Carl Spengler

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Carl Spengler (* 30. Juni 1860 in Davos; † 15. September 1937 ebenda) war ein Schweizer Chirurg und Bakteriologe. Er gilt als der Erfinder der „Immuntherapie nach C. Spengler“, die eine Anwendung von Prinzipien der Homöopathie ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Spengler war der zweite Sohn von Alexander Spengler, Landschaftsarzt von Davos und Begründer der Davoser Höhenkur und des Kurortes Davos. Sein älterer Bruder Lucius Spengler war auch Lungenarzt. Spengler besuchte die Kantonsschule in Trogen. Er studierte Medizin an den Universitäten Zürich, Heidelberg und Strassburg. In Heidelberg wurde er Mitglied des Corps Suevia.[1] Nach dem Staatsexamen 1886 und der Promotion 1887 in Strassburg war er bis 1889 Assistenzarzt an der chirurgischen Universitätsklinik in Zürich. Er war von 1892 bis 1896 Schüler und Assistent von Robert Koch am Preußischen Institut für Infektionskrankheiten in Berlin. Danach war er Leiter des Sanatoriums Alexanderhaus in Davos und betrieb Forschungen zu Tuberkulose und Krebs. Die von ihm entwickelten Immunkörperpräparate erwiesen sich als wirkungsvoll.[2]

Immuntherapie nach C. Spengler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren therapeutische Anwendungen von Mitteln mit Bakterienbestandteilen zur Behandlung von Krebs und anderen Erkrankungen üblich, und es entstanden mehrere Anwendungsrichtungen. Spengler, ein Mitarbeiter von Robert Koch, entwickelte im Laufe seiner Forschungsarbeiten über neue Behandlungsmöglichkeiten der Tuberkulose zunächst ein Mittel, das später Kolloid T (T steht für Tuberkulose) genannt wurde.

Einige der von Spengler eingeführten Mittel („Spenglersane“, „Spengler Kolloide“, „Spenglersan Kolloide“) werden heute in der Alternativmedizin sowohl therapeutisch als auch diagnostisch eingesetzt. Sie werden aus Antigenen und Antitoxinen verschiedener Bakterienstämme hergestellt, die homöopathisch auf D9 oder D13 potenziert wurden. Der Anwendung liegt die Vorstellung zugrunde, dass das Immunsystem gestärkt und die Selbstheilungskräfte gefördert werden. Eine wissenschaftlich belegte Wirksamkeit besitzen die Präparate nicht.

Die Präparate werden als Fertigarzneimittel z. B. unter den Namen Spenglersan® Kolloide, von weiteren Pharmaunternehmen auch unter anderen Namen vermarktet. Die Verabreichung erfolgt perkutan mittels Einreiben auf der Haut, zusätzlich gibt es in der Schweiz Präparate zum Einsprühen in die Nase oder den Rachen.

Der Dr. Spengler Blut-Test (auch Schwarz-Test bzw. Kolloid-Test nach Wolters) ist die Analyse eines Gerinnungsbildes, das nach Vermischen einer geringen Menge Blut eines mit Spenglersan behandelten Patienten und verschiedenen Spenglersan Kolloiden entsteht. Es wird auf Verklumpungen geachtet, die aus alternativmedizinischer Sicht auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen bestimmte Bakterien zurückzuführen seien. Die Eignung des Tests ist nicht bewiesen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Spengler war ein begeisterter Sportler und stiftete den Spengler Cup. Er war eventuell auch der erste der in Davos oder der ganzen Schweiz auf Skiern stand, sein Vater Alexander Spengler bekam 1873 von einem nordischen Patienten ein paar lappländische Jagdskier (heute im Wintersportmuseum Davos) und Carl Spengler versuchte sich mit diesen im Skifahren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claudius Chr. Rauscher: Praxisorientierte Spenglersan Immuntherapie bei Ulcus cruris. Unter Berücksichtigung der Enzymtherapie und Sauerstofftherapie. Urban & Vogel, München 2002, ISBN 3-86094-170-4.
  • Siegfried Rilling: Vom Tuberkulinum zum Immunotherapeutikum, Die Spenglersan-Therapie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1993, ISBN 3-7760-1335-4.
  • Christian Schmid: Der Stifter (des Spengler-Cups). In: Davoser Revue. Jg. 76 (2003), Nr. 4, S. 15.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Armin Danco: Das Gelbbuch des Corps Suevia zu Heidelberg. 3. Auflage (Mitglieder 1810–1985), Heidelberg 1985, Nr. 714.
  2. Peter Bollier: Spengler, Carl. 14. Februar 2012, abgerufen am 29. März 2017.