Carmen Thomas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Carmen Thomas (* 7. Mai 1946 in Düsseldorf) ist eine deutsche Journalistin, Autorin und Dozentin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sendung Hallo Ü-Wagen am 29. Juli 1982

Bereits während ihres Studiums der Germanistik, Anglistik und Pädagogik an der Universität Köln arbeitete sie ab 1968 zunächst als Moderatorin, dann als freie Reporterin, später als festangestellte Redakteurin und Programmgruppenleiterin für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln. Dort sammelte sie 1968 im Alter von 21 Jahren erste Moderationserfahrung im WDR-Morgenmagazin, bei dem sie bis 1974 mitwirkte. Von 1969 bis 1971 war sie Fernsehreporterin bei der Nachrichtensendung Hier und Heute.[1] 1972 moderierte sie als erste weibliche Moderatorin das TV-Tages-Magazin und bekam dadurch als erste deutsche Reporterin einen Jahresvertrag bei der BBC für die Sendung Midweek.[2] Mit dem „aktuellen Sportstudio“ im ZDF wurde sie erste Sport-Moderatorin im deutschen Fernsehen. Zwischen 1974 und 1994 moderierte sie als Redaktionsleiterin und Moderatorin mit Hallo Ü-Wagen die erste Mitmach-Sendung im Rundfunk, in der sie 20 Jahre lang wöchentlich Menschen zu vom Publikum angeregten Alltags- und Tabuthemen mit ExpertInnenen und Publikum live interviewte. Ab 1976 entwickelte sie eine der ersten Selbsthilfegruppen Deutschlands.[3]

1989 erweiterte der WDR sein Organigramm um die Programmgruppe Forum für Mitmach-Sendungen, deren Chefin Carmen Thomas dann fast 10 Jahre lang war.[4] Von 1990 bis zu ihrem Ausscheiden 2006 war sie WDR-Programmgruppenleiterin. Das Wirtschaftsmagazin Forbes zählte sie 1990 zu den 100 einflussreichsten Frauen Deutschlands.[5]

Carmen Thomas lehrte 13 Jahre lang an Universitäten und coacht seit 1980 Menschen in der Wirtschaft, der Politik und in den Medien. Seit 2001 ist sie geschäftsführende Direktorin der 1. ModerationsAkademie für Medien + Wirtschaft Carmen Thomas in Engelskirchen.

Sportstudio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Februar 1973 moderierte sie als erste Frau überhaupt eine Sportsendung im deutschen Fernsehen: Das aktuelle Sportstudio im ZDF. Vor ihrer zweiten Sendung hatte die Bild am Sonntag bereits einen Verriss dieser Sendung geschrieben. Um das publik zu machen, las Thomas diese kalt geschriebene Kritik der Live-Sendung in dieser selbst vor: „Sie brauchen heute nicht zu gucken, weil eine große deutsche Zeitung schon weiß, wie ich heute sein werde.“ – Die Ausgabe der Bild am Sonntag mit einem Kommentar zu ihrer Sendung war bereits vor Sendebeginn am Kiosk zu kaufen.

Landesweite Reaktionen rief ein halbes Jahr später, am 21. Juli 1973, ihr Versprecher „FC Schalke 05 gegen – jetzt hab ich’s vergessen – Standard Lüttich“ hervor. Die Bild-Zeitung brachte die Geschichte erst 18 Tage später auf der Seite 1 und behauptete, sie sei entlassen.

Obwohl oft zu lesen ist, der „Schalke 05“-Versprecher habe ihre Karriere beim Sportstudio beendet, moderierte sie das Sportstudio noch 1½ Jahre weiter. Sie erklagte aber – wie viele Kollegen in dieser Zeit – eine Festanstellung beim WDR, da sie zu oft als freie Mitarbeiterin eingesetzt worden war, und gab daraufhin Das aktuelle Sportstudio auf.

Im Mai 2006 erklärte Thomas in der ZDF-Sendung Nachtstudio, dass die Bild-Kampagne gegen sie in Wahrheit auf den damaligen ZDF-Sportchef Hanns Joachim Friedrichs abzielte, der als Politikredakteur, dazu SPD-nah, gegen interne Widerstände neuer Hauptabteilungsleiter Sport geworden sei. Er habe sich zum Ziel gesetzt, „Sport und Fußball mit mehr Qualität und Niveau“ mit Unterstützung von anderen als reinen Sportmoderatoren medial aufzubereiten. Daraufhin sei mit Hilfe der Bild-Zeitung der interne Widerstand nach außen getragen worden. Sie sei dabei nur stellvertretend Zielscheibe gewesen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas veröffentlichte 15 Bücher, darunter 1993 ihr erfolgreichstes Buch Ein ganz besonderer Saft – Urin über Urin in der Landwirtschaft, im Handwerk, im Haushalt und als Eigenharnbehandlung, das 2013 als Jubiläumsausgabe mit den neuen Informationen[6] erschien, dass Astronauten der ISS ihren Urin trinken, Roboteringenieure der Universität in Bristol Handystrom aus Urin erzeugen, nigerianische Schülerinnen einen Generator zum Betreiben von Glühbirnen bauten, die Universität Berkeley in Kalifornien für urinbetriebene Batterien eine Auszeichnung erhielt und chinesische Nanotechnologen bei der BBC mit einem wissenschaftlichen Artikel zitiert werden, der vom erfolgreichen Zähnezüchten aus Urin berichtet. Ein weiterer Bestseller, Berührungsängste? Vom Umgang mit der Leiche, erschien 1994. Zehn der Bücher befassen sich mit der praktischen Kommunikation mit sich selbst und mit anderen.

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carmen Thomas ist u. a. Mitglied des Bürgerkomitees alternative Ehrenbürgerschaft, das in Köln die "alternative Ehrenbürgerschaft" vergibt.[7]
  • Sie ist seit 2000 Mitglied der Jury des Juliane-Bartel-Medienpreises der niedersächsischen Landesregierung
  • Sie ist seit 1996 Ehrenmitglied des Axel-Springer-Preises für junge Journalisten
  • seit 2004 Jury-Mitglied der RWTH-Preises Wissenschaftsjournalismus
  • seit 2009 Beiratsmitglied Forschungsorientierte Gleichstellung der Technischen Universität Darmstadt
  • Jurymitglied Förderpreis Inklusion Arbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrie e. V.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zehn Jahre „Hallo Ü-Wagen“: Viel Erfolg durch viel Gefühl. In: Die Zeit, Nr. 50/1984
  2. Schalke 05 – Wie ein Versprecher zur Berühmtheit verhalf. general-anzeiger-bonn.de, 2. Februar 2013
  3. Organisierte Selbsthilfe (Teil 2). webwecker-bielefeld.de, 16. November 2005
  4. Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich, Stefan Schaal: Frauen führen! Erfolgsgeschichten aus der NRW-Wirtschaft. (PDF; 91 kB), 2012, S. 160–161.
  5. Die 100 einflussreichsten Frauen Deutschlands. In: Forbes, 8. August 1990
  6. focus.de
  7. Günter Demnig ist der zweite Alternative Kölner Ehrenbürger. report-k.de, 20. August 2006