Carly Fiorina

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Carly Fiorina (2015)
Fiorinas Unterschrift

Cara Carleton „Carly“ Fiorina[1][2] (* 6. September 1954 in Austin, Texas als Cara Carleton Sneed) ist eine US-amerikanische Politikerin und frühere Managerin. Von 1999 bis 2005 war sie Chief Executive Officer des US-amerikanischen Technologieunternehmens Hewlett-Packard. Sie kandidierte 2010 als republikanische Herausforderin erfolglos um den Sitz von Senatorin Barbara Boxer aus Kalifornien. Ebenfalls ohne Erfolg trat sie als Kandidatin in der Vorwahl der Republikanischen Partei für die US‑Präsidentschaftswahl 2016 an.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiorina besuchte die Stanford University und machte ihren Bachelor in Mediävistik und Philosophie. An der University of California, Los Angeles, nahm sie ein Jura-Studium auf, brach dies jedoch nach einem Semester ab. Anschließend studierte sie Wirtschaftswissenschaften an der University of Maryland und erhielt den MBA. Später unterbrach sie ihre Karriere, um ein einjähriges Managementstudium an der MIT Sloan School of Management zu absolvieren.

Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiorina begann ihre Managementlaufbahn im Vertrieb von AT&T/Longlines und wechselte später zu AT&T/Network Systems, aus dem nach der Zerschlagung von AT&T das eigenständige Unternehmen Lucent Technologies hervorging.

Fiorina als CEO von HP (2004)

Im Juli 1999 trat Fiorina die Stelle des CEO von Hewlett-Packard an und übernahm im Januar 2000 auch den Vorsitz des Verwaltungsrats. Ihre Wahl wurde in der Presse als überraschend kommentiert, da sie als Outsiderin angeblich nicht über ausreichende Branchenkenntnis verfüge. Fiorina sah ihre Hauptaufgabe in der Zentralisierung, Konsolidierung und Verkaufsorientierung des dezentralen und von einer Ingenieurskultur geprägten Unternehmens. Um auf dem PC- und Servermarkt die Marktführerschaft zu gewinnen, führte sie im Jahr 2002 die Fusion zwischen Hewlett-Packard und Compaq durch, die in der Branche auf Ablehnung stieß und die Börsenkurse beider Unternehmen kurzzeitig stark fallen ließ.[3]

In ihrer Zeit bei Hewlett-Packard blieb Fiorina umstritten, trotz ihrer Erfolge in der Umsatzsteigerung und der finanziellen Konsolidierung des Unternehmens. Ihr wurden unter anderem mangelnde Branchenkenntnis sowie weitreichende Entlassungen vorgeworfen (bis Ende 2003 verloren 15.000 Mitarbeiter ihre Stelle).[4] Managementexperten vergleichen ihre Leistung bei Hewlett-Packard dagegen mit Lou Gerstners Turnaround von IBM. Von 2000 bis 2005 wurde Fiorina vom US-Wirtschaftsmagazin Fortune sechs Jahre in Folge zur mächtigsten Frau in der Wirtschaft gekürt.

Nach internen Auseinandersetzungen mit dem Verwaltungsrat von Hewlett-Packard über die Weitergabe vertraulicher Informationen an die Presse entließ dieser Fiorina am 9. Februar 2005 ohne Angabe von Gründen. Ihre Abfindung belief sich auf insgesamt mehr als 21 Millionen US-Dollar.[5]

Im Herbst 2006 veröffentlichte sie ihre Autobiografie unter dem Titel Tough Choices (wört. „Schwierige Entscheidungen“, Titel der deutschen Ausgabe: Mit harten Bandagen).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fiorina ist Mitglied der Republikanischen Partei. Sie war 2003 Teil einer Gruppe, die den kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger bei der Zusammenstellung seiner Regierung beriet. Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 unterstützte sie John McCain. Im August 2009 verkündete sie ihr Interesse an einer Kandidatur zur Wahl des kalifornischen Vertreters im US-Senat[6] und im November dann ihre Kandidatur.[7] Am 8. Juni 2010 wurde sie mit 56,5 % der abgegebenen Stimmen zur republikanischen Herausforderin der demokratischen Senatorin Barbara Boxer gewählt,[8] gegen die sie im November desselben Jahres dann mit 43,3 % der Wählerstimmen verlor.[9] Anfang Mai 2015 gab sie ihre Präsidentschaftskandidatur bekannt.[10][11] Aufgrund schlechter Ergebnisse bei den beiden ersten Vorwahlen zog Fiorina am 10. Februar 2016 ihre Bewerbung zurück.[12]

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz nominierte Fiorina im Präsidentschaftswahlkampf 2016 am 28. April 2016 als Running Mate und Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin. Dies ist jedoch in Wahlkämpfen eher unüblich, da Kandidaten ihre Anwärter auf das Vizepräsidentenamt regelfalls erst dann verkünden, wenn sie selbst als Kandidat bereits feststehen.[13] Nach seinem schlechten Abschneiden bei der Primary in Indiana am 3. Mai 2016 gab er jedoch die Kandidatur auf.[14]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carly Fiorina: Tough Choices. A Memoir. Portfolio, New York 2006, ISBN 1-59184-133-X.
  • Carly Fiorina: Mit harten Bandagen. Die Autobiografie. Campus, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-593-38274-1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • George Anders: Perfect Enough. Carly Fiorina and the Reinvention of Hewlett-Packard. Portfolio, New York 2003, ISBN 1-59184-003-1.
  • Carleton S. Fiorina, in: Internationales Biographisches Archiv 10/2005 vom 12. März 2005, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Quellennachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 5 Interesting Facts About Carly Fiorina, abgerufen am 20. September 2015
  2. Biographie auf infoplease.com, abgerufen am 20. September 2015
  3. Thomas Fischermann: High-Tech auf unterstem Niveau. In: Die Zeit, Nr. 12/2002, S. 29
  4. Brad King und Michelle Delio: HP-Beschäftigte feiern Ablösung von Fiorina. Technology Review, Februar 2005
  5. zzgl. Aktienoptionen: Fiorina Exiting Hewlett-Packard With More Than $42 Million – NZT 2005
  6. Carly Fiorina Begins Formal Process Of Exploring Bid For U.S. Senate (Pressemitteilung vom 18. August 2009)
  7. Carly Fiorina Announces Run For United States Senate (Pressemitteilung vom 4. November 2009)
  8. Election Results (Memento vom 12. August 2010 im Internet Archive) (California Secretary of State)
  9. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ehemalige-IT-Chefinnen-verlieren-bei-US-Wahlen-1129671.html
  10. http://abcnews.go.com/Politics/carly-fiorina-announces-presidential-bid-best-person-job/story?id=30782696
  11. Carly Fiorina: Top-Managerin will US-Präsidentin werden. In: Spiegel Online. 4. Mai 2015, abgerufen am 13. Juli 2015 (Meldung zur Präsidentschaftswahl 2016).
  12. US-Republikaner: Christie und Fiorina geben auf.. Spiegel Online, 10. Februar 2016, abgerufen am gleichen Tage
  13. U US-Vorwahlen: Ted Cruz stellt Carly Fiorina als mögliche Vizepräsidentin vor. Spiegel Online, 28. April 2016, abgerufen am gleichen Tage
  14. Jonathan Martin, Patrick Healy: Donald Trump All but Clinches Nomination With Indiana Win; Cruz Quits. In: The New York Times, 3. Mai 2016 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carly Fiorina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien