Carl Thomas Mozart

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Carl Thomas Mozart, Daguerreotypie 1856

Carl Thomas Mozart (* 21. September 1784 in Wien; † 31. Oktober 1858 in Mailand, oft Carl Mozart oder Karl Mozart genannt) war ein österreichischer Staatsbeamter. Er war der zweite Sohn und das ältere der beiden überlebenden Kinder von Wolfgang Amadeus Mozart und Constanze geb. Weber.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Söhne von Wolfgang Amadeus und Constanze Mozart: Carl Thomas (r) und Franz Xaver Mozart (l), Gemälde von 1798

Nach dem Tod seines Vaters brachte seine Mutter Constanze ihn und seinen Bruder Franz Xaver Wolfgang auf das Landgut von Franz Xaver und Josepha Duschek, die Vila Bertramka nahe Prag. Die Erziehung des siebenjährigen Carl wurde dem Gymnasialprofessor Franz Xaver Niemetschek übertragen, der ihm auch Klavierunterricht erteilte. Hier blieb Carl bis 1797. Als Vierzehnjähriger ging er nach Livorno, wo er in einem Handelshaus eine Lehre begann. Er dachte in dieser Zeit daran, einen Handel mit Klavieren zu beginnen. Doch fand er im Handelsstand keine Befriedigung und übersiedelte Ende des Jahres 1805 nach Mailand, um hier Musik zu studieren. Auf Empfehlung von Joseph Haydn unterrichtete ihn der Mailänder Konservatoriums-Direktor und Komponist Bonifazio Asioli.

In den ersten zwei Jahren waren Carls Fortschritte verheißungsvoll, im dritten Studienjahr gab er aber die Musikerlaufbahn auf. Er trat danach als Beamter in den Staatsdienst ein, zunächst als Übersetzer innerhalb der damaligen französischen Verwaltung der Lombardei. Nach deren Eingliederung ins Kaisertum Österreich 1815 wurde er Beamter der Staatsbuchhaltung und führte in Mailand ein bescheidenes Leben. Im August und September 1820 hielt sich sein Bruder Franz Xaver Wolfgang zu Besuch bei ihm auf, 1825 sah er seine Mutter in Mailand, sie ihn wiederum 1836 in Salzburg. Während seiner Beamtentätigkeit war er weiterhin als offizieller Übersetzer für Italienisch für die k.k. Finanzverwaltung tätig.[1] 1842 nahm er an der Enthüllung des Mozart-Denkmals in Salzburg und 1856 ebendort an den Feierlichkeiten zur 100. Wiederkehr des Geburtstages seines Vaters jeweils als Ehrengast teil.

Wie sein Bruder starb Carl Thomas Mozart unvermählt und hinterließ keine Nachkommen. Die direkte Nachkommenschaft Wolfgang Amadeus Mozarts ist demnach Mitte des 19. Jahrhunderts ausgestorben.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Thomas Mozart bemühte sich von seinen jungen Jahren an bis zu seinem Tod, das Andenken seines Vaters zu fördern. Zu Lebzeiten hat Carl dem 1841 gegründeten Mozarteum, aus dem später die Internationale Stiftung Mozarteum hervorging, bereits den Flügel seines Vaters vermacht, er beschenkte die Institution mit einem ansehnlichen Geldbetrag, überschrieb ihr Noten und Bücher. Seine Korrespondenz, die in großen Teilen in den Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum veröffentlicht wurde, stellt eine bedeutende Quelle zur Familiengeschichte der Mozarts und der Mozart-Rezeption in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar.

Briefausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mozarteums-Mitteilungen 1–3 (1918–1921)
  • Rudolph Angermüller: Mozartiana aus der Sammlung Hans Wertitsch, in: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum 34 (1986), S. 65–83
  • Rudolph Angermüller: Zwei ungedruckte Briefe Carl Mozarts, in: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum 38 (1990), S. 145f.
  • Rudolph Angermüller: Ein ungedruckter Brief Carl Mozarts, in: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum 43 (1995), Heft 1–2, S. 88–90

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Constantin von Wurzbach: Mozart, Wolfgang Amadeus (Sohn). In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 19. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1868, S. 294 f. (Digitalisat). (im Artikel seines Bruders)
  • Johann Evangelist Engl: Die den Vater überlebenden Söhne Carl und Wolfgang und die übrigen Kinder W. A. Mozarts, in: Jahresbericht der Internationalen Stiftung Mozarteum 13 (1893), S. 38–51
  • Gregor Gatscher-Riedl: „Er könnte kein bessers Ort haben“. Wolfgang Amadeus Mozarts Sohn Karl in Perchtoldsdorf. In: Heimatkundliche Beilage [zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft Mödling], 41. Jgg., F. 1, (Mödling 5. Dezember 2006), S. 3f.
  • Walter Hummel: W. A. Mozarts Söhne. Bärenreiter, Kassel 1956
  • Alfred Engelmann: Das Leben Carl Mozarts in Mailand, in: Genealogie. Deutsche Zeitschrift für Familienkunde 40 (1991), S. 661–667
  • William Stafford: Artikel Carl Thomas Mozart, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2. Edition, Band 17. Macmillan, London 2002, ISBN 0-333-60800-3, S. 348
  • Rainer J. Schwob: Artikel Mozart, Carl Thomas, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Neuausgabe, Personenteil Band 12. Bärenreiter, Kassel 2004, ISBN 3-7618-1110-1, Sp. 758
  • Michael Lorenz: Carl Thomas Mozart's Original Baptismal Entry, Wien 2013
  • Till Reininghaus: Der Dommusikverein und Mozarteum in Salzburg und die Mozart-Familie. Die Geschichte einer musikalischen Institution in den Jahren 1841 bis 1860 vor dem Hintergrund der Mozart-Pflege und der Sammlung von Mozartiana (= Beiträge zur Mozart-Dokumentation 2). Carus, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-89948-315-4.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Lorenz: "An Unknown Mozart Work", Wien 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carl Thomas Mozart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien