Carl von Weinberg

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Carl von Weinberg um 1900

Carl von Weinberg (* 14. September 1861 in Frankfurt am Main; † 14. März 1943 bei Florenz) war ein deutscher Kaufmann, Unternehmer, Stifter und sozial engagierter Bürger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morgenausritt mit Bruder Arthur von Weinberg
Arthur von Weinberg (Cassella) Carl Müller (BASF) Edmund ter Meer (WEILER-ter MEER) Adolf Haeuser (HOECHST) Franz Oppenheim (AGFA) Theodor Plieninger (GRIESHEIM-ELEKTRON) Ernst von Simson (AGFA) Carl Bosch, Vorstandsvorsitzender (BASF) Walther vom Rath (HOECHST) Wilhelm Ferdinand Kalle (KALLE) Carl von Weinberg (CASELLA) Carl Duisberg, Aufsichtsratsvorsitzender (BAYER)
Der Aufsichtsrat der 1925 gegründeten I.G. Farben AG, unter anderem mit Carl Bosch und Carl Duisberg (beide vorne sitzend)
Büste Weinbergs am Eingang des gleichnamigen Spielparks in Niederrad
Kreuz aus der Hauskapelle der Villa Waldfried
Brunnen der zerstörten Villa Waldfried

Carl und sein ein Jahr älterer Bruder Arthur von Weinberg entstammten einer jüdischen Kaufmannsfamilie, 1880 ließen sich beide evangelisch taufen.[1] Carl absolvierte eine kaufmännische Lehre und wurde 1882 mit 21 Jahren wie sein Bruder Teilhaber der Leopold Cassella & Co., die 1894 mit der von seinem Onkel Leo Gans gegründeten Frankfurter Anilinfarbenfabrik fusionierte und in der Folgezeit als Cassella Farbwerke Mainkur zu Weltruhm in der Herstellung synthetischer Farbstoffe gelangte.

In Niederrad hatte er sich 1898 zusammen mit seiner 1866 in Plymouth geborenen englischen Frau May (Ethel Mary Villers Forbes aus dem Hause der irischen Earls of Granard)[2] die Villa Waldfried im englischen Landhausstil von den Architekten Otto Bäppler und Aage von Kauffmann erbauen lassen. Dieses riesige Anwesen umfasste um die 100 Zimmer. Es bot Platz für die über 700 Objekte umfassende bedeutende Kunstsammlung des Ehepaars. Ein Jahr vor dem Einzug wurde 1897 die ersehnte Tochter Wera geboren († 9. April 1943 in London), die später Richard von Szilvinyi heiratete. Ehefrau May von Weinberg machte sich in Frankfurt als Stifterin einen Namen. Für die katholische May wurde in dem Haus eine Kapelle eingerichtet. In der Hauskapelle feierte später der Niederräder Kaplan Georg Nilges den Sonntagsgottesdienst. Für die Niederräder Pfarrei Mutter vom Guten Rat stiftete Carl von Weinberg einen namhaften Betrag zum Neubau der Kirche.[3] Der italienische Renaissance-Brunnen (Florentiner Brunnen) des bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses steht seit 1952 im Garten des Nebbienschen Gartenhauses, eines Künstlertreffs in der Bockenheimer Anlage in der Frankfurter Innenstadt. Im Jahre 1908 wurde der Familie der Adelstitel verliehen.

1919 war Carl von Weinberg Mitglied der deutschen Delegation bei den Versailler Friedensverhandlungen. 1924 nahm er an den Verhandlungen über die deutschen Reparationen in London teil, die den Dawes-Plan zur Folge hatte. 1925 führten die Brüder Weinberg die Cassella in die Fusion zur I.G. Farbenindustrie AG, in der sie beide als Aufsichts- und Verwaltungsrat­smitglieder mitwirkten.

Zusammen mit seinem Bruder gab er diversen Institutionen (unter anderem der Universität Frankfurt) zahlreiche finanzielle Zuwendungen. 1921 wurde in Schwanheim mit seiner Unterstützung die nach ihm benannte Carl von Weinberg-Schule errichtet. Auch die Gründung des Frankfurter Polo Clubs im Jahr 1913 und die Poloanlage gehen auf seine Initiative zurück. Ebenfalls gründete er das Gestüt Waldfried, das weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt wurde.

1937 verstarb seine Frau May. Sie wurde in der Weinbergkapelle der Niederräder Kirche "Mutter vom Guten Rat" beigesetzt. Große Teile Ihres Nachlasses gingen an diese Kirchengemeinde, einige Teile erhielt der ehemalige Niederräder Kaplan Georg Nilges, der seit 1929 Pfarrer in der neu gebauten Heilig-Kreuz-Kirche in Frankfurt-Bornheim in der Siedlung Bornheimer Hang war. Dort befindet sich auch heute noch ein 183 × 138 cm großes hölzernes Kruzifix in dem Vorraum der Krypta des Meditationszentrums des Bistums Limburg. Vermutlich stammt es ursprünglich aus dem alpenländischen Raum des 17. oder 18. Jahrhunderts. Dort gelangte es in den Besitz der Familie von Weinberg, da diese in Kärnten ein Jagdhaus in Oberdrauburg besaß.[3]

Verfolgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden die Brüder Weinberg aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt. Carl von Weinberg wurde gezwungen, seine Ämter in der Wirtschaft aufzugeben. Sowohl die Schule als auch die Carl-von-Weinberg-Straße wurden umbenannt. Die Namenspatronatschaft für die Buchenrodestraße, die nach Arthur von Weinbergs Villa „Buchenrode“ benannt war, und die Waldfriedstraße, benannt nach dem Gestüt der Familie Weinberg, wurde aufgehoben.

Nach den Novemberpogromen 1938 musste er seine Villa Waldfried zusammen mit seiner bedeutenden Kunstsammlung für einen Bruchteil ihres Wertes an die Stadt verkaufen. Der Frankfurter Künstlerin Lina von Schauroth, einer engen Freundin der von Weinbergs, gelang es, die vier von ihr geschaffenen Glasfenster der Privatkapelle der Villa Waldfried nach der Flucht des Hausherrn in Sicherheit zu bringen. Während des Krieges wurden sie im Limburger Dommuseum aufbewahrt und 1951 auf Veranlassung der Evangelischen Synode in das Schiff der Alten Nikolaikirche auf dem Frankfurter Römerberg eingebaut. Auf dem Fenster «Aufsteigender Christus» an der Westseite findet sich die Widmung: «Die Glasfenster stammen aus der Kapelle in Waldfried. Carl v. Weinberg hat sie zum Andenken an seine Gattin May geb. Forbes gestiftet.»[4]

Nach der Enteignung seines Vermögens ging der seit 1937 verwitwete Carl von Weinberg ins Exil zu seiner verheirateten Schwester nach Italien. Am 14. März 1943 starb er in der Nähe von Florenz, sechs Tage, bevor sein Bruder Arthur im KZ Theresienstadt an den Folgen einer Operation verstarb. Carl von Weinberg wurde auf dem Bergfriedhof von Chiusi im Grabmal der Familie seiner Schwester beigesetzt, die mit dem Conté Paolozzi aus Chiusi verheiratet war.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1927 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Universität Frankfurt ausgezeichnet,
  • 1928 erhielt er die silberne Plakette der Stadt Frankfurt verliehen.

Nach 1945 wurden alle Namensänderungen rückgängig gemacht. Neben der Carl-von-Weinberg-Schule und der Carl-von-Weinberg-Straße im Frankfurter Westend erinnert in Frankfurt-Niederrad eine Parkanlage mit seiner Büste auf dem Gelände der ehemaligen Villa Waldfried an den Mäzen und Unterstützer Frankfurts.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carl von Weinberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kai Drewes: Jüdischer Adel. Nobilitierungen von Juden im Europa des 19. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 2013, ISBN 3-593-39775-7, S. 394, Anm. 36.
  2. In memoriam May von Weinberg - geb. Ethel Mary Villers Forbes aus dem Hause des Earl of Granard Plymouth 1866 – Frankfurt/M 1937. In: Homepage. Lüder H. Niemeyer Kunsthandels-Kaufmann seit 1959, 24. Februar 2014, abgerufen am 21. Februar 2015.
  3. a b Hermann Gille, P. Helmut Schlegel: Katholische Heilig-Kreuz-Kirche Frankfurt-Bornheim. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-6808-8.
  4. Lina v. Schauroth. 1984, S. 10.