507777X
  • Gütschow, Carl Philipp, in: Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon von den Vorläufern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Berlin: Walter de Gruyter 1995 ISBN 9783110961652, S. 493
  • Karl-Heinz Reger, Horst Dilling: Geschichte der Psychiatrie in Lübeck: das 19. Jahrhundert. Lübeck: Schmidt-Römhild 1984 (Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck, Reihe B, Bd. 11)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Genzken: Die Abiturienten des Katharineums zu Lübeck (Gymnasium und Realgymnasium) von Ostern 1807 bis 1907. Borchers, Lübeck 1907. (Beilage zum Schulprogramm 1907) urn:nbn:de:hbz:061:1-305545, Nr. 45
  2. Immatrikulation Göttingen am 14. April 1815
  3. Heinrich Ferdinand Curschmann: Blaubuch des Corps Hannovera zu Göttingen, Band 1: 1809-1899, Göttingen 2002, Nr. 185.
  4. Sie war die Tochter des früh verstorbenen Weinhändlers Christoph Kohpeis; über ihr Sorgerecht hatte es einen Prozess bis vor das Reichskammergericht gegeben, sieh AHL
  5. Buddenbrooks - Klarnamenverzeichnis
  6. Universität des Saarlandes: Literaturlexikon online