Carlo Masala

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Carlo-Antonio Masala (* 27. März 1968 in Köln, Betonung: Másala[1]) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Professor für Internationale Politik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr München.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Masala wurde als Kind einer österreichischen Verkäuferin und eines italienischen Gastarbeiters geboren,[2] der zunächst in Dortmund im Bergbau, später in Köln bei Felten & Guilleaume arbeitete. In Italien hatte er für die Sozialdemokraten für ein Bürgermeisteramt kandidiert.

Masala wuchs in Köln-Chorweiler auf und lebte als Kind einige Jahre in Sardinien,[1] bis zu seinem 29. Lebensjahr hatte er die italienische Staatsbürgerschaft.[3]

Von 1988 bis 1992 studierte er Politikwissenschaft sowie Deutsche und Romanische Philologie an der Universität zu Köln (M. A. 1992) und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. In Köln arbeitete er anschließend zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später Akademischer Rat. Im Jahr 1996 wurde er bei Werner Link am dortigen Institut für Politische Wissenschaften und Europäische Fragen mit einer Dissertation über die deutsch-italienischen Beziehungen zum Dr. phil. promoviert. Ein Jahr später wurde er Senior Fellow am dortigen Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI). 2002 habilitierte er sich im Fach Politische Wissenschaft über die Südbedrohung der europäischen Sicherheit.[4]

Ein Jahr später übernahm er eine Lehrstuhl-Vertretung am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ab 2004 arbeitete er als Research Advisor am NATO Defense College in Rom. Von 2006 bis 2007 war er dort Deputy Director in der Academic Research Branch. Seit Juli 2007 ist er Inhaber der Professur für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München. 2011 wurde er Dekan der Fakultät Staats- und Sozialwissenschaften. 2016 lehnte er einen Ruf an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ab. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten Masala in die Vereinigten Staaten und verschiedene europäische Länder.[4] Er gilt als Neorealist und forscht schwerpunktmäßig in den Bereichen der Internationale Politik/Außenpolitik, Vergleichende Regierungslehre, Sicherheitspolitik, transatlantische Beziehungen und aktuelle Entwicklungen im Mittelmeerraum.

Masala ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (von 2015 bis 2017 als Vorsitzender) und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Er gehört außerdem seit 2009 dem wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft für den gesellschaftswissenschaftlichen Anteil der Sicherheitsforschung an. Von 2010 bis 2014 gab er gemeinsam mit Stephan Stetter die Zeitschrift für Internationale Beziehungen heraus; außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift für Politik sowie von Sirius. Zeitschrift für Strategische Analysen.

Seit Juli 2018 diskutiert Masala zusammen mit Thomas Wiegold (Blog augengeradeaus.net), Frank Sauer (Universität der Bundeswehr München) und Ulrike Franke (European Council on Foreign Relations) im deutschsprachigen Podcast Sicherheitshalber über Fragen der Sicherheitspolitik.[5][6] Seit März 2022 ist er im Stern-Podcast Ukraine – die Lage zum russischen Überfall auf die Ukraine zu hören.[7]

Masala leitet das Metis-Institut für Strategie und Vorausschau an der Universität der Bundeswehr München. Es bietet dem Bundesministerium der Verteidigung Beratungsleistungen an.[8] Außerdem ist Masala seit Oktober 2020 Projektleiter des Kompetenzzentrum Krisenfrüherkennung an der Universität der Bundeswehr in München, ein Forschungsprojekt, das frühzeitige Identifikation krisenhafter Entwicklungen auf der ganzen Welt ermöglichen soll.[9]

Masala lebt in Leipzig.[3]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Italia und Germania: Die deutsch-italienischen Beziehungen 1963–1969 (= Kölner Arbeiten zur internationalen Politik. Bd. 7). SH-Verlag, Vierow bei Greifswald 1997, ISBN 3-89498-041-9.
  • mit Ralf Roloff (Hrsg.): Herausforderungen der Realpolitik: Beiträge zur Theoriedebatte in der internationalen Politik (= Kölner Arbeiten zur internationalen Politik. Bd. 8). SH-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-89498-048-6.
  • mit Andreas Jacobs (Hrsg.): Hannibal ante portas?: Analysen zur Sicherheit an der Südflanke Europas (= Aktuelle Materialien zur internationalen Politik. Bd. 61). Nomos, Baden-Baden 2000, ISBN 3-7890-6847-0.
  • (Hrsg.): Der Mittelmeerraum – Brücke oder Grenze? (= Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung. Bd. 48). Nomos, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-7780-1.
  • Den Blick nach Süden? Die NATO im Mittelmeerraum (1990–2003). Fallstudie zur Anpassung militärischer Allianzen an neue sicherheitspolitische Rahmenbedingungen (= Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung. Bd. 57). Nomos, Baden-Baden 2003, ISBN 3-8329-0371-2.
  • Kenneth N. Waltz: Einführung in seine Theorie und Auseinandersetzung mit seinen Kritikern. Mit einem Vorwort von John J. Mearsheimer und einem Nachwort von Kenneth N. Waltz. Nomos, Baden-Baden 2005, ISBN 3-8329-1066-2.
  • mit Frank Sauer, Andreas Wilhelm (Hrsg.): Handbuch der internationalen Politik. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-14352-1.
  • mit Stephan Stetter, Marina Karbowski (Hrsg.): Mit Sicherheit unsicher? Debatten zu Krieg und Frieden in den internationalen Beziehungen (= ZIB-Reader. 02). Nomos, Baden-Baden 2014, ISBN 978-3-8487-0970-0.
  • Weltunordnung. Die globalen Krisen und das Versagen des Westens. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage, C.H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-72023-9 (Erste Auflage 2016, ISBN 978-3-406-69918-4).
  • mit Frank Sauer (Hrsg.): Handbuch internationale Beziehungen. 2. Auflage, Springer VS, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-531-19917-7.
  • mit Torsten Albrecht, Konstantinos Tsetsos: Das Wesen von Seemacht: die internationalen Beziehungen im maritimen Umfeld des 20. und 21. Jahrhunderts. ZMSBw, Potsdam 2021, ISBN 978-3-941571-43-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Militärexperte Carlo Masala über Neorealismus - Folge 591. In: Jung & Naiv. 5. September 2022, abgerufen am 6. September 2022 (deutsch).
  2. Anna-Lena Scholz: Politikwissenschaft: Der Realist. In: Die Zeit vom 17. März 2022, S. 31.
  3. a b Frédéric Schwilden: „Unsere Demokratie fällt nicht, wenn die Ukraine fällt“. Podcast mit Carlo Masala. In: welt.de. 20. Mai 2022, abgerufen am 8. September 2022 (ca. 50 Minuten).
  4. a b Prof. Dr. Carlo Masala. Abgerufen am 25. April 2022.
  5. Thomas Wiegold: Sicherheitshalber: Sicherheitspolitik für die Ohren – ein Podcast auf Deutsch. In: augengeradeaus.net. 19. Juli 2018, abgerufen am 14. November 2019.
  6. Sicherheitshalber. In: Soundcloud. Abgerufen am 14. November 2019.
  7. DWDL de GmbH: Neues Radio-Vollprogramm für NRW, Audiothek-Soap gestartet. Abgerufen am 16. März 2022 (englisch).
  8. Das Metis-Institut. In: bmvg.de. 21. April 2021, abgerufen am 28. Februar 2022.
  9. Die Universitätsforschung für den Blick in die Zukunft. Abgerufen am 25. April 2022.